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Identität und Authentizität im Schatten des Fundamentalismus

Title: Identität und Authentizität im Schatten des Fundamentalismus

Term Paper , 2013 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: John Dorsch (Author)

Literature - Comparative Literature
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Amin Maalouf definiert mörderische Identität als diejenige, die das Individuum auf lediglich eine einzige seiner Zugehörigkeiten reduziert. Stattdessen argumentiert er für eine alternative Auffassung der Identität, welche sich über das Leben des Individuums hinweg ändert, welche alle möglichen Zugehörigkeiten eines Individuums einschließt und ausdrückt – seien sie religiösen, kulturellen, linguistischen, oder intellektuellen Ursprungs.

Weil Maalouf die Ansicht vertritt, dass fundamentalistische Taten von jenen Personen begangen werden, deren Identität bedroht ist, ist er davon überzeugt, dass die Adaptation einer – wie man es wohl nennen darf – dekonstruierten Identität beitragen würde, fundamentalistische Taten zu verhindern. Obwohl ich diese Ansicht teile, scheint mir, dass Maaloufs Plädoyer für eine dekonstruierte Identität gewisse Dilemmas außer Acht lässt, welche zunächst erörtert werden müssen, bevor eine dekonstruierte Identität zu adaptieren wäre: Vorausgesetzt, dass eine dekonstruierte Identität adaptiert ist, mit welchen Kriterien entscheidet man nun, ob Werte – gesellschaftliche, religiöse, kulturelle Werte etc. – anzunehmen bzw. zurückzuweisen sind? Wie kommt man zum Entschluss, dass eine Handlung authentisch ist? Und nach der Adaption einer dekonstruierten Identität, was wird aus der Beziehung zwischen dem Individuum und der Heimat?

Mithilfe der Philosophie von Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, und Friedrich Hölderlin – die ihrerseits eine dekonstruierte Identität befürworten – adressiere ich solche Dilemmas. Es wird sich herausstellen, dass interkulturelle Bildung als auch die Erschaffung von Kunst erforderlich sind für die Adaption einer dekonstruierten Identität.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Umgehen mit Werten

3. Authentizität

4. Heimat

5. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die philosophischen Dilemmata, die bei der Adaption einer sogenannten „dekonstruierten Identität“ entstehen. Ziel ist es, mithilfe der Konzepte von Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger und Friedrich Hölderlin aufzuzeigen, wie ein Individuum trotz der ständigen Wandlung seiner Identität ein authentisches Leben führen und sich in einer fremden Welt verorten kann.

  • Die theoretische Abgrenzung von formaler zu dekonstruierter Identität.
  • Die drei zentralen Dilemmata: Umgang mit Werten, Authentizität und Heimat.
  • Nietzsches Philosophie der drei Verwandlungen des Geistes als Modell für Werteadaption.
  • Heideggers Analyse des In-der-Welt-Seins und des Daseins zur Definition von Eigentlichkeit.
  • Die Rolle der Kunst als notwendiges Instrument für interkulturelle Bildung und Sinnstiftung.

Auszug aus dem Buch

Das Umgehen mit Werten

Es ist allgemein bekannt, dass Nietzsche für einen Begriff der Identität plädiert, der die gleiche Form hat, wie der von Maalouf, nämlich eine dekonstruierte (de Man 1975). Identität für Nietzsche ist eine Frage dessen, was ich will und was ich mache, eine Frage meines Engagements in der Welt. Folglich ist Authentizität nach Nietzsche eine Art der Selbstbestimmung, welche wohl im Wettbewerb mit religiösen, sozialen, kulturellen, und historischen Werte erlangt werden muss.

In Also sprach Zarathustra wird eine Allegorie von drei Verwandlungen erzählt, die wohl als eine Parabel über Werte zu verstehen ist. Jede Verwandlung betrifft den Geist, der sich während des Erwerbs, der Zurückweisung, oder der Erschaffung von Werten unterschiedlich verhält, agiert, und reagiert. Anstatt eines sich verändernden Geistes ändert sich der von dem Geist ausgeübte Wille. Angesichts dessen ist die Dialektik weder intern noch extern: Sie ist ein intra-dynamischer Tumult zwischen dem Geist und der Welt der Werte. Jedoch besitzt jede Verwandlung eine ontologische Dimension: Jede Verwandlung ist eine Verwandlung des Geistes. Das bedeutet, dass Nietzsche den Leser ermutigt, den erheblichen Effekt zu betrachten, welchen Werte auf derer Besitzer ausüben. Denn der Umgang mit Werten ist der (dekonstruierten) Identität wesentlich.

Zum Umgang gibt es drei Prototypen: das Kamel, den Löwen, und das Kind; wobei alle drei, wie oben angemerkt, lediglich ein und derselbe Geist sind. Das Kamel erwirbt Werte, der Löwe weist sie zurück, und das Kind erschafft Werte. Jede Figur besitzt eine entsprechende Gesinnung (zum Beispiel hat das Kamel die Gesinnung Ehrfurcht), welche den Umgang der Figur mit den Werten bestimmt. Am Ende (also beim Kind) nehmen Werte die Gestalt an, welche dem Willen des Geistes entspricht. Diese Wertänderung ist wohl eine Perspektivänderung, d.h. eine neue Auslegung von Werten überhaupt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Begriff der dekonstruierten Identität und Darstellung der Problematik, dass diese Identität keine feste normative Grundlage besitzt.

2. Das Umgehen mit Werten: Analyse der Nietzsche’schen Allegorie der drei Verwandlungen (Kamel, Löwe, Kind) als Methode, um den Prozess der Werteaneignung und -schöpfung zu verstehen.

3. Authentizität: Untersuchung von Heideggers Daseins-Konzept, um zu klären, wie trotz der Immersion in eine fremde Welt authentisches Handeln möglich ist.

4. Heimat: Interpretation von Hölderlins Gedicht „Heimkunft“ als Reflexion über Heimat als Ort des Geistes und der künstlerischen Schöpfung statt als bloßer Geburtsort.

5. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse und Fazit, dass interkulturelle Bildung und künstlerische Schöpfung essenziell sind, um eine authentische, dekonstruierte Identität zu stützen.

Schlüsselwörter

Dekonstruierte Identität, Authentizität, Nietzsche, Heidegger, Hölderlin, Werte, Heimat, Interkulturelle Bildung, Dasein, Eigentlichkeit, Kunst, Selbstbestimmung, Philosophie, Sinnstiftung, Identitätswandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie ein Individuum eine sich stetig wandelnde, sogenannte „dekonstruierte Identität“ bewahren und authentisch in der Welt agieren kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind der Umgang mit Werten, die philosophische Definition von Authentizität sowie das Verständnis von Heimat.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, welche Kriterien und Handlungsweisen notwendig sind, um eine dekonstruierte Identität zu adaptieren, ohne dabei an Halt zu verlieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine philosophisch-hermeneutische Analyse verwendet, die sich auf die Primärtexte von Nietzsche, Heidegger und Hölderlin stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Werteaneignung nach Nietzsche, die Eigentlichkeit nach Heidegger und die Heimatthematik bei Hölderlin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie dekonstruierte Identität, Authentizität, Werte, interkulturelle Bildung und künstlerische Schöpfung.

Warum spielt die Metapher des „Kindes“ bei Nietzsche eine so wichtige Rolle für das Autor-Argument?

Das Kind dient als Symbol für die kreative Erschaffung von Werten, die es dem Individuum erlaubt, über die bloße Übernahme oder Ablehnung von Werten hinauszugehen.

Inwiefern beeinflusst Hölderlins Gedicht „Heimkunft“ das Verständnis von Heimat im Text?

Das Gedicht verdeutlicht, dass Heimat kein statischer geographischer Ort ist, sondern ein „Gemüt“ oder ein Ergebnis künstlerischer Schöpfung.

Welche Rolle spielt die Kunst bei der Lösung der beschriebenen Identitäts-Dilemmata?

Kunst fungiert als notwendiges Instrument, um Paradoxien aufzulösen und dem Dasein in einer sich verändernden Welt einen neuen Sinn zu verleihen.

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Details

Title
Identität und Authentizität im Schatten des Fundamentalismus
College
University of Tubingen
Grade
1,0
Author
John Dorsch (Author)
Publication Year
2013
Pages
16
Catalog Number
V412278
ISBN (eBook)
9783668642034
ISBN (Book)
9783668642041
Language
German
Tags
Hölderlin Nietzsche Heidegger Identität Interkulturelle Bildung Fundamentalismus Flüchtlingsdebatte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
John Dorsch (Author), 2013, Identität und Authentizität im Schatten des Fundamentalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412278
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