Das Sein des Hermeneutischen Zirkels. Zu Heideggers "Ursprung des Kunstwerkes" und Hölderlins "Hyperion"


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2012

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Werke Heideggers und Hölderins: ein konzertiertes Unternehmen

2 Die Rolle der Kunst und der Dichtung

3 Debatte über die Natur des Hermeneutischen Zirkels
3.1 Heidegger
3.2 Gadamer
3.3 Stegmüller

4 Der Ursprung des Kunstwerkes:
4.1 Ontologische Umwandlung 1: vom Werk zum Ding
4.2 Ontologische Umwandlung 2: vom Ding zum Zeug
4.3 Ontologische Umwandlung 3: vom Zeughaften zum Zeugsein

5 Hyperion und das Sein des Hermeneutischen Zirkels
5.1 Exzentrische Bahn und der Hermeneutische Zirkel
5.2 Adamas
5.3 Alabanda
5.4 Diotima

6 Schluss

Bibliographie

Dies ist also der Unterschied zwischen dem Zustande des Alleinseins (der Ahndung seines Wesens) und dem neuen Zustande, wo sich der Mensch mit einer äußern Sphäre, durch freie Wahl in harmonische Entgegensetzung setzt, daß er, eben weil er mit dieser nicht so innig verbunden ist, von dieser abstrahieren und von sicil, insofern er in ihr gesetzt ist, und auf sich reflektieren kann, insofern er nicht in ihr gesetzt ist, dies ist der Grund, warum er aus sich herausgeht, dies die Rege! für seine Verfahrungsart in der äußern Welt - Friedrich Hölderlin

Einleitung

Dies ist ein Aufsatz in Ontologie. Der Zweck dieses Aufsatzes ist das Sein des Hemeneutichen Zirkels zu enthüllen. Durch das folgende Rätsel ist die Problematik der Enthüllung der Natur des Hermeneutischen Zirkels zu verdeutlichen: Wie ist es möglich, dass bei der Verarbeitung ein und des selben Begriffes, wir dazu fähig sind, zu einem völligen verschieden, ich argumentiere ontologischen verschieden, Begriff zu gelangen? In der Literatur werden regelmäßige Beiträge für die Verleugnung dessen zirkelischen Status geliefert und infolgedessen wird statt der Form eines Kreises dem Hermeneutischen Zirkel die Form einer Spirale verliehen. Dennoch taugt dies nichts zur Beantwortung der Frage nach der Natur der Hermeneutik. In anderen Worten postuliere ich, dass die Frage, wie das Vollziehen dieses Zirkels den Grund für die Umwandlung eines Begriffes in einen verschiedenen anderen vorbringt, ist bislang nicht zulänglich beantwortet. Es ist das Ziel dieses Aufsatzes diese Frage zu adressieren.

Der Hermeneutische Zirkel wird oft als Kreis verstanden, weil dessen Vorgang im Vergleich zu dem in den Naturwissenschaften Gefahr laufe, den Fehlschluss Teufelskreis zu begehen; d.h. es wird vorausgesetzt, was bewiesen werden soll. In anderen Fällen wird dessen Vorgang eine Spirale genannt, weil es sich bei der Untersuchung des Vorausgesetzten herausstelle, dass sich das Vorausgesetzte dabei zu neuen Begriffen verändere. Später in diesem Aufsatz gehe ich diese Debatte näher an, ob der Vorgang des Hermeneutischen Zirkels ein Kreis oder eine Spirale sei, aber ich möchte die Ansicht durchsetzen, dass es nicht von Belang wäre, dem Zirkel die Form eines Kreises oder jeder beliebigen geometrischen Figur zu geben. Was gemeint ist, wenn der Vorgang im Gegensatz zu einem Kreis als eine Spirale beschrieben wird, ist hauptsächlich zweifach zu argumentieren: (1) Es gibt einen vorgesehenen Ausgangspunkt, an dem die hermeneutische Untersuchung beginnt. (2) Es entsteht eine wesenentliche Veränderung der zu untersuchenden Angabe, welche als eine Drehung der Spirale zu einem neuen Arme vorgestellt ist. An der Veranschaulichung eines Ausgangspunktes und einer Veränderung scheiterte das Bild eines Kreises. Jedoch wird es nicht erklärt, wie eine solche Änderung überhaupt stattfinden könnte. Es wird lediglich postuliert, dass sie stattfinde und der Vorgang die Form einer Spirale habe.1

