Die emotionale Entwicklung von Jugendlichen und Heranwachsenden


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlegende Veränderungen der Hirnstruktur während der Pubertät
2.1 Das adoleszente Gehirn als Baustelle
2.1.1 Cerebellum
2.1.2 Präfrontaler Cortex
2.1.3 Amygdala/Limbisches System
2.2 Veränderte Abläufe während der Umstrukturierung

3. Evolutionäre Entstehung von Emotionen

4. Intrapsychische emotionale Adaptionen im Verlauf der Adoleszenz

5. Soziale Einflussfaktoren der emotionalen Entwicklung Adoleszierender
5.1 Methoden zur Unterstützung Heranwachsender in ihrer emotionalen Entwicklung für Lehrkräfte
5.2 Methoden zur Unterstützung Heranwachsender in ihrer emotionalen Entwicklung für Eltern

6. Kulturelle und gesellschaftliche Faktoren
6.1 Auswirkungen verschiedener Erziehungsstile
6.2 Kulturelle Faktoren

7. Reflexion

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Junge Menschen, gerade im Alter der fortschreitenden Pubertät oder Adoleszenz,verhalten sich häufig konträr zu dem, was die sie umgebende Umwelt von ihnenerwartet. Risikoverhalten und Substanzmissbrauch können in dieser Zeit genausoausgereizt werden und schließlich gefährdend für das adoleszente Individuum sein wieemotional bedingte Handlungsweisen. Hierzu zählen sowohl Mobbing, das inzahlreichen Varianten stattfinden und sowohl für den gemobbten als auch denmobbenden Heranwachsenden gefährdend sein kann, als auch spezifische Ängste, diespeziell in der Adoleszenz auftreten können, wie etwa Schul- oder Zukunftsängste.

Diese Arbeit beschäftigt sich zunächst mit den neuronalen und strukturellenVeränderungen eines Heranwachsenden in seiner Entwicklung in der Adoleszenz bishin zum Erwachsenen und thematisiert im Weiteren verschiedene Ansätze derEmotions- und Hirnforschung, um ein hinreichendes Verständnis für den Umgang mitHeranwachsenden bezüglich ihres veränderten emotionalen Verhaltens während derPubertät zu schaffen.

2. Grundlegende Veränderungen der Hirnstruktur während der Pubertät

Neben körperlichen (Veränderung der Körpergröße, Reifung der Geschlechtsorgane,Umverteilung von Körperfett oder vermehrtes Wachstum von Körperbehaarung) undhormonellen (Ausschüttung von Sexualhormonen) Veränderungen während desÜbergangs vom Kind zum Pubertierenden, Adoleszierenden und schließlich zumErwachsenen kommt es während der für Viele als kritische und schwierige Zeitempfundenen Phase der Pubertät ebenfalls zu massiven Umstrukturierungen im Gehirndes Heranwachsenden und damit einhergehenden emotionalen Veränderungen.Jugendliches Verhalten wird häufig als „Sturm und Drang“ bezeichnet oder mit denBegriffen „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ gleichgesetzt und bezieht sich aufwechselhafte und impulsive Verhaltensweisen Adoleszierender, die für ihre Umweltoftmals nur schwer zu verstehen sind. Diese Arbeit beschäftigt sich intensiv mit denVeränderungen des jugendlichen Gehirns und den damit einhergehenden emotionalenVeränderungen, weswegen die körperlichen Aspekte im Folgenden weniger intensivthematisiert werden.

2.1 Das adoleszente Gehirn als Baustelle

Ratgeber, die sich sowohl an Eltern als auch an Lehrer richten und in zahlreicher Formzu finden sind, beschreiben das Gehirn des Heranwachsenden häufig als Baustelle, dader Begriff treffend benennt, was während der Zeit der Pubertät und Adoleszenz aufkomplexe Weise im Gehirn eines Jugendlichen geschieht. Auf wissenschaftlicherEbene wird von einer Umstrukturierung in Form der Myelinisierung gesprochen, diebeinahe alle Areale des Gehirns betrifft und je nach kultureller Herkunft, Umfeld,individueller Entwicklung, Bildung und Selbstständigkeit des Individuums bis zum 25.Lebensjahr andauern kann. Dies wäre auch ein Erklärungsansatz für dieunterschiedliche Dauer und Ausprägung der für die Pubertät typischenVerhaltensmuster, da ein früherer Einstieg in den Berufsalltag eine früher eintretendeSelbstständigkeit verlangt, wohingegen eine längere Schulausbildung und die häufiglänger andauernde Unterstützung durch und Abhängigkeit von den Eltern die Reifungder Selbstständigkeit verzögert und einen größeren Zeitrahmen für pubertäreVerhaltensmuster bietet.

Lange galt die Annahme, dass der Überschuss an Sexualhormonen verantwortlich fürjugendliches bzw. pubertäres Verhalten sei. Die moderne Hirnforschung konnte jedochbelegen, dass eine massive Umstrukturierung Auslöser für risikoreicheres undemotional verändertes Verhalten ist. Das menschliche Gehirn bildet spätestens ab derGeburt fortwährend neue Verbindungen (Synapsen), um den Anforderungen neuerSituationen gerecht zu werden und verstärkt diese bei häufiger Nutzung. So werden abfrühester Kindheit Bereiche der Erinnerungen und Vorlieben oder Lerninhalte nicht nurgespeichert, sondern unaufhörlich adaptiert. Die Hirnforschung verwendet den Begriff Bahnung.

Während der Pubertät findet neben der Bahnung von häufig genutzten Synapsen undder Umwandlung von sogenannter grauer zu schneller arbeitender weißer Masse aucheine „Stilllegung“ (Synaptic Pruning) kaum genutzter Verbindungen statt, jedoch trittdiese Strukturveränderung und -anpassung nicht zeitgleich in allen Bereichen desGehirns ein. Die Veränderungen beginnen im hinteren Bereich des Gehirns und endenim vordersten, was der kognitiven Entwicklung entspricht, da hierbei ebenfallszunächst Bereiche basaler Funktion adaptiert werden und zuletzt exekutive Funktionen.Im Folgenden werden die elementarsten Bereiche knapp beschrieben, um ein besseresVerständnis zu schaffen.

2.1.1 Cerebellum

Das Cerebellum oder Kleinhirn, das hauptsächlich für basale Funktionen wie Motorik und räumliche Orientierung verantwortlich ist, erfährt zuerst eine Veränderung während der Pubertät. Neueste Forschungen vermuten, dass neben Motorik, Koordination der Muskeln und Impulsverhalten auch kognitive Prozesse wie die Kommunikation und soziales Verhalten im Kleinhirn ablaufen.

2.1.2 Präfrontaler Cortex

Der präfrontale Cortex, der im Zuge der pubertären Umstrukturierung des jugendlichenGehirns zuletzt adaptiert wird und auch unter dem Begriff Stirnlappen zu finden ist,bezeichnet das oberste Steuerungszentrum des Gehirns. Reize und Informationen ausder Umwelt werden hier mit bereits vorhandenen Informationen und emotionalenBewertungen abgeglichen. Anschließend wird eine adäquate Reaktion auf denentsprechenden Reiz gewählt. In diesem Bereich laufen Prozesse zu Planung,Bewertung und der Abschätzung von Risiken. Der präfrontale Cortex gilt ebenso alsZentrum zur Steuerung der emotionalen Prozessabläufe und fungiert in gewisser Weiseentsprechend eines Supervisors.

2.1.3 Amygdala/Limbisches System

Die Amygdala (auch Mandelkern) hat prinzipiell die Aufgabe inne, Emotionen zuregulieren und zu verarbeiten und ist grundlegend an der Entstehung von Ängsten, aberauch der Bewertung von risikoreichen Situationen, beteiligt und befindet sich imlimbischen System des Gehirns, das maßgeblich für die Entstehung von Emotionen undTriebverhalten verantwortlich ist. Auch intellektuelle Leistungen laufen in diesemBereich des Hirns ab.

2.2 Veränderte Abläufe während der Umstrukturierung

Während der Umstrukturierung im adoleszenten Gehirn muss unter Umständen aufalternative Bereiche zurückgegriffen werden, um bestimmte Situationen, Konflikteoder Emotionen weiterhin bearbeiten und bewerten zu können, da ursprünglich dafürzuständige Bereiche während des Umstrukturierungsvorgangs häufig überlastet sind.So greift der Heranwachsende während der Veränderung des präfrontalen Cortex unbewusst auf die Funktionen der Amygdala zurück, die emotionale Reize reguliert.Der überlastete präfrontale Cortex, der ursprünglich zur rationalen Bewertung vonSituationen fungiert, wird somit von einem konträr arbeitenden Bereich des Gehirnsergänzt, was das häufig undurchsichtige Verhalten Jugendlicher und deren emotionaleund impulsive Reaktionen, die wenig Rationalität und Besonnenheit vermuten lassen,erklären können.

3. Evolutionäre Entstehung von Emotionen

Nachdem ablaufende Veränderungen und Umstrukturierungen des jugendlichenGehirns thematisiert wurden, soll im Folgenden der Fokus auf die evolutionäreEntstehung von Emotionen gelegt werden, um ein hinreichendes Verständnis derablaufenden Prozesse zu schaffen und im Anschluss mögliche Interventionsmethodenzu erschließen.

