Der Einfluss von Suggestivfragen in quantitativen Datenerhebungen


Hausarbeit, 2010

36 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodischer Aufbau
2.1 Begriffklärung von Suggestion und Suggestivfragen
2.2 Methode zur Erhebung primärer Daten
In2.2.1 Methodenerläuterung
In2.2.2 Formelle Methodenkritik
2.3 Indizierung von Suggestionen in die Fragen
In2.3.1 Methodisch korrekter Fragebogen (Fragebogen A)
In2.3.2 Suggestiver Fragebogen (Fragebogen B)

3. Die Durchführung und personellen Rahmenbedingungen
3.1 Die Durchführung
3.2 Darstellung der Ergebnisse der Rahmenbedingungen

4. Auswertung und Interpretation der Suggestivfragen
4.1 Vergleich der neutralen und suggestiven Fragen
In4.1.1 Frage 3, 4 und 5: Fragen zum Parteienpluralismus im deutschen Bundestag
In4.1.2 Frage 6 und 7: Privatisierung der deutschen Bahn und Bundestagswahl
In4.1.3 Dependenzen der unterschiedlichen Gruppeneigenschaften
4.2 Fehleranalyse und Störfaktoren

5. Schlussbetrachtung, Grenzen der Untersuchung und Ausblick

Bibliografie

Anhang
Methodisch korrekter Fragebogen (A)
Suggestiver Fragebogen (B)
Häufigkeitstabellen (A)
Häufigkeitstabellen (B)
Relevante Kreuztabellen (A): Frage 1 zu Frage
Relevante Kreuztabellen (B): Frage 1 zu Frage

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kreuztabelle politisches Interesse - Suggestion indizierte Antwortvorgaben

Tabelle 2: Kreuztabelle Geschlecht - Suggestion indizierte Antwortvorgaben

1. Einleitung

Suggestivfragen, ein oftmals beschriebenes Thema in Lehren zur wissenschaftlichen Vorgehensweise quantitativer und qualitativer Datenerhebungen, werden in ihrer Wirkung oft als Gefahr für das methodisch korrekte Arbeiten angesehen, jedoch zumeist mit eher hinweisendem als untersuchtem Charakter. Unbestritten ist der manipulative Einfluss, den jene Fragen auf die Antwort des Empfängers haben. Es zeigt sich in psychologischen Experimenten, dass Reaktionen eines Menschen in unterschiedlichen Situationen nicht ausschließlich mit logischen Argumenten beeinflusst werden können[1], sondern verbale, unbewusst wahrgenommene Signale des Senders, ebenso formend auf die Meinungen oder Entscheidungen des Angesprochenen wirken.

In dieser Arbeit soll dieser Appell der Vermeidung eben jener Fragen[2] untermauert werden. Sie geht mit der Annahme einher, dass eine in die Befragung indizierte Suggestion Auswirkungen auf die Beantwortung des Probanden hat, in die Richtung, welche suggeriert wird. Hauptanliegen der Untersuchung ist zudem der statistische Beleg für die Fragestellung, ob, und vor allen Dingen, in welchem Maße Suggestivfragen das gewonnen Datenbild einer quantitativen Erhebung verzerren.

Operationalisiert wird diese Behauptung mit der, in der Fragestellung genannten quantitativen Befragung, speziell einem geschlossen bzw. halboffenen Fragebogen. Desweiteren erfolgt die Schaffung einer Kontroll- und Experimentalgruppe, womit die Arbeit experimentelle Form erlangt[3]. Beide Gruppen bestehen aus 25 Teilnehmern, welche so ausgewählt werden, dass identische demographische Ausgangssituationen zu Grunde liegen. Ausdrücklich wird die gleiche Verteilung von männlichen und weiblichen Befragten angestrebt. Explizit wird auf die Durchführung im Kapitel 3 erneut eingegangen.