Von Belang ist es zu erklären, wie es sein kann, dass dieser hermeneutische Vorgang von einem Ausgangspunkt mit der einen Angabe duch einen kreisförmigen Prozess zu einer wesentlichen verschiedenen Angabe anzukommen vermöge. Zur Verdeutlichung dieses Rätsels führe ich eine Analogie an. Ein ähnlicher kreisförmiger Vorgang ist das Buttern, wodurch eine Fett- in-Wasser-Emulsion, oder Rahm, zur Wasser-in-Fett-Emulsion, oder Butter, geschlagen wird. Die Antwort auf die nach dem Vorgang gestellte Frage, die in der Hermeneutik duch eine Spirale gleichzusetzen ist, wäre nicht einmal 'buttem' zu erwidern - da dies ein mit der exakten Wissenschaft der Chemie ausgestatteter technischer Begriff geworden ist - sondern einfach auf den Handgriff des Buttergefäßes hinzuweisen und darüber 'drehen' verlauten zu lassen.

Bekanntermaßen wurde der Hermeneutische Zirkel von Heidegger bei der Suche nach dem Sein angewendet. Er argumentierte, weil wir Vörkenntnis vom Sein schon besitzen, da wir (1) sind und (2) Wesen sind, müssen wir notwendigerweise einen solchen Zirkel, wie er oben beschrieben ist, vollziehen, damit wir überhaupt Schlüsse auf das Sein ziehen können. Es könnte weiter argumentiert werden, dass wir Vörkenntnisse vom Sein irgendeines Wesens besitzen, mit dem wir schon Erfahrung gesammelt haben. Logischerweise folgt daraus, dass der Hermeneutische Zirkel stets angewendet sein sollte, bei der Untersuchung des Seins irgendeines Wesens, d.h. in der Ontologie. Deshalb werde ich den Hermeneutischen Zirkel implementieren, um das Sein des Hermeneutischen Zirkels zu entschließen.2

Die Aufgabe dieses Aufsatzes ist es, den Vorgang des Zirkels zu analysieren und dessen Verfahren und Struktur zu Tage zu fördern, damit ein Schluss auf dessen Sein gezogen werden kann. Ich werde eine Instanz dieses Vorgangs sowohl am Werk in Heideggers Der Ursprung des Kunstwerkes als auch Hölderlins Hyperion (obgleich der Grund dafür jetzt wohl überraschend erscheinen möge, weshalb ich diesen späterhin erläutern werde) anführen, um das veränderungsbewirkende ausweichende Sein zu erlangen. Als Vorbehalt sollte das Folgende bemerkt werden: Bis ich zum Schluss, 6, dieses Aufsatzes gelange, werde ich den Begriff Hermeneutischen Zirkel" als eine reine Formalität benutzen und bis dahin wird es in meinem Aufsatz keine Rolle spielen, ob dessen Vorgang ein Kreis oder eine Spirale wäre oder ob dessen Vorgang als eine Methode zu verstehen wäre.

Dieser Aufsatz ist wie folgt organisiert: Inl verteidige ich meine Entscheidung, Heidegger und Hölderlin zusammenzubringen, um Einsicht in die Natur der Hermeneutik zu gewinnnen. 2 stellt einen Diskurs über die Wichtigkeit der Kunst, der Dichtung, und deren Beziehung zur Wahrheit dar. Danach gibt 3 die aktuelle Debatte der Hemeneutik mit Auszüge von Heidegger, Gadamer, und Stegmüller in einer pauschalen Einleitung wieder. Sobald dies im Vordergrund vorgebracht ist, möchte ich in 4 bei Heideggers Der Ursprung des Kusnstwerkes einen tiefgründigen Blick auf eine Instanz des Hermeneutischen Zirkels werfen. Nachdem der Vorgang aufgezeigt ist, geht 5 auf die Frage nach dem Sein des Vorgangs ein, wobei ich mich wieder dem Werk Hölderlins Hyperion widme, um die Frage zu beantworten. Zum Schluss 6 fasse ich meine Ergebnisse zusammen, kehre zum Diskurs zurück, und äußere meinen Kommentar und meine Kritik dazu.

