Outsider und die Gesellschaft - Analyse des Personals in den gesammelten Erzählungen 'Los Funerales de la Mama Grande' von Gabriel Garcia Marquez


Seminararbeit, 2001
15 Seiten, Note: 2+

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Einleitung

B) Hauptteil
Theoretische Grundlagen –Soziologie nach Becker
Untersuchung des Personenstands nach den Kriterien:
2.1 Alter, Geschlecht und Familienstand
2.2 Schichtzugehörigkeit, Bildungsstand und Lebensunterhalt
2.3 Religiösität und Moralvorstellungen
Interpretation zweier cuentos:
3.1 La prodigiosa tarde de Baltazar
3.2 En este pueblo no hay ladrones

C) Schluß

A) Einleitung

Der Außenseiter ist Gegenstand vieler Spekulationen, Theorien und wissenschaftlicher Untersuchungen und bietet im alltäglichen Leben viel Gesprächsstoff. So manche Stars und Sternchen wären längst nicht so berühmt, hätten sie nicht durch nonkonformes Verhalten auf sich aufmerksam gemacht. Andere Personen, die von der Gesellschaft als Außenseiter gesehen werden, sind vielleicht nur aus statistischen Aspekten in diese Rolle gedrängt worden, denn alles, was zu weit vom Durchschnitt entfernt ist, gilt als Abweichung vom Normalen.

Ohne Zweifel ein kontroverses Thema, deshalb fanden Außenseiter und ihre Rolle in der Gesellschaft immer wieder Eingang in die Literatur. Autoren entfremdeten und entstellten ihre Protagonisten, wie zum Beispiel Günther Grass in Die Blechtrommel seinen Oskar Mazerath, um dessen Außenseiterstatus jedem Rezipienten zu verdeutlichen.

Auch in Gabriel García Márquez Werken tauchen immer wieder Figuren auf, die entweder durch ihr Äußeres, ihr Handeln oder ihre Gesinnung von der Gruppe als Außenseiter empfunden werden.

Nach Klärung einiger grundlegender soziologischer Definitionen des Außenseitertums werde ich daher in meiner Arbeit das Personal in den gesammelten Erzählungen Los funerales de la Mamá Grande auf seine Rolle in der Gesellschaft untersuchen, eventuelle Parallelen sowie die Gründe für die jeweilige Außenseiter Stellung aufzeigen.

Hauptteil

1. Theoretische Grundlagen – Soziologie nach H.S. Becker

Zunächst muss eine präzise Definition des Begriffes Outsider erfolgen. Dazu zog ich das Standardwerk zur Soziologie von Howard S. Becker mit dem Titel Außenseiter – Zur Soziologie abweichenden Verhaltens heran. Darin beschreibt Becker die soziologischen Grundlagen des Zusammenlebens in einer Gruppe. Um ein funktionierendes Miteinander zu gewährleisten, stellen alle gesellschaftlichen Gruppen, entsprechend ihren Wertvorstellungen, gewisse Verhaltensregeln auf. Mit diesen Regeln, die entweder formal zum Gesetz erhoben werden, oder durch informelle Vereinbarungen bestehen, werden Handlungen als richtig oder falsch klassifiziert. Eine Person, die sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht an diese Regeln hält, wird von den übrigen Mitgliedern der Gruppe als Außenseiter definiert.

Oft ist sich die Person aber nicht einmal darüber bewusst, eine Regel gebrochen zu haben, erst die Reaktion der Gruppe definiert diese Handlung als abweichendes Verhalten. Im Grunde wird abweichendes Verhalten also immer erst durch die Reaktion seitens der Gesellschaft geschaffen, nicht von der Einzelperson selbst. Dies ist vor allem von Bedeutung, wenn man andere Kulturkreise betrachtet. Es fällt auf, dass verschiedene Gruppen verschiedene Dinge als abweichend beurteilen. Vor allem bei der späteren Analyse der cuentos muss man daher immer den karibischen Hintergrund des Schauplatzes berücksichtigen.

Im Allgemeinen definiert eine Gruppe abweichendes Verhalten als alles, was sich zu weit vom Durchschnitt entfernt, oder was nicht der medizinischen Analogie entspricht, also auf das Vorhandensein einer Krankheit hinweist.

Daneben existieren in der Soziologie noch die funktionalistische Auffassung, nach welcher abweichendes Verhalten als dysfunktional für die Gruppe definiert wird, sowie die relativistische Auffassung, die abweichendes Verhalten schlichtweg als Ungehorsam gegenüber Gruppenregeln identifiziert.

So ist es also immer die Reaktion der Gruppe, die einen Außenseiter zu dem macht, was er ist. Doch die Gruppe reagiert nicht immer gleich. In der Beurteilung der Qualität einer Regelverletzung spielen mehrere Variable eine erhebliche Rolle. Als wohl bedeutendster Faktor ist zunächst die zeitliche Variable anzuführen. Wurde früher das Zusammenleben eines unverheirateten Paares noch als unmoralisch empfunden, wird dies heute in Deutschland nicht mehr als Regelbruch angesehen. Im Laufe der Zeit ändern sich innerhalb einer Gesellschaft die Wert- und Moralvorstellungen.

Desweiteren hängt die graduell unterschiedliche Reaktion der Gruppe auch davon ab, wer sich nonkonformes Verhalten zu schulden kommen lässt, und wer davon benachteiligt oder geschädigt wird.

Vor allem in einer mulitkulturellen Gesellschaft kann man immer wieder beobachten und empirisch belegen, dass die Regeln auf manche Personengruppen unnachgiebiger angewandt werden, als auf andere. Darauf bezieht sich auch Gabriel García Márquez in seiner Erzählung En este pueblo no hay ladrones, wenn die Dorfgemeinschaft einen unschuldigen Schwarzen des Diebstahls bezichtigt und ihn deportiert.

Schließlich fällt bei diesen soziologischen Beobachtungen noch eine dritte Variante der Reaktion auf, so werden zum Beispiel einige Regeln nur dann durchgesetzt, wenn sich daraus bestimmte Konsequenzen ergeben. Zeugt ein Mann ein uneheliches Kind, wird dies immer noch als Kavaliersdelikt angesehen, wird die Ehefrau von einem Seitensprung schwanger, ist das ein Skandal.

Somit zeigt sich, dass abweichendes Verhalten immer das Produkt eines Prozesses ist, der die Interaktion zwischen Gruppe und Regelverletzer mit einschließt. Es stellt sich nun noch die Frage nach der Motivation des Regelverletzers. Wie bereits erwähnt, kann der Regelverletzer auf Grund von Unkenntnis einer Regelexistenz unbeabsichtigt eine nonkonforme Handlung begehen, oder er wird durch körperliche Deformation zum Außenseiter abgestempelt. In beiden Fällen ist die Regelverletzung unmotiviert. Will sich eine Person aber dem Einfluss konventioneller Bindungen entziehen, kann es durchaus sein, dass diese Person absichtlich gegen den Regelkatalog verstößt. Vor allem in der Pubertät kommt es dann zu Regelübertretungen, wobei ein weiterer Grund hierfür auch die Unfähigkeit, dem Erwartungsdruck standzuhalten, sein kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Outsider und die Gesellschaft - Analyse des Personals in den gesammelten Erzählungen 'Los Funerales de la Mama Grande' von Gabriel Garcia Marquez
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Romanische Philologie)
Veranstaltung
Werke von Gabriel Garcia Marquez
Note
2+
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V41172
ISBN (eBook)
9783638394932
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Outsider, Gesellschaft, Analyse, Personals, Erzählungen, Funerales, Mama, Grande, Gabriel, Garcia, Marquez, Werke
Arbeit zitieren
Stephanie Helmer (Autor), 2001, Outsider und die Gesellschaft - Analyse des Personals in den gesammelten Erzählungen 'Los Funerales de la Mama Grande' von Gabriel Garcia Marquez, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41172

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