Humoristisch ausgedrückt herrschen in einem vermeintlich friedlichen Europa noch immer kriegsähnliche Zustände, obwohl der Zerfall des Dritten Reichs bereits über 65 Jahre zurückliegt. Das Englische belagert das Deutsche, infiltriert die Franzosen und verwüstet das Spanische. Doch selbstverständlich handelt es sich hierbei um keine feindselige Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Nationen, wenngleich die vorliegende Kontroverse trotz dessen eine gewisse Brisanz aufweist. Die Rede ist von der englischen Sprache, genauer gesagt von Anglizismen.
Heutzutage scheint es nahezu ausgeschlossen, sich englischer Fremdwörter zu verwehren. Befürworter dieses Konglomerats aus Deutsch und Englisch sehen darin den Ausdruck eines dynamischen Sprachsystems, während Kritiker dessen eindeutige Symptome des Sprachverfalls auszumachen glauben. Nun ist der Diskussionsgegenstand kein Novum, auch wenn dies zum Teil den Anschein haben mag. Die Geschichte des Anglizismus ist eine lange, die Geschichte der Entlehnung eine noch längere und reicht historisch betrachtet viele Jahrhunderte zurück. Denn dort, wo Kultur, Leben und Sprache existieren, ist zugleich eine Mischung dieser vorprogrammiert und somit beeinflussen verschiedene Kulturen und Sprachen einander, gehen ineinander über.
Es stellt sich daher die Frage, welche Auffassung der eigenen Sprache am ehesten dienlich ist. Sind Anglizismen letztlich eine Bedrohung oder eine Bereicherung für die deutsche Sprache?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zentrale Begriffe
2.1 Der Anglizismus
2.1.1 Typen von Anglizismen
2.1.2 Ursachen für Anglizismen
2.1.3 Funktion und Wirkung von Anglizismen
2.2 Entlehnungen
2.2.1 Äußere Entlehnungen
2.2.2 Innere Entlehnungen
3 Zur geschichtlichen Entwicklung der Sprachpflege in Deutschland
3.1 Erste Entlehnungen durch Latein und Französisch
3.2 Anfänge der Sprachpflege – 17. Jahrhundert
3.3 Sprachpflege im 18. und 19. Jahrhundert
3.4 Sprachpflege im 20. Jahrhundert
4 Zur neueren Entwicklung der Anglizismenkritik
4.1 Laienlinguistische Positionen
4.2 Linguistische Positionen
5 Anglizismen – Bedrohung oder Bereicherung?
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroverse Debatte um Anglizismen in der deutschen Sprache und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob dieser sprachliche Einfluss primär als Bedrohung für die deutsche Sprachkultur oder als eine Bereicherung anzusehen ist.
- Terminologische Differenzierung und Klassifizierung von Anglizismen
- Historische Analyse der deutschen Sprachpflege und Fremdwortkritik
- Gegenüberstellung laienlinguistischer und linguistischer Positionen
- Bewertung der Vor- und Nachteile englischen Sprachguts im Deutschen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Typen von Anglizismen
Bevor gesondert auf den Begriff der Entlehnung eingegangen wird, sei hiermit auf die Differenzierung von Anglizismen hingewiesen. Bohmann6 benennt – vielfach zitiert – vier verschiedene Grundtypen. Zwar bezieht sie sich auf solche Typen, die speziell in der Werbebranche relevant sind, nichtsdestotrotz ermöglicht diese Unterteilung, einen ersten gegliederten Überblick zu erhalten.
Konventionaler Typ
Zu dieser Gruppe zählen allgemein bekannte und anerkannte Anglizismen, die bereits fester Bestandteil des Sprachgebrauchs sind. Teilweise weichen dabei Orthografie und Phonetik, ergo Rechtschreibung und Lautung, vom Original ab.
Beispiele hierfür sind Laptop, Event, Ticket, Interview, Keks, oder cool.
Dem deutschen Phonem-Graphem-System angepasste Anglizismen
Unter dieser komplexen Typenbezeichnung versteht sich nichts weiter als eine dem Deutschen gemäße Anpassung der Anglizismen durch entsprechende Affixe, also Vor- und Nachsilben. Insbesondere Verben in sämtlichen Flexionsformen fallen in diese Kategorie.
