Kriegsende und Revolution 1918/19 in Hessen


Referat (Ausarbeitung), 2018
8 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Thema: Kriegsende und Revolution 1918/19 in Hessen

I. Vorgeschichte/Ausgangssituation (Frühjahr 1917 - Oktober 1918)

Zur Vorgeschichte bzw. Ausgangssituation - also vom Frühjahr 1917 bis zum Oktober 1918 - lässt sich sagen, dass:

- es u.a. große Versorgungsprobleme und Unterernährung gab -> Es machte sich eine allgemeine Kriegsmüdigkeit und Friedenssehnsucht breit
- Es kam zu Aufrufen zur Revolution und zu Protesten -> Außerdem kam es zu großen Streiks in Industrie- und Rüstungsbetrieben (u.a. in Kassel)
- Im Großherzogtum Hessen hatte Z.B. die SPD seit Frühjahr 1917 auf eine Verfassungsreform gedrängt (u.a. Einführung eines parlamentarischen Regierungssystems; Wahlrechtsreform etc.)
-> aber erst im Oktober 1918 zeigten sich Großherzog und Regierung dies­bezüglich zum Entgegenkommen bereit

II. Beginn der Revolution

- Unmittelbarer auslösender Anlass der Novemberrevolution war ja der sog. Kieler Matrosenaufstand Anfang November 1918, der sich innerhalb weniger Tage zu einer Revolution entwickelte, die das ganze Reich erfasste

- So kam es auch im Großherzogtum Hessen und in der preußischen Provinz Hessen-Nassau am 8. und 9. November 1918 in zahlreichen Städten (wie Z.B. Darmstadt, Offenbach, Mainz, Gießen, Frankfurt, Kassel, Hanau, Wiesbaden, Marburg etc.) zur Bildung von revolutionären Arbeiter- und Soldatenräten (AuSR), die mehrheitlich von der gemäßigten und parlamentarisch gesinnten MSPD (Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands) dominiert wurden -> diese Arbeiter- und Soldatenräte Übernahmen dann zunächst die Vollzugs­und Legislativgewalt in ihrem j eweiligen Bereich

- Im Großherzogtum Hessen wurde am 09. November 1918 der Großherzog abgesetzt und durch den Hessischen AuSR in Darmstadt die sozialistische Republik bzw. der Volksstaat ausgerufen

- Dieser Hessische AuSR in Darmstadt, der auch von der MSPD dominiert wurde, beauftragte schon am 11. November 1918 die MSPD-Fraktion im Landtag eine provisorische republikanisch-parlamentarische Regierung zu bilden

-> mit dieser Entscheidung gab der Hessische AuSR schon relativ schnell de facto die Regierungsmacht an die verfassungsmäßig gewählten Parlamentarier bzw. die neue Regierung ab

- Es kam dann sehr zügig zur Regierungsbildung durch die MSPD und der vormalige Chef der MSPD-Landtagsfraktion, Carl Ulrich, wurde hessischer Ministerpräsident

- Der Hessische AuSR in Darmstadt, der damit nur de jure oberstes Vollzugsorgan blieb, arbeitete in der Folgezeit eng mit der Regierung zusammen

-> u.a. bei der Demobilisierung, der Versorgung der Bevölkerung sowie der Aufrechterhaltung der öffendichen Sicherheit etc.

- Ministerpräsident Ulrich hatte direkt von Anfang an die bürgerlichen Parteien (DDP & Zentrum) an seiner Regierung beteiligt und arbeitete auch eng mit dem alten Staatsapparat bzw. dem Beamtentum zusammen1

- Damit wurden dann natürlich auch zwangsläufig oft weitergehende

sozialdemokratische Forderungen geräumt und erwartete und geforderte gesellschaftliche Strukturveränderungen, wie Veränderungen in Militär, Bürokratie und Großindustrie blieben aus

- was auch dazu führte, dass sich im weiteren Verlauf der Revolution Teile der Arbeiterschaft von der MSPD und ihrem Regierungskurs abwandten und sich radikalisierten und der USPD und später KPD zuwandten

- In der preußischen Hessen-Nassau verlief es im Prinzip ähnlich, wie im ehemaligen Großherzogtum Hessen:

