Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands stellte sich in West und Ost die Frage nach einer erneuten Militarisierung in anbetracht der grausamen Erfahrungen des Nazi-Regimes und den Einsätzen der Wehrmacht. Hier soll nun der Blick auf die Nationale Volksarmee (NVA), den Streitkräften der DDR, gerichtet werden. Dabei entscheidend ist der oktroyierte Rahmen in der Ausgestaltung und Aufgabenübernahme durch die Sowjetunion und die gesellschaftliche Bedeutung jener zweiten neuen Armee auf deutschem Boden nach 1945.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Nationale Volksarmee – Armee des Volkes?
1.1 Gründung und Aufbau der NVA
1.2 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
1.3 Ideologische Indoktrinierung und die Rolle der SED
1.4 Militarismus und Kontrolle
1.5 Ambivalenz an der Grenze
2. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Rolle und Bedeutung der Nationalen Volksarmee (NVA) in der DDR sowie deren Verflechtung mit der SED-Führung und dem Warschauer Pakt.
- Historische Genese und Aufbau der NVA als Streitkraft der DDR
- Einfluss der Wehrpflicht auf die gesellschaftliche Vernetzung des Militärs
- Ideologische Indoktrinierung und die Rolle der SED im militärischen Gefüge
- Militärische Überwachung und der Einsatz von Informanten durch das Ministerium für Staatssicherheit
- Ambivalenz zwischen staatlichem Verteidigungsauftrag und dem Einsatz gegen die eigene Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
Die Nationale Volksarmee – Armee des Volkes?
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands stellte sich in West und Ost die Frage nach einer erneuten Militarisierung in anbetracht der grausamen Erfahrungen des Nazi-Regimes und den Einsätzen der Wehrmacht. Hier soll nun der Blick auf die Nationale Volksarmee (NVA), den Streitkräften der DDR, gerichtet werden. Dabei entscheidend ist der oktroyierte Rahmen in der Ausgestaltung und Aufgabenübernahme durch die Sowjetunion und die gesellschaftliche Bedeutung jener zweiten neuen Armee auf deutschem Boden nach 1945.
Schon vor der tatsächlichen Gründung der NVA sollte die Aufrüstung von Streitkräften in der Größe von 300.000 Mann, gegliedert in Marine, Luftwaffe und Heer erfolgen. Getarnt unter dem Namen „Kasernierte Volkspolizei“ (KVP) begann der Aufbau der eigenen Streitkräfte noch ohne offiziellen Anspruch der Landesverteidigung. Die Militarisierung ging sehr rasch von statten, sodass schon Mitte 1953 eine Gesamtstärke von 113.000 Mann verbucht werden konnte. Bemerkenswerterweise geschah diese schnelle Mobilisierung auf faktisch freiwilliger Basis, da zu diesem Zeitpunkt keine Wehrpflicht bestand. Die Kosten dieser Militarisierung, die 1952/1953 circa 20% des Staatshaushaltes vereinnahmten waren ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche und politische Krise 1953.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Nationale Volksarmee – Armee des Volkes?: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung der NVA aus der Kasernierten Volkspolizei und analysiert die politischen Rahmenbedingungen der Militarisierung in der frühen DDR.
1.1 Gründung und Aufbau der NVA: Hier wird der Prozess der schnellen, zunächst freiwilligen Aufrüstung und die Einbettung in die Strukturen der Sowjetunion thematisiert.
1.2 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht: Der Abschnitt erläutert die gesetzliche Verankerung des Wehrdienstes ab 1962 und dessen gesellschaftliche Auswirkungen sowie die Reservistenpflicht.
1.3 Ideologische Indoktrinierung und die Rolle der SED: Dieses Kapitel untersucht die Durchdringung der Streitkräfte mit SED-Ideologie und die Überwachung durch Politoffiziere.
1.4 Militarismus und Kontrolle: Hier steht die hohe Dichte an paramilitärischen Organisationen und die flächendeckende Bespitzelung durch das Ministerium für Staatssicherheit im Fokus.
1.5 Ambivalenz an der Grenze: Dieser Teil analysiert den Gewissenskonflikt der Grenztruppen im Spannungsfeld zwischen Ideologie und dem Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze.
2. Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Rolle der NVA als Instrument zur Sicherung der SED-Diktatur und stellt die Frage nach dem Widerstandspotenzial innerhalb des Militärapparats.
Schlüsselwörter
Nationale Volksarmee, DDR, SED, Militarismus, Wehrpflicht, Kasernierte Volkspolizei, Warschauer Pakt, Ministerium für Staatssicherheit, Landesverteidigung, Indoktrinierung, Grenzregime, Sozialistische Erziehung, Politoffiziere, Zivilgesellschaft, Diktatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Nationalen Volksarmee (NVA) innerhalb der Gesellschaft der DDR und untersucht, wie das Militär als Instrument zur Machtabsicherung durch die SED genutzt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen den historischen Aufbau der Armee, die Einführung der Wehrpflicht, die ideologische Beeinflussung der Soldaten sowie die Rolle der Stasi in den Streitkräften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die NVA in die DDR-Gesellschaft eingebettet war und ob sie primär als Verteidigungsarmee oder als Instrument der SED zur Herrschaftssicherung fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse von Primärquellen, wie Verfassungstexten und Regierungsdekreten, sowie auf einschlägige Fachliteratur zur Militärgeschichte der DDR.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Transformationsprozess von der KVP zur NVA, die Auswirkungen der Wehrpflicht, die Rolle der SED-Mitglieder in der Armee und die psychologischen Belastungen der Grenzsoldaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind NVA, SED, Militarismus, Wehrpflicht, Staatssicherheit, Indoktrinierung und das Spannungsfeld zwischen Armee und Zivilgesellschaft.
Welche Rolle spielte das Ministerium für Staatssicherheit innerhalb der NVA?
Das MfS betrieb eine umfassende Überwachung der Soldaten, um die Treue zum Sozialismus zu sichern; das Verhältnis von Informanten zu Soldaten war dabei im Vergleich zur zivilen Überwachung überdurchschnittlich hoch.
Warum war der Begriff des „Ehrendienstes“ für die SED von so großer Bedeutung?
Durch die ideologische Umdeutung des Wehrdienstes als „Ehrendienst“ versuchte die Führung, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen und den Zugang zu militärischen Handlungen zu erleichtern.
- Arbeit zitieren
- Stefan Rausch (Autor:in), 2011, Die Nationale Volksarmee. Eine Armee des Volkes?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412099