Beispiele hierfür sind stoppen, stylen, gestylt, joggen oder gemixt.
Kombinationstypen
Als Kombinationstypen gelten jene Anglizismen, bei denen englische und deutsche Begriffe durch Bindestriche verknüpft sind. Die Orthografie der zusammengefügten Wörter entspricht meist der des jeweiligen Wortursprungs. Von Bohmann zwar nicht mit inbegriffen, sind manche Kombinationstypen durchaus auch ohne Bindestrich schreibbar.
Beispiele hierfür sind Wellness-Wochenende, Rückflug-Ticket, Download-Rubrik, Werbespot oder Müll(-)Container.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Anglizismen und Vorstellung der zentralen Fragestellung zur Rolle englischen Sprachguts im Deutschen.
2 Zentrale Begriffe: Definition und systematische Einordnung von Anglizismen sowie verschiedene Entlehnungsarten wie äußere und innere Entlehnungen.
3 Zur geschichtlichen Entwicklung der Sprachpflege in Deutschland: Historischer Rückblick auf Sprachkontakte, Entlehnungsprozesse und die Entstehung puristischer Bestrebungen seit dem 17. Jahrhundert.
4 Zur neueren Entwicklung der Anglizismenkritik: Analyse der aktuellen Diskurse, unterteilt in die kritische, oft wertende Laienlinguistik und die deskriptive linguistische Perspektive.
5 Anglizismen – Bedrohung oder Bereicherung?: Zusammenfassende kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten der Anglizismengegner und -befürworter.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Thematik und Empfehlung für weiterführende, vergleichende Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Sprachpflege, Fremdwortkritik, Sprachwissenschaft, Laienlinguistik, Entlehnungen, Sprachwandel, Purismus, deutsche Sprachkultur, Sprachkontakt, Linguistik, Spracharbeit, Denglisch, Sprachgeschichte, Interferenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die fortwährende Debatte über den Einfluss der englischen Sprache auf das Deutsche und untersucht, wie Anglizismen in der Gesellschaft und Wissenschaft wahrgenommen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Terminologie der Entlehnung, die historische Entwicklung der Sprachpflege, die Rolle von Sprachvereinen und der Vergleich zwischen linguistischer Forschung und laienhaftem Sprachverständnis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Aufnahme von Anglizismen eine tatsächliche Bedrohung für die deutsche Sprache darstellt oder als eine bereichernde Entwicklung zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand aufzuarbeiten und verschiedene Positionen in der Sprachkritik gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition zentraler Begriffe, die historische Herleitung von Sprachpflege-Initiativen und eine detaillierte Analyse der heutigen Anglizismenkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind insbesondere Anglizismen, Sprachpflege, Fremdwortkritik, Sprachwandel und das Spannungsfeld zwischen Laien- und Fachlinguistik.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Anglizismen durch Linguisten und Laien?
Während Laienlinguisten häufig emotional und wertend agieren und von Sprachverfall sprechen, verfolgt die moderne Sprachwissenschaft einen deskriptiven Ansatz, der Sprache als dynamisches und anpassungsfähiges System betrachtet.
Welche Rolle spielt der Verein Deutsche Sprache (VDS) in diesem Kontext?
Der VDS repräsentiert eine kritische, laienlinguistische Position, die aktiv gegen den aus ihrer Sicht überflüssigen Gebrauch von Anglizismen eintritt und dabei vor allem sprachpolitische Ziele verfolgt.
Wie lautet die abschließende Einschätzung des Autors?
Eine pauschale Antwort ist nicht möglich; der Autor betont jedoch, dass die deutsche Sprache durch ihre Fähigkeit, Fremdes zu assimilieren, an Ausdruckskraft gewonnen hat, wobei ein bewusstes Sprachgefühl für den alltäglichen Gebrauch entscheidend bleibt.
- Arbeit zitieren
- Michael Forchner (Autor:in), 2011, Anglizismen. Bedrohung oder Bereicherung der deutschen Sprachkultur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411959