Aspekte der Lehrer-Schüler-Beziehung


Hausarbeit, 2000
29 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kapitel: Abriss über die traditionelle Beziehung zwischen Lehrer und Schüler
1.1 Aspekte der traditionellen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler
1.2 Die Rolle von Lehrer und Schüler
1.2.2 Aspekte der Rolle des Lehrers
1.2.3 Aspekte der Rolle des Schülers 1ß

2. Kapitel Aspekte der Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler
2.1 Definition des Begriffs Haltung
2.2 Die Auswirkungen der Rollen auf die Haltung
2.3 Die Auswirkungen der Haltung auf die Kommunikation

3. Kapitel Der Weg der offenen Kommunikation in der Schule

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

In unserer Gesellschaft gibt es neben der elterlichen Erziehung der Kinder, eine weitere sehr wichtige Institution, die in Hinsicht auf das Heranwachsen und die Orientierung von Kindern einen erheblichen Einfluss besitzt. Die Sprache ist von der Schule. In der Öffentlichkeit herrscht zumeist immer noch die Überzeugung, dass die Schule nur zur reinen Wissensvermittlung bzw. für die Bildung zuständig ist. Dass dem aber nicht so ist, wird ersichtlich, wenn man einmal die Reaktionen der Kinder bezüglich der Schule betrachtet. Schule ist für Kinder und Jugendliche ein großes Stück Lebenswelt. Diese Lebenswelt wirkt sich nun natürlich auch auf die psychische Realität der Schüler aus, was dann wiederum die soziale Komponente beeinflusst. Schule ist ähnlich der Familie ein Ort, an dem Heranwachsende soziale und psychische Fähigkeiten einüben, erweitern oder auch verfestigen. Dies geschieht im positiven wie auch im negativen Sinne. So kann ein schon mit Selbstwert „ausgestattetes“ Kind durch weitere verstärkende Erlebnisse in der Schule, sein Selbstwertgefühl weiter entwickeln; ein anderes Kind verliert vielleicht an Selbstwert.

Sicherlich ist es allgemein bekannt und auch anerkannt, dass die primäre Sozialisation, d.h. im allgemeinen das Aufwachsen im Elternhaus, die Basis für die weitere Entwicklung eines Menschen ist. Die Schule stellt aber dennoch einen wichtigen Teil im Leben eines Kindes dar. Denn bedenkt man, dass die Schule der Ort ist, an dem das Kind zum ersten Mal, abgesehen vom Kindergarten, fern von der familiären Umgebung mit anderen Menschen in Kontakt tritt, so können wir dies nicht wichtig genug nehmen. Hauptsächlich treten die Kinder untereinander in Kontakt, aber auch die Lehrperson nimmt einen sehr wichtigen Platz ein. Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass ein Lehrer in erheblichem Maße das Selbstbild der Kinder beeinflussen kann. Aber auch die Art und Weise wie Kinder Erwachsene sehen wird durch den Lehrer mitgestaltet. - An dieser Stelle möchte ich noch mal betonen, dass natürlich die primäre Sozialisation bis zum Eintritt in die Schule auf die Kinder eingewirkt hat. Kinder kommen also nicht als tabula rasa in die Schule - Nichts desto trotz muss Schule die Aufgabe übernehmen, bei jedem Kind das zu fördern, was diesem bei der weiteren Entwicklung hilfreich sein wird. Und das eben nicht nur bezogen auf den Unterricht als Wissensvermittlung.

Ein schwieriges Unterfangen, bedenkt man, dass ein Lehrer oft für 20 und mehr Kinder verantwortlich ist. Trotzdem darf dieses Ziel nicht aus den Augen verloren werden. Denn dass sich dieses Bemühen lohnt zeigen beispielsweise Autoren wie Thomas Gordon und Carl Rogers.

In dieser Arbeit möchte ich mich deshalb der Problematik der Lehrer - Schüler - Beziehung stellen. Da bei der Allgemeinheit immer noch bestimmte Rollenerwartungen an Lehrer und Schüler gestellt werden, möchte ich im ersten Kapitel zunächst einmal ganz kurz auf die traditionelle Beziehung zwischen Lehrer und Schüler eingehen. Eine kurze Beschreibung dessen, was in der jüngeren Vergangenheit, d.h. bis ins 19. Jahrhundert hinein, diese Beziehung ausmachte.

Schließlich haben sich bis dato einige Ansichten über diese Beziehung erhalten können, die doch eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollten.

Im weiteren werde ich dann noch näher auf die Rolle des Lehrers und die des Schülers eingehen, d.h. es soll der Frage nach den konkreten Erwartungen an Lehrer und Schüler auf den Grund gegangen werden.

Der eigentliche Schwerpunkt dieser Arbeit folgt dann aber im 2. Kapitel, in dem der wichtigste Faktor für die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler betrachtet wird. Ich spreche von der Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler. Erst durch die Kommunikation kann eine Beziehung entstehen. Wie aber sieht das im speziellen Fall der Lehrer - Schüler - Beziehung aus?

Da der konkreten Kommunikation, d.h. der verbalen und/oder nonverbalen Äußerung, zweifelsfrei einige Prozesse vorausgehen, werde ich zunächst auf diese eingehen. Unter dem Begriff der Haltung fasse ich diese Prozesse zusammen und versuche die Eigenschaften und Auswirkungen herauszuarbeiten. Die Haltung ist nämlich sicherlich eine fundamentale Entität der Kommunikation. Nachdem ich den Begriff der Haltung geklärt habe, werde ich versuchen darzustellen, wie die Rolle von Lehrer bzw. Schüler sich auf die Haltung auswirkt.

Am Ende dieses Kapitels soll dann noch aufgezeigt werden, wie sich die Haltung nun letztendlich auf die Kommunikation auswirkt.

Der Zusammenhang zwischen den äußeren Rollen, der inneren Haltung und der tatsächlichen Kommunikation soll dargestellt werden. Das ist deshalb so von Interesse, da diese Faktoren die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler bestimmen.

Von dort aus kann man nun beginnen, die Kommunikation zu ändern, indem versucht wird die innere Haltung zu ändern. Diese Thematik wird Gegenstand des 3. Kapitels werden. Es soll hier darauf eingegangen werden, wie im Klassenzimmer eine Atmosphäre geschaffen werden kann, in der sowohl Lehrer als auch Schüler sich entfalten können. Denn ein solches Klima, in dem eine offene Beziehung zwischen Lehrer und Schüler herrscht, wird sich auch stark auf das Lehren und Lernen auswirken.

1. Kapitel Abriss über die traditionelle Beziehung zwischen Lehrer Schüler

In diesem einführenden Kapitel werde ich bemüht sein, den historischen Hintergrund für die traditionelle Beziehung zwischen dem Lehrer und dem Schüler darzustellen. Das wird natürlich nur in eingeschränktem Rahmen erfolgen, da dieser historische Aspekt lediglich zum Verständnis der traditionellen Rollenaufgaben und den auch damit verbundenen Haltungen von Lehrer und Schüler dienen soll.

1.1 Aspekte der traditionellen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler

Die Beziehung zwischen Lehrendem und Lernendem war formell klar vorgegeben. Der Lehrer, die allwissende und unumstrittene Autoritätsperson hatte das Sagen in der Schulklasse. Der Lehrer vermittelte den Schülern sein Wissen, da sie aus Sicht des Lehrers noch kein eigenes besaßen.

Er prüfte die Schüler, wann und wie er wollte, stellte Fragen, die sie beantworten mußten: „Der Lehrer befindet sich im Besitz des Wissens, das dem Schüler vermittelt werden soll. Der Lehrer ist Fachmann, der das Gebiet kennt. Der Schüler sitzt mit gespitztem Bleistift und Heft da, um die Weisheiten des Lehrers aufzuschreiben. Zwischen dem Status des Ausbilders und dem des Schülers besteht ein gewaltiger Unterschied.“[1]

Wir können dem Zitat entnehmen, dass der Schüler zu dieser Zeit in keinster Weise als ernstzunehmender, geschweige als gleichwertiger, Mensch angesehen wurde. Die Frage, die sich hier stellt ist die, ob sich bis heute etwas daran geändert hat. Ich denke, dass noch zu meiner Schulzeit, also in den achtziger Jahren, diese Haltung und Sichtweise in den meisten Köpfen manifestiert war. Sicherlich hat sich in den letzten hundert Jahren einiges zum Positiven verändert, aber Grundstrukturen dieser Zeit sind noch immer fest verankert. Das wird später deutlicher, wenn wir uns mit den Rollenerwartungen von Lehrern und Schülern befassen.

Die Veränderungen liegen vor allem auch in der Art der Sanktionen. Damit ist gemeint, dass es noch vor 30 oder 40 Jahren üblich war, die Schüler mittels Körperstrafen zu erziehen. Und das im Einverständnis mit dem Staat und der Gesellschaft: „Diese Schulen jedoch wurden immer so eingerichtet, daß sie mit den Zielvorstellungen der Staatsführung übereinstimmten: Die Regierungen dieser Zeit hatten als Erziehungsziel den gehorsamen Untertanen, der zum Wohl der Oberklassen arbeitete und auch in einen Soldaten umgewandelt werden konnte. Der Lehrplan der Schulen war diesen Zwecken angepaßt.“[2]

Dieses Zitat ist sicherlich nicht auf unsere Zeit bezogen worden, aber dennoch kann man nicht abstreiten, dass der Zweck der Schule auch heute noch sehr stark an staatliche und gesellschaftliche Interessen gebunden ist. Das Individuum ist diesen Interessen unterzuordnen. In unserer westlichen Kultur bedeutet dies vor allem, den Schüler zu einem für das Wirtschaftssystem wertvollen und leistungsfähigen Mitglied auszubilden und zu formen.

Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, sofern man überhaupt von Beziehung sprechen kann, war derart gestaltet, dass der Schüler alles vom Lehrer übernahm. Der Lehrer als „Vatergestalt“ außerhalb des Zuhauses. Es bestand demnach eine gerade in früherer Zeit, bis vor etwa 40 oder 50 Jahren, eine eindeutig hierarchische Struktur. Diese besteht heute offiziell auch noch, doch denke ich, dass Diskussionen mit Lehrern möglich geworden sind. Alleine die Tatsache, dass man so etwas wie eine Auseinandersetzung zwischen Lehrern und Schülern in Erwägung ziehen kann, zeigt die Weiterentwicklung dieser Beziehung. Trotzdem kann man noch nicht behaupten, dass Schüler immer und überall als gleichwertige Persönlichkeiten akzeptiert werden, was stark mit den klassischen Rollen von Lehrern und Schülern im Zusammenhang steht.

1.2 Die Rolle von Lehrer und Schüler

Im nun folgendem Unterpunkt möchte ich genauer auf die Rollen eingehen, die mit dem Lehrer bzw. Schüler verbunden werden. Es soll vor allem auf die Rollenerwartungen eingegangen werden, da diese auch in bezug auf die Haltung relevant werden. Was wir von einem guten Lehrer bzw. Schüler verlangt?

1.2.2 Aspekte der Rolle des Lehrers

Wie bereits erwähnt, besteht in der klassischen Rolle des Lehrers die Aufgabe primär darin, dem Schüler sein Fachwissen zu übermitteln. Er besitzt die Autorität und darf sie unter keinen Umständen „gefährden“: „So nehmen etwa einige Lehrer den folgenden Standpunkt ein: Man darf sie [die Schüler] nie die Oberhand gewinnen lassen, sonst ist man erledigt. Deshalb fange ich ganz hart an. Wenn ich eine neue Klasse bekomme, zeige ich ihnen am ersten Tag, wer der Stärkere ist...“[3]

Das Ziel des Lehrers ist demnach darauf ausgerichtet, seine Autorität im Klassenzimmer zu bewahren. Ein Ziel, dass dem Lehrer Energie kostet, die er ansonsten beim Schüler hätte einsetzen können. Nach der klassischen Rollenauffassung, ist der Lehrer überzeugt davon, dass er nur mittels seiner Autorität sein Lehrziel erreichen kann. Dies jedenfalls glauben viele Lehrer und Eltern, möglicherweise auch sogar die Kinder selbst: „Für die meisten Menschen bedeutet Lehrer zu sein wohl, Ordnung in der Klasse zu halten, Wissen zu vermitteln, Aufgaben zu stellen und Noten zu geben.“[4]

Diese Einstellung von Lehrern enthüllt das Fehlen einer Eigenschaft, die ein Lehrer laut Kurt Singer besitzen sollte: „Sich selbst in Frage stellen, sollte zwar eine hervorstechende Eigenschaft des Erziehers sein; wir wissen, daß sie es oft nicht ist.“[5]

Halten wir also fest, dass Lehrer immer noch häufig der Überzeugung sind, sie müßten die Autorität durch Ihre Macht unter Beweis stellen, damit ihnen die Schüler nicht „ auf dem Kopf herumtanzen“.

Gehen wir nun über uns die Rolle des Lehrers näher zu betrachten, sie lässt sich umschreiben: „

a) als das Verhalten, das vom Lehrer gefordert wird (durch die Schulbehörde, Kollegen, Eltern, Gesellschaft, usw.), und/oder
b) als das Verhalten, das nach der Erwartung des Lehrers von ihm gefordert wird, und/oder
c) als das Verhalten, das Lehrer in bestimmten vergleichbaren Situationen zeigen (z.B. im Unterricht) (vgl. Guskin und Guskin 1973, S.15).“[6]

[...]


[1] Carl Rogers: Seite 188

[2] Alfred Adler: Seiten 127-128

[3] Erving Goffman: Seite 15

[4] Carl Rogers: Seite 20

[5] Kurt Singer: Seite 9

[6] Jürgen Roth: Seiten 16-17

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Aspekte der Lehrer-Schüler-Beziehung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachbereich 3)
Veranstaltung
Kindheit: kognitive, soziale, emotionale Aspekte
Autor
Jahr
2000
Seiten
29
Katalognummer
V4097
ISBN (eBook)
9783638125369
ISBN (Buch)
9783656461753
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aspekte, Lehrer-Schüler-Beziehung, Kindheit
Arbeit zitieren
Matthias Janßen (Autor), 2000, Aspekte der Lehrer-Schüler-Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4097

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