Die Rolle von Musik- und Musikwissenschaft im Dritten Reich ist bis in die heutigen Tage nur spärlich erforscht - wissenschaftliche Arbeiten von Prof. Schwindt-Gross oder Helga de la Motte-Haberl haben einen gewissen Pionier Charakter inne.
Konkret wird auf das Insitut für Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck eingegangen, der zeitliche Rahmen beginnt in den frühen Dekaden des 20. Jh. und endet mit den Entnazifizierungsmaßnahmen der späten 1940er Jahren. Schwerpunkte bilden das Tiroler Musikleben dieser Zeit sowie die politische Stimmung an der Universität Innsbruck
Inhaltsübersicht
1.1. Vorwort
2. Die politisch – ideologische Situation der Studenten der Universität Innsbruck in der Zeit vor dem Anschluss
2.1. Erster Antisemitismus und Säuberungen an der Universität Innsbruck
2.2. Fallstudie: Die „Kraus Affäre“ , der „Fall Kastil“, der „Fall Bauer“ und der „Fall Halsmann“
3. Das universitäre Musikleben in der Zeit vor dem „Anschluss“
3.1. Das Institut für Musikwissenschaft in der Zeit vor 1938
3.1.1. Rudolph von Ficker
3.1.2. Die Ära Wilhelm Fischer, Hans von Zingerle
4. 1938: Der Anschluss an Hitlerdeutschland und die Universität Innsbruck
4.1. Rolle der Musik im Dritten Reich
4.1.1. Das Tiroler Musikleben im Dritten Reich
4.1.2. Die Neubesetzung der Lehrkanzlei
5. Wilhelm Ehmann
5.1. Wilhelm Ehmanns musikalischer Gedanke
5.1.1. Die „Musikalische Feiergestaltung“ und die NS – Ritualmusik
5.1.2. Die Entwicklung eines nationalsozialistischen, musikalischen Weltbildes
6. Forschung mit nationalsozialistischer Idee am Institut in Innsbruck
6.1. Die Rolle des Collegium Musicum
7. Der Widerstandskämpfer Walter Senn
8. Die Zeit „danach“
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Situation der Musik und Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck im Nationalsozialismus sowie deren ideologische Vorbereitung in den Jahren vor dem „Anschluss“ 1938. Das Hauptziel ist die Aufarbeitung der Rolle des Instituts für Musikwissenschaft, insbesondere unter seinem Vorstand Wilhelm Ehmann, sowie die Analyse der politischen Instrumentalisierung von Musik im Dienst der NS-Ideologie.
- Ideologische Ausrichtung der Studenten an der Universität Innsbruck ab 1918.
- Antisemitismus im universitären Umfeld und dessen Auswirkungen auf Wissenschaft und Lehre.
- Instrumentalisierung von Musik, Tradition und Brauchtum für nationalsozialistische Propagandazwecke.
- Die Rolle von Wilhelm Ehmann als Akteur und Ideologe im universitären Musikbetrieb.
- Widerstand gegen das NS-Regime am Beispiel von Walter Senn.
Auszug aus dem Buch
2.2 Fallstudie: Die „Kraus Affäre“ , der „Fall Kastil“, der „Fall Bauer“ und der „Fall Halsmann“
Im folgenden Artikel soll mittels diesen vier Fallstudien deutlich gemacht werden, wie stark der Judenhass und der antisemitische Gedanke an der Universität Innsbruck, auf Seiten der Studenten, als auch auf der Professoren Seite, vertreten war.
Als am 4. Februar 1920 der Wiener Dichter und Satiriker Karl Krauss in einer Vorlesung, aus seinem Werk „Die letzten Tage der Menschheit“ vortrug, kam es auf Seiten der Hörer, zu tumultartigen Zuständen. Grund für diese Eskalation, war eine Satire über Wilhelm II. und seine Generäle, in welcher der deutsche Kaiser und sein Führungsstab der Lächerlichkeit preisgegeben wurden. Kraus wurde von den Studenten bedroht, „mit Knüppeln vom Podium weggetrieben zu werden“ und wurde daran gehindert, „seine Beschmutzung des deutschen Volkes fortzuführen“.
Nicht viel besser erging es dem Professor für Philosophie Kastil. Dieser applaudierte zu den Worten von Kraus und verteidigte diesen in seinen Vorlesungen, womit er natürlich die Missgunst sämtlicher Innsbrucker Studenten auf sich zog. Darauffolgend wurde eine Schrift an den Senat geschickt, in der das Verhalten von Kastil mit verachtenden und rassenantisemitischen Gedanken und Worten zum Ausdruck gebracht wurde. Jene Schrift wurde vom Senat anerkannt und nur wenig abgewandelt, woraus sehr gut die Position der Professorenschaft, in solchen Fragen hervorgeht. Viele symphatisierten mit deutsch – nationaler und antisemitischer Ideologie.
Am 10. Juni 1925 fand vor der Chirurgischen Klinik der Medizinischen Fakultät Innsbruck eine Versammlung der Studenten statt. Es wurde gegen die Zulassung des jüdischen Zahnarztes Dr. Wilhelm Bauer als Dozent an der Universität Innsbruck protestiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1.1. Vorwort: Der Autor erläutert das Ziel der Arbeit, die musikhistorische Situation unter besonderer Berücksichtigung der Universität Innsbruck während des Nationalsozialismus kritisch aufzuarbeiten.
2. Die politisch – ideologische Situation der Studenten der Universität Innsbruck in der Zeit vor dem Anschluss: Dieses Kapitel analysiert die bereits vor 1938 vorhandenen Anschlussgedanken und die nationalsozialistischen Tendenzen innerhalb der Innsbrucker Studentenschaft.
2.1. Erster Antisemitismus und Säuberungen an der Universität Innsbruck: Es wird dargestellt, wie antisemitisches Gedankengut systematisch in den Hochschulalltag integriert wurde und zu Ausgrenzungen jüdischer Hörer führte.
2.2. Fallstudie: Die „Kraus Affäre“ , der „Fall Kastil“, der „Fall Bauer“ und der „Fall Halsmann“: Anhand konkreter Beispiele wird der ausgeprägte Judenhass in verschiedenen universitären Bereichen und die Haltung der Professorenschaft illustriert.
3. Das universitäre Musikleben in der Zeit vor dem „Anschluss“: Hier wird untersucht, wie kulturelle Veranstaltungen politisiert wurden, um ein nationales Bewusstsein jenseits der Volksmusiktradition zu schaffen.
3.1. Das Institut für Musikwissenschaft in der Zeit vor 1938: Das Kapitel gibt einen Überblick über die Gründungsphase und die Entwicklung des Instituts unter den Vorständen Ficker und Fischer.
3.1.1. Rudolph von Ficker: Biografie und wissenschaftlicher Fokus des Institutsgründers Rudolph von Ficker werden hier beleuchtet.
3.1.2. Die Ära Wilhelm Fischer, Hans von Zingerle: Diese Sektion behandelt den Amtsantritt von Wilhelm Fischer und dessen Bemühungen um die musikwissenschaftliche Breitenbildung sowie seine spätere Absetzung.
4. 1938: Der Anschluss an Hitlerdeutschland und die Universität Innsbruck: Das Kapitel beschreibt den abrupten Wandel an der Universität durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die personellen Konsequenzen für das Lehrpersonal.
4.1. Rolle der Musik im Dritten Reich: Es wird der allgemeine ideologische Rahmen der Musikpolitik im Dritten Reich dargelegt, der von Verboten und rassischer Einteilung geprägt war.
4.1.1. Das Tiroler Musikleben im Dritten Reich: Das Kapitel zeigt die spezifische Umsetzung der NS-Musikpolitik im Tiroler Raum und den Stellenwert von Marsch- und Festmusik.
4.1.2. Die Neubesetzung der Lehrkanzlei: Hier wird erläutert, wie Wilhelm Ehmann aufgrund seiner politischen Einsatzbereitschaft für das Institut in Innsbruck rekrutiert wurde.
5. Wilhelm Ehmann: Dieses Kapitel liefert eine biografische Einordnung von Wilhelm Ehmann und seine Rolle als Vertreter der nationalsozialistischen Ideologie.
5.1. Wilhelm Ehmanns musikalischer Gedanke: Es wird die konzeptionelle Umdeutung des Singens als politische Arbeit durch Ehmann analysiert.
5.1.1. Die „Musikalische Feiergestaltung“ und die NS – Ritualmusik: Der Fokus liegt hier auf Ehmanns Hauptwerk, das als Leitfaden für die musikalische Ausgestaltung nationalsozialistischer Gemeinschaftsfeiern diente.
5.1.2. Die Entwicklung eines nationalsozialistischen, musikalischen Weltbildes: Das Kapitel untersucht die ideologische Prägung Ehmanns, die bereits in seinen frühen Studienjahren ihren Ursprung fand.
6. Forschung mit nationalsozialistischer Idee am Institut in Innsbruck: Es wird dargelegt, wie die Lehre am Institut während des Krieges zunehmend vom praktischen Musizieren im Dienste der NS-Ideologie dominiert wurde.
6.1. Die Rolle des Collegium Musicum: Dieses Kapitel behandelt die Funktion des Collegium Musicum als Instrument zur Truppen- und Wehrbetreuung an der Front.
7. Der Widerstandskämpfer Walter Senn: Die Rolle von Walter Senn als einer der wenigen, die sich aktiv gegen das NS-Regime stellten, wird hier gewürdigt.
8. Die Zeit „danach“: Der Autor schließt mit einer Betrachtung der Nachkriegszeit und dem weiteren Lebensweg der beteiligten Akteure, insbesondere Wilhelm Fischers und Wilhelm Ehmanns.
Schlüsselwörter
Musikwissenschaft, Drittes Reich, Nationalsozialismus, Universität Innsbruck, Wilhelm Ehmann, Rudolph von Ficker, Antisemitismus, Musikideologie, Collegium Musicum, NS-Propaganda, Musikpflege, Walter Senn, Kulturpolitik, Reichsmusikkammer, Studentenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der Geschichte des Instituts für Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck unter dem Einfluss des Nationalsozialismus in den Jahren 1938 bis 1945 sowie dessen ideologischen Vorläufern ab 1918.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Instrumentalisierung von Musik als Propagandamittel, der Antisemitismus im universitären Alltag, die politische Neuausrichtung des Instituts unter Wilhelm Ehmann und der vereinzelte Widerstand gegen das Regime.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Musik und Musikwissenschaft in den Dienst der NS-Ideologie gestellt wurden und welche Rolle dabei spezifische Persönlichkeiten und das universitäre Umfeld in Innsbruck spielten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine historisch-deskriptive Methode, bei der er auf zeitgenössische Quellen, Dokumente, Vorlesungsverzeichnisse und Sekundärliteratur zurückgreift, um ein Bild der damaligen Verhältnisse zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die politische Situation der Studenten vor 1938, den Wandel nach dem „Anschluss“, die Rolle der Musikpolitik im Dritten Reich, die Tätigkeit von Wilhelm Ehmann und den Einsatz des Collegium Musicum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Musikwissenschaft, Nationalsozialismus, Universität Innsbruck, Wilhelm Ehmann, Ideologie, Antisemitismus und kulturelle Instrumentalisierung.
Wie positionierte sich das Institut für Musikwissenschaft unter Wilhelm Ehmann?
Unter Ehmann wurde das Institut zu einem aktiven Verbreiter nationalsozialistischer Ideologie, wobei das Collegium Musicum verstärkt für Konzertreisen und Wehrbetreuung im Namen des Regimes eingesetzt wurde.
Was zeigt das Beispiel von Walter Senn auf?
Walter Senn dient als seltenes Beispiel für Widerstand innerhalb der Innsbrucker Musikwissenschaft; er wurde aufgrund seines Widerstands gegen das NS-Regime zwangspensioniert und musste während der Kriegsjahre untertauchen.
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- Mag. Herbert Bahl (Author), 2004, Das Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck im Dritten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41264