Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Latin philology - Linguistics

Orator perfectus. Zu Ciceros Rednerideal

Title: Orator perfectus. Zu Ciceros Rednerideal

Bachelor Thesis , 2015 , 40 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Lisa Maria Koßmann (Author)

Latin philology - Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei der Beschäftigung mit der Rhetorik ist eine Auseinandersetzung mit dem Redner selbst unumgänglich. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig Literatur bisher zu diesem Thema erschienen ist. Auch zu Ciceros Ideal des orator perfectus sind weniger Publikationen zu finden, als angesichts der Bedeutung des Themas zu erwarten wäre. Eine Gesamtdarstellung des Ideals bietet einzig Barwick, Robling gibt im Rahmen seiner Begriffsgeschichte des Rednerideals ebenfalls einen etwas detaillierteren Einblick. Aufsätze wie der von von Classen beschäftigen sich lediglich mit Teilaspekten.

Dabei ist eine Analyse von Ciceros Rednerkonzept schon deshalb nötig, weil es einige (auch allgemeine) Fragen aufwirft, die für die Rhetorik relevant sind: Was soll ein Redner eigentlich tun, was soll er können und wie soll er sein? Welche Rolle hat er in der Gesellschaft? Und nicht zuletzt: Wozu formuliert Cicero in dieser Deutlichkeit einen Anspruch, dem unmöglich ein Redner gerecht werden kann?

Die vorliegende Arbeit versucht Antworten auf diese Fragen zu finden. Anhand ausgewählter rhetorischer Schriften Ciceros, in denen der orator perfectus thematisiert wird (De oratore, Orator, De inventione, Brutus und De optimo genere oratorum), erfolgt eine Darstellung des Ideals, die angesichts des Umfangs der Quellen überblickshaft bleiben muss und doch den Anspruch hat, die wichtigsten Aspekte zu behandeln. Ziel ist es, die zahlreichen Definitionen und Anforderungen, die Cicero in seinen Schriften entwickelt, zu einem einheitlichen Konzept des idealen Redners zusammenzustellen. In der Folge können dann weitergehende Fragen geklärt werden, etwa hinsichtlich der Erreichbarkeit des Ideals und dem Verhältnis von Rhetorik und Philosophie.

Ciceros orator perfectus begründete eine lange Wirktradition. Die zeitlich nächste und inhaltlich auf den ersten Blick engste Adaption stammt von Quintilian. Eine Gegenüberstellung seiner Auslegung des Rednerideals mit der Ciceros führt auf perspektivische Unterschiede und verdeutlicht den Einfluss historischer Umstände und beruflicher Ausrichtung auch in Ciceros Fall. Dieser Paragraph soll den Analyseteil der Arbeit abschließen und um die (historische und soziale) Kontextdimension ergänzen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der orator perfectus

2.1. Bildungsanforderungen

2.2. Rhetorische Fähigkeiten

2.3. Persönlichkeit des Redners

2.4. Rednerideal und Moral

2.5. Rednerische Pflichten

2.6. Naturanlage und Ausbildung

2.7. Wozu das Ideal?

2.8. Die Rolle des Redners im Staat

2.9. Das Verhältnis von Philosophie und Rhetorik

3. Weiterwirken des orator perfectus bei Quintilian

4. Conclusio

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Ciceros Ideal des „orator perfectus“ anhand seiner rhetorischen Schriften. Ziel ist es, die vielfältigen Anforderungen an den idealen Redner – von umfassender Bildung über rhetorische Techniken bis hin zu moralischen Aspekten – zu einem einheitlichen Konzept zusammenzuführen und das Verhältnis zwischen Rhetorik und Philosophie sowie die Wirkung auf nachfolgende Generationen, insbesondere Quintilian, zu analysieren.

  • Analyse der theoretischen und praktischen Bildungsanforderungen an den Redner.
  • Untersuchung der rhetorischen Fähigkeiten und stilistischen Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Reflektion der moralischen Dimension und des Spannungsfeldes zwischen Rhetorik und Philosophie.
  • Kontextualisierung des Rednerideals in den politischen Gegebenheiten der römischen Republik.
  • Vergleichende Analyse der Rezeption des „orator perfectus“ durch Quintilian.

Auszug aus dem Buch

2.1. Bildungsanforderungen

Ein wahrer Redner nach Ciceros Auffassung ist äußerst selten (boni perdiu nulli … oratores invenirentur, de orat. I, 8), vielleicht hat es ihn sogar nie gegeben: ne fuerit (orat. 101). Unter allen Disziplinen ist Vollendung in der Rhetorik am schwierigsten zu erreichen: plures in omnibus rebus quam in dicendo admirabiles (de orat. I, 6). Das liegt daran, dass Redefähigkeit alleine bei Weitem nicht ausreicht. Possit dicere (s. o.) impliziert für Cicero „können“ und „wissen“ auf hohem Niveau:

Sin oratoris nihil vis esse nisi composite, ornate, copiose loqui, quaero, id ipsum qui possit adsequi sine ea scientia, quam ei non conceditis? Dicendi enim virtus, nisi ei, qui dicet, ea, quae dicet, percepta sunt, exstare non potest (de orat. I, 48).