1 Die Werke Heideggers und Hölderlins: ein konzertiertes Unternehmen

Im Bestreben es zu zeigen, dass sie mit einander Zusammentreffen, möchte ich in diesem Kapitel die Anlässe zur Abfassung der folgenden Werke Sein und Zeit von Heidegger und Hyperion von Hölderlin konzis erläutern. Obwohl ich nicht auf die Komplexität von Sein und Zeit eingehen werde, werde ich in bzw. 4 und 5 Heideggers Der Ursprung des Kunstwerkes und Hölderlins Hyperion gründlich analysieren. Insgesamt ist mein Ziel in diesem Kapitel die Apologie meiner Entscheidung, Hyperion für die Quelle des Seins des Hermeneutischen Zirkels auszuwählen Hyperion wurde von Friedrich Hölderlin geschrieben und zwischen den Jahren 1797 - 1799 in zwei Bänden veröffentlicht. Es ist teils ein frühromantisches episches Gedicht, ein Briefroman, und eine philosophische Abhandlung. Sie handelt von Hyperion3 und seinem Versuch durch die Erzählung seines Lebens sich die härteren Umstände zusammenzureimen, welche zum Tode seiner Geliebten, Diotima, führten, in der Hoffnung innere Ruhe trotz ihres Verscheidens zu erringen. Fast die Gesamtheit der zwei Bände besteht aus Briefen vom nominellen Charakter an seinen Freund Bellarmin. Als Leser folgen wir Hyperion, während er sich damit abmüht, den Verlust seiner Nahstehenden zu konfrontiem und sich mit den elenden Nöten abzufinden. Es wird in 5 mein Ziel zu zeigen, wie Hyperion durch das Schreiben der Briefe den Hermeneutischen Zirkel vollzieht, welcher nach meiner Auffasung von Hölderlin als die Exzentrische Bahn bezeichnet wurde, als eine Weise sein Leben zu verstehen und ferner, dass dieses Kustwerk das Sein des Hermeneutischen Zirkels zu enthüllen vermag.

Hölderlin schrieb seinen Roman zu der Zeit, als die Deutsche Philosophie die verschiedenen Dualismen der Kantischen Philosophie zu überwinden versucht Z.B. zwischen Sinnlichkeit und Vernunft.4 Aufgrund der engen Freundschaft mit Schelling, Hegel, und anderen von Bedeutung und des Studiums unter Fichte war er in den zeitgenössischen Unternehmen der Philosophie bewandert. Ich werde weder auf die komplexe Beziehung zwischen Hölderlin und den anderen eingehen, noch werde ich seine Einflüsse auf die anderen noch deren auf ihn erläutern; meine Absicht ist bloß, es im Geist des Lesers zu vergegenwärtigen, inwiefern Hölderlin in der damaligen Philosophie involviert war. Anders als heute war Philosophie damals systematisch. Spinoza, Kant, Fichte, etc. errichteten philosophische Systeme, die vernünftigen Antworten auf allen Disziplinen der Philosophie darstellten: Metaphysik, Ontologie, Epistemologie, Ethik, etc. Ohne Zweifel war es zu der Zeit selbstverständlich, dass die Philosophie systematisch sein musste, um sich den Herausforderungen der Zeit zu stellen. Ein Attribut der systematischen Philosophie ist, Z.B. ähnlich Euklids Elementen, dass sie an Prämissen beginnt und davon weitere Sätze abzuleiten sucht. Jene Zusammenfassung ist extrem allgemein. Zugegben gibt es eine Debatte darüber zu erörtern, welche die wesentliche Merkmale einer systematischen Philosophie wären. Dieser Debatte gerecht zu werden, würde allerdings den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. An dieser Stelle des Aufsatzes möchte ich das Fichte'ische System konzis und knapp schildern, oft als das Absolute Ego bekannt, das einen großen Einfluss auf die Abfassung von Hyperion hatte.

Fichtes Wissenschaftslehre suchte die Dualismen der Kantischen Philosophie durch deren Ableitung aus einer einzigen Prämisse, nämlich der des Absoluten Egos, zu überwinden. Fichtes Lösung funktioniert ungefähr wie folgt: Das Ich setze sich selbst5 bei jedem Urteil, sei es über sich oder über ein anderes. Dieses Ich sei mit dem Ich, von dem das Urteil gefällt wurde, identisch. Aufgrund der Verlässlichkeit der Identität des Ichs mit sich selbst, können wir die Dualismen der Kantischen Philosophie lösen. Auf das einzige absolute Sein des Ichs könnten die Dualismen reduziert werden.

Sowohl für Hölderin, als auch für seine Kommilitonen beim Tübinger Stift, war Fichtes System nicht hinreichend. Die Erwiderung Hölderlins war radikal verschieden von der der anderen, aber sie hatte zweifelos einen großen Einfluss auf die Philosophien Schellings und Hegels.6 Mit der Behaupting „Identität ist nicht = dem absoluten Sein“7 erhebt Hölderins philosophisches Fragment Urteil und Sein einen klaren Einwand gegen das Fichte'ische System. Ob dieser Einwand ursprünglich von Hölderlin stammte oder ob Hölderlin ihn von Fichte selbst bekam, spielt keine Rolle beim Ziel dieses Aufsatzes.8 Ich führe Urteil und Sein lediglich an, um die Motiv der Abfassung Hyperion darzustellen. Hölderlins Auffassung ist, wenn zusammengefasst, dass das Ich zu ausweichend sei, um postuliert zu werden, sodass man daraus verlässliche Schlüsse ziehen könne. Konzis ausgdrückt ist seine Argumentation folgendermaßen zu verstehen: Wenn ich mich als Objekt setze, trenne ich notwendigerweise das ich, das setzt, vom ich, das gesetzt werde. In dem Falle seien die beide Ichs nicht dasselbe. Er basiert seinen Einwand auf eine Etymologie des Wortes Urteil, welches als das ursprüngliche Teilen, Ur-Teil, zu verstehen ist. Was für das Fichte'ische System benötigt sei, um die Dualismen der Kantischen Philosophie zu vereinigen, sei das Sein, das die beiden Ichs zusamenhalte; oder in anderen Worten wird das Sein benötigt, das alle Wesen gleichsetzt, wovon alle Wesen ihr Sein erhalten. Das Sein, das Fichte behauptet im Ich gefunden zu haben, sei nicht hinreichend, um der systematischen Philosophie einen Grund zu verleihen. Hölderlin erklärt, dass das Sein für die Philosophie unbekannt bleibe, da kein Urteil darüber festgestellt werden könne. Desweitern scheint er zu behaupten, dass nur die Dichtung wegen derer Mangel an Systembedürfnis dazu fähig sei, das Absolute Sein auszudrücken. In einem Brief an Friedrich Schiller erklärte Höderlin den Grund, warum er Hyperion schriebe:

ich suche zu zeigen, das die unnachlässige Forderung, die an jedes System gemacht werden muss, die Vereinigung des Subjekts und Objekts in einem absoluten Ich oder wie man es nennen will - zwar ästhetisch, in der intellectualen Anschauung, theoretisch aber nur durch einen Unendliche Annäherung, möglich ist...9

In 5 werde ich zu Hyperion zurückkehren und werde erklären, wie Hölderlin das für möglich hält.

