Umgang mit psychisch Kranken in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Fortschritt für den heutigen Stand der Dinge oder eine Behinderung unserer Entwicklung?


Seminararbeit, 2016
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Psychisch Kranke in der Zeit des Nationalsozialismus
2.1. Definition psychisch Kranker in der NS-Zeit
2.1.1 „The survival of the fittest“ – Rassenhygiene im deutschen Reich
2.1.2 Umgang mit psychisch Kranken im Nationalsozialismus
2.2 Psychisch Kranke in der Gegenwart
2.2.1 Definition psychisch Kranker in der Gegenwart
2.2.2 Umgang mit psychisch Kranken in der Gegenwart
2.2.3 Die Psychiatrien in der Gegenwart

3. Umgang mit psychisch Kranken in der Zeit des Nationalsozialismus – ein Fortschritt für den heutigen Stand der Dinge oder eine Behinderung unserer Entwicklung?

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Unvergessen und nach wie vor von großer Präsenz gezeichnet, werden auch heute noch an vielen Stellen Sachverhalte der Verbrechen des Nationalsozialismus aufgegriffen. In jeglicher Hinsicht befinden wir uns hier in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. Auch in heutiger Zeit müssen wir uns dabei mit überaus unangenehmen Gedanken und Tatsachen auseinander setzen, bei denen es vielleicht einfacher wäre, sie in den Hintergrund zu drängen. Aus diesem Grund möchte ich mich mit dieser Seminararbeit abermals damit beschäftigen und die Frage „Umgang mit psychisch Kranken in der Zeit des Nationalsozialismus – ein Fortschritt für den heutigen Stand der Dinge oder eine Behinderung unserer Entwicklung?“ aufklärend bearbeiten.

Hierbei werde ich zunächst in den theoretischen Bereich des Themas eintauchen und sowohl einige Begriffe klären, als auch definieren. Hierbei werde ich an einigen Stellen einen Vergleich zwischen der Zeit des Nationalsozialismus und der heutigen ziehen. Als Hauptschwerpunkt meiner Arbeit möchte ich den generellen Umgang mit psychisch Kranken, damals wie heute, beleuchten. Im Fortgang werde ich mich mit den Folgen und damit der Beantwortung meiner eingangs gestellten Frage, auseinander setzen. Zuletzt wird eine Zusammenfassung des gewonnenen Wissens mit einem Fazit folgen.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ – Auszug aus dem Talmud

2. Psychisch Kranke in der Zeit des Nationalsozialismus

„Die Forderung, daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter Nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine Forderung klarster Vernunft und bedeutet in ihrer planmäßigen Durchführung die humanste Tat der Menschheit.“ (Hitler, 143 ,S. 279)

Um einen genaueren Blick auf die Behandlung psychisch Kranker in der NS-Zeit zu werfen, muss der Begriff (zu dieser Zeit) zunächst genauer definiert werden.

2.1. Definition psychisch Kranker in der NS-Zeit

Schon zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurde klar, dass Randgruppen „unwertes Leben“ darstellte und als „Belastung“ der Gesellschaft gesehen wurde. Allein durch damalige Bezeichnungen der jeweiligen Krankheitsbilder, wurde die Ablehnung der jeweiligen Gruppen deutliche.

Eine genaue Definition eines Erkrankten, liefert das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, welches am 14. Juli 1933 erlassen wurde:

(1) Wer erbkrank ist, kann durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht (sterilisiert) werden, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, daß seine Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden

. (2) Erbkrank im Sinne dieses Gesetzes ist, wer an einer der folgenden Krankheiten leidet:

1. angeborenem Schwachsinn,
2. Schizophrenie,
3. zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein,
4. erblicher Fallsucht,
5. erblichem Beitstanz (Huntingtonsche Chorea),
6. erblicher Blindheit,
7. erblicher Taubheit,
8. schwerer erblicher körperlicher Mißbildung.

(3) Ferner kann unfruchtbar gemacht werden, wer an schwerem Alkoholismus leidet.

Auch in diesem Gesetz, wird bereits die abwertende Haltung gegenüber Erkrankter, durch diverse Bezeichnungen, deutlich. Der, unter Absatz (2) Punkt 1, erwähnte „angeborene Schwachsinn“ liefert dabei das erste, deutliche Beispiel. Heute wird dieser Punkt als „Intelligenzminderung“ bezeichnet, und beschreibt die Existenz eines unterdurchschnittlichen IQ.

