Unterrichtseinheit: Expressionistische Kriegslyrik - Visionen des Krieges bei Alfred Kubin und Georg Heym (12. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2002

20 Seiten


Leseprobe

Gliederung

Thema der Unterrichtsreihe

Thema der Doppelstunde

Voraussetzungen der Lerngruppe

Didaktische Analyse
Sachanalyse
Alfred Kubin: Der Krieg
Georg Heym: Der Krieg
Aspekte zur Erschließung des Themas
Begründung der methodischen Entscheidungen
Reihenfolge der Gedichte
Funktion der vorbereitenden Hausaufgabe
Verfilmung „Im Westen nichts Neues“
Verknüpfung Bild und Gedicht
Tafelbilder und Folie 2

Stundenziel

Teilziele

Verlaufsplan

Tafelbild zu Kubin

Tafelbild/ Gliederung zu Heym

Folie 2 zu Heym

Kopiervorlage: Kubin, Der Krieg; Heym, Der Krieg

- Thema der Unterrichtsreihe

Literarische Strömungen der Jahrhundertwende. Epochenumbruch um

- Thema der Doppelstunde

Expressionistische Kriegslyrik – Visionen des Krieges bei Kubin und Heym

- Die Doppelstunde steht am Ende des Themenbereichs „Krieg“ innerhalb der Behandlung der künstlerisch-literarischen Bewegung des Expressionismus.1
- Vorangegangen sind Stunden, deren Inhalt Visionen/ Bilder/ Verarbeitung eigener Kriegserlebnisse in Gedichten von Stramm, Lichtenstein und Trakl, sowie typische Formmerkmale expressionistischer Lyrik waren.
- Darüber hinaus haben die Schüler die Verfilmung von Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ gesehen.
- Im Anschluss an diese Doppelstunde soll der - neben Stadt und Krieg weitere wichtige - Themenbereich „Weltende“ in expressionistischer Lyrik behandelt werden.
- Den Abschluss der Reihe „Literarische Strömungen der Jahrhundertwende. Epochenumbruch um 1900“ bildet die Beschäftigung mit der Ästhetik des Hässlichen und einer „Mini“-Motivgeschichte zur Ophelia-Figur.

- Voraussetzung der Lerngruppe

Der Leistungskurs 12 besteht aus nur 7 Schülerinnen und Schülern (SuS) und ist ein sehr leistungsstarker und motivierter Kurs, was sich nicht zuletzt in einer meist regen und fundierten mündlichen Mitarbeit zeigt. Dabei gibt es eine „breite“ Leistungsspitze, zu der vier SuS gehören. Die anderen SuS sind etwas ruhiger und nehmen je nach thematischem Interesse einmal mehr, einmal weniger am mündlichen Unterrichtsgeschehen teil. In den schriftlichen Arbeiten (auch bei den Hausaufgaben) erbringen jedoch auch sie gute Ergebnisse. Ein Leistungsmanko sehe ich im Umgang der SuS im Umgang mit der Verknüpfung von Form- und Inhaltsaspekt im Umgang mit Lyrik, insofern sie in Diskussionen so gut wie nie auf die Form (sprachliche Mittel, Reim, Metrum) zurückgreifen oder in ihre Überlegungen einbeziehen.

Besonders zu erwähnen ist die hohe Bereitschaft der SuS, sich selbst ins Unterrichtsgeschehen einzubringen (z.B. durch Referate) und auf ihnen unbekannte Methoden- und Arbeitsvorschläge einzugehen, ihre Fähigkeit und Bereitschaft zum selbständigen Arbeiten und ihre Vorliebe für kreatives bzw. produktives Arbeiten.

Die Arbeitsatmosphäre im Kurs ist sehr angenehm, wozu sowohl das partnerschaftliche Verhältnis zwischen SuS und Lehrern, als auch das gute Klima zwischen den SuS beiträgt. Dadurch ist in diesem Kurs ein mir in diesem Maße bisher nicht begegnetes effektives, fruchtbares Arbeiten möglich.

- Didaktische Analyse

- Sachanalyse

Alfred Kubin: Der Krieg (1907)

Alfred Kubin stellt mit seinem Bild „der Krieg“ von 1907 seine Vision, seine Vorstellung vom Krieg dar. Er (der Krieg) wird als riesiger, beinahe gottähnlicher, dämonenhafter Krieger dargestellt, der mit seinem gewaltigen (perspektivisch verzerrt dargestellten) Fuß eine anonyme Menschenmasse in der unteren rechten Bildecke zermalmen wird. Auffällig und für die Interpretation des Bildes – und damit für das Erschließen von Kubins Vision des Krieges – ist zunächst die dynamische Komposition, die starke Betonung der Bilddiagonalen. Der personifizierte Krieg kommt auf die Menschen zu, die ihm wehr- und machtlos gegenüber stehen. Sie sind in keiner Weise fähig, ihn aufzuhalten, oder zu steuern. Es entsprechen sich hier Form und Inhalt. Die inhaltliche Aussage „Verselbständigung des Krieges“ wird durch die formale Gestaltung (Bilddiagonale, Bewegung) bestätigt.

Diese eigentlich grausige und schreckliche wird bei Kubin jedoch gebrochen durch groteske, reiz-/ geheimnisvolle und ästhetisch faszinierende Elemente. Dies geschieht zum einen durch die perspektivisch verzerrte, riesenhafte und damit merkwürdig erscheinende Darstellung des Fußes, zum anderen durch Anleihen aus der antiken Mythologie, die der Gestalt einen geheimnisvollen und faszinierenden Charakter („seine wahre Größe“) geben. Relativ offensichtlich ist der Verweis auf den Kriegsgott Ares (Mars), ebenso vorhanden sind aber auch Hinweise auf Vulcanus und Hades.

Georg Heym: Der Krieg (1911)

Wie bei Kubin, so sind auch bei Heym keine realen Kriegserfahrungen Hintergrund des 1911 veröffentlichten Gedichts – im Gegensatz zu vielen Gedichten von z.B. Stramm, Lichtenstein oder Trakl. Auch Heym entwirft eine Vision des Krieges, die der von Kubin im wesentlichen entspricht.

In der ersten Strophe des Gedichts werden die Eigenschaften einer noch unbekannten (vgl. V.3) Figur beschrieben. Mit deutlicher Anfangsbetonung, der Anapher „Aufgestanden ist er [...] Aufgestanden unten aus...“ (V.1/2) beginnt Heyms Gedicht. Angekündigt wird etwas Großes, Geheimnisvolles, das sich lange Zeit in „Gewölben tief“ (V.2) verborgen hat, jedoch immer schon anwesend war. Das Geheimnisvolle, seine Größe und die Gewölbe, aus denen er aufgestanden ist, verleihen der Figur durchaus einen gewissen ästhetischen Reiz. Die Identität der Figur bleibt zunächst verborgen, der Relativsatz „er, welcher lange schlief“ (V.1) ersetzt den Namen. Nur von seiner Größe, die jedes realistische Maß sprengt, gewinnt man einen recht genauen Eindruck. Ein weiteres Attribut, welches durchgängig mit der Figur in Verbindung gebracht wird ist die Dunkelheit. Sogar den Mond, einen Orientierungspunkt in der Dunkelheit, der außerdem in Verbindung gebracht werden kann mit einer friedlichen, ruhigen Stimmung, den „zerdrückt er in der schwarzen Hand“ (V.4). Damit ist an dieser Stelle verwiesen auf den düsteren, bösen Charakter der Figur.