Laut Anthropologe und Psychologe Paul Ekman (*1934) sind bestimmte Basisemotionen von Geburt an vorhanden und können unabhängig von kultureller Herkunft, Sprache oder Erziehung verstanden, gedeutet und wiedergegeben werden. Es herrscht jedoch Uneinigkeit darüber, welche der Emotionen als Basisemotionen gelten. Die häufigsten Aufzählungen beinhalten jedoch die Emotionen Freude, Trauer, Wut, Furcht, Ekel und Überraschung. Einige Forscher vermuten, dass bereits höhere Säugetiere Basisemotionen innehaben könnten.

Evolutionär betrachtet lässt sich sagen, dass zur Wahrnehmung und aktiven Nutzungvon Emotionen höchstwahrscheinlich ein Bewusstsein vorhanden sein muss.Ursprünglich dienten Emotionen vermutlich dazu, hauptsächlich das Überleben zusichern. So waren Empfindungen von Angst, Lust, Schmerz oder Wut vermutlichausschlaggebend für die Sicherung des individuellen und kollektiven Wohlbefindensund ursächlich für die Ausbildung differenzierterer Emotionsempfindungen.

Die Regulierung von Emotionen spielt hierbei eine übergeordnete Rolle, da sie sowohldas eigene und kollektive Leben regulieren, andererseits auch einer eigenen Regulationbedürfen, da sonst ein massiver Konflikt auftritt. Ein Beispiel hierfür ist etwa dasBedürfnis nach Ruhe und Schlaf und die Wachsamkeit bzw. Furcht vor Angreifern.Ohne entsprechende Regulation würde der stattfindende Konflikt eineAusgeglichenheit gefährden und möglicherweise verhindern. Intrapsychische Abläufemüssen also von einer übergeordneten Funktion reguliert werden, die entsprechend der aktuellen Situation emotionale Programme in den Vordergrund stellt oder entsprechendgegenteilig agiert. Einige Forscher sind der Überzeugung, dass es sich bei dieserRegulationsfunktion um die eigentlichen Emotionen handelt, die innere evolutionärbedingte Abläufe regeln. Reaktionen auf bestimmte Emotionsempfindungenentsprechen häufig nicht mehr der sich weiterentwickelten Umwelt, jedoch zeigen sichdiese Reaktionen nach wie vor, etwa bei der Empfindung von Angst oder Wut.

Neben der intrapersonalen Regulationsfunktion von Emotionen spielt im sozialenKontext auch die interpersonale Funktion eine elementare Rolle. Soziale Beziehungenbasieren auf emotionalen Ausdrucksweisen und vermitteln dem Gegenüber die aktuellstattfindenden intrapsychischen Abläufe. Ohne entsprechende Regulation wäre es demmenschlichen Organismus vermutlich nicht oder nur erschwert möglich, beispielsweisesekundäre Handlungen durchzuführen, die zunächst nicht auf direktem Weg zum Zielführen. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Herstellung eines Werkzeugs mit einem bereitsvorhandenen Werkzeug, um die Jagd nach Nahrung zu vereinfachen. Könnte dasHungergefühl nicht reguliert werden, so wäre es nicht möglich, die Sekundärhandlungdes Herstellens eines weiteren Werkzeugs durchzuführen und die Jagd würde weiterhinmit dem weniger geeigneten Werkzeug stattfinden. Die Weiterentwicklung desOrganismus und damit des Individuums hängt demnach maßgeblich von der eigenenRegulationsfähigkeit ab.

Entwicklungspsychologisch betrachtet erlernen bereits Säuglinge die Fähigkeit zur Emotionsregulation, die nicht nur auf die aktuelle Motivbefriedigung gerichtet ist, sondern bereits die regulative Weiterentwicklung innehat. Die Interaktion zwischen Säugling und Bezugsperson bildet hierbei die Grundlage für das Erlernen einer erfolgreichen Emotionsregulation.

Emotionen können bei plötzlichem Auftreten überwältigend wirken und unkontrollierte Handlungen auslösen, wie etwa Weinen, Lachen oder Aggressivität. Besonders im schulischen Kontext bedarf es eines differenzierten Bewusstseins gegenüber möglichen spontanen emotionalen Reaktionen, um adäquat darauf reagieren zu können.

4. Intrapsychische emotionale Adaptionen im Verlauf der Adoleszenz

Laut Emotionsforschern kann davon ausgegangen werden, dass sogenannteBasisemotionen genuin sind (Vgl. Ekman & Friesen),

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die emotionale Entwicklung von Jugendlichen und Heranwachsenden
Veranstaltung
Psychologie des Jugendalters
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V412357
ISBN (eBook)
9783668637115
ISBN (Buch)
9783668637122
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Jugend, Jugendalter, Emotionen, emotionale Entwicklung
Arbeit zitieren
Helen Kohm (Autor), 2017, Die emotionale Entwicklung von Jugendlichen und Heranwachsenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412357

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