Daraus ergibt sich eine Forderung nach (theoretischer) Bildung, und zwar in allen Disziplinen, da es kein Gebiet gibt, über das der Redner nicht sprechen kann (bzw. sprechen können soll): oratorem plenum atque perfectum esse eum, qui de omnibus rebus possit copiose varieque dicere (de orat. I, 59). Umfassende Bildung ist für Cicero untrennbar mit der Redefähigkeit verbunden. Nicht nur heißt es zu Beginn von Buch II von De oratore:

illud autem est huius institutae scriptionis ac temporis, neminem eloquentia non modo sine dicendi doctrina, sed ne sine omni quidem sapientia florere umquam et praestare potuisse (de orat. II, 5).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Notwendigkeit einer Analyse des Rednerideals bei Cicero und stellt die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.

2. Der orator perfectus: Dieses Hauptkapitel expliziert die vielfältigen Anforderungen, die Cicero an den vollkommenen Redner stellt, wobei die Bereiche Bildung, Rhetorik, Persönlichkeit, Moral, Pflichten, Begabung, das Ideal an sich sowie die gesellschaftliche Rolle und das Verhältnis zur Philosophie detailliert behandelt werden.

3. Weiterwirken des orator perfectus bei Quintilian: Hier wird untersucht, wie Quintilian Ciceros Rednerideal in der Kaiserzeit aufgriff, modifizierte und durch seine pädagogische Perspektive neu akzentuierte.

4. Conclusio: Die Conclusio fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die anhaltende Bedeutung des Rednerideals als pädagogisches Instrument sowie dessen enge Verknüpfung mit dem politischen Kontext.

Schlüsselwörter

Cicero, Orator perfectus, Rhetorik, Eloquentia, Rednerideal, Quintilian, Philosophie, De oratore, Orator, Redepflichten, Ausbildung, Politische Rolle, Ingenium, Doctrina, Exercitatio

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Ciceros Ideal des „orator perfectus“, also des vollkommenen Redners, wie er es in seinen rhetorischen Schriften konzipiert hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Anforderungen an Bildung und Fachwissen des Redners, seine rhetorischen Techniken, die ethische Dimension seiner Tätigkeit und sein Wirken im politischen System der römischen Republik.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aus den zahlreichen Anforderungen und Definitionen Ciceros ein einheitliches theoretisches Konzept des idealen Redners zu destillieren und dessen praktische Relevanz sowie historische Tradition zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen Analyse ausgewählter rhetorischer Quellenschriften Ciceros, ergänzt durch eine vergleichende Betrachtung der Rezeption bei Quintilian.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Facetten des orator perfectus analysiert: Bildungsanforderungen, rhetorische Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale, Moralvorstellungen, rednerische Pflichten, das Zusammenspiel von Naturanlage und Ausbildung sowie das Verhältnis zur Philosophie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rhetorik, Eloquentia, orator perfectus, politische Rolle, Ausbildung, Philosophie, Cicero und Quintilian charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Ciceros Ideal von dem Quintilians?

Während bei Cicero die politische Funktion und die republikanische Freiheit im Vordergrund stehen, weist Quintilians Ideal eine stärkere restaurative, ethische Note auf, da er in der Kaiserzeit unter veränderten politischen Rahmenbedingungen schreibt.

Welche Rolle spielt die Philosophie für das ciceronianische Rednerideal?

Die Philosophie liefert für Cicero das notwendige fundierte Allgemeinwissen und die ethische Basis, wobei er eine Einheit von res (Sache/Philosophie) und verba (Wort/Rhetorik) fordert, die in der Praxis jedoch oft durch eine künstliche Trennung der Disziplinen gestört wurde.

Excerpt out of 40 pages  - scroll top

Details

Title
Orator perfectus. Zu Ciceros Rednerideal
College
University of Heidelberg
Grade
1,7
Author
Lisa Maria Koßmann (Author)
Publication Year
2015
Pages
40
Catalog Number
V412109
ISBN (eBook)
9783668634381
ISBN (Book)
9783668634398
Language
German
Tags
cicero orator perfectus vir bonus rednerideal quintilian institutio oratoria redner rolle rhetorik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Maria Koßmann (Author), 2015, Orator perfectus. Zu Ciceros Rednerideal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412109
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  40  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint