Humor als Coping-Strategie. Die Auswirkungen von Humor auf die Stressverarbeitung


Bachelorarbeit, 2017

43 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Copings: Stressentstehung und Stressbewältigung
2.1 Stress: Belastung oder Übersteigung kognitiver Anforderungen
2.1.1 Begriffsbestimmung: Stress
2.1.2 Kognitiver Bewertungsprozess zur Entstehung von Stress
2.2 Coping: Bewältigung von Stress
2.2.1 Begriffsbestimmung: Coping
2.2.2 Klassen von Coping-Strategien
2.2.3 Unterscheidung: Adaptive und maladaptive Coping-Strategien

3 Humor als multidimensionales Konzept
3.1 Annäherung an den Humorbegriff
3.1.1 Unterschiedliche Definitionsansätze
3.1.2 Soziale, kognitive und emotionale Prozesse im Kontext von Humor
3.2 Identifizierung von individuellen Persönlichkeitsaspekten
3.2.1 Humor als Persönlichkeitseigenschaft: Sinn für Humor
3.2.2 Adaptive und maladaptive Humorstile

4 Coping-Strategien im Kontext von Humor
4.1 Stressreduktion mit einem Sinn für Humor
4.2 Strategie zur emotionalen Distanzierung von negativen Situationen
4.3 Strategie der kognitiven Ablenkung
4.4 Annullierung negativer Emotionen mit Humor
4.5 Verstärkung der sozialen Unterstützung durch Humor

5 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der kognitive Bewertungsprozess zur Stressentstehung nach Lazarus

Abb. 2: Coping-Prozess zur Erklärung der humorvollen Neubewertung eines Stressors

1 Einleitung

„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ (Joachim Ringelnatz) Wenn Humor etwas Ungutes verhindern kann, dann muss sich aus Humor und mit Humor Positives ergeben. Joachim Ringelnatz versucht in einer metaphorischen Sprache den Humor zu erfassen. Die vorliegende Arbeit will die Auswirkungen von Humor über die Wirkungsweisen erfassen.

So betreffen direkte Auswirkungen physische Aspekte. Es wird angenommen, dass Humor den Blutdruck und die Herzfrequenz erhöht, wodurch Wachsamkeit und Gehirnaktivität gesteigert und die Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt werden (vgl. Fry 1994, S. 114). In diesem Zusammenhang geht es um die gesundheitsförderlichen Aspekte von Humor auf die physische Gesundheit.

Indirekte Auswirkungen betreffen die Psyche. Die psychischen Effekte von Humor sind besonders komplex und stellen eines der größten Forschungsfelder innerhalb der Humorforschung dar. Dem zufolge hilft Humor bei der Stressbewältigung und fördert dadurch indirekt die Gesundheit (vgl. Nezlek und Derks 2001, S. 406). Der Fachbegriff zur Stressbewältigung lautet Coping. Die spezifische Vorgehensweise wird Coping-Strategie genannt.

Humorvolle Coping-Strategien sind folglich Strategien im Kontext von Humor, die bei der Bewältigung von Stress eine Bedeutung haben. Das Verständnis für humorvolle Coping-Strategien ist insofern von Interesse, als es einerseits grundlegend und dennoch vielfältig in die Praxis umsetzbar ist. So können humorvolle Coping-Strategien in die Stresstherapie implementiert werden, indem mit den Patienten gezielt darauf hingearbeitet wird, stressige Ereignisse humorvoll und damit neu zu bewerten (vgl. Frittum 2009, S. 66). In Unternehmen kann Humor als Führungs- und Interventionsinstrument angewendet werden, wenn beispielsweise Angestellte Fehler gemacht haben (vgl. Schwarz 2007, S. 95).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen, die Psyche betreffenden Mechanismen von Humor, genauer mit den humorvollen Coping-Strategien. Das oben beschriebene Zitat antizipiert das Ziel dieser Arbeit. Zu ermitteln wie Humor dabei hilft zu verhindern, dass der „Kragen platzt“, meint im Kontext dieser Arbeit, zu untersuchen, welche Auswirkungen Humor auf die Stressverarbeitung hat. Die Ermittlung dieser Aspekte ist auch deswegen relevant, weil es im deutschen Sprachraum aktuell keinen zusammenfassenden Forschungsüberblick gibt.

