Die Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft im Zeitalter der Vorsokratiker. Die Ionische Schule


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Das Betreiben der Philosophie und der Wissenschaft
1.1 Philosophie - Induktive Logik und die Entwicklung einer Theorie
1.2 Der Vorsokratiker als Philosoph
1.3 Wissenschaft - Deduktive Logik und die Weiterentwickelung einer Theorie
1.4 Der Vorsokratiker als Wissenschaftler
1.5 Schluss

2. Die Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft

3. Die Ionische Schule
3.1 Thaies (ca. 625 - 546 V. Chr.)
3.2 Anaximander (610 - 540 V. Chr.)
3.3 Anaximenes (ca. 585-525 V. Chr.)

Nachwort

Bibliographie

,, Ohne Gleichnis gesprochen, es ist meine Meinung, dass uns heute die Philosophie der Griechen deshalb so sehr anzieht, weil nirgends auf der Welt, weder vorher noch nachher, ein so fortgeschrittenes, wohlgegliedertes Gebäude aus Wissen und Nachdenken errichtet worden ist, ohne die verhängnisvolle Spaltung, die uns jahrhundertelang gehemmt hat und heute unerträglich geworden ist. "

- Erwin Schrödinger1

Abstract

Für die Vorsokratiker gab es keinen Unterschied zwischen der Philosophie und den Wissenschaften. Als sie philosophierten, suchten sie nach vernünftigen Erklärungen für die Beschaffenheit der Welt und der Rolle des Daseins in der Welt. Zuweilen kam es zu beweisbaren Nachweisen, die wir heutzutage wissenschaftlich nennen würden, andererseits entwarfen sie zugleich Erläuterungen der Welt, die wir als philosophisch bezeichnen würden. Der Zweck dieses Aufsatzes ist es, die Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft im Zeitalter der vorsokratisehen Philosophen zu untersuchen. Eine Zeit, in welcher der Unterschied zwischen den beiden nicht existierte. Ferner ist es das Ziel dieses Aufsatzes, ein Bild von den Vorsokratikern zu gewinnen; deren Perspektive wir Post-Modernisten als Mittel anwenden könnten, um die Trennung der Philosophie und der Wissenschaft aufzuheben, damit anstatt einer Zwietracht eine Harmonie zwischen ihnen entstehen könnte.

1. Kapitel - Das Betreiben der Philosophie und der Wissenschaft

Da die Natur jeder Verbindung zweier oder mehrerer Sachen davon abhängig ist, wie die Sachen sich voneinander unterscheiden lassen, ist es notwendig zu untersuchen, was es heißt, einerseits Wissenschaft und anderseits Philosophie zu betreiben. Denn sollte der Unterschied zwischen den beiden nicht ausreichend geklärt sein, wäre es unmöglich, zu betrachten, was die Verbindungen sind und wie sie verbunden sind. Ferner ist es unentbehrlich zu zeigen, dass das, was die Vorsokratiker trotz des Mangels der Galileischen wissenschaftliche Methode leisteten, dennoch wissenschaftlich gewesen war.

1.1 Philosophie - Induktive Logik und die Entwicklung einer Theorie

Da dieser Aufsatz sich von der Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft handelt, finde ich es hier wichtig zu erörtern, was die Funktion der Metaphysik ist, welche in beiden Disziplinen eine Rolle zu spielen schient. Es wird mit Recht gesagt, dass metaphysische Theorien die Tendenz hätten, nicht bestätigt werden zu können, da sie einen Standpunkt verträten, welcher jenseits der Physik oder - in anderen Worten - transzendental sei. David Hume vertrat die Position, dass wir keinen Grund hätten zu behaupten, dass eine Theorie sich in der Zukunft stets genauso verhalte, wie sie in der Vergangenheit verhalten hätte. Ebendeshalb meinte Einstein, dass wir eine „Angst von der Metaphysik“ hätten.2 Demgegenüber viele Behauptungen der Wissenschaft stellen viele Paradigmen der Realität dar, die in unendlichen Fällen nicht bestätigt werden können. Ein ganz banales Beispiel ist, dass alle Menschen sterblich sind. Wenn aber Bestätigung sich so definieren ließe, dass die Wahrscheinlichkeit der infrage kommenden Behauptung durch Erfahrung festgestellt werden kann, dann könnte davon ausgegangen werden, dass Induktion eine Theorie bestätigen kann. Dies alles zeigt, dass die Metaphysik, obwohl sie eine Disziplin der Philosophie ist, aus geschichtlichen Gründen auch in den theoretischen Wissenschaften erscheint. Daher bin ich der Auffassung, dass die Vorgehensweise, mittels Induktion eine Theorie über Realität zu erschließen, ein metaphysisches Unternehmen ist, und deshalb zu Philosophie gehört.3

Induktive Logik der philosophischen Theorie-Entwicklung Fall: Menschen leben Resultat: Alles das lebt, stirbt

1.2 Der Vorsokratiker als Philosoph

„Hätte [Thaies] gesagt: aus Wasser wird Erde, so hätten wir nur eine wissenschaftliche Hypothese, eine falsche, aber doch schwer widerlegbare. Aber er gieng über das Wissenschaftliche hinaus.“4

Was Nietzsche meines Erachtens damit sagen will, ist, dass Thaies, wenn er sagt, dass das Wasser der Ursprung aller Dinge sei, nicht nur eine physikalische Theorie sondern eine metaphysische Theorie der Welt entwickelte. Metaphysik unterscheidet sich von der Physik, indem sie sich mit ersten Prinzipien und letzten Zwecken allen Geschehens beschäftigt und, dass sie dadurch etwas Transzendentales über die Wirklichkeit aussagen kann. Es wird später gezeigt werden, dass die Vorsokratiker solche Theorien entwickelten.

1.3 Wissenschaft - Deduktive Logik und die Weiterentwickelung einer Theorie

Meine Definition darüber, wie Wissenschaft betrieben wird, ist folgende: Es wird eine Theorie über die Realität benötigt, welche die Wirklichkeit mittels Beobachtungen und durch wiederholte Experimente untersucht, um darüber zu prüfen, ob diese Theorie zuverlässige Regeln über die Welt aufzustellen vermag.In anderen Worten: eine wissenschaftlichen Theorie bietet die Regeln an, wozu Logik und Beobachtung die untergeordneten Regeln und Beobachtungen und Untersuchungen die Fälle und schließlich die Resultaten anbieten, welche die Gültigkeit der Regeln überprüfen, d.h. deduktive Logik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Untersuchungen —> Resultat: Dieser Mensch ist durch den Zustand X zu Tode gekommen.

—> Sowohl die vorausgesetzte als auch die untergeordnete Regel sind gültig.

Die induktive Theorie-Entwicklung und die deduktive Theorie-Weiterentwicklung bilden meines Erachtens zusammengenommen die Logik der Forschung. Zur Unterstützung meiner Auffassung, führe ich ein Zitat von Einstein an:

„Die Methode des Theoretikers bringt es mit sich, dass er als Fundament allgemeine Voraussetzungen, sogenannte Prinzipe, braucht, aus denen er Folgerungen deduzieren kann. Seine Tätigkeit zerfällt also in zwei Teile. Er hat erstens jene Prinzipe aufzusuchen, zweitens die aus den Prinzipien fließenden Folgerungen zu entwickeln.“

1.4 Der Vorsokratiker als Wissenschaftler

Die Vorsokratiker hätten hingegen weder die Instrumente noch die Werkzeuge, um ihre Theorien stets mit Beobachtungen und Untersuchungen zu untermauern. Allerdings sagt man mit Unrecht, dass ihre Theorien unwissenschaftlich seien. Zur Unterstützung meiner Behauptung, führe ich noch ein Zitat von Einstein an.

„Von prinzipiellen Standpunkt aus ist es ganz falsch, eine Theorie nur auf beobachtbare Größen gründen zu wollen. Denn es ist ja in Wirklichkeit genau umgekehrt. Este die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten karin.“5

Einstein wollte damit sagen, dass bevor man Untersuchungen und Experimente unternehmen dürfe, man zuerst eine Theorie entwickelt haben müsse, welche Prinzipien voraussetzte, mit denen ihre Gültigkeit überprüft werden könne. Es wird später gezeigt werden, dass die Vorsokratiker genau dies unternahmen.

1.5 Schluss

Meine Logik der Forschung, dass alle wissenschaftlichen Entdeckungen auf deduktiver Logik basieren, welche wiederum auf einer Theorie basiert, die durch induktive Logik und Intuition zustande kam, entspricht zu meiner Überraschung in vieler Hinsicht der Theorie der Wissenschaft Karl Poppers. Zur Untermauerung führe ich einige Zitate aus seinem Buch The Logic of Scientifc

„According to the view that will be put forward here, the method of critically testing theories, and selecting them according to the results of tests, always proceeds on the following lines. From a new idea, put up tentatively, and not yet justified in any way—an anticipation, a hypothesis, a theoretical system, or what you will—conclusions are drawn by means of logical deduction. These conclusions are then compared with one another and with other relevant statements, so as to find what logical relations (such as equivalence, derivability, compatiblity, or incompatibility) exist between them.“6 7

„And it is precisely over the problem of induction that tilis attempt to solve the problem of demarcation comes to grief: positivists, in their anxiety to annihilate metaphysics, annihilate natural science along with it. For scientific laws, too, cannot be logically reduced to elementary statements of experience.“8

Offensichtlich sollte ich die Logik von Popper sorgfältig analysieren, damit ich meine eigene Logik mit seiner auseinandersetzen kann. Leider würde eine vollständige Untersuchung an dieser Stelle zu viel Raum einnehmen, daher werde ich im Folgenden nur kurz auf die Logik Poppers eingehen.

2. Kapitel - Die Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft

Ich bin der Meinung, dass es kein Wunder ist, dass die Vorsokratiker neue revolutionäre Theorien nebeneinander entwarfen, wenn man bedenkt, dass es damals keine Trennung zwischen Philosophie und Wissenschaft gab.

In seinem Buch „The Structures of Scientific Revolutions “ argumentierte Thomas Kuhn für zwei Wissenschaftsarten: Normal und Revolutionary Science. Normal Science bezeichnet meines und seines Erachtens nach den Bereich, wo die Wissenschaft von der Philosophie getrennt ist. In 1.2 dieses Aufsatzes stellte ich eine Definition auf, die klären sollte, wie Wissenschaft betrieben wird. Kuhns Normal Science kann als Weiterentwicklung dieser Definition angesehen werden. Ich bin jedoch der Auffassung, dass außer der ersten Instanz Revolutionary Science sowohl Philosophie als auch Wissenschaft ist, d.h eine Harmonie der beiden darstellt. Um dies zu unterstützen, muss ich zuerst erklären, was Revolutionary Science ist und wie sie funktioniert.

„A paradigm in Kuhn’s theory is a package of claims about the world, methods for gathering and analyzing data, and habits of scientific thought and action.9 In Kulm’s theory of science, the big changes in how scientists see the world—the 'revolutions' that science undergoes every now and then occur when one paradigm replaces another.10 The transition to a crisis is almost like a pilase transition, like the change of a substance from solid to liquid during melting. For whatever reason, the scientists in a field lose their confidence in the paradigm. As a consequence, the most fundamental issues are back on the table for debate.“ 11

Laut Kuhn setzte die Wissenschaft ein Paradigma voraus, welches durch Normal Science weiterentwickelt wird, wobei Anomalien darin erscheinen. Sobald eine hinreichende Anzahl an Anomalien entstanden sind, gerät das Paradigma in eine Krise. Danach wird jenes Paradigma durch ein neues ersetzt, welches die Anomalien überwinden könnte. Mit anderen Worten, dieser Prozess, d.h. das Ersetzen eines alten für ein neues Paradigma, ist Revolutionary Science. Es wird später gezeigt werden, dass die Philosophien der Vorsokratiker in ihrer eigentümlichen Weise eine Form von Revolutionary Science sind.

Es scheint mir logisch, wenn Kuhn meint „during these crises scientists suddenly become interested in philosophy“12, denn diese Paradigmen zu erschaffen, bedeutet im Grunde, eine induktive Theorie über die Natur der Realität zu entwerfen. Wie bereits in 1.1 erwähnt, ist eine solche Theorie eine Art der Metaphysik. Das neue Paradigma ist allerdings auch wissenschaftlich, weil es in einer gewissen Weise auf die vorherigen wissenschaftlichen Resultate basiert. Diese enge Verbindung kann in Heinsbergs Quantentheorie und Philosophie während der Geburt der Quantentheorie leicht eingesehen werden.

„[Ich] traff Einstein erst anderthalb Jahre später auf der Solvay-Konferenz in Brüssel, auf der die erkeimtnistheortischen und philosophischen Grundlagen der [Quanten]Theorie noch eimnal den Gegenstand äußerst erregender Diskussionen bildeten“13

Zur Verdeutlichung meiner bisherig Ausführungen möchte ich die Wissenschaftsphilosophie von Kuhn mit meiner Logik der Forschung kombinieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Paradigma Entwicklung

Nonnal Science

Anomalien/Krise

14 Der vierte Schritt ersetzt den ersten. Aber natürlich nicht den Urersten, weil der keine Weiterentwickelung istRevolutionary Neue Paradigma

induktive Logik deduktive Logik

Science: induktive

deduktive Logik

[...]


1 Schrödinger: Die Natur und die Griechen. Wien 1955. ร. 28

2 Einstein: Mein Weltbild. Wien 1972. ร. 39

3 Meine liier erwähnte Auffassung wird später bei meiner Deutung von Kulms Revolutionary Science eine wichtige Rolle spielen.

4 Einstein 1972. ร. 111

5 Heisenberg: Quantentheorie und Philosophie. Stuttgart 1978. ร. 31

6 Karl Popper ist sowohl in der deutschen als auch in der englischen Sprache der Autor des Buches.

7 Karl Popper: The Logic of Scientific Discovery. Routledge 1972. ร. 7

8 Karl Popper 1972 ร. 13

9 Godfrey-Smith: Theory and Reality. Chicago 2003. ร. 77

10 Godfreÿ-Smith 2003 ร. 76

11 Godfreÿ-Smith 2003 ร. 82

12 Godfreÿ-Smith2003. ร. 82

13 Heinsberg 1978. ร. 41

14 Der vierte Schritt ersetzt den ersten. Aber natürlich nicht den Urersten, weil der keine Weiterentwickelung ist

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Details

Titel
Die Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft im Zeitalter der Vorsokratiker. Die Ionische Schule
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V412271
ISBN (eBook)
9783668634206
ISBN (Buch)
9783668634213
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorsokratiker, Wissenschaftsphilosophie
Arbeit zitieren
John Dorsch (Autor), 2012, Die Verbindung zwischen Philosophie und Wissenschaft im Zeitalter der Vorsokratiker. Die Ionische Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412271

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