Die Bedeutsamkeit der Untersuchung für die Politikwissenschaft erschließt sich in mehren Aspekten. Zum einen freilich wegen der Veranschaulichung der Relevanz des methodischen Fehlers der Suggestion in neutralen Arbeiten, denn jener beherbergt Wichtigkeit für sozialwissenschaftliche Forschungen generell und damit selbstverständlich ebenso für die Politologie. Weiterhin soll ein Erkenntnisgewinn erfolgen über die Möglichkeit der Beeinflussung allgemein, insbesondere in Bezug auf die Ausbildung demokratie- und (wirtschafts-)liberalfeindlichen Ansichten, welche suggeriert werden, obgleich der Inhalt der Fragebögen nicht Hauptthema dieser Aufzeichnungen sein soll. Trotzdem, ein Aufzeigen der wahrscheinlich unterschiedlichen Ergebnisse der beiden Befragungsgruppen in den inhaltlichen Angaben zu den Fragen, konstruiert ein gedankliches Fundament zu weiteren Nachforschungen dieser Problematik.

Die Bearbeitung der Fragestellung begründet sich ebenfalls nach der Recherche zu diesem Gegenstand. Zwar ist der Effekt der Suggestion ein häufig untersuchtes und debattiertes Gebiet, welches sich aber primär auf sozialpsychologische und pädagogische Gesichtspunkte manifestiert. Deskriptive Statistiken als detaillierter Beleg wurden im Zuge der Informationsbeschaffung zu diesem Forschungsfeld nur spärlich bzw. nicht praktisch auswertbar gefunden.

Die Arbeit gliedert sich in systematisch aufeinander folgende Kapitel, um eine umfassende Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Nach der Begriffsklärung und Erläuterung der Methode, sowie deren Vor- und Nachteile, geht man auf die tatsächliche Durchführung dieser ein. Mit der Darstellung der mit einer statistischen Analysesoftware erhaltenen Daten ermöglicht sich eine faktisch gestützte komparative Argumentation zu der erschlossenen Thematik, auf die im Anschluss eine fokussierte Betrachtung einzelner Elemente folgen wird, sowie schlussendlich eine Rekapitulation des Forschungsprozesses und seiner Grenzen.

Dieses Werk behilft sich, neben den eigenständig erworbenen Daten, an sozialwissenschaftlicher Literatur, speziell in Bezug auf die Illustration der Methodik, sowie kommunikationswissenschaftlichen Erklärungen in Bezug auf die Suggestion und deren Einbringung.

2. Methodischer Aufbau

In diesem Kapitel werden eine kurze Begriffsklärung und der methodische Aufbau der quantitativen Datenerhebung dargestellt, sowie überlegte methodische Kritik zum Ausdruck kommen, um unter anderem zu illustrieren, wie der Forschungsprozess vorbereitet wurde. Dabei werden speziell in der Methodenkritik Defizite der Arbeitstechniken, sowie Methode reflektiert, die im späteren Verlauf der Datenerhebung und –auswertung relevant für die Interpretation der gewonnen Datenmengen sind.

2.1 Begriffklärung von Suggestion und Suggestivfragen

Vor der Darstellung der angewandten Methode gilt es zunächst Suggestion und damit Suggestivfragen näher zu definieren, da diese Begriffe als Hauptbestandteile der zu untersuchenden These auftreten. Eine geeignete Definition gibt Charles F. Winbigler, in der er die Herkunft sowie den übertragenen Sinn erläutert.

„The word suggestion is derived from the Latin word “Suggero”, sub -under and gero, to bring and therefore means to bring under. […] In a wider sense it is a thought or idea conveyed from one mind to another; a hint; intimation; insinuation. It may be communicated by word, gesture, look or association.”[4] Neben der lexikologischen Entstammung, in etwa „von unten herantragen“, ist der zweite Abschnitt der Definition für diese Arbeit der Wesentlichere, nämlich „das Versenden einer Idee bzw. eines Gedankens von einem Verstand zum anderen, ein Hinweis, Anleitung oder Andeutung, welche in verschiedener Art und Weise übertragen werden kann.“

Hilfreich ist diese Begriffsklärung befasst man sich mit der Thematik der Suggestivfragen, also Fragen, die durch ihre Form, Inhalt oder beides den gewünschten Gedanken des Forschers in den Probanden indizieren und damit seine Antworten beeinflussen. Bei der Suggestion wird das Verhalten des Empfängers zumeist unterschwellig gesteuert um in seine Entscheidung zu intervenieren[5].

