Varieties of Capitalism. Kapitalismus hier so, dort anders?


Seminararbeit, 2018

19 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Definition des Kapitalismus

2. HistorischerVerlaufdes Kapitalismus
2.1. DerHandelskapitalismus
2.2. DerFruhkapitalismus
2.3. DerHochkapitalismus
2.4. DerSpatkapitalismus

3. Varieties of Capitalism Typologie
3.1. Kennzeichen koordinierter Lander
3.2. Kennzeichen liberaler Lander
3.3. Kritik

4. Vergleich der funf Weltregionen
4.1. Nordamerika, Australien, Neuseeland, GroRbritannien und Irland
4.2. Lateinamerika
4.3. Europa und Japan
4.4. Asien
4.5. Afrika

5. AusblickaufdieZukunft

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Amsterdamer Borse im Jahr 1613 (Quelle: Fulcher 2011, S. 46)

Abbildung 2: Varieties of Capitalism, Staaten (Quelle: verandert nach Schmidt 2009, S. 521)

Abbildung 3: Vergleich der funf Weltregionen anhand des BIP pro Kopf und des Gini Koeffizienten (Quelle: verandert nach: Diercke-Taschenatlas der Welt 2012, S. 12 f., The World Bank 2017a, 2017b, 2017c)

Abbildung 4: Weltfinanzvermogen und Welt- BIP im Vergleich (Quelle: Jakobs 2016, S. 598)

Abbildung 5: Publikationen zur Varieties of Capitalism Typologie (Quelle: Schroder 2014, S. 18).

Einleitung

Folgende Seminararbeit mit dem Titel „Varieties of Capitalism: Kapitalismus hier so, dort anders?" beschaftigt sich im ersten Kapitel mit der grundlegenden Definition des Kapitalismus als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Im zweiten Kapitel wird der historische Verlauf des Kapitalismus von Handels- bis Spatkapitalismus skizziert. AnschlieRend wird im dritten Kapitel auf die „Varieties of Capitalism" Typologie von Peter Hall und David Soskice eingegangen. Das vierte Kapitel baut auf dieser Typologie auf und vergleicht die funf groRen Weltregionen (1: Nordamerika inklusive Australien, Neuseeland, GroRbritannien, sowie Irland, 2: Lateinamerika, 3: Europa inklusive Japan, 4: Asien, und 5: Afrika) miteinander. Im funften Kapitel wird ein Ausblick darauf gegeben, ob der Kapitalismus uberhaupt eine Zukunft hat und im letzten Kapitel die vorliegende Seminararbeit in Kurze zusammengefasst.

1. Definition des Kapitalismus

Zu Beginn stand dar Begriff Kapitalismus vor allem fur Kritik und war sehr negativ behaftet. In Paris wurde er haufig im Zusammenhang mit MaRnahmen gegen Spekulationen und Mietwucher eingesetzt (Kocka 2017, S. 8). Erst nach und nach wurde er zu einem feststehenden Begriff in der Forschung und definiert sich wie folgt.

„Kapitalismus ist eine Bezeichnung fur ein Wirtschaftssystem, das auf Privatkapital, Gewinnmaximierung, Eigenverantwortung und Risiko basiert. Guterproduktion, - verteilung und -verbrauch werden durch einen freien Markt geregelt. Ein staatlich ganzlich unkontrollierter Kapitalismus kann zu einer Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Handen weniger fuhren (vgl. Leser 2011, S. 424)."

Der Kapitalismus ist also ein Begriff fur eine weit verbreitete Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, der zwischen Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts vor allem von dem deutschen Philosophen Karl Marx, sowie dem franzosischen Sozialisten Louis Blanc gepragt worden ist. Typisch fur den Kapitalismus sind dabei das private Eigentum an Produktionsmitteln, sowie das Streben nach Gewinnmaximierung. Die gesamte Wirtschaft wird uber den Markt, also Angebot und Nachfrage gesteuert. Das wirtschaftliche aber auch das soziale Zusammenleben wird hauptsachlich von den Interessen der Kapitaleigentumerinnen und Kapitaleigentumer bestimmt. Die breite Masse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist uberwiegend besitzlos und wirtschaftlich abhangig von den Kapitalbesitzerinnen und Kapitalbesitzern (Pollert et al. 2016, S. 61 ff.). Dabei gibt es jedoch nicht nur die eine Form des Kapitalismus, denn er hat in den verschiedensten Gesellschaften sehr unterschiedliche Formen angenommen (Fulcher 2011, S. 89). Auf diese Unterschiede wird im Kapitel 3 Varieties of Capitalism, sowie dem Kapitel 4 Vergleich der funf Weltregionen noch naher eingegangen.

2. Historischer Verlauf des Kapitalismus

Die Entwicklung des Kapitalismus ist in den meisten Standardwerken der Literatur in vier Phasen zu unterteilen, den Handelskapitalismus, den Fruhkapitalismus, den Hochkapitalismus und den Spatkapitalismus, welche sich zeitlich ungleich uber die Welt ausbreiteten (Willke 2006, S. 25 ff.). in den folgenden Kapiteln wird kurz auf die historische Entwicklung des Kapitalismus als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung eingegangen, um die Unterschiede „Varieties of Capitalism" anschlieRend besser in einen Kontext einordnen zu konnen.

2.1. Per Handelskapitalismus

Anfang des 17. Jahrhunderts begannen britische und niederlandische Kaufleute mit ersten Handelsexpeditionen nach Sudafrika, Madagaskar und Ostindien. Dabei trugen sie mit ihrem Kapital das Risiko der Investitionen in diese Expeditionen und waren von deren Erfolg abhangig. Denn mit einer gegluckten Expedition und den zuruck gebrachten Waren lieRen sich hohe Gewinne erzielen, scheiterte die Expedition aber war das gesamte Kapital verloren. Kapital wurde also nicht mehr nur in Waren eingetauscht, sondern erstmals in Erwartung eines Gewinnes in ein Unternehmen investiert (Fulcher 2011, S. 7 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anfangs wurde jede Handelsfahrt einzeln finanziert. Um das Risiko eines Totalverlustes jedoch zu verringern, ging man zunachst dazu uber zu jeder Reise mehrere Schiffe auszusenden. Das Risiko eines Totalverlustes wurde somit gestreut. SchlieRlich wurde das Finanzierungsrisiko uber eine Reihe von Fahrten gestreckt und Investitionen ohne eine Festlegung auf eine spezifische Handelsexpedition entgegen genommen. Die ersten Aktiengesellschaften entstanden und es begann der Handel an den Borsen in Amsterdam (vgl. Abbildung 1