Die düstere, geheimnisvolle Stimmung, die in der ersten Strophe des Gedichts erzeugt wird, wird in Strophe zwei und drei noch gesteigert. Es werden in der zweiten Strophe zunächst die Wirkungen beschrieben, die die unbekannte Figur auf die Menschen hat. „Frost“ (V.6), Erstarren zu „Eis“ (V.7) und der „Schatten einer fremden Dunkelheit“ (V.6) sind Folgen, die sich aus der Anwesenheit der Figur ergeben. „Sie“, die Menschen, ahnen und erwarten etwas, „es wird still“ (V.8) und „sie sehn sich um“ (V.8), sie scheinen nach Erklärungen zu suchen. „Keiner weiß“ (V.8) jedoch, was bzw. wer sich nähert. In der dritten Strophe werden abermals die Ratlosigkeit und Unwissenheit der Menschen dargestellt (V.9/10), erfahren jedoch eine Steigerung. Die Bedrohung, die bisher lediglich als „Frost“, „Schatten“ und „Dunkelheit“ (V.6), in Erscheinung getreten ist, kommt näher, wird konkreter, „faßt [...] ihre Schulter“ (V.9). In dem Maße, in dem sich die Bedrohung nähert, die Menschen sich ihrer Situation bewusst werden, verdichten sich Ratlosigkeit und Unwissenheit zu Bildern der Angst. Deutlich wird dies daran, dass „ein Gesicht erbleicht“ (V.10) und ihnen „die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn“ (V11). „In der Ferne wimmert ein Geläute dünn“ (V.11) weckt zum einen die Assoziation einer Totenglocke, zum anderen verweist das „wimmernde Geläute“ jedoch auch auf den Schicksalscharakter des Krieges, sowie die Unmöglichkeit göttlicher Hilfe (vgl. hierzu auch die Anmerkungen zu Strophe 10/11).

In der nun folgenden vierten Strophe wird die Bedrohung, wird der Krieg sichtbar. Die bisher von den Menschen wahrgenommene „schleichende Bedrohung“, von der sie nur eine Ahnung hatten, wird konkretisiert. Wenn er auf den Bergen tanzt (V.13), so erinnert dies an einen Totentanz, der in Verbindung mit der Kette „von tausend Schädeln“ (V.16) den destruktiven Charakter des Krieges verdeutlicht. Die mit dem Krieg verbundenen Motive der Dunkelheit (schwarz, Schatten), der Zerstörung und des Todes (Zerdrücken des Mondes (Luna: Geburtsgöttin)) werden aufgegriffen (V.15) und um die Eigenschaft „laut“ erweitert (V.14/15/16). Darüber hinaus wird auf seine unglaubliche Macht hingewiesen. Während zuvor das Erstarren, die Ratlosigkeit und Angst, die Passivität der Menschen beschrieben worden ist, erscheint im Gegensatz dazu der personifizierte Krieg als aktiver Befehlshaber, wenn er „schreit: Ihr Krieger alle auf und an“ (V.14). Seine Rolle als aktiv handelnde Person, seine bestimmende Position, wird unterstrichen dadurch, dass er als Einzelperson einer anonymen Menschenmenge gegenübersteht. Der Krieg ist die einzige Figur, die direkt fokussiert wird. Einzelne Menschen oder Einzelschicksale werden nie in den Blick genommen. Wenn bisher von Menschen die Rede war, so sind diese nie direkt benannt worden, sondern es sind an ihre Stelle Pronomen gesetzt worden. Wenn auch „ein Gesicht erbleicht“ (V.10), so kann dies nicht als die Beschreibung eines einzelnen Menschen angesehen werden.

[...]


1 vgl. Übersicht über die gesamte Unterrichtsreihe

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Expressionistische Kriegslyrik - Visionen des Krieges bei Alfred Kubin und Georg Heym (12. Klasse)
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Praktikumsseminar: Zugänge zur Lyrik im Deutschunterricht der Sekundarstufe I und II
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V4105
ISBN (eBook)
9783638125420
Dateigröße
725 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Expressionistische, Kriegslyrik, Visionen, Krieges, Alfred, Kubin, Georg, Heym, Klasse), Praktikumsseminar, Zugänge, Lyrik, Deutschunterricht, Sekundarstufe
Arbeit zitieren
Marius Diekmann (Autor), 2002, Unterrichtseinheit: Expressionistische Kriegslyrik - Visionen des Krieges bei Alfred Kubin und Georg Heym (12. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4105

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