Aus der bisherigen Darstellung ergibt sich hinsichtlich der zu betrachtenden Thematik folgende Fragestellung:

Welche M ö glichkeiten bieten sich an, Humor als Coping-Strategie zu nutzen?

Der Aufbau der Arbeit ergibt sich aus dem Ziel, sich mit humorvollen CopingStrategien auseinanderzusetzen. Nachdem in Kapitel 1 die Problemstellung und die zentrale Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit formuliert wurden, widmen sich Kapitel 2 und Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit, der Darstellung der theoretischen Grundlagen und der Definition wesentlicher Fachbegriffe. Während in Kapitel 2 Coping und Stress thematisiert werden, wird in Kapitel 3 Humor als ein multidimensionaler Forschungsgegenstand betrachtet. Kapitel 4 führt die aus der vorherigen Darstellung sich ergebenden Aspekte von Stress, Coping und Humor zusammen. Auf Basis der Überlegungen aus den vorangegangenen beiden Kapiteln werden verschiedenen Studien herangezogen, die die Effekte von Humor auf die Stressbewältigung untersuchen. Diese werden miteinander verglichen und aufeinander aufbauend dargestellt. Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und schließt mit einem kurzen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

Im Folgenden werden die theoretischen Grundlagen dargestellt, die zur Beantwortung der Forschungsfrage notwendig sind.

2 Grundlagen des Copings: Stressentstehung und Stressbewältigung

Humorvolle Coping-Strategien dienen der Stressbewältigung. Bevor diese jedoch im Besonderen thematisiert werden, müssen die Begriffe Stress und Coping geklärt sein. Einer der wichtigsten Vertreter in der Coping- und Stressforschung ist Richard Lazarus. Seine Forschungsarbeiten liegen bis heute den meisten Publikationen zugrunde (vgl. Frost und Mierke 2013, S. 14). Das folgende Kapitel beschäftigt sich deswegen insbesondere mit den Definitionen von Lazarus und seinen Co-Autoren.

2.1 Stress: Belastung oder Übersteigung kognitiver Anforderungen

2.1.1 Begriffsbestimmung: Stress

In seinem Ursprung geht der Begriff Stress auf die Physik zurück. Dort beschreibt der Terminus die Wirkung einer mechanischen Kraft, die eine Belastung oder einen Druck auf das Objekt ausübt (vgl. Frydenberg 2014, S. 83). Hauptsächlich wird Stress jedoch unter physiologischen und psychologischen Gesichtspunkten betrachtet (vgl. Eppel 2007, S. 16).

Physiologische Stresstheorien gehen davon aus, dass sich Stressauslöser negativ auf den Organismus auswirken (vgl. Frydenberg 2014, S. 83). Selye (1976, S. 472), einer der bekanntesten Vertreter der physiologischen Sichtweise, versteht Stress als körperlichen Belastungszustand und „unspezifische Reaktion des Körpers auf jede an ihn gestellte Anforderung“.

Im Gegensatz dazu werden aus psychologischer Perspektive spezielle kognitive Anforderungen als Auslöser für darauffolgenden Stress gesehen und in diesem Kontext Stressoren genannt (vgl. Kaluza 2012, S. 7). Lazarus prägte mit seiner transaktionalen Stresstheorie die psychologische Stressforschung. Er geht davon aus, dass Stress erst entsteht, wenn das Individuum einen potentiellen Stressor als einen tatsächlichen Stressor bewertet: Nicht die objektiv gegebenen Reize sind entscheidend, sondern die subjektive Wahrnehmung der gegebenen Anforderung (vgl. Frost und Mierke 2013, S. 14). Der transaktionale Aspekt bezieht sich auf das Beziehungsgeschehen zwischen dem Stressor und der Bewertung des Stressors (vgl. Lazarus und Folkman 1987, S. 141). Stress ist demnach jede Anforderung, die die zur Verfügung stehenden Ressourcen der Person stark belastet oder übersteigt (vgl. Lazarus und Launier 1978, S. 296). Die vorliegende Arbeit versteht Stress in diesem engeren Sinne.