Mit dem oben beschriebenen „Erbgesundheitsgesetz“ wurde also Zusehens versucht, die deutsche Erbmasse, möglichst „rein“ zu halten.

Der „Jugendirrsinn“ (heute Schizophrenie), war damals einer der häufigsten Formen psychischer Erkrankung. Auch hierzu existierten Gesetze, welche besagten, dass (zum Beispiel dieser „Jugendirrsinn“) zur „Verblödung und geistigem Tod führe“ (Klee, 2010, S.21). Weiter heißt es im Gesetz, dass diese unheilbar Kranken in den Tod geführten werden sollen. Bereits 1920 schrieb ein Reichsgerichtspräsident dazu, dass „ sie weder den Willen haben zu leben, noch zu sterben“ (Binding, 1920, S.31) und betroffene nur einen größeren Kosten- und Pflegeaufwand darstellen würden.

Weiterhin unterschied man in dieser Zeit zwei Kategorien der „Schwachsinnigen“. Zum einen diejenigen, die unter „angeborenem Schwachsinn“ litten. Also jene, die mit einer Geistigen Behinderung zur Welt kamen, und zum anderen, diejenigen, die unter „erworbenem Schwachsinn“ litten. Beispielsweise handelte es sich hierbei, die er später an Depressionen litten, oder durch Unfälle Behinderungen erlitten. Das Gesetz forderte dabei eine mildere Behandlung derer, die unter „erworbenem Schwachsinn“ litten. Dies wurde damit begründet, dass jene bei Geburt voll leistungsfähig und wenigsten durchschnittlich intelligent waren. Die Familie könne dadurch den Verlust dieses Familienmitgliedes schwerer verkraften und ist deshalb anders zu handhaben. (Klee, 2010)

Generell fielen Menschen, welche eine psychische Erkrankung erlitten, vor dem deutschen Volk in Ungnade. Fortwährend sprach man dann von einer „Vernichtung unwerten Lebens“, bezogen auf „[…] die Tötung Schwacher und Kranker, körperlich Missgebildeter und geistig behinderte Neugeborener […]. (Schmul, 1942, S.355 ff). Definitionen wie diese bildeten den Übergang zur so genannten „Rassenhygiene“ (Prägung des Begriffes durch Poetz und Schallmayer).

2.1.1 „The survival of the fittest“ – Rassenhygiene im deutschen Reich

„Es geht aus dem Kampf der Natur, aus Hunger und Not, unmittelbar die Lösung des höchsten Problems hervor, dass wir zu fassen vermögen, die Erzeugung immer höherer, vollkommener Wesen.“ (Charles Darwin, 1859)

Auf der Grundlage dieser (und weiterer) Aussagen, des Naturforschers Charles Darwin basieren die Ausführungen der Euthanasie unter Hitler. Darwin, der jedoch nie die Absicht hatte, sein Wissen auf die Menschheit zu beziehen, versuchte durch sein Werk „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein“ lediglich biologische Vorgänge in der Natur zu beschreiben. Grob gesagt bezieht er sich darauf, dass nur das stärkste Tier unter extremen Bedingungen überlebe und sich darauf neue, immer stärkere Nachkommen entwickeln werden. Was unter der Macht Hitlers, ab 1933, mit seinen Theorien geschah, konnte Darwin nie erahnen.

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel beschrieben, sah man in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen mit Behinderung (aber auch andere „Randgruppen“ wie Juden, Homosexuelle…), als des Lebens unwert. Hitler griff Darwins Grundgedanke, nur der stärkste könne überleben, auf und entwickelte daraus den Sozialdarwinismus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Umgang mit psychisch Kranken in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Fortschritt für den heutigen Stand der Dinge oder eine Behinderung unserer Entwicklung?
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V412598
ISBN (eBook)
9783668642157
ISBN (Buch)
9783668642164
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hitler, NS-Zeit, Nazi-Deutschland, Psychatrie, Menschen mit Behinderung, Vergleich
Arbeit zitieren
Sally Christof (Autor), 2016, Umgang mit psychisch Kranken in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Fortschritt für den heutigen Stand der Dinge oder eine Behinderung unserer Entwicklung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412598

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Umgang mit psychisch Kranken in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Fortschritt für den heutigen Stand der Dinge oder eine Behinderung unserer Entwicklung?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden