Virtuelle Ideengemeinschaften am Scheideweg. Wiki-Technologie, um die Ideenbildungen zu verbessern


Seminararbeit, 2016
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsmethodik

3 Erste Iteration
3.1 Design: Wiki Technologie als Problemlösung
3.2 Erster Entwurf der Wiki-Technologie
3.3 Pilotierung und Evaluation

4 Zweite Iteration
4.1 Design: Überarbeitung des IT-Artefakts
4.2 Pilotierung und Evaluation
4.3 Skalen der Ideenbewertung

5 Consensual Assessment Technique

6 Datenauswertung

7 Diskussion

References

8 Anhang

1 Einleitung

Dieses Paper befasst sich mit der virtuellen Ideenplattform SAPiens, die von SAP, einem ERP Softwareentwickler, entwickelt wurde. SAPiens ist eine intemetbasierte Community, die SAP-Anwendern ein Forum bietet, in welches Innovationsideen für SAP-Anwendungen und -Lösungen erstellt, sowie gemeinschaftliche Ideen weiterentwickelt werden können (Bretschneider 2012). Neben SAPiens haben weitere bekannte Unternehmen wie u.a. DELL, Starbucks, Google, Intel, BMW virtuelle Ideenplattformen gegründet und eingeführt. Virtuelle Ideenplattformen, im englischen als Virtual Ideas Communities (VIC) bezeichnet, sind intemetbasierte Plattformen, auf denen Stakeholder eines Unternehmens Innovationsideen zur Verbessemng bestehender Produkte und Dienstleistungen oder komplett neue innovative Ideen erstellen und diese in der Community mit anderen Mitgliedern weiterentwickeln können. Durch diese Zusammenarbeit besitzen Ideenplattformen das Potenzial Synergieeffekte zu nutzen, die sich aus dem individuellen Wissen und der Erfahrung der Anwender ergibt (Huber 2015).

SAPiens als typische VIC ist sehr einfach gehalten und bietet nur wenige IT- Funktionen für das Erstellen und Managen von Ideen. Der Funktionsumfang umfasst das Hochladen, Speichern, Kommentieren und Visualisieren von Ideen. Dies bedeutet, dass SAPiens-VIC-Anwender ihre Ideen veröffentlichen, für andere Ideen abstimmen können und die Möglichkeit haben andere Ideen zu kommentieren. Somit helfen sie Ideen in einer kooperativen Art und Weise zu verbessern. Jedoch wird die Zusammenarbeit in der SAPiens VIC, als auch auf allen anderen virtuellen Ideenplattformen anderer Unternehmen, noch nicht optimal unterstützt. Nutzer können ihr Wissen bzw. ihre Meinung zu einer Idee mittels einer Kommentarfunktion ergänzen. Die Kommentarfunktion soll dazu dienen, dass durch diese Art der Interaktion die Qualität der ursprünglichen Idee mit Wissen erweitert und verbessert wird. Dies führt allerdings dazu, dass Ideen aus einer endlosen Liste an Kommentaren bestehen. Dies wirkt sehr komplex und unübersichtlich. Zudem besteht die Schwierigkeit herauszufiltem, was die zugrundeliegende Idee war und ob diese das Potenzial hat weiterentwickelt zu werden. So scheint es, dass nicht nur SAPiens, sondern VICs im Allgemeinen an einem Scheideweg stehen und neue Wege beschritten werden müssen, um effizientere Ergebnisse zu liefern.

Vor diesem Hintergrund wird in der nachfolgenden Studie die Erweiterung der SAPiens VIC mithilfe einer Wiki-Technologie vorgestellt. Die Wiki-Funktion soll die SAPiens Mitglieder unterstützen, Ideen in einer effizienteren Weise zu erstellen und somit Ideen von einer höheren Qualität zu erzeugen. In einem ersten Schritt des Design Science Research Ansatzes wurde ein solches IT-Artefakt - die Wiki- Technologie - entwickelt. Nach einem ersten Entwurf wird das IT-Artefakt in einem kontinuierlichen Prozess optimiert und perfektioniert. In einer Studie solle herausgefunden werden, ob die Wiki-Technologie die Qualität der Ideen wirklich deutlich verbessert. Die Resultate dieser Studie sollen nicht nur der SAPiens VIC helfen, sondem auch alle anderen virtuellen Ideenplattformen von Unternehmen unterstützen und verbessern.

2 Forschungsmethodik

Die Forschung hierzu folgt dem Ansatz der Action Design Research Methode (ADR): (1) Formuliere ein praktisches Anliegen der Anwender in eine unmittelbare problemorientierte Situation, (2) gestalte eine Problemlösung für das zuvor genannte Problem und (3) führe diese Lösung als Maßnahme zur Intervention für dieses Problern durch. Diese Vorgehens weise entspricht einer typischen ADR-Methode, wie Z.B. von Rapport (1970), Susman/Evered (1978) oder Peters/Robinson (1984) vorgestellt. Die Methode konzentriert sich ausschließlich auf das IT-Artefakt als Gegenstand des zugrundeliegenden Problems. Dies ist auch das Unterscheidungsmerkmal von typi- sehen Action Research Methoden, die in der Regel keine IT-Artefakte als Gegenstand zur Problemlösung umfassen. Euler (2014) beschreibt es folgendermaßen: ״Als Ausgangspunkt der Forschung wird nicht gefragt, ob eine bestehende Intervention wirksam ist, sondern es wird gefragt, wie ein erstrebenswertes Ziel in einem gegebenen Kontext am besten durch eine im Forschungsprozess noch zu entwickelnde Intervention erreicht werden könnte.“

In einem ersten Schritt wurde das Problem von SAP systematisch analysiert und formuliert. Dadurch war es möglich, SAP-spezifische Probleme als eine Klasse von Problemen zu identifizieren und so die Forschung hierzu genauer zu konzipieren. Die Problemformulierung bietet nun eine Plattform für einen wiederholenden Iterationsprozess bestehend aus dem Aufbau von Design, Pilotierung und Evaluation des IT- Artefakts, der Wiki-Technologie.

In einem zweiten Schritt (erste Iteration von Design, Pilotierung und Evaluation) wurde die ursprüngliche Gestaltung der Wiki-Technologie entwickelt, getestet und evaluiert. Dieser erste Zyklus ermöglicht eine Intervention des IT-Artefakts. Dies bedeutet, dass die Iterationsschleife das Ziel verfolgt, das Artefakt kontinuierlich zu optimieren, um später das Forschungsproblem zu lösen. Die ersten beiden genannten Forschungsschritte wurden bereits durchgeführt. Die folgenden Schritte werden in naher Zukunft erfolgen. In einem dritten Schritt (zweite Iteration von Design, Pilotie- rung und Evaluation) wird auf die ersten Forschungsergebnisse auf gebaut und eine umfassende Intervention des Artefakts vorgenommen. Im letzten Schritt (formalizaţi- on of learnings) wurden die Erkenntnisse unserer Forschung auf eine breitere Klasse des Problems (generalization) angewandt, um den Beitrag unserer Forschung für den theoretischen und praktischen Wissensbestand zu identifizieren. Dies erfolgte durch die Einbeziehung der CAT-Methode, die im weiterführenden Verlauf eine Bewertung der Technologie hinsichtlich der Optimierung der ursprünglichen VIC-Methodik durch ein Expertenteam beinhaltet.

Basierend auf den Resultaten ihrer Forschung regen sie an, dass VICs nicht nur eine einfache Kommentar-Funktion zur Weiterentwicklung von Ideen besitzen sollten. Auch Doan et al.’s (2011) Rückblick auf VICs weist daraufhin, dass Anwender in der Lage sein müssen, Inhalte einer Idee neu zusammenfassen zu können. Die Empfehlung der Autoren ist, dass virtuelle Ideen-Plattformen mit einer IT-Funktion ausgestattet werden sollten, die eine Kollaboration ermöglicht. (Doan et al. 2011; Majchrzak et al. 2013a).

3 Erste Iteration

3.1 Design: Wiki Technologie als Problemlösung

Nachdem zu Beginn die Situation der SAPiens VIC vorgestellt wurde, wird nun auf die Implementierung der Wiki-Technologie als IT-Tool zur Unterstützung kolla- borativer Ideenentwicklungen eingegangen. Die Wiki-Technologie soll die Ursprungliehe Kommentar-Funktion ersetzen, um die bereits beschriebenen Nachteile zu überwinden. Anwender können ihr Wissen bei bereits eingereichten Ideen ergänzen, indem sie die ursprüngliche Ideenentwicklung direkt inhaltlich umformulieren, ändern und bearbeiten können. Die Ideen erhalten dank mehrmaliger Bearbeitung eine höhere Qualität, da neues Wissen mit dem vorherigen Inhalt zusammengeführt werden kann. Dies führt zu einem qualitativ hochwertigeren Grad der Ausarbeitung von Ideen.

3.2 Erster Entwurf der Wiki-Technologie

Die Wiki-Technologie wurde in der SAPiens VIC wie folgt eingebettet: SAPiens VIC gehört zu den sogenannten Ideen-Pools, eine Website, die alle eingereichten Ideen von Anwendern sammelt. Weitere rudimentäre Werkzeuge vereinfachen es dem Anwender, einen schnellen Überblick über bestehende Ideen zu gewinnen oder über eine Suchfunktion bestimmte Ideen zu finden. Die einzelnen Ideen sind im Ideen-Pool aufgeführt. Per Mausklick gelangt man zu der Präsentationsseite der ausgewählten Idee, auf der folgende Textelemente einer Idee dargestellt werden: Titel, Zusammenfassung und Beschreibung, als auch der Autor der ursprünglichen Idee. Ein weiteres Kernelement ist die Kommentarfunktion, die bis dato die Ideenentwicklung unterstützen sollte.

Diese IT-Funktion wurde einst nach Riedl et al.’s (2009) ״An Idea Ontology for Innovation Management” implementiert. Eine Erweiterung der Ideen­Präsentationsseite wurde dank der Einführung der Wiki-Technologie wie folgt umgesetzt: Über die Schaltfläche ״Idee bearbeiten“ wird der Anwender zu einer untergeordneten Website weitergeleitet, der sogenannte Ideen-Wiki-Seite.

Hier kann die Idee nach dem Wiki-Prinzip verändert werden, d.h. der Benutzer kann den Inhalt einer bereits eingereichten Idee direkt modifizieren und/oder inhaltlich erweitern. Eine Auflistung aller älteren Versionen ist über den Button ״Versionen ansehen“ einzusehen. Abbildung 1 zeigt Screenshots der modifizierten Ideen Präsentations-Seite, sowie der dazugehörigen Wiki-Seite.

3.3 Pilotierung und Evaluation

Im Anfangsstadium des IT-Artefakts wurde eine erste Pilotierung und Evaluation durchgeführt, die sich gänzlich auf die Wiki-Funktionalität konzentriert. Es soll sichergestellt werden, dass die Entwicklung des IT-Artefakts später als Tool zur Lö­sung für die zugrundeliegende Forschungsfrage dient. Flierfür wurde eine Fokusgruppe bestehend aus 10 SAPiens Anwendern gegründet. Das Ziel der Teilnehmer der Fokusgruppe bestand darin, die bestehenden Ideen und das entworfene IT-Artefakt im spezifischen Kontext zu ״Usability Engineering“ nach Nielsen (1993) zu testen und zu verbessern. Die neu gestaltete Ideen-Präsentationsseite mit der dazugehörigen Ideen Wiki-Seite wurde den Teilnehmern präsentiert, sowie die Flintergründe nahegelegt. Den Teilnehmern wurden anschließend Laptops mit einer Testversion des IT- Artefakts zur Verfügung gestellt. In einem nächsten Schritt wurden sie gebeten, den Prototypen zu testen, indem sie einen besonderen Fokus auf das Erstellen und Bearbeiten von Ideen legen sollten.

Nach den Tests wurden die Teilnehmer über ihre Wahrnehmungen, Meinungen, Überzeugungen und ihrer Flaltung gegenüber dem Wiki nach den methodischen Grundlagen der Fokusgruppen-Interviews im Rahmen des ״Usability Engineering“ (Nielsen 1993) befragt. Die Analyse der qualitativen Daten ergab folgendes Ergebnis: Der Gesamteindruck der Wiki-Technologie war gut.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Virtuelle Ideengemeinschaften am Scheideweg. Wiki-Technologie, um die Ideenbildungen zu verbessern
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autoren
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V411884
ISBN (eBook)
9783668650800
ISBN (Buch)
9783668650817
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
virtuelle, ideengemeinschaften, scheideweg, wiki-technologie, ideenbildungen
Arbeit zitieren
Lars Büchner (Autor)Veronika Gaugenrieder (Autor)Sophie Steinrücke (Autor), 2016, Virtuelle Ideengemeinschaften am Scheideweg. Wiki-Technologie, um die Ideenbildungen zu verbessern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411884

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