2.1.2 Kognitiver Bewertungsprozess zur Entstehung von Stress

Der Stresstheorie nach Lazarus liegen zwei Prozesse zugrunde: der Bewertungsprozess zur Entstehung und der Coping-Prozess zur Bewältigung von Stress (vgl. Folkman et al. 1986, S. 992). Im Bewertungsprozess wird entschieden, ob ein Konflikt mit dem potentiellen Stressor dem Wohlbefinden schaden könnte oder nicht. Im Coping-Prozess wird ein als tatsächlich stresshaft bewerteter Stressor bewältigt. Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht insbesondere den Bewertungsprozess. Der Coping-Prozess wird hier nur angedeutet, jedoch in der Folge separat genauer betrachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Der kognitive Bewertungsprozess zur Stressentstehung nach Lazarus

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Lazarus und Folkman (1987, S. 145f)

Aus der Abbildung geht hervor, dass die Entstehung von Stress von der Bewertung des Stressors abhängt (vgl. Lazarus und Launier 1981, S. 233). Das Transaktionsmodell unterscheidet zwischen der primären und der sekundären Bewertung. Beide Bewertungsmechanismen haben unterschiedliche Funktionen. In der prim ä ren Bewertung wird die Stressrelevanz festgestellt. Wird ein Stressor als irrelevant oder positiv eingeschätzt, entsteht kein Stress. Ein Stressor, der als stresshaft eingeschätzt wird, durchläuft eine zweite Phase im primären Bewertungsprozess. Dabei wird ermittelt, ob der Stressor tatsächlich stresshaft ist (vgl. Lazarus und Folkman 1987, S. 145f). Drei Situationen werden nach Lazarus und Folkman (1987, S. 145) als potentiell stresshaft bewertet: (1) der direkte Schaden durch die Umwelt; (2) die als stresshaft antizipierte Bedrohung durch die Umwelt; und (3) die Herausforderung, die wegen des potentiellen Misserfolgs einen Erfolgsdruck auslöst.

In der sekund ä ren Bewertung werden die drei Stressaspekte Schaden, Bedrohung und Herausforderung dahingehend überprüft, ob genügend eigene Ressourcen zur Bewältigung der Umweltanforderungen verfügbar stehen. Darüber hinaus wird überprüft, welche Coping-Strategien eingesetzt werden können, um danach den Coping-Prozess starten zu können (vgl. Lazarus und Folkman 1987, S. 146). Nach Lazarus und Folkman (1987, S. 147) beeinflussen sich die primäre und die sekundäre Bewertung gegenseitig, werden aber unabhängig voneinander durchlaufen.

Nachfolgend soll auf den Coping-Prozess eingegangen werden. Dieser schließt sich automatisch an den kognitiven Bewertungsprozess an, nachdem in der sekundären Bewertung entsprechende Ressourcen sowie die Vorgehensweise des Copings geprüft wurden.

2.2 Coping: Bewältigung von Stress

2.2.1 Begriffsbestimmung: Coping

Individuen stehen Stress nicht passiv gegenüberstehen. Abbildung 1 deutet an, dass im sekundären Bewertungsprozess eine bestimmte Vorgehensweise mental geprüft wird, um Stress mittels Coping zu bewältigen. Die Vorgehensweise der Stressbewältigung wird in der Fachsprache Coping-Strategie genannt (vgl. Mathur, Moschis und Lee 2006, S. 194). Coping selbst wird gemäß Lazarus und Folkman (1984, S. 141f) definiert als „eine sich konstant ändernde kognitive und verhaltensbezogene Anstrengung, spezifische externale oder innerpsychische Anforderungen, welche vom Individuum als die eigenen Ressourcen herausfordernd oder übersteigend bewertet werden, zu meistern“. Dem liegen folgende Annahmen zugrunde (vgl. Lazarus und Folkman 1984, S. 141f.):

Coping ist prozessorientiert. Dementsprechend fokussiert sich Coping auf die aktuelle Bewältigungssituation und die damit einhergehende Verhaltensänderung einer Person. Coping ist also kein statisches Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein individueller Prozess bestimmter Verhaltensreaktionen auf Stress. Im Coping-Prozess werden Anstrengungen unternommen, um das psychologische Wohlbefinden wiederherzustellen.