- Der in Kassel gebildete und übergeordnete Zentral-Arbeiter- und Soldatenrat (ZAuSR), der auch mehrheitlich von der MSPD dominiert war, arbeitete eng mit dem preußischen Revolutionskabinett (revolutionäre provisorische Regierung in Preußen) und den zivilen und militärischen Behörden zusammen

- Auch er vertrat die gemäßigte Linie der MSPD, also Stabilisierung der bürgerlichen Gesellschaft im Rahmen des Parlamentarismus und Abwehr von zu weitgehenden sozialistischen Forderungen

- Erst nach der Zusammenkunft der Weimarer Nationalversammlung änderte er seine Linie und wurde radikaler: So forderte er im März 1919 die Reichsregierung und die Nationalversammlung auf, die Reichsregierung in eine rein sozialdemokraitische umzubilden, eine Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenkammer neben der Nationalversammlung einzurichten, die größeren Räte weiterbestehen zu lassen sowie die Sozialisierung von Betrieben zu forcieren2

- Die Herrschaft des Rates wurde am 22. Februar 1919 durch den Einmarsch von Regierungstruppen gewaltsam beendet

III. Weiterer Verlauf der Geschehnisse

- Ab dem 14. November 1918 nahm die OHL ihr Hauptquartier in Kassel und organisierte von dort die Rückführung und Demobilisierung der deutschen Truppen (Ende des Ersten Weltkrieges: Waffenstillstandsabkommen vom 11. November 1918)

- Am 16. November 1918 wurde der alte Hessische Landtag in Darmstadt, das alte Parlament des Großherzogtums Hessen, aufgelöst

- Am 23. November 1918 verlangte der Hessische AuSR in Darmstadt im Einvernehmen mit der MSPD-Regierung ausdrücklich die umgehende Ein­berufung einer verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung

-> er sprach sich damit ausdrücklich für eine parlamentarische Demokratie und gegen ein Rätesystem aus

- Am 03. Dezember 1918 wurde die Verordnung über Wahlen zur verfassungs­gebenden Volkskammer der Republik Hessen erlassen

-> sie sah u.a. die Direkt- und Verhältniswahl vor und das Wahlrecht für alle männlichen und weiblichen Hessen ab 20 Jahren

- Am 09. Dezember 1918 wurde der Hessische AuSR in Darmstadt in Volksrat für die Republik Hessen umbenannt, aus Rücksicht auf die nach dem Waffenstillstand angeordneten Maßnahmen zur Entmilitarisierung3

[...]


1 Die Darmstädter MSPD fuhr damit im Prinzip den gleichen Kurs wie die Reichs-MSPD (Friedrich Ebert etc.) auf Bundesebene -> also Forcierung einer möglichst schnellen Parlamentarisierung der Revolution sowie Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Kräften und dem alten Staatsapparat und Beamtentum, um die Revolution, wie es damals hieß, in „geordnete Bahnen“ zu lenken

2 In Hanau sah die Sache jedoch etwas anders aus: -> Dort regierte ein USPD-dominierter (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) AuSR, der den übergeordneten Zentral-Arbeiter- und Soldatenrat in Kassel nicht anerkannte und sich dem gemäßigten Kurs nicht beugen wollte: Er forderte eine sozialistische Räterepublik

3 Ab Dezember 1918 vollzog sich dann auch die Heimkehr der hessischen Truppen in die Republik Hessen, wo sie anschließend demobilisiert wurden

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Kriegsende und Revolution 1918/19 in Hessen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Fachbereich Neueste Geschichte)
Veranstaltung
Der Blick auf den Ersten Weltkrieg: Alltag und Krieg im Spiegel der hessischen Regionalpresse 1914-1918
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
8
Katalognummer
V412166
ISBN (eBook)
9783668633957
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hessen, Erster Weltkrieg, Regionalpresse, Regionale Presse, Hessische Presse, Revolution, Novemberrevolution, Novemberrevolution in Hessen
Arbeit zitieren
Johannes Ehrengruber (Autor), 2018, Kriegsende und Revolution 1918/19 in Hessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412166

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