Diagnostik und Testverfahren Borderline


Term Paper, 2016
22 Pages

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung und Definition

1. Fallbeispiel
1.1. Symptomatik
1.2. Bildung und Arbeit
1.3. Das soziale Umfeld

2. Fragestellungen und Hypothesen

3. Diagnostik einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
3.1. Diagnosekriterien nach DSM-V
3.2. Borderline-Persönlichkeits-Inventar (BPI) von F. Leichsenring
3.2.1. Gütekriterium Objektivität
3.2.2. Gütekriterium Reliabilität
3.2.3. Gütekriterium Validität
3.3. Diagnostisches Interview für das Borderlinesyndrom (DIB) von J. G. Gunderson
3.3.1. Gütekriterium Objektivität
3.3.2. Gütekriterium Reliabilität
3.3.3. Gütekriterium Validität
3.4. Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI) von J. Kuhl & M. Kazén
3.4.1. Gütekriterium Objektivität
3.4.2. Gütekriterium Reliabilität
3.4.3. Gütekriterium Validität

4. Therapieempfehlung
4.1. Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT) nach Linehan
4.2. Das therapeutische Setting
4.3. Verhaltensbeobachtungen

5. Zusammenfassung der Ergebnisse

6. Stellungnahme

7. Einschätzung des Lernerfolges im Modul

Literaturverzeichnis

Anhang.

Einleitung und Definition

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine Form der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, die von der Weltgesundheits- organisation durch die ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) unter der Abkürzung F60.31 eingestuft wird. Gekennzeichnet ist diese besonders durch Instabilität und Impulsivität in Bezug auf das Selbstbild, die Stimmung und zwischenmenschliche Beziehungen. Probleme im letzteren Bereich seien am präsentesten und jene die am besten die Borderline-Persönlichkeitsstörung identifizieren können. Ebenso sind instabile Gefühle, Überempfindlichkeit gegenüber möglichen Bedrohungen, geringer Erfolg bei Verständigung nach Konflikten, häufige Missverständnisse, (Selbst)-Aggressionen und Vermischung von Selbst- und Fremdeinschätzungen sehr charakteristisch (Herpertz, Jeung, Mancke, Bertsch, 2014, S.417-424). Die wohl markantesten Schwierigkeiten, mit denen Borderline-Patienten zu kämpfen haben, sind die „Fehleinschätzung gefühlsmäßig neutraler Situationen“, das „Gefühl der Zurückweisung in Situationen normaler sozialer Beteiligung“ und „Probleme bei der Wiederherstellung von sozialem Umgang nach einer Enttäuschung“ (Lis & Bohus, 2013, S. 338).

Im Folgenden wird ein Fallbeispiel von Frau A. aufgeführt, die unter den bereits genannten Schwierigkeiten leidet. Anhand dessen wird nicht nur eine Fragestellung und Hypothesen gebildet, sondern es werden auch drei verschiedene Testverfahren beschrieben, durch die eine BorderlinePersönlichkeitsstörung diagnostiziert werden kann.

1. Fallbeispiel

Frau A. ist beim Vorstellungszeitpunkt 23 Jahre alt. Ihr Erscheinungsbild ist durch keine aktuellen physischen Krankheiten (jedoch mit heilenden Wunden an beiden Handrücken) und einem normalen Body-Mass-Index gekennzeichnet. Ebenso besitzt Frau A. mehrere Tätowierungen - vorwiegend am linken Arm sichtbar - und einen Fleischtunnel von einem Zentimeter am rechten Ohrläppchen.

1.1. Symptomatik

Es liegt ein Entlassbrief aus der Stuttgarter Sonnenberg Klinik vor, welcher folgende Diagnosen aufführt:

- Bulimia nervosa (F50.2)
- Vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang (F42.0)
- Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (F63.8)
- Pathologisches Stehlen (F63.2)
- Schädlicher Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen, Laxanzien (F55.1)

Frau A. befand sich dort von Anfang Januar bis Ende April 2014 in stationärer Behandlung, um die Bulimie zu therapieren. Diese bestünde heute weiterhin, jedoch nicht mehr so ausgeprägt wie noch vor einigen Monaten; sie übergebe sich noch etwa einmal wöchentlich, habe mehrmals die Woche Essanfälle und restringiere sporadisch die Nahrungsaufnahme. Frau A. berichtet im Gespräch, dass sie bereits mit neun Jahren anfing das Essen zu verweigern bzw. sehr wenige Kalorien zu sich genommen zu haben, was jedoch von Seiten der Mutter (damalige Hausfrau) unbeobachtet blieb. Nach einigen Wochen und einer erreichten Gewichtsreduktion habe sich dieses Verhalten zurückgebildet und sie habe seitdem konstant, bis zu einem Alter von 15 Jahren, immer wieder Diäten ausprobiert, um ihr physisches Erscheinungsbild ihren Vorstellungen nach zu optimieren. Seitdem sie 15 Jahre alt ist habe sie angefangen sich nach dem Essen willentlich zu übergeben, um nicht an Gewicht zuzunehmen.

Seit etwa drei Jahren verletzte sich Frau A. regelmäßig selbst, indem sie sich (vorwiegend am Bauch) in die Haut schnitt, gegen stabile Gegenstände schlug und sich mit den Fingernägeln die Haut an Händen und Armen aufkratzte. Die zugefügten Wunden sollen relativ oberflächlich gewesen sein, jedoch stets tief genug, um zu bluten und nach dem Heilungsprozess eine Narbe zu hinterlassen.

Bei der Bewertung anderer Menschen schwanke das Bild, das Frau A. von ihnen habe, stark zwischen zwei gegensätzlichen Gefühlen; an einem Tag verbringe sie gerne Zeit mit einer Person, die jedoch am nächsten Tag durch Kleinigkeiten für sie absolut unausstehlich werden könne. Das Selbe erlebe sie auch mit ihrer eigenen Person; ihr Selbstwertgefühl sei an manchen Tagen sehr hoch, wobei sie sich im Gegensatz dazu an anderen Tagen aufgrund ihres Erscheinungsbildes nicht traue das Haus zu verlassen. Im Allgemeinen beschreibt Frau A. ihre Stimmungen im Alltag als sehr wechselhaft, jedoch fühle sie häufig auch einfach „gar nichts“.

Frau A. berichtet ebenso seit etwa sechs Jahren Dinge aus Geschäften zu entwenden, oft auch ohne diese überhaupt zu benötigen; jedoch stehle sie nicht von Privatpersonen. Dadurch kam sie bereits zweimal in Kontakt mit der Polizei, die letztendlich eine erkennungsdienstliche Behandlung durchführte. Es bestünden jedoch keine Einträge im Führungszeugnis.

Seit etwa acht Jahren bestünden Einschlafstörungen, woraufhin nach einigen Monaten auch Durchschlafstörungen folgten. Diese wurden durch die Schichtarbeit während ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin noch ausgeprägter. In der Sonnenberg Klinik wurde begonnen die Schlafstörungen durch 25mg Atosil (Wirkstoff Promethazin) zu behandeln, jedoch wirke dieses, nach Aussagen von Frau A., nur sporadisch. Sie schätzt die Dauer ihres nächtlichen Schlafes auf derzeit durchschnittlich drei Stunden.

Mit den Schlafstörungen einhergehend klagt Frau A. ebenfalls über Zwangsgedanken bzw. einen Grübelzwang, der sie seit etwa fünf Jahren wachhalte. Sie berichtet nachts keine Ruhe finden zu können, da sie den ständigen Drang verspüre neue Methoden der Gewichtsreduktion und die Kalorien von Lebensmitteln zu recherchieren. Ebenso mache sie sich Sorgen um Menschen in ihrem Umfeld und die Beziehung zu ihnen; sie denke ständig an diverse soziale Situationen und vorgefallene zwischenmenschliche Ereignisse.

Seit eineinhalb Jahren erfahre Frau A. in unregelmäßigen Abständen Panikattacken, die mit Atemnot, Brustschmerzen, Existenzangst, Schwindelgefühlen, starkem Schwitzen und Zittern einhergingen.

Noch am Tag der Entlassung aus der Sonnenbergklinik (nach ca. vier Monaten stationärer Therapie) bekam Frau A. mehrere Panikattacken über einen zweistündigen Zeitraum verteilt. Sie kratzte sich währenddessen beide Handrücken auf, sodass diese bluteten, was nach eigenen Aussagen teilweise Linderung verschaffte. Nach immer noch anhaltender Symptomatik begab sich Frau A. zu ihrer Hausärztin, welche ihr nach einem Gespräch Tavor zur Beruhigung gab. Ebenso rief diese im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Winnenden an, um sich nach einem freien Platz in der Tagesklinik zu erkundigen.

1.2. Bildung und Arbeit

Frau A. besitzt die Fachhochschulreife, welche sie über den mittleren Bildungsweg mit anschließendem Besuch des zweijährigen biologisch/sozialen Berufskollegs im Jahre 2009 erlangte. Anschließend begab sie sich ins Ausland, um als Au-Pair zu arbeiten. Jedoch wurde der Aufenthalt - aufgrund persönlicher Differenzen zwischen Frau A. und ihrer Gastfamilie - nach zwei Monaten vorzeitig beendet. Im folgenden Jahr begann sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, welche sie allerdings nach zweieinhalb Jahren abbrach. Sie berichtet große Freude an der Ausübung dieses Berufes gehabt zu haben, konnte aber laut eigener Aussage nicht mehr mit den „unmenschlichen Bedingungen“ umgehen, die in den Krankenhäusern herrschten.

Frau A. beschloss dann sich in die Warteliste der Sonnenberg Klinik eintragen zu lassen, um sich der Behandlung ihrer Essstörung zu widmen. Zur Überbrückung der Wartezeit nahm sie einen Vollzeitjob in einem Bekleidungsgeschäft an.

Vom 07.01.2014 bis 29.04.2014 befand sich Frau A. anschließend in stationärer Behandlung der Sonnenberg Klinik. Danach sei sie weiterhin krankgeschrieben gewesen. Zurzeit ist sie beim Arbeitsamt als arbeitslos und Ausbildungssuchend gemeldet und bezieht ein monatliches Arbeitslosengeld.

1.3. Das soziale Umfeld

Frau A. wohne seit der abgebrochenen Lehre wieder zu Hause bei ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihren zwei Schwestern. Das Verhältnis zu ihren Schwestern sei ausgesprochen gut, mit dem Stiefvater komme sie gut aus und die Beziehung zu ihrer Mutter sei zwar konstant positiv, jedoch seit dem Klinikaufenthalt deutlich angespannt. Im Rückblick auf ihre Kindheit beschreibt Frau A. ihre Mutter als sehr liebevoll, tröstend und herzlich, sowie auch als nachgiebig und inkonsequent. Sie sei als Hausfrau zu Hause präsent gewesen und erschien in der Erziehung und Versorgung der drei Kinder sehr bemüht, jedoch stark überfordert. Der Vater wohne seit der Trennung der Eltern vor elf Jahren nicht mehr zu Hause. Er habe vor acht Jahren erneut geheiratet; so wurden ein Stiefbruder und eine Stiefschwester Teil der Patchwork Familie. Die Beziehung zu ihrem Vater sei stark ambivalent und geprägt von häufigen Streitigkeiten. Frau A. erlebte ihren Vater während des Heranwachsens als sehr dominant und häufig aggressiv, gleichzeitig auch als sehr scherzhaft, neckisch und dadurch auch als unzuverlässig. Durch seinen Beruf sei er oft auch mehrere Wochen am Stück im Ausland gewesen, wodurch ihn Frau A. als wenig präsent erinnert. Ihr Vater tendiere zu cholerischem Verhalten und schlug sie bis zur Trennung von ihrer Mutter auch häufiger (bis zu einem Alter von zwölf Jahren). Mit der Stiefmutter komme sie gut aus und das Verhältnis verbessere sich stetig. Mit ihren Stiefgeschwistern sei sie nicht „auf einer Wellenlänge“, könne jedoch problemlos ein angenehmes und positives Verhältnis pflegen.

Auf psychische Krankheiten bezogen seien mütterlicherseits bisher folgende Erkrankungen in Frau A.s Familie aufgetreten: Bulimia nervosa der Tante, schwere Depressionen der Großmutter, Borderline-Persönlichkeitsstörung des Cousins ersten Grades und Depressionen eines weiteren Cousins ersten Grades. Väterlicherseits seien nur die Depressionen der Großmutter bekannt.

Frau A. berichtet ihren Freundeskreis klein zu halten; dieser bestünde aus einer besten Freundin, deren Schwester und zwei, drei weiteren Freunden, die alle in Berlin wohnhaft seien. Dieser Freundeskreis stünde derzeit jedoch auf wackeligen Beinen, da Frau A. vor einem dreiviertel Jahr eine Beziehung zu ihrer besten Freundin einging, diese jedoch nach sechs Monaten wieder beendete. Ihre beste Freundin habe bereits seit einigen Jahren Gefühle für sie gehabt und habe auch sehr dafür „gekämpft eine Beziehung [mit ihr] eingehen zu können“.

Nach längerem Zögern willigte sie in den Versuch einer Beziehung ein. Anfangs liefe alles gut und Frau A. beschreibt sich zu der Zeit auch als sehr glücklich und zufrieden, was sich allerdings nach „mehrmaligem Fremdgehen“ und „häufigen Lügen“ von Seiten der Freundin änderte. Während der stationären Therapie bemerkte sie, laut eigener Aussage, dass die Beziehung „keine Zukunft“ habe und sie nun auch nicht mehr sicher sein könne die Freundschaft beizubehalten, da sich Frau A. als sehr „herzensgebrochen“, „hintergangen“ und „verletzt“ beschreibt. Der Kontakt sei nun von längeren Pausen und von eher oberflächlichen Unterhaltungen über alltägliche Dinge geprägt.

2. Fragestellungen und Hypothesen

Die leitenden Fragestellungen dieser Hausarbeit und des vorgelegten Fallbeispiels lauten:

1 . „ Sind die Symptome, die Frau A. aufweist, situations- und zustandsabhängig (states) oder in ihrer Persönlichkeit verankert (traits)? “ Oder konkreter: „ Besteht bei Frau A. eine Borderline-Persönlichkeitsstörung? “
2 . „ Welche Art von Therapiemaßnahme ist für Frau A. am besten geeignet? “

Unter Berücksichtigung der Fragestellungen wurden folgende Hypothesen gebildet:

1. Da die Symptomatik von Frau A. bereits konstant über mehrere Jahre hinweg besteht ist diese ein trait und somit Teil ihrer Persönlichkeit.
2. Bei Frau A. besteht eine Komorbidität mit einer (oder auch mehreren) anderen Persönlichkeitsstörung(en).
3. Eine (zumindest teil) -stationäre Behandlung der immer noch fortbestehenden Symptomatik ist am geeignetsten für Frau A.

[...]

Excerpt out of 22 pages

Details

Title
Diagnostik und Testverfahren Borderline
Author
Year
2016
Pages
22
Catalog Number
V412454
ISBN (eBook)
9783668647206
ISBN (Book)
9783668647213
File size
1137 KB
Language
German
Tags
diagnostik, testverfahren, borderline
Quote paper
Sandra Arendt (Author), 2016, Diagnostik und Testverfahren Borderline, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412454

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