Die formellen Möglichkeiten der Konstruktion von Suggestivfragen in der deutschen Sprache sind äußerst vielfältig, allerdings ist ein Aufzeigen aller Variationen für diese Arbeit nicht erforderlich. Es werden jedoch im späteren Verlauf der Aufzeichnungen zu diesem Forschungsprojekt, insbesondere in Bezug auf die Begründung der Fragestellung, einzelne Anwendungen näher beleuchtet.

2.2 Methode zur Erhebung primärer Daten

Dieser Abschnitt befasst sich mit der Erläuterung der angewandten Methode zur Gewinnung primärer Daten. Dabei wird im ersten Teil auf die grundlegende Struktur der Methode und im zweiten auf die generellen Defizite der Vorgehensweise eingegangen.

2.2.1 Methodenerläuterung

Zur Untersuchung der Ausgangsthese werden primäre Daten, also selbst erstellte Daten, verwendet. Der Vorteil der Erhebung primärer Daten liegt in der Eingrenzung der Beobachtungsfelder und Merkmale die zu untersuchen sind, da der Forscher selbst die Grenzen des Gegenstandes festlegen kann[6]. Des Weiteren handelt es sich um eine Teilerhebung, auf Grund der rein repräsentativen Teilmenge des gesamten Forschungsobjekts[7]. Repräsentativ meint hierbei die Bezeichnung einer Stichprobe, deren Auswahlmechanismus eine Zufallswahl ist.[8]. Mit der Analyse der Wirkung von Suggestivfragen auf die Ergebnisse quantitativer Datenerhebungen ist diese Teilerhebung gerechtfertig, denn selbst die Abgrenzung einer Totalerhebung ist schwierig, da sich jene dann speziell auf den Einfluss von Suggestion in beispielsweise bestimmten Berufsgruppen oder Nationen etc. festlegen müsste um überhaupt praktisch realisierbar zu sein. Inwieweit die Anzahl der Probanden tatsächlich als repräsentativ zu werten ist, wird im späteren Verlauf der Arbeit diskutiert.

Das Mittel zur Datengewinnung ist die Befragung. Mit der Verfolgung eines wissenschaftlichen Ziels verläuft sie planmäßig sowie asymmetrisch, da der Informationstransfer vom Forscher gesteuert und die Situation, in welcher dieser Austausch sich vollzieht, künstlich erschaffen wird. Dabei ist das schriftliche Interview für den fremden Befragten folgenlos.[9]

Konkreter betrachtet handelt es sich um eine standardisierte, formelle, strukturierte schriftliche Befragung[10], also um einen geschlossenen Fragebogen, wobei hier eine Einschränkung in Bezug auf die Anwendung von halboffenen Fragen[11] gemacht werden muss, auf deren Ursache in der Formbegründung der Fragen (siehe 2.3) eingegangen wird. Bei geschlossenen Fragen bzw. Fragebögen existiert eine begrenzte, genau definierte Anzahl von vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Der Proband wird somit gezwungen zwischen den vorhandenen Optionen wählen zu müssen, was trotz des Zwanges eine Vereinfachung des Ausfüllens des Fragebogens darstellt, da der Befragte nicht selbstständig schreiben muss, sondern ein Ankreuzen der bevorzugten Möglichkeit als Angabe ausreicht. Ebenfalls begünstig diese Methode die spätere Datenauswertung generell, sowie insbesondere bei der Eingabe und Verarbeitung der Daten mit Hilfe von statistischer Analyse-Software.

Innerhalb des Fragebogens herrscht der Modus der Einfachfachnennung. Das bedeutet der Ausfüllende darf nur eine der ihm vorgelegten Antwortmöglichkeiten auswählen. Zu den inhaltlichen Antworten erscheinen zusätzlich durchgehend die Alternativen „weiß nicht“ sowie „keine Angabe“. Mit diesen beiden Rückzugsmöglichkeiten lassen sich ein wahrloses Ankreuzen aus Meinungslosigkeit („weiß nicht“), sowie ein Nichtbeantworten der Fragen vermeiden, welches eventuell daraus resultiert, dass der Befragte allgemein die Frage nicht beantworten möchte („keine Angaben“)[12].

Dem genauen Aufbau der Fragen in ihrem Inhalt, ihrer Form, sowie bei den Suggestivfragen, dem Ziel, wird, auf Grund der Wichtigkeit für den Forschungsprozess, ein eigenes Kapitel gewidmet.

2.2.2 Formelle Methodenkritik

Wie jede Methode Vorteile mit sich bringt, so müssen schon vor eventuell auftretenden Störungen in der Durchführung bzw. in der Arbeit des Forschers (siehe Kapitel 4.2), Nachteile der gewählten Arbeitsweise berücksichtigt werden.

Die Erhebung von primären Daten ist zeitaufwendig und zum Teil mit Kosten für den Forscher verbunden, welche sich bei einer Benutzung von sekundären Daten minimieren oder ganz wegfallen. Die Frage nach der Repräsentation der Befragtengruppe ist fraglich, denn die geringe Anzahl von jeweils 25 Probanden pro ausbalancierten und suggestiven Fragebogen kann keinesfalls stellvertretend für das gesamte Untersuchungsfeld sein. Die erwarteten Korrelationen in Bezug auf die Suggerierung einer Antwort bei der zweiten Probandengruppe können, sofern sie überhaupt erkennbar sind, zufällig sein, womit das Ziehen eines kausalen Zusammenhangs nur unter Vorbehalt geschehen darf.

Fundamentale Kritik muss ebenfalls auf die Methode des geschlossenen bzw. halboffenen Fragebogens geübt werden. Neben den genannten Vorzügen in der Auswertbarkeit der Daten, des geringen Zeitfaktors, sowie der Möglichkeit der Erhebung größerer Datenmengen, dürfen negative Faktoren nicht unberücksichtigt bleiben. Die Befragung ist nahezu unpersönlich, da trotz individuellen Ansprechens jeder Person, die Beantwortung der Fragen allein geschieht, und nur in seltenen Fällen Verständnishilfen gegeben werden können. Ebenso die Kontrollierbarkeit der Auskünfte des Probanden ist kritisch[13], weil eine exakte Beobachtung des Ausfüllvorgangs die soziale Erwünschtheit sowie ein Unbehagen des Probanden steigern würden. Wegen dieser Umstände wird der genauen, eindeutigen und verständlichen Fragenformulierung sowie der Layoutgestaltung ein besonderes Augenmerk zugewiesen.

2.3 Indizierung von Suggestionen in die Fragen

Zum Vergleich der beiden Versuchsgruppen in Bezug auf den Einfluss von Suggestivfragen auf ihre Beantwortung werden zwei Fragebögen erstellt, deren Fragen sich äquivalent auf dieselben Themenkomplexe beziehen, die sich aber in divergierender Formulierung oder inhaltlicher Ungleichgewichtung unterscheiden.

2.3.1 Methodisch korrekter Fragebogen (Fragebogen A)

Der ausbalancierte Fragebogen (Fragebogen A) beginnt mit der Ankündigung der Befragung, sowie dem Zugeständnis der Anonymität. Nach der Einstiegsfrage (Frage 1) zur Bewertung des eigenen Interesses an der Politik, die im weiteren Verlauf für die Erkenntnisgewinnung wichtig wird, folgt die polytom-nominalskalierte[14] Frage nach der politischen Ausrichtung(Frage 2), unabhängig der Parteienwahl. Hierbei fand die schon angesprochene halboffene Frage Anwendung, da eine vollständige Abdeckung aller politischen Richtungen schwierig, weil schwer erfassbar, ist und zudem den Rahmen Fragebogens sprengen würde. Es wurde hier auf die Möglichkeit der Mehrfachnennung verzichtet, allerdings kann das als Problem auftreten, sollten Befragte mehrere Alternativen benötigen um ihre politische Orientierung zu erläutern.