Wenn mein Leser sich mit der Geschichte der Abfassung von Sein und Zeit auskennt, sollte der oben angedeutete Umriss von Hyperion einen vertrauten Ton anschlagen. Sein und Zeit war zur Zeit dessen Abfassung eine Folge der führenden Disziplin namens Phänomenologie. Die Hauptlehre dieser Disziplin ist es die vorherigen Ontologien auszuklammern, oder Phänomenologische Reduktion, um die Gegenstände, wie sie sind, erscheinen zu lassen. Das tiefgründige Eingehen auf die Phänomenologie würde den Inhalt dieses Aufsatzes zu weit ausdehnen, also lasse ich meine Beschreibung Stehen, wie sie oben dargestellt ist. Heideggers Erwiderung war zu argumentieren, dass (1) die Seinsfrage großenteils in der Philosophie vergessen worden sei, dass (2) die vorherige Philosophien bei einer verwirrenden Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt angekommen seien.10 Diese Unterscheidung führe zum Durcheinander über die Natur des Seins und er sah es als seine Aufgabe in Sein und Zeit das Sein zu enthüllen. Heidegger nahm den Hermeneutischen Zirkel in Anspruch, um Schlüsse auf das Sein zu ziehen. Somit wurde die Hermeneutik eine praktische Methode in der Ontologie. Ich werde in dem folgenden Paragraph auf das, was Heidegger unter dem Hermeneutischen Zirkel verstand, näher eingehen und werde erklären, weshalb er ihn für notwendig hielt, um zur Auffassung vom Sein zu gelangen. Jetzt möchte ich die Verbindung zwischen Heidegger und Hölderlin zusammenfasssen, die diesem Aufsatz zugrunde liegt.

Wie ich oben darstellte, erwiderte Hölderin bei der Fassung seines Romans Hyperion auf das Unvermögen der Philosophie seiner Zeit Verständnis für das Sein oder Verständnis für das wahre Absolute Sein herzustellen, worüber sich im Prinzip kein Urteil fällen lasse. Die Wahrheit in der Kunst besitzt eine unterschiedliche Vorstellung im Gegensatz zu der in den exakten Wissenschaften. Dichtung braucht keine axiomatische Grundlage aber sie vermag einen Bericht darüber zu erstatten, wie etwas ist. Beim Genießen eines Gedichtes wird man oft von der Ehrfurcht betroffen, dass das sich zu Eigen Gemachte schon in Vers geschrieben worden ist. Heidegger stellte sich ebenso der Herausforderung das Sein auszudrücken. Um zur Wahrheit des Seins zu gelangen, lehnte er auch die Anwendung eines axiomatischen System ab.11 Anstatt dessen wurde der Hermeneutische Zirkel von ihm verwendet, um Schlüsse auf das Sein zu ziehen. Es ist nicht meine Absicht an dieser Stelle eine Beziehung zwischen den Methoden in der Hermeneutik und in der Dichtung zu postulieren. Dass deren Vorgänge mit einander verbunden sind, wäre ein notwendiges Korollar, welches vom Ziel dieses Aufsatzes abgeleitet werden könnte, sollte der Aufsatz erfolgreich in seiner Aufgabe sein. Mein Ziel in diesem Paragraph war es zu zeigen, dass die Motive hinter der Abfassung von Hyperion, Verständnis für das Absolute Sein herzustellen, und hinter der Abfassung von Sein und Zeit, um das Sein zu enthüllen, im Prinzip identisch sind12. Eine Bedingung sollte uns jetzt dämmern: Wenn die Motive hinter beiden Werken identisch erscheinen und beide bei deren Ziel Erfolg hatten, dann sollte es eine Beziehung zwischen den beiden Vorgängen geben, die in den Werken am Werk ist. Diese Feststellung sollte klären, warum ich Hyperion für das Kunstwerk auswählte, um Einsicht in der Natur des Hermeneutischen Zirkels zu erlangen.

2 Die Rolle der Kunst und der Dichtung

Ein Moment vorher schrieb ich von Wahrheit. Die Wahrheit. Eine rhetorische Frage: Wenn

