Die Glyptothek von Leo von Klenze

Eine Werkanalyse und Einordnung in den Lehrplan für die Mittelschule


Ausarbeitung, 2018
14 Seiten, Note: 2,3
Chris K. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Werkbeschreibung
1.1 Erster Eindruck der Glyptothek
1.2 Die Abgrenzung zum Barock und der Würzburger Residenz
1.3 Daten zum Werk: Die Glyptothek, Klenze und der Klassizismus
1.3.1 Die Epoche: Der Klassizismus
1.3.2 Der Architekt: Leo von Klenze
1.3.3 Das Gebäude: Die Glyptothek

2. Architekturbeschreibung
2.1. Lineare Struktur
2.1.1 Richtungsdominanten
2.1.2 Gedachte Linien
2.2 Flächenstruktur
2.3 Hell-Dunkel-Struktur
2.4 Räumlichkeit
2.5 Synthese des Erkannten
2.6 Interpretation

3. Lehrplan und Unterricht
3.1 Lehrplan
3.2 Unterrichtseinstieg und schulähnliche Aufgabe
3.2.1 Die schulähnliche Aufgabe für den Unterricht
3.2.2 Probleme in der Stunde im Seminar
3.2.3 Alternative Lernplanverortung
3.3 Nützlichkeit und Anwendbarkeit des Themas in der Mittelschule

Literaturverzeichnis

Bilder:

Anhang

1. Werkbeschreibung

In der Werkbeschreibung wird auf die Glyptothek, die Entstehungsepoche und ihr Architekteingegangen. Zudem wird als Abgrenzung zum Barock die Residenz in Würzburg vorgestellt.

1.1 Erster Eindruck der Glyptothek

Beim ersten Betrachten der Frontansicht der Glyptothek fällt einem auf, dass das Gebäude einen antiken, griechischen oder römischen Eindruck macht. Zudem wirkt es, als ob es sich bei dem Gebäude um eine Art Regierungsgebäude handelt, denn es wirkt sehr monumental (vgl. ab Abb. 3 im Anhang).

1.2 Die Abgrenzung zum Barock und der Würzburger Residenz

Der Barockstil ist dem klassizistischen Stil eventuell relativ ähnlich, er unterscheidet sich aber dennoch vollständig von diesem. Im Folgenden werden die Unterschiede des barocken Stils zum klassizistischen Stil herausgearbeitet.

Der barocke Kirchenbau hat seinen Ursprung in Rom. Der barocke Schlossbau hingegen,wurde in Frankreich entwickelt (vgl. HOFFMANN 2010: 12). Es gibt verschiedene typischeStilmerkmale des barocken Schlosses. Zum einen ist ein Charakteristikum dieDreiflügelanlage, mit seinem hervorspringenden Mittelteil, sowie dem daraus entstehendenEhrenhof, ein nach vorne hin offener Hof des Gebäudes, der von Seitenflügeln umschlossenist. Das barocke Schloss hat steile Dächer und Skulpturen auf der Balustrade undVerzierungen an den Fenstern. Die Gartenfassade dagegen ist eher streng und klargegliedert. (vgl. HOFFMANN 2010: 38). Diese Gartenseite bei Schlössern war nur für dieHofgesellschaft und Gäste zugänglich (vgl. HOFFMANN 2010: 40). Der sogenannteMittelrisalit, also die Außenseite des Mittelteiles auf Seite der Gartenfassade, wird durch zweiKolossalpilaster und Wandpfeiler eingefasst. Das erste Geschoss wird von drei halbrundabgeschlossene Fenstertüren geprägt. Oben befindet sich ein bewegt gestalteter Aufsatz(vgl. HOFFMANN 2010: 39).

Eben genau diese Stilmerkmale besitzt auch die Würzburger Residenz. Abbildungen hierzu findet man im Anhang unter Abb.: 1. Die Residenz diente den Würzburger Fürstbischöfen als Wohnsitz. Es handelt sich um eines der bedeutendsten Barockschlösser Europas und wurde von Balthasar Neumann gebaut (vgl. KLUGMANN: 29). Die Fenster des Barockstils sind oft durch Pilaster, Halbsäulen, Segmentbogengiebel und Dreiecksgiebel geprägt (vgl. Abb.: 2) (vgl. HOFFMANN 2010: 17). Eben diese Merkmale besitzt auch die Residenz in Würzburg. Die Räume des Barock sind oft klassizistisch verziert. So ist auch bei der Würzburger Residenz das Treppenhaus mit seiner Lichtfülle und Größe aber auch der Gartensaal mit seinen Gemälden typisch für den Barock. Hinzu kommt das massive Gewölbe im Treppenhaus der Residenz als klassisches Barockmerkmal (vgl. KLUGMANN: 30f.). Der Hofgarten der Residenz ist ebenso ein Merkmal für den Barockstil (vgl. KLUGMANN: 38).

Im Barock bekommt die Säule eine neue Funktion. Sie wird zum Schmuckelement ohneStützfunktion. Aus diesem Grund kann die Säule größer als ein Geschoss werden. Diesbezeichnet man als die sogenannte Kolossalordnung (vgl. HOFFMANN 2010: 24). Es gibtweitere Gebäude, welche typische Barocke Merkmale aufweisen. Dies ist beispielsweise dasSchloss von Versaille, welches von Jules Hardouin-Mansart erbaut wurde (vgl. HOFFMANN2010: 40). Ein weiteres Beispiel für den Barockstil ist das Schloss Schönbrunn in Wien vonJohann Bernhard Fischer von Erlach. Es ist in Form der barocktypischen Dreiflügelanlageerbaut (vgl. HOFFMANN 2010: 44).

1.3 Daten zum Werk: Die Glyptothek, Klenze und der Klassizismus

In diesem Kapitel wird die Entstehung der Glyptothek und dessen Eigenschaften mit Hilfe der Epochenmerkmale des Klassizismus beschrieben. Zudem werden die wichtigsten Eckdaten zu Leo von Klenze gegeben.

1.3.1 Die Epoche: Der Klassizismus

Der Klassizismus bezeichnet einen Stil und eine Epoche. Als Stil bezeichnet man hier alle Kunstströmungen mit antiken Vorbildern der Kunst. Als Klassizismus wird aber auch eine Epoche von 1750-1840 bezeichnet (vgl. LUTZ 2006: 6).

In dem Zeitraum des Klassizismus setzt auch die romantische Bewegung ein. Dies führt zueiner Art Verwandtschaft der Romantik und des Klassizismus (vgl. BEYER 2011: 7). DerKlassizismus entstand als Kontrapart zum Herrschaftssystem des Absolutismus. Im Zuge derAufklärung strebte man nach alternativen Lebensformen für das Bürgertum, die mehrFreiheit versprachen (vgl. LUTZ 2006: 6). Die Französische Revolution wird als einEpochenumbruch interpretiert, welcher die christliche Ära für beendet erklärt. Mit derAufklärung und der französischen Revolution wurden die Rechte des Bürgertums gestärkt(vgl. KUHL 2013: 142). In Deutschland gab es die Befreiungskriege gegen Napoleon, welcheden glauben an eine neue Ära freisetzten (vgl. WOLF 2002: 9f.) So sprich man vomKlassizismus als ein „Zeitalter der Revolutionen“ welches nicht nur gesellschaftlicher undpolitischer Natur war, sondern auch künstlerischer (vgl. WOLF 2002: 10).

In Frankreich begann schon 1688 das Gegenüberstellen von Klassik und Anti-Klassik. Hierwar der klassizistische Stil sehr einheitlich, aufgrund der Zentralstaatstruktur. In Deutschlandaber gab es verschiedene Regionalstaaten. Somit entstanden verschiedene Varianten desKlassizismus, die dazu dienten die einzelnen Herrschaftszentren auszubauen (vgl. LUTZ2006: 32). Die „Revlutionsarchitektur“ bezeichnet eine Spielart des französischenKlassizismus kurz nach der französischen Revolution (vgl. LUTZ 2006: 28f.). 1915 wurde derBegriff von Emil Kaufmann aufgegriffen (vgl. LUTZ 2006: 28). „Kaufmanns epochemachendeSchrift, die den Begriff der „Revolutionsarchitektur“ propagierte, gelangte anhand (…) eines(d.V.) Werkes von Claude Nicolas Ledoux (…) zu einer eigenen Traditionslinie, die bei demfranzösischen Revolutionsarchitekten beginnend, bis zu Le Corbusier, dem wohleinflussreichsten Architekten des 20. Jh. Reichte. Charakteristisch für diese >>autonomeArchitektur<<, die mit >>nebeneinander gestellten Blöcken<< komponiere, seien dieReduktion des Baukörpers auf einfachste geometrische Formen, der Verzicht auf jeglichesDekor sowie eine geschlossene Wirkung der Baumassen“1. Auch in anderen Ländern hattedie „Revolutionsarchitektur“ ihre Wirkung. So in Dänemark, England oder Italien und auch inDeutschland z.B. bei Leo von Klenze, dem Architekten, auf den in dieser Arbeit noch nähereingegangen wird (vgl. LUTZ 2006: 30).

In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann die von Johann Joachim Winckelmann begründete klassische Archäologie (vgl. WOLF 2002: 12f.). Hier entstand der „Versuch, einen vergangenen Stil wissenschaftlich zu rekonstruieren und neuzeitlichen Bedürfnissen anzupassen.“2 „Auch in der Kunst entstanden, im Zeitalter eines kritischen Rationalismus und enthusiastischer Rückbesinnung auf die Antike, neue Leitbegriffe, wie Harmonie und Symmetrie - aufbauend auf klaren geometrischen Grundformen, wie Kubus, Kugel, Zylinder und Kreis. Einfachheit und Klarheit lösten allmählich den verspielten Pomp ab, den die höfische Kultur des Barock und Rokoko so geliebt hatte.“3

Das allgemeine Geschichtsbewusstsein änderte sich. Es galt das Prinzip der Gleichzeitigkeitdes Ungleichzeitigen. Dabei verlor im Zusammenhang mit der Zukunftsvision die Religionihre Bedeutung. Sie wurde ersetzt durch kühne Planungen und damit auch Revolutionen(vgl. WOLF 2002: 13). Der Klassizismus hatte auch einen lehrhaften und pädagogischenAuftrag. Der Bezug auf die Antike war somit auch politisch begründet. Die Rückkehr zureinen klassischen Formen wird als Disziplinierung gegen ein zu ausschweifendes Lebeneingesetzt. So kam es, dass sich der Klassizismus als sogenannter „wahrer Stil“ und „guter Geschmack“ in vielen Bereichen der Kunst durchsetzte Klassizismus wurde daher treffend umschrieben als ein Habitus, der im Spannungsfeld zwischen utopischem Ideal und irdischer Wirklichkeit angesiedelt war.“4

Der Kern klassischer Kunsttheorie ist die ideale Schönheit altgriechischer Kunst, welche vonstiller Größe und edler Einfalt geleitet wird. Dieses Leitbild wurde von Johann JoachimWinckelmann (1717-1768) in seinem Werk von 1755 Überlegungen zur Nachahmung derGriechischen Werke in die Malerei und Bildhauerei entwickelt (vgl. LUTZ 2006: 12f.). Inseinem Werk schreibt er weiter, dass ein zu leidenschaftlicher Ausdruck die Schönheitzerstört. Der Klassizismus stellt sich folglich gegen das vorherige barocke Pathos (vgl. LUTZ2006: 14). Abgeleitet sind Winckelmanns Kunsttheorie von der Mamorfigur die „Laokoon-Gruppe“.

Der Klassizismus kennzeichnet klare Linien, strenge Komposition und antike Themen (vgl.KUHL 2013: 144). Wiederkehrende Elemente sind z.B. der vom klassischen griechischenTempel übernommene Säulen-Portikus (vgl. LUTZ 2006: 20). Es gibt weitere allgemeineStilmerkmale klassizistischer Architektur. Hierzu gehören zum Beispiel blockartignebeneinander gesetzte Bauglieder, aber auch eine monumentale Wirkung. Dabei wird aberWert auf Einfachheit gelegt. So ist nur sparsame Dekor zu finden. Ebenso typisch sindgeometrische, aus der Antike abgeleitete Schmuckmotive, z.B. Ädikula als Fensterrahmung,und das Fenster mit Akanthus und Mäander. Die Architektur durchzieht also eine klareOrdnung, dies hat zur Folge, dass die innere Ordnung auch von außen ersichtlich wird. ImGegensatz zum Barock sind die klassizistischen Säulenordnungen konstruktiv bedingt (vgl.LUTZ 2006: 32). Auch die klassizistischen Giebel und Gebälk haben ihre Charakterisitka:Architekten des Klassizismus kombinieren griechische und römische Bauformen. Aber auchArchitekturelemente der klassischen Renaissance finden Verwendung, wie z. B derRundbogenstil (vgl. LUTZ 2006: 44).

Neben der Glyptothek von Klenze gibt es auch andere Beispiele für klassizistische Gebäude.Ein Beispiel ist die von J. J. F. Weinbrenner erbaute Evangelische Stadtkirche in Karlsruhe,die von 1807- 1816 erbaut wurde. Die Vorhalle trägt einen Dreiecksgiebel und wird vonsechs korinthischen Säulen gestützt. Der schlichte Glockenturm ist an der Rückseite zufinden. Ein anderes Beispiel ist das Brandenburger Tor. Erst im Jahr der französischenRevolution 1789 wurde mit dem Brandenburger Tor von Carl Gotthard Langhans auch inDeutschland mit dem Klassizismus begonnen (vgl. LUTZ 2006: 33) Beim Brandenburger Torwurde auf Formen der römischen und griechischen Antike zurückgegriffen. Langhanserrichtete das Tor mit dorischer Säulenordnung in Nachahmung der Propyläen auf derAkropolis. In München begann der Klassizismus mit König Ludwig dem I, wie im Folgekapitelersichtlich (vgl. KUHL 2013: 145).

1.3.2 Der Architekt: Leo von Klenze

Bei Leo von Klenze handelt es sich um den Hauptvertreter des Münchener Klassizismus(vgl. KUHL 2013: 145). Er wurde am 28 Februar 1784 in Schladen am Harz geboren (vgl. LIEB1979: 9).

Nach einem Aufenthalt in Paris ließ sich Klenze in Italien von der Komposition und derProportion der barocken Stadtanlagen und den Palästen der Renaissance inspirieren (vgl.LIEB 1979: 9). Dies hatte Folgen für seine weiteren Bauwerke. So wurde er 1816 Leiter derköniglichen Hofbau-Intendanz in München unter König Ludwig dem I. Am Königsplatz bauteKlenze zu dieser Zeit seine beiden Hauptwerke: die Propyläen und die Glyptothek inMünchen (vgl. KUHL 2013: 145). Dabei war der griechische Baustil dem Auftrag gebendenbayerischen Kronprinzen ebenso Leitbild wie Klenze selbst (vgl. LIEB 1979: 10).

Beim Bau der Propyläen hat er sich folglich an den Propyläen der Athener Akropolisorientiert (vgl. KUHL 2013: 145). Es handelt sich ebenso um einen Torbau. Die Propyläenbesitzen keine Flügelbauten sondern Pylonen, ein Motiv aus der ägyptischen Kunst. DieStützsäulen und der Gebälkaufbau der Propyläen folgen fast exakt dem athener Vorbild (vgl. LUTZ 2006: 41). Dieses Werk errichtete er zum Ende seiner Architektenlaufbahn von 1846-1860 (vgl. LIEB 1979: 15). „Die Ordnung klassizistischer Stadtplanung steigerte Klenze am Königsplatz zu in sich selbst ruhender Weite […]. Die Weite breitet sich vor den südlichen, sonnigen Stufen der Glypthothek aus […].“5

Klenze erlangte den Ruf, der Erwecker der Neurenaissance zu sein, da er verschiedensteGebäude, wie den Leuchtenberg-Palais in München im schönen Gleichmaß derRenaissance erbaute (vgl. LIEB 1979: 11). Leo von Klenze erbaute außerdem die Neubautender Münchener Residenz, so den Königsbau mit seiner Fassade am Max-Joseph-Platz(1826-35) und den Festsaalbau (1832-1842) (vgl. LIEB 1979: 13). Er gestaltete zudem dieMaxvorstadt Münchens neu. (vgl. LIEB 1979: 10). Ebenso erbaute er die Pinakothek, derersten öffentlichen Gemäldesammlung von 1826-1836 und unter anderem in Petersburg dieEremitage (1839-1851) (vgl. LIEB 1979: 14). Darüber hinaus war er Architekt der Glyptothek,auf die im nächten Unterkapitel eingegangen wird. „Im süddeutschen Raum ist Leo vonKlenze (1784-1864) der bestimmende Architekt des Klassizismus.“6