Die Fragen 3, 4 und 5 sind Einstellungs- bzw. Meinungsfragen[15] wobei Frage 4 ein hypothetisches Thema anspricht. Sie beziehen sich auf den Themenblock des Parteien-Pluralismus im deutschen Parlament, wobei Frage 5 als Kontrollfrage fungiert. Kontrollfrage bedeutet hier eine Überprüfung der in 3 und 4 getätigten Antworten, deren Ausrichtung sich in Frage 5 erneut zeigen müsste. Für diese Fragen werden ordinalen Skalen[16] vorgegeben, mit einer geraden Anzahl von Antwortalternativen. Diese Variante wurde bewusst eingesetzt, da mit dem Wegfall einer Mittelposition die befragte Person gezwungen wird sich für ein Lager zu entscheiden[17], was spätestens im Vergleich zur Beeinflussung der Meinung durch Suggestion relevant wird.

Die Fragen 6,7 und 8 sind erneut nominal skaliert. Dabei handelt es sich bei Frage 6 um ein zum Teil ebenfalls hypothetisches Thema („vollständige Privatisierung der deutschen Bahn), welches im derzeitigen öffentlich-medialen Spektrum keine sonderliche Gewichtung hat. In wissenschaftlichen Datenerhebungen sollten hypothetische Fragestellungen prinzipiell vermieden werden[18]. jedoch wurde diese Tatsache, wie auch bei Frage 4, gezielt benutzt um die Erfolgschancen der Suggestion, wegen der vermeintlichen Unwissenheit (geringe mediale Präsenz) oder Unbefangenheit (hypothetische Frage) des Befragten, zu maximieren. Der Inhalt von Frage 7 und 8 hängen eng miteinander zusammen, Differenz besteht allerdings in der Art der Stellung. Während in Frage 7 eine Überzeugung abgefragt wird, verlangt der Forscher in Frage 8 eine Stellungnahme des eigenen Verhaltens.[19]

Im Anschluss schließen sich lediglich demografische Angaben an um eventuelle Korrelation zwischen Meinungstendenz und deren Abhängigkeit zum Alter, Geschlecht oder beruflicher Beschäftigung untersuchen zu können.

Generell wurde bei den Fragen auf leichte Verständlichkeit, ausbalancierte sowie eindeutige Fragestellung geachtet und auf doppelte Negation zu Gunsten der Einfachheit verzichtet, um damit Verständnisproblemen vorzubeugen und vor allen Dingen, Suggestion zu vermeiden.[20]

2.3.2 Suggestiver Fragebogen (Fragebogen B)

Während in Fragebogen (A) die Korrektheit der Anwendung der Methode das Hauptaugenmerk darstellt, eröffnet sich im zweiten (B) die Eingabe von Suggestion in die Fragen 3, 4, 5, 6 und 7. Die äußere Gestaltung und die Antwortvorgaben, ausgenommen die Namensänderung in Frage 5, sind identisch, ebenso wie das abgefragte Thema, womit eine Veränderung der Ergebnisse durch diese gleich bleibenden Bedingungen ausgeschlossen werden kann.

In der Frage 3 wird auf zwei verschiedene Varianten eine Beeinflussung auf den Probanden ausgeübt, zum einen auf Grund der einseitigen Argumentation gegen die Anwesenheit von fünf Parteien sowie des Weiteren durch die Formulierung „…ebenso negativ oder doch positiv?“. Damit bekräftigt der Fragende erneut die negativen Eigenschaften der Thematik und zudem, und das ist noch relevanter, erstellt er eine imaginäre soziale Erwünschtheit, bzw. Zugehörigkeit, falls der Befragte negierend antwortet. Soziale Erwünschtheit bezeichnet den Einfluss der von der Gesellschaft als scheinbar positiv gewerteten Meinung auf das Verhalten der Person.[21]

In Frage 4 wird, neben der einseitigen Argumentation für eine Partei mit Regierungsmehrheit, der suggestive Stimulus mit der Verwendung der Phrase „…, oder?“ am Ende eingegeben. Diese Floskel ändert den Charakter des Aussagesatzes hin zu einem Satz mit Zustimmungstendenz[22], in diesem Fall zu der Angabe „positiv“.

In den Fragen 5,6 und 7 wird ebenfalls mit verzerrter Dialektik die wünschenswerte Alternative suggeriert, in Frage 7 zusätzlich mit der Untermalung des Begriffes „Meinungsfreiheit“ mit dem dazugehörigen Artikel im Grundgesetz, um Akzeptanz für das „Nicht- wählen“ zu erzielen. Wie schon in den vorherigen Fragestellungen bedient sich der Forscher der „Hier- und Jetzt- Erfahrung“ in der inhaltlichen Schwerpunktlegung. Damit sind in diesem Zusammenhang die Problematiken der einzelnen Sachverhalte gemeint, die im kognitiven Bewusstsein des Probanden verankert sind[23] und, einseitig argumentiert, als manipulativer Input fungieren.

Frage 5 beinhaltet einen weiteren modifizierten Teil, der eventuell die Meinung beeinflussen wird, nämlich der Namenswechsel von „Martin“ und „Thomas“ (A) zu „Martin“ und dem ausländisch klingenden Namen „Mesut“ (B).Der Fokus wird hier auf Martins deutlich umschriebenes Argument gelegt, wohingegen Mesut mit einer simplen unreflektierten Meinung am fiktiven Gespräch teilnimmt. In Frage 6 werden dem Probanden fiktive Nachteile einer vollständigen Privatisierung der deutschen Bahn aufgezeigt, sodass eine ablehnende Haltung durch die Einflussnahme erwartet wird.

Im Fragebogen (B) wird wie erwähnt bewusst versucht den Befragten in eine Richtung zu lenken. Inwieweit diese Suggestion geschieht, zeigt sich in der Auswertung der Daten.

3. Die Durchführung und personellen Rahmenbedingungen

Nachdem nun der methodische Aufbau des Forschungsprozesses illustriert wurde, beschäftigt sich dieser Abschnitt mit der Durchführung sowie statistischer Auswertung der Eigenschaften der Personen in den Probandengruppen um zu prüfen, in wie weit eine Äquivalenz der beiden Teileinheiten der Forschung existiert.

3.1 Die Durchführung

Die vergleichende Datenerhebung hat experimentellen Charakter, da in der Untersuchung eine Experimental-Gruppe, mit dem suggestiven Fragebogen, und eine Kontrollgruppe, mit dem ausbalancierten Fragebogen, vorhanden sind.

Dazu wurde die Befragung auf einem belebten Ort in der Stadt Rostock (Kröpeliner Straße, nahe dem Universitätshauptgebäude) an einem Dienstagnachmittag zwischen 13 und 17 Uhr durchgeführt, um zu gewährleisten, dass alle Bevölkerungsschichten, Altersgruppe sowie Geschlechter in der Stichprobe gegenwärtig sind.

Um tatsächliche Unterschiede zwischen den Gruppen auf den Stimulus der Suggestion zurückführen zu können, erfolgte die Auswahl der zugeteilten Fragebögen zufällig, das bedeutet der Forscher sowie seine Hilfskraft verteilten, bei den sich zur Umfrage bereit erklärenden Personen, wahllos den suggestiven oder ausbalancierten Fragebogen, um damit zu gewährleisten, dass Unterschiede in den Ergebnissen nicht bewusst durch die Selektion von Alter, Geschlecht oder sonstigen Eigenschaften intendiert werden.[24] Auftretende Differenzen bei den demographischen Dispositionen bzw. politischen Interessen in den Probandengruppen sind somit unwillkürlich entstanden.

3.2 Darstellung der Ergebnisse der Rahmenbedingungen

Im Anhang angefügt befinden sich die Häufigkeitsverteilungen der einzelnen Fragen. Die Resultate der jeweiligen Angaben der je 25 Befragten in den Fragen, welche nicht für die Untersuchung des Einflusses von Suggestion direkt verglichen werden (Frage 1, 2, 8, 9, 10, 11) unterscheiden sich in mancher Beziehung, während sie in anderer konvergieren. So stellen in beiden Fällen die 16-30jährigen Bürger die größte Altersgruppe dar, was wahrscheinlich mit dem jeweils umfangreichsten Anteil von Studenten in den Untersuchungsgruppen korreliert. Desweiteren ist das Geschlechterverhältnis bei der Kontrollgruppe fast ausgeglichen, lediglich bei der Experimentalgruppe ist der Frauenanteil deutlich höher. Signifikante Unterschiede bestehen in den ersten Fragen, nach der Selbsteinschätzung des politischen Interesses und der subjektiven politischen Ausrichtung. Während in (A) die Selbsteinschätzung „genau richtig“ und „zu wenig“ zu nahezu gleichen Anteilen (44% und 40%) gewählt wurden, antworteten 64% der Probanden in (B) mit „zu wenig“. Ebenso divergierend ist die Einordnung in das politische Spektrum. 84% der Bürger wählten in (A) überhaupt eine politische Ausrichtung, am häufigsten „sozialdemokratisch“, in (B) hingegen nur 60%. Der Modalwert dieser Frage bei (B) ist „unpolitisch“ (40%).

Ob, oder wenn ja, inwieweit diese Rahmenbedingungen Einfluss auf den Erfolg der Suggestion haben wird im nächsten Kapitel geprüft.

[...]


[1] Vgl. Kellermann, Mario (1997), „ Suggestive Kommunikation. Unterschwellige Botschaften in Alltag und Werbung. “ Bern: Hans Huber Verlag. S. 14

[2] Vgl. Schell, Rainer; Hill, Paul B; Esser, Elke (2008), “Methoden der empirischen Sozialforschung”, 8. unveränderte Auflage, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag. S. 335

[3] Gehring, Uwe W.; Weins, Cornelia (2009), „Grundkurs Statistik für Politologen und Soziologen.“ 5., überarbeitete Auflage, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. S. 23

[4] Winbigler, Charles F. (2009), „Suggestion Its Law and Application or The Principles and Practice of Psycho-Therapeutics” Charleston: Bibliobazaar. S. 13

[5] Vgl. Kellermann, Mario (1997), S. 14

[6] Vgl. Gehring, Uwe W.; Weins, Cornelia (2009), S. 16

[7] Vgl. Alemann, Ulrich von; Forndran Erhard (2005), „Methoden der Politikwissenschaft. Eine Einführung in Arbeitstechnik und Forschungspraxis. “, 7. Auflage, Stuttgart: Kohlhammer. S. 159

[8] Vgl. Schell, Rainer; Hill, Paul B; Esser, Elke (2008), S. 304f

[9] Vgl. Häder, Michael (2010), „Empirische Sozialforschung. Eine Einführung.“ 2. überarbeitete Auflage, Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. S. 188

[10] Vgl. Tabelle 9: „Hauptformen der Erhebung primärer Daten “ in Alemann, Ulrich von; Forndran Erhard (2005) S. 164

[11] Porst, Rolf (2009), „ Der Fragebogen. Ein Arbeitsbuch“, 2. Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften. S. 55

[12] Vgl. Gehring, Uwe W.; Weins, Cornelia (2009) S. 84

[13] Vgl. Alemann, Ulrich von; Forndran Erhard (2005) S. 173

[14] Porst, Rolf (2009), S. 69

[15] Einstellungs- und Meinungsfragen beziehen sich auf positive oder negative Beurteilungen einer Aussage. Vgl. dazu: , Rainer; Hill, Paul B; Esser, Elke (2008), S. 326

[16] Porst, Rolf (2009), S. 70f

[17] Vgl. Gehring, Uwe W.; Weins, Cornelia (2009), S. 83

[18] Rainer; Hill, Paul B; Esser, Elke (2008), S. 335

[19] Vgl. Rainer; Hill, Paul B; Esser, Elke (2008), S. 326

[20] Vgl. Ebd. S. 334f

[21] Vgl. Gehring, Uwe W.; Weins, Cornelia (2009), S. 71

[22] Vgl. Kellermann, Mario (1997), S. 95

[23] Ebd. S. 92

[24] Vgl. Ebd. S. 23

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Suggestivfragen in quantitativen Datenerhebungen
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V412092
ISBN (eBook)
9783668633810
ISBN (Buch)
9783668633827
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suggestion, Fragebogen, quantitative Datenerhebung, Methoden der Politikwissenschaft, Empirische Sozialforschung
Arbeit zitieren
Stefan Rausch (Autor), 2010, Der Einfluss von Suggestivfragen in quantitativen Datenerhebungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412092

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