Coping ist kontextgebunden. Abhängig von den Umweltbedingungen und der vorher stattgefundenen kognitiven Stressbewertung kann der Prozess anpasst, respektive verändern werden.

Coping findet automatisch statt, unabhängig vom potentiellen Erfolg: Im mentalen Bewertungssystem wird nicht a priori entschieden, ob Coping in dem konkreten Fall sinnvoll sein könnte oder nicht.

Coping schließt neben dem Ziel der Beherrschung auch die Verminderung, Vermeidung sowie Akzeptanz des Stressors respektive der Umweltanforderung mit ein.

Zusammengefasst kann Coping bei der Rehabilitation von Körper und Geist helfen, indem es vor den Auswirkungen von Stress schützt (vgl. Folkman 2010, S. 453). Es ist also als ein Prozess zu verstehen, während die Vorgehensweise des CopingProzesses als Strategie zu verstehen ist. Da es verschiedene Strategien gibt, diese jedoch übergeordneten Abläufen folgen, werden Coping-Strategien auf verschiedene Arten klassifiziert. Ein Ausführliche Beschreibung der Klassifikationsmöglichkeiten folgt in Abschnitt 2.2.2.

2.2.2 Klassen von Coping-Strategien

Grundsätzlich darf angemerkt werden, dass es keinen Konsens zur Klassifikation in übergeordnete Coping-Strategien gibt (vgl. Frorst und Mierke 2013, S. 14; Holton, Barry und Chaney 2016, S. 300). Jedoch ist insbesondere die Einteilung in problemfokussiertes und emotionsfokussiertes Coping eine in der Coping- und Stressforschung vielbeachtete Klassifikation (vgl. Parker und Endler 1992, S. 339; Frydenberg 2014, S. 83f). Diese geht auf Lazarus und Folkman (1984) zurück.

Problemfokussierte Coping-Strategien zielen immer auf die Lösung oder Modifikation eines Problems ab, das Stress auslöst (vgl. Folkman et al. 1986, S. 993). Im ersten Schritt wird das Problem definiert und Lösungsansätze werden zusammengetragen. Diese werden nach Vor-und Nachteilen ausgerichtet. Im zweiten Schritt wird das Problem aktiv behoben (vgl. Lazarus und Folkman 1984, S. 152). Problemfokussierte Strategien können auf die Umwelt oder die Person selbst ausgerichtet sein. Während eine auf die Umwelt fokussierte Bewältigungsstrategie auf eine Reduktion des von der Umwelt ausgehenden Drucks abzielt, konzentriert sich eine personenzentrierte Bewältigung auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse oder die Senkung des eigenen Anspruchsniveaus (vgl. Lazarus und Folkman 1984, S. 152).

Emotionsfokussierte Bew ä ltigungsstrategien beziehen sich auf die emotionale Ebene (vgl. Lazarus und Folkman 1984, S. 150). Emotionen können abhängig vom Kontext, in dem sie ausgelöst werden, neben förderlichen auch schädliche Auswirkungen haben. In der emotionsfokussierten Bew ä ltigung werden solche negativen und stresshaften Emotionen reguliert. Emotionsfokussiertes Coping umfasst auch das humorvollen Coping (vgl. Mathews 2016, S. 8). Humor funktioniert in diesem Kontext als ein Mechanismus der Emotionsregulation und beeinflusst die negative Gefühlslage. Die genauen Mechanismen werden in Kapitel 4 beleuchtet.

Endler und Parker (1990, S. 846) orientieren sich stark an Lazarus und Folkman (1984), wobei sie drei Klassen identifizieren:

Aufgabenorientierte Coping-Strategien beinhalten die Anstrengungen, das Problem aufgabenorientiert zu lösen, indem der Stressor und seine Auswirkungen beseitigt werden.

Emotionsorientierte Coping-Strategien beschreiben die gedankliche Beschäftigung mit dem Stressor und die Vorstellungen über die belastende Situation sowie die Bemühungen, mit den negativen Emotionen umzugehen.

Mit v ermeidungsorientierten Coping-Strategien wird beabsichtigt, potentiellen Stresssituationen auszuweichen. Das schließt personenorientiertes und aufgabenorientiertes Coping mit ein. Muss eine Person beispielsweise für eine Klausur lernen, könnte der dabei entstehende psychische Druck durch gemeinsames Lernen mit einem Freund abgebautwerden. Alternativ könnte die Person sich von der eigentlichen Aufgabe ablenken, in dem sie z. B. Fernsehen schaue.

Parker und Endler (1990) dienen an dieser Stelle als Beispiel dafür, wie andere Autoren auf Basis der Forschungsarbeiten von Lazarus und Folkman (1984) eigene Klassen benannt haben. Stone, Helder und Schneider (1988) schlagen sogar sieben Coping-Klassen1 vor. Da jedoch im Folgenden auf die Arbeiten von Lazarus und Folkman (1984) zurückgegriffen wird, soll an dieser Stelle auf eine genauere Ausführung verzichtet werden.

2.2.3 Unterscheidung: Adaptive und maladaptive Coping-Strategien

Bewältigungsstrategien können hinsichtlich ihrer Funktionalität unterschieden werden. Die Anwendung so genannter adaptiver Coping-Strategien geht mit aktiver Lösung eines Problems sowie mit höherer Selbstkontrolle einher. Dahingegen korrelieren maladaptive Bewältigungsstrategien negativ mit der Selbstkontrolle und zielen auf die Ablenkung von einem Problem ab (vgl. Frost und Mierke 2013, S. 20).

Holton, Barry und Chaney (2016, S. 299) gehen davon aus, dass sich maladaptive und adaptiven Coping-Strategien unterschiedlich auf die Stressbewältigung auswirken. Diese Vermutung findet durch die Ergebnisse der von Holton, Barry und Chaney (2016) durchgeführten Querschnittsstudie ihre Bestätigung. Darin werden die Teilnehmer zu ihrem Coping-Verhalten auf der Arbeit und ihrem Umgang mit Stress befragt. Die Teilnehmer wurden gebeten, aus einer Liste mit vorgeschlagenen adaptiven und maladaptiven Coping-Strategien alle Strategien, die von ihnen in den letzten 30 Tagen zur Reduzierung von Stress angewendet wurden, mit „Ja“ zu markieren (vgl. Holton, Barry und Chaney 2016, S. 301). Zur Bestätigung ihrer Vermutung wurde eine statistische Analysesoftware herangezogen (vgl. Holton, Barry und Chaney 2016, S. 302). Die am häufigsten angewendeten adaptiven Coping-Strategien waren der Austausch mit Freunden und Kollegen sowie die Beschäftigung mit Aufgaben. Das Trinken von Alkohol sowie ein unverhältnismäßiges Essverhalten waren die häufigsten maladaptiven CopingStrategien (vgl. Holton, Barry und Chaney 2016, S. 302f).

Die Ergebnisse der Studie zeigen Unterschiede in der subjektiven Wahrnehmung der beiden Arten von Coping-Strategien. Demnach werden nur adaptive CopingStrategien als effektiv im Bezug auf das eigene Stressmanagement wahrgenommen, wohingegen maladaptive Coping-Strategien die Wahrscheinlichkeit reduzieren, die Stressbewältigung als effektiv zu empfinden.

Auch Hu und Cheng (2010, S. 1345) dokumentieren, dass sich verschiedene CopingStrategien unterschiedlich auf die Stressbewältigung auswirken. So stellten sie fest, dass Angestellte, die adaptive Coping-Strategien nutzen, ein geringeres BurnoutRisiko haben und besser mit Druck im Job umgehen. Dahingegen zeigte sich, dass maladaptive Coping-Strategien mit emotionaler Erschöpfung und einem höheren Burnout-Risiko einhergehen.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Individuen neben angepassten auch unangepasste Coping-Strategien anwenden, die sich negativ auf die Stressbewältigung auswirken können. Dies deckt sich mit der Annahme von Lazarus und Folkman (vgl. Abschnitt 2.2.1), wonach Coping-Prozesse automatisch ablaufen, d. h. ohne vorheriges Abwägen der positiven oder negativen Auswirkungen.

