In dieser exegetischen Hausarbeit wird die Perikope Lk 14,15-24 bearbeitet. Bei Betrachtung der Perikope drängen sich zugleich einige Fragen auf: Warum beginnt die Perikope mit der Aussage, dass diejenigen selig sein werden, die im Reich Gottes Brot essen werden und was ist damit gemeint? Warum wird der Gastgeber so zornig, nachdem er die Entschuldigungen der Geladenen hört und warum nimmt er die Entschuldigungen nicht an, sondern zeigt stattdessen kein Verständnis dafür? Warum werden die Armen und Kranken nicht direkt eingeladen, sondern erst, nachdem die Erstgeladenen absagen? Warum ist es dem Gastgeber so wichtig, dass viele beim Gastmahl erscheinen?
Für die Bearbeitung der Perikope wurde folgende Leitfrage formuliert: Warum ist dem Gastgeber sein Gastmahl so wichtig und sein Zorn über die Absagen der Erstgeladenen so heftig?
Neben der vollständigen Exegese erfolgt ein Übersetzungsvergleich, eine historische Verortung des Evangeliums, eine Betrachtung zur Stellung der Perikope im Kontext des Evangeliums sowie eine Redaktionskritik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersetzungsvergleich
2.1. Übersetzungswahl
2.2. Vers-für-Vers Vergleich
3. Historische Verortung des Evangeliums
4. Stellung der Perikope im Kontext des Evangeliums
4.1. Gliederung des Evangeliums
4.2. Kontextanalyse
5. Literaturwissenschaftliche Textanalyse
6. Form- und Gattungskritik
7. Einzelexegese
8. Synoptischer Vergleich
9. Redaktionskritik
10. Hermeneutische Besinnung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich exegetisch mit der Perikope Lk 14,15-24 auseinander, um die Bedeutung des Gleichnisses vom großen Gastmahl sowie die Motivation für das Verhalten des Gastgebers und die Konsequenzen der Ablehnung zu erforschen.
- Exegese der Perikope Lk 14,15-24
- Vergleich verschiedener Bibelübersetzungen
- Historische und literaturwissenschaftliche Analyse
- Untersuchung der Gattung "Parabel"
- Synoptischer Vergleich mit Matthäus 22,1-10
Auszug aus dem Buch
2.2. Vers-für-Vers Vergleich
Das MNT verwendet im ersten Vers der Perikope ein Partizip, das den direkten Zusammenhang zu dem vorausgehenden Abschnitt deutlich macht. Das RNT greift das Wort „hören“ ebenfalls auf, umschreibt es zwar, macht aber ebenfalls die Verbindung zu dem vorherigen Abschnitt deutlich. Das MNT und das RNT beschreiben den Fragestellenden als jemanden, der mit Jesus zu Tisch liegt während Ludwig Albrecht und die GNB ihn als einen „von den Gästen“ bezeichnen.
Das MNT und das RNT orientieren sich hier nah am Urtext und zeigen damit sogleich auch die damalige Sitte „am Tisch zu liegen“ auf. Unterschiede gibt es bei dem Wort, das das MNT und das RNT mit „selig“ übersetzt haben. Albrecht übersetzt hier „heil“ während die GNB noch freier mit „freuen dürfen sich alle“ übersetzt. Das Wort „selig“ ist heute für viele nicht mehr so verständlich, ebenso wenig wie das Wort „heil“. Hier scheint die GNB die verständlichste Übersetzung zu liefern, ob es eine treffende Übersetzung ist, muss noch geklärt werden.
„Das Königtum Gottes“, wie das MNT es übersetzt, wird von Albrecht ähnlich mit „Gottes Königreich“ übersetzt. Während das RNT das allgemeinere Wort „Reich Gottes“ gebraucht, bezeichnet die GNB es als „Gottes neue Welt“. Sie legt dem Leser also schon aus, dass es sich hier um eine zukünftige Welt handelt, was auch durch den Gebrauch des Futur I unterstrichen wird. Albrecht ergänzt das Wort „einst“, was denselben Effekt hat und auf die Zukunft hinweist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Perikope Lk 14,15-24, Klärung des Forschungsinteresses und Formulierung der zentralen Leitfrage zur Bedeutung des Gastmahls und des Zorns des Gastgebers.
2. Übersetzungsvergleich: Gegenüberstellung verschiedener Übersetzungen, um das Verständnis der griechischen Grundschrift und der Nuancen des Textes zu schärfen.
3. Historische Verortung des Evangeliums: Diskussion zur Autorenschaft, den Adressaten, dem Abfassungsort und der Zeit des Lukasevangeliums.
4. Stellung der Perikope im Kontext des Evangeliums: Einordnung der Perikope in das Kapitel 14 und Analyse des weiteren Umfelds der Tischrede Jesu.
5. Literaturwissenschaftliche Textanalyse: Gliederung des Textes und Untersuchung der Figurenkonstellation sowie der narrativen Struktur.
6. Form- und Gattungskritik: Einordnung des Textes als Parabel bzw. Gleichniserzählung anhand fachwissenschaftlicher Kriterien.
7. Einzelexegese: Analyse der Bedeutung des Mahls zur damaligen Zeit und der eschatologischen Dimension des „Reich Gottes“.
8. Synoptischer Vergleich: Kontrastierung der lukanischen Fassung mit dem matthäischen Gleichnis vom Hochzeitsmahl (Mt 22,1-10).
9. Redaktionskritik: Untersuchung der Bearbeitung des zugrunde liegenden Materials durch Lukas im Vergleich zu Matthäus unter Berücksichtigung der Quelle Q.
10. Hermeneutische Besinnung: Reflexion über die heutige Relevanz des Textes im Hinblick auf soziale Ungleichheit und das Gottesbild.
Schlüsselwörter
Lk 14,15-24, Gleichnis, Gastmahl, Reich Gottes, Exegese, Parabel, Lukasevangelium, Einladung, Eschatologie, Soziale Gerechtigkeit, Pharisäer, Synoptik, Redaktionskritik, Nachfolge, Heidenmission
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung des Gleichnisses vom großen Gastmahl aus dem Lukasevangelium (Lk 14,15-24).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Analyse des literarischen Kontextes, die gattungskritische Einordnung, der Vergleich mit anderen biblischen Überlieferungen und die hermeneutische Reflexion über die Botschaft Jesu.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für das Verhalten der Akteure im Gleichnis zu verstehen und die theologische Intention des Autors sowie die Bedeutung des eschatologischen Mahls aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt klassische exegetische Methoden wie den Übersetzungsvergleich, die historisch-kritische Analyse, die form- und gattungskritische Untersuchung sowie die Redaktionskritik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse, die historische Verortung, eine exegetische Auseinandersetzung mit der Mahlsitte und den Vergleich mit der synoptischen Parallele bei Matthäus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das Reich Gottes, die Einladungsthematik, die soziale Dimension der Mahlgemeinschaft und die methodische Arbeit an der Parabel.
Warum wird der Gastgeber im Gleichnis als zornig beschrieben?
Der Zorn des Gastgebers resultiert aus der kurzfristigen und ausnahmslosen Absage der Erstgeladenen, die ihre weltlichen Prioritäten über die Teilnahme an der Einladung zum Reich Gottes stellen.
Wie unterscheidet sich die lukanische Darstellung von der des Matthäus?
Während Matthäus das Gleichnis als königliche Hochzeit darstellt und die Geladenen als kalt und rücksichtslos beschreibt, betont Lukas stärker die soziale Komponente und die Einladung an die Armen, Krüppel und Ausgestoßenen.
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- Markus Janzen (Author), 2018, Von den Gästen, die der Einladung nicht folgten. Eine biblische Exegese von Lukas 14, 15 - 24, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412535