es nicht die Suche nach der Wahrheit ist, womit sich alle Philo-Sophen beschäftigen, weshalb existieren dann die Bände und Kompendien, die sich zurück ins Altertum und über allen Kulturen ausdehnen? Ewig oder relativ; was ist die Natur der Wahrheit? Eine ernste Frage. Beim Errichten eines Systems der Logik, aus welchem man fähig ist, eine Aussage zu deduzieren, welche mit der Welt der Erfahrung kongruent ist (oder mit deren eigenen System kongruent) und welche wenn gegen dieses System geprüft wird, die Eigenschaft wahr im Gegensatz zu falsch erhält, haben wir dann die Wahrheit erreicht? Nun stellen wir dieses Beispiel auf den Kopf, kommen wir zu den sogenannten empirischen Wahrheiten (eine Multiplizität davon ). In anderen Worten sei ein Urteil von einem Geschehnis an einem willkürlichen Datum gefallen, welches regelmäßig geprüft wird und ist ständig fehlerfrei gefunden zu werden, gelangen wir ทนท zur Wahrheit? Richtigkeit in der Repräsentation und Kongruenz mit der Realität ist Wahrheit; und wie. Aber was ist die Realität?

Dies ist gemeint, wenn es um die Wahrheit von Aussagen geht; die Wahrheit über ein Seinendes. Jedoch haben wie nur damit angefangen, an der Oberfläche zu kratzen, da diese Behauptung die (wahre) Natur unseres (wahren) Unternehmens verschleiert. Um die Wahrheit über ein Seinendes zu verstehen, dass eine Aussage wahr ist, ist es nicht notwendig zuerst die Wahrheit des Seins zu verstehen? Wäre nicht die Wahrheit des Seins eine Voraussetzung der Begründung der Wahrheit über ein und jedes Seinendes? Heidegger wies daraufhin, dass die Seinsfrage ignoriert worden sei, wenn sie von strikter Priorität für alle Philo-Sophen gewesen sein sollte.

In Der Ursprung des Kunstwerkes bezieht sich Heidegger auf das Griechische Wort für Wahrheit αλήθεια, oder alethia, und es ist sein Ausgangspunkt für das Verstehen des Seins der Wahrheit.13 Wie er es darstellt, ist der Griechische Begriff der Wahrheit eine Offenheit, eine Unverborgenheit, eine Eröffnung, und ein Urstreit14. Er bezeichnet den Begriff Welt, um die „sich öffnende Offenheit“15 der Natur der Seinenden auszudrücken. Menschen leben in einer Welt und nicht mit den Dingen; es ist durch das Leben in einer Welt, dass die Dinge ihre Grenzen erhalten.16 Das Werk stelle dessen eigene Welt auf und stelle diese Welt gegen unsere. Da erscheint ein neuer Begriff: dieses Aufstellen einer Welt stelle die Erde her. Die Erde sei der Ort, worin der Mensch sein Wohnen in der Welt gründe. Die Erde sei „das wesenhaft Sich-Verschließende“17 und zeige sich nur, wenn sie unerklärt bleibe.18 und fiele in sich zurück, trotz der Welt des Kunstwerkes. Das Werk lege die stetige Transition von Welt zur Erde und deren Streit dar.19 Dieses Hin und Her, von geschlossen zu geöffnet, ist, wie Heidegger sich erlaubt zu behaupten, dass die Wahrheit ein Geschehnis und kein Zustand sei. Dabei präsentiere das Werk den Streit zwischen den beiden und dieser Streit sei wie die Wahrheit in einem Kunstwerk geschieht Daher vermöge das Kunstwerk die Wahrheit des Seins, das Seiende im Ganzen - Welt und Erde, zu entblößen.2021