3 Humor als multidimensionales Konzept

Im vorangegangenen Kapitel wurden die Begriffe Stress und Coping definiert und darauf hingewiesen, dass Humor eine Form emotionsfokussierter Stressbewältigung ist. Das folgende Kapitel konzentriert sich auf die Darstellung wesentlicher Aspekte des Begriffes Humor aus Sicht der Forschung. Dazu wird in Abschnitt 3.1 die begriffliche Grundlage geklärt. Die der Humorforschung zugrundeliegenden theoretischen Ansätze zur Untersuchung humorigen Verhaltens werden in Abschnitt 3.2 vorgestellt.

3.1 Annäherung an den Humorbegriff

3.1.1 Unterschiedliche Definitionsansätze

Der Begriff Humor stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Feuchtigkeit“ oder „Saft“ (vgl. Ruch 1998, S. 7). Die darauf aufbauende medizinische Sprache des Mittelalters bezeichnete mit humores die „Körpersäfte“ Blut, Schleim und Galle. Sind diese in Balance, hätte man demnach guten Humor (vgl. Ruch 1998, S. 8). Der Duden (2017) spricht von der „Fähigkeit und Bereitschaft, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren“. Diese Definition lehnt sich an das Alltagsverständnis an und setzt Humor vage mit allem in Beziehung, was mit Lachen und Heiterkeit zu tun hat (vgl. Pietzcker 2013, S. 207). Beide Definitionen heben die positiven Aspekte hervor und blenden negative Aspekte aus.

Die Humorforschung hingegen liefert eine große Bandbreite terminologischer Systeme, die den Begriff jeweils in einem bestimmten Kontext betrachten (vgl. Ruch 1998, S. 6; Martin 2012, S. 319). Freud (1905/2017, S. 163) vertritt beispielsweise in seiner Studie „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“ die Auffassung, dass Humor eine Unterkategorie des Komischen sei. Der Begriff Komik, der seinen Ursprung in der Ästhetik findet, wird als die Fähigkeit definiert, andere zum Lachen zu bringen und zu amüsieren (vgl. Ruch 1998, S. 6). Freud (1905/2017, S. 167) versteht Humor im Vergleich zu den anderen Unterkategorien wie etwa dem Witz als Abwehrvorgang, der zum Zweck hat, die Entstehung von Unlust zu verhindern und Lustgewinnung zu erzielen. Humor erspare dem Individuum somit negative Gefühlsäußerungen, die durch negative Situationen entstehen können (vgl. Freud 1927/2004, S. 254). Humor ist demnach ein Prinzip, dass sich negativen realen Lebensumständen entziehen kann und diene somit „dem seelischen Geschehen als eine automatische Regulierung“ (Freud (1905/2017, S. 167). Humor im Freud’schen Sinne wird ebenfalls nicht mit negativen Eigenschaften assoziiert; vielmehr wird auch in dieser Definition der wohlwollende Charakter hervorgehoben (vgl. Ruch 1998, S. 6).

[...]


1 Genannt werden die Soziale Unterstützung, die Informationssuche, die Religiosität, die Umdefinition der Situation, die Vermeidung, die Spannungsreduktion und die Problemlösung (vgl. Stone, Helder und Schneider 1988, S. 184ff).

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Humor als Coping-Strategie. Die Auswirkungen von Humor auf die Stressverarbeitung
Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
43
Katalognummer
V412238
ISBN (eBook)
9783668641952
ISBN (Buch)
9783668641969
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Coping, Coping-Strategien, Stress, Stressverarbeitung, Stressentstehung, Humor, Stressmodel nach Lazarus, Sinn für Humor, Humorstile, adaptiver Humor, maladaptiver Humor
Arbeit zitieren
Alexander Lang (Autor), 2017, Humor als Coping-Strategie. Die Auswirkungen von Humor auf die Stressverarbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412238

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