1.3.3 Das Gebäude: Die Glyptothek

Die Glyptothek in München ist eines der ersten Museumsgebäude der Welt und wurde von Ludwig I von Bayern in Auftrag gegeben. Sie wurde von Leo von Klenze erbaut und diente für die Sammlung antiker Skulpturen. Am 13. Oktober 1830 wurde sie eingeweiht (vgl. WOLF 2002: 99). König Ludwig der I. wollte München zu einem „Isar-Athen“ ausbauen. Wichtigstes Projekt war der Königsplatz wo die Glyptothek entstand. Sie diente als Unterbringungsort für Ludwigs Skulpturensammlung. Die Glyptothek ist eine „symmetrische, viereckige Anlage um einen großen Innenhof mit vorgelagertem ionischen Säulenportikus“7 Die Glyptothek (1816- 1831 erbaut) hat klare Proportionen. „Den Eingang betont ein von achtmonumentalen ionischen Säulen getragener Portikus nach dem Vorbild antiker griechischerTempelgiebel. Die je drei Ädikula-Nischen in den Seitenflügeln sind nach einemharmonischen Maßverhältnis angeordnet.“8 Letztere besitzen flache Pilaster undDreiecksgiebel (vgl. LUTZ 2006: 40). Die Innenräume der Glyptothek konnten nicht nachgriechischem Vorbild gebaut werden. Es mussten verschiedenste Exponate ausunterschiedlichen Epochen ausgestellt werden. Nachts sollten diese Ausstellungsstücke alsKulisse dienen. Es erforderte somit eine genaue Raumkomposition (vgl. LIEB 1979: 11).

2. Architekturbeschreibung

Blickt man auf die Frontansicht der Glyptothek, so erkennt man acht ionische Säulen und eingroßer Portikus in der Mitte. Eine kleine Treppe führt zu dem Gebäude hinauf. Auffällig istauch der große Dreiecksgiebel, der mit verschiedenen Figuren geschmückt ist. Die Mittehebt sich stark in Größe und Gestalt von den Seitenflügeln ab, die in ihrer Fassade schlichtsind. Je drei Ädikula-Nischen an jeder Seite sind in gleichen Abständen angeordnet. Siebesitzen flache Pilaster und Dreiecksgiebel. In den Fenstern stehen Figuren. Das Gebäudeist sehr schlicht gestaltet. Konturen erhält die Fassade nur durch Pilaster, die waagerechtoder senkrecht angeordnet sind.

2.1. Lineare Struktur

Die lineare Struktur des Gebäudes zeichnet sich zum einen durch die Richtungsdominantenaus. Diese zeigen, welche linearen Strukturen im Bild dominieren. Zum anderen werden diegedachten Linien analysiert. Diese beinhalten zum Beispiel die Mittelsenkrechte oder dengoldenen Schnitt.

2.1.1 Richtungsdominanten

Es zeigt sich, dass die Frontansicht verschiedene Richtungsdominanten aufweist. DerNebenbau, mit den die gesamte Frontansicht dominierenden waagerechten Richtungsdominanten steht im Kontrast zu dem Mittelbau. Diesen Mittelbau dominierenSenkrechte Linien, nämlich die Säulen des Portikus. Er drängt sich aus diesem Grund starkin den Vordergrund. Dies sind die beiden Hauptrichtungsdominanten der Frontalansicht.Weitere Richtungsdominanten sind viereckig und somit flächig und werden in einem anderenKapitel behandelt. (Bild vgl. Abb. 3).

2.1.2 Gedachte Linien

Die Mittelsenkrechte teilt das Gebäude in der Frontalansicht genau symmetrisch auf. Dies bedeutet, es sieht zu beiden Seiten der Senkrechte gleich aus.

Die Mittelwaagerechte des gesamten Gebäudes läuft durch das oberste Gebälk, also an der Dachgrenze der Seitenflügel. Die Mittelwaagerechte der Seitenflügel verläuft genau durch die Köpfe der Personen in den Ädikula-Nischen. Betrachtet man von der Mittelsenkrechten aus das Gebäude, so liegt das Ende des Mittelbaus ungefähr im goldenen Schnitt. Bei einem Flächenverhältnis von 38,2% der Gesamtfläche liegt der goldene Schnitt. Bei diesem Gebäude wurden 36,3% gemessen. Der kleine prozentuale Unterschied kann auf Messungenauigkeit zurückzuführen sein. (Bild vgl. Abb. 4).

2.2 Flächenstruktur

Neben dem Richtungsdominanten, erscheinen an der Frontalansicht der Glyptothek auchviele flächige Formen. Die Glyptothek erscheint in der Frontalansicht als drei Rechteckesowie einem Dreieck. Das Mittelgebäude und die Seitenflügel bilden hierbei die Rechteckeund der Aufsatz auf dem Portikus, also der Dreiecksgiebel das Dreieck. Dies führt zu demEindruck, dass es sich um ein sehr aufs wesentliche reduziertes Gebäude handelt. DerPortikus mit seinem Dreieckgiebel in der Mitte erscheint fast wie ein Quadrat. Dies machteinen mächtigen und statischen Eindruck. Die Seitenflügel wirken rechteckig und sind eherlänglich. Ihre Erscheinung ist eher dezent und im Vergleich zum Portikus eher imHintergrund. (Bild vgl. Abb. 5)

2.3 Hell-Dunkel-Struktur

Die Frontalansicht der Glyptothek besitzt relativ wenig Hell-Dunkel-Struktur. Die Hell-Dunkel-Struktur ähnelt der Flächenstruktur und den Richtungsdominanten, da diese nur durchRäumlichkeit, welche im nächsten Kapitel analysiert wird ausgedrückt wird. Dennoch gibt esnoch weiter Charakteristika der Hell-Dunkel-Struktur, welche nichts mit den erwähnten Linienund Flächen zu tun hat. So ist die die einzige wirklich dunkle Stelle der Frontansicht derInnenbereich des Portikus, der konsequenter Weise durch Schatten hervorgerufen wird. Diegesamte Restfläche der Glyptothek ist durch andere Schattenverhältnisse und geringereräumliche Tiefe heller. Der Tempelgiebel und die Ädikula-Nischen wirken ebenfalls leichtdunkler, weil sie tiefer sind. Auch in der Hell-Dunkel-Struktur ist eine Symmetrie erkennbar,welche in der symmetrischen Bauweise begründet liegt. (Bild vgl. Abb. 6).

2.4 Räumlichkeit

Die Räumlichkeit und die Hell-Dunkel-Struktur hängen stark zusammen. So wird auch die auffälligste Räumlichkeit durch den Portikus hervorgerufen, der im Vergleich zum Rest des Gebäudes hervorsteht. Beide Außenflügel wirken sehr flächig, aber die Ädikula-Nischen und die Giebel bilden noch Räumlichkeiten. Diese ist zwar relativ gering, sorgt aber für eine sichtbare Hell-Dunkel-Struktur. Darüber hinaus sind alle weiteren erarbeiteten Merkmale, wie die lineare Struktur nur anhand der Räumlichkeit erkennbar. Es gibt also keine Farblichkeit an der Glyptothek. (Bild vgl. Abb. 7).

2.5 Synthese des Erkannten

Die Glyptothek wirkt ästhetisch und durchdacht, aber auch vereinfacht und schlicht. Esfehlen, abgesehen von den Ädikula-Nischen, jegliche Formen der Verzierung.

[...]


1 (Lutz 2006: 28)

2 (Wolf: 13)

3 (Lutz 2006: 6)2 (vgl. BEYER 2011: 10). „Der

4 (Beyer 2011: 10).

5 (Lieb 1979: 11)

6 (Broer 1997: 48)

7 (Lutz 2006: 39f.)

8 (Lutz 2006: 40)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Glyptothek von Leo von Klenze
Untertitel
Eine Werkanalyse und Einordnung in den Lehrplan für die Mittelschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V412385
ISBN (eBook)
9783668634947
ISBN (Buch)
9783668634954
Dateigröße
990 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
werkbeschreibung, leo von klenze, architektur, münchen, klassizismus, architekturbeschreibung, mittelschule, lehrplan, Glyptothek, Kunst, Baugeschichte, Unterricht, Stunde, Studium, Referendariat, Lehramt, Klausur
Arbeit zitieren
Chris K. (Autor), 2018, Die Glyptothek von Leo von Klenze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412385

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