Ich möchte auf das näher eingehen, was Heidegger für die Rolle der Kunst bei der Entdeckung der Wahrheit des Seins sah. Meine Auslegung dieses Streits zwischen Erde und Welt ist wie folgt: Die Erde schließt alle unbeantworteten oder unbeantwortbaren Fragen ein. Sie ist ein Mysterium, das unsere menschliche Welt untermauert. Die Welt ist das, was wir aus der Erde gemacht haben. Durch Kultur und Wissen bauen wir eine Welt, worin wir die Erde verstehen. Ein Kunstwerk, sei es ein Gemälde oder ein Gedicht, verlangt von uns, die Welt als eine Erde anzuschauen, in der unsere Sicherheit in Frage gestellt wird, und unsere Existenz auch ein Mysterium ist. Brecht nennt es den Verfremdungseffekt, Camus das Absurde. Deswegen meinte Heidegger, „In der Nähe eines Kunstwerkes sind wir jäh anderswo gewesen, als wir gewöhnlich zu sein pflegten“22 Für Heidegger ist dieser Ort, an den die Kunst uns bringt, wo wir hingehören - die Erde. Heidegger schreibt. „Schönheit ist eine Weise, wie Wahrheit als Unverborgenheit west.“23 Diese Stelle verstehen ich so, dass ein Kunstwerk dadurch verstanden wird, dass es uns die Wahrheit des Seins enthüllt. Diese Enthüllung ist die Schönheit. Das £>/rschließen am Werk im Werk ist das Geschehen der Wahrheit. Heidegger nimmt dies in Anspruch, wenn er die Rolle der Dichtung beschreibt, „Die Dichtung ist die Sage der Unverborgenheit des Seinenden.“24 Da Hyperion ein Gedicht ist, können wir daraus schließen, dass Hyperion eine ontologische Rolle zu spielen hat, weil das gedichtete Wort das Geschehen der Wahrheit darstellen soll. Späterhin wird die Handlung Hyperions untersucht und, sei meine Aufgabe erfolgreich, deren Wahrheit entbergt 25

Am Ende dieses Paragraphs möchte ich eine Verbingung zwischen Hölderlins und Heideggers Auffassung von der Wahrheit des Seins schildern. Heidegger schreibt, „Die im Werk sich eröffnende Wahrheit ist aus dem Bisherigen nie zu belegen und abzuleiten“26 Diese Aussage kann am besten verstanden werden, wenn wir uns auf die Vorstellung konzentrieren, dass die Wahrheit ein Geschehen ist. Am Anfang dieses Paragraphs schrieb ich von zwei Formen des Schlussfolgerns, Deduktiv und Induktiv, und wie deren Aussagen die Eigenschaft wahr oder falsch erlangen.

[...]


1 Stegmüller Das Problem der Induktion: Humes Herausforderung und moderen Antworten Dannstadt 1975 S.69.

2 Wörtlich: entdecken

3 Hyperion heißt buchstäblich der, der über ist.

4 Für eine Einleitung in dieses Thema empfehle ich Guyer: Absolute Idealism and the Rejection of Kantian Dualism in The Cambridge Companion to Gennan Idealism

5 Zeiclme hier den Stuhl

6 Für einen interessanten Aufsatz darüber empfehle ich von Lampre: Hölderin and Novalis in The Cambridge Companion to Gennan Idealism

7 Friedrich Hölderlin: Sämtlich Werke, 6 Bände, Band 4, Stuttgart 1962 ร. 227

8 Vgl. Manfred Frank: Unendliche Annäherung Frankfurt am Main 1997 ร. 36 - 37

9 Hölderlin: Breife an Schiller Sämtlich Werke Band 4, 2004 München ร. 191.

10 Heidegger: Sein und Zeit. Tübingen 2004 ร. HO -113.

11 Heidegger: Was ist Metaphysik? , Bonn 1929 ร. 11 - 12.

12 Identität nicht = das Sein

13 Heidegger: Der Ursprung des Kunstwerkes , Stuttgart 1960 ร. 47 - 48.

14 Ibidem S.61 ร.34 und ร.53.

15 Ibidem ร. 45.

16 Ibidem ร. 41.

17 Ibidem ร.44.

18 Ibidem ร. 43.

19 Ibidem ร. 46.

20 Ibidem ร. 47.

21 Ibidem ร. 54.

22 Ibidem ร.29.

23 Ibidem S.55.

24 Ibidem ร.76.

25 Wörtlich: enthüllt

26 Ibidem. ร. 77.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Sein des Hermeneutischen Zirkels. Zu Heideggers "Ursprung des Kunstwerkes" und Hölderlins "Hyperion"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V412270
ISBN (eBook)
9783668634183
ISBN (Buch)
9783668634190
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heidegger, Hermeneutik, Hölderlin, Hyperion
Arbeit zitieren
John Dorsch (Autor), 2012, Das Sein des Hermeneutischen Zirkels. Zu Heideggers "Ursprung des Kunstwerkes" und Hölderlins "Hyperion", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412270

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