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Feigheit, Dummheit, Eigennutz. Zu Josef K.s Verhalten im "Proceß" von Kafka

Titel: Feigheit, Dummheit, Eigennutz. Zu Josef K.s Verhalten im "Proceß" von Kafka

Hausarbeit , 2011 , 17 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Lisa Maria Koßmann (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Gegensatz zu den meisten Schriftstellern ermöglicht uns Kafka nicht nur einen Blick auf die Gedanken und Handlungen seiner Hauptperson, sondern auch, durch seine besondere Erzählweise, Einblicke in ihr Unterbewusstsein. Der Leser wird konfrontiert mit tiefsitzenden Trieben, Gefühlen und Ängsten. Dies eröffnet die Möglichkeit, Kafkas Figuren nicht nur soziologisch zu interpretieren, wie es beispielsweise Adorno getan hat, sondern auch psychologisch. Dies ist besonders dann relevant für das Textverständnis, wenn der entsprechende Text aus der personalen Perspektive der Hauptfigur erzählt wird, wie dies beim ‚Proceß‘ der Fall ist. Um die Vorgänge in dem Roman zu verstehen, ist es unerlässlich, den Protagonisten Josef K. zu verstehen. Ohne die Einsicht in seine Psyche ist eine kritische Sicht auf die eingeschränkte Erzählperspektive, die häufig als ‚einsinniges Erzählen‘ bezeichnet wird, nicht möglich.

Auf der Suche nach dem ‚Bauplan‘ für K. wird man zunächst mit seiner stetigen Verdrängung des Gerichtsverfahrens konfrontiert. Er entzieht sich der aktiven Beschäftigung mit seinem Fall und streitet den Gedanken an Schuld sofort ab. Versucht man, ein ursächliches Muster für diese Reaktion auf seine Anklage zu finden, stößt man schließlich auf drei große Kräfte; verborgene Mechanismen, die in K.s Innerem walten. Sie lenken ihn in nahezu all seinen Handlungen, ohne dass sich K. dieser Einflüsse bewusst ist (zumindest bis auf wenige Ausnahmen).
In dem Roman ‚Spieltrieb‘ von Juli Zeh (2006) begegnen dem Leser die gleichen drei Kräfte. ‚Feigheit, Dummheit, Eigennutz‘ nennt Zeh das Prinzip, das alle beherrscht – nicht nur die Figuren in ihrem Roman, sondern gleichsam alle Menschen zu jedem Zeitalter. Hier lässt sich nun wieder an den ‚Proceß‘ anknüpfen, an Josef K., der letztlich an sich selbst scheitert und seiner Unfähigkeit, sich zu verändern. Die drei Begriffe von Zeh erschließen K.s Verhalten und geben den Gründen für sein Scheitern Namen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Feigheit, Dummheit, Eigennutz

2.1 Feigheit

2.2 Dummheit

2.3 Eigennutz

3. Conclusio

4. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhalten des Protagonisten Josef K. in Franz Kafkas Roman ‚Der Proceß‘ anhand eines dreigliedrigen psychologischen Rasters, um aufzuzeigen, wie innere Kräfte sein Scheitern und seinen Umgang mit dem Gerichtsverfahren determinieren.

  • Die psychologische Analyse der Hauptfigur Josef K.
  • Anwendung des Prinzips von Feigheit, Dummheit und Eigennutz.
  • Untersuchung der Verdrängungsmechanismen und Ängste des Protagonisten.
  • Die Rolle der Passivität und des Beobachtens im Roman.
  • Die Bedeutung von Schuld und persönlicher Unfähigkeit.

Auszug aus dem Buch

2.1 Feigheit

Die Feigheit ist die größte und zugleich problematischste Kraft für Josef K., unter anderem deshalb, weil er sie nur in den seltensten Fällen an sich selbst bemerkt und noch seltener versucht, ihr entgegenzuwirken. Während der Eigennutz, z. B. sein Streben nach einer höheren Position in der Bank, ihn ganz offensichtlich leitet, wirkt die Feigheit im Verborgenen.

Um das Prinzip klarer zu fassen, kann auf einen anderen Begriff zurückgegriffen werden, der dem der Feigheit ähnlich ist: Passivität. Josef K. ist in den meisten Situationen unfähig, selbst aktiv zu werden, was sich entscheidend auf sein Leben im Allgemeinen und seinen Prozess im Besonderen auswirkt.

Diese Feigheit bzw. Passivität äußert sich in mehreren wiederkehrenden Symptomen während des gesamten Romans: Er ist unfähig, Entscheidungen zu treffen, er weicht Konflikten mit Mitmenschen sowie der Konfrontation mit seinem Prozess fortwährend aus, er täuscht sich selbst und ergeht sich in falschen Rechtfertigungen für sein Nicht-Handeln und immer wieder zieht er das Beobachten dem Aktivwerden vor. Allgemein lässt sich eine stets wartende Haltung an ihm konstatieren. Die Feigheit verhindert jegliche Entwicklung und Veränderung in seinem Leben. Umso erschreckender sind für ihn die Umbrüche, die durch den Prozess ohne sein Zutun und ohne dass er sie verhindern könnte, in sein Leben eindringen; besonders die Tatsache, dass er nun gezwungen ist, sich mit sich selbst und seinem Innenleben zu beschäftigen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die psychologische Lesart von Kafkas Werk ein und erläutert die Untersuchung von Josef K. anhand der drei zentralen Kräfte Feigheit, Dummheit und Eigennutz.

2. Feigheit, Dummheit, Eigennutz: In diesem Kapitel wird das triadische Verhaltensmuster detailliert analysiert, wobei Feigheit, Dummheit und Eigennutz als treibende, teils unbewusste Kräfte in Josef K.s Handeln identifiziert werden.

2.1 Feigheit: Hier wird K.s Passivität, seine Unentschlossenheit und seine Neigung zur Selbsttäuschung sowie zur Vermeidung von echter Konfrontation mit dem Prozess untersucht.

2.2 Dummheit: Dieses Kapitel behandelt K.s Naivität, seine Unaufmerksamkeit gegenüber kritischen Zeichen und seine fehlerhafte Selbsteinschätzung, die ihn in die Verstrickung mit dem Gericht führt.

2.3 Eigennutz: Hier steht K.s Machtstreben, seine instrumentelle Behandlung von Mitmenschen und seine Unfähigkeit zu echten zwischenmenschlichen Bindungen im Fokus.

3. Conclusio: Die Conclusio führt die Einzelanalysen zusammen und begründet K.s Verhalten als psychologischen Schutzmechanismus gegen eine tiefer liegende, existenzielle Angst.

4. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die primären Textquellen sowie die herangezogene Forschungsliteratur zur Interpretation von Kafkas Roman auf.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Der Proceß, Josef K., Feigheit, Dummheit, Eigennutz, Psychologie, Neurose, Schuld, Passivität, Verdrängung, Existenzangst, Literaturanalyse, Verhalten, Machtstreben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die psychologischen Mechanismen, die das Verhalten von Josef K. im Roman ‚Der Proceß‘ von Franz Kafka bestimmen.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Analyse der drei von Juli Zeh übernommenen Kräfte Feigheit, Dummheit und Eigennutz und wie diese K.s Scheitern im Prozess bewirken.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, K.s Handlungen nicht nur soziologisch, sondern durch eine psychologische Untersuchung seiner Verdrängungsprozesse und Ängste zu deuten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wendet eine interpretative Literaturanalyse an, gestützt durch psychoanalytische Ansätze von Theoretikern wie Heinz Politzer und Karen Horney.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Feigheit, Dummheit und Eigennutz als Triebkräfte, die K.s Entwicklung verhindern und sein Schicksal besiegeln.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die wichtigsten Begriffe sind Kafka, Der Proceß, Psychologie, Feigheit, Dummheit, Eigennutz, Schuld, Existenzangst und Passivität.

Warum wird Josef K.s Feigheit oft mit dem Begriff Passivität gleichgesetzt?

In der Arbeit wird argumentiert, dass K. unfähig ist, aktiv zu werden oder Entscheidungen zu treffen, was ihn zu einer wartenden Haltung zwingt, die dem Prinzip der Feigheit entspricht.

Inwiefern spielt das Thema Schuld eine Rolle für das Verständnis der Hauptfigur?

Die Schuld ist laut Arbeit kein juristisches Verbrechen, sondern in K.s Wesen und seiner Unfähigkeit begründet, sich seiner existentiellen Angst und Verantwortung zu stellen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Feigheit, Dummheit, Eigennutz. Zu Josef K.s Verhalten im "Proceß" von Kafka
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Autor
Lisa Maria Koßmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V412093
ISBN (eBook)
9783668633711
ISBN (Buch)
9783668633728
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kafka Proceß Josef K.
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lisa Maria Koßmann (Autor:in), 2011, Feigheit, Dummheit, Eigennutz. Zu Josef K.s Verhalten im "Proceß" von Kafka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412093
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Leseprobe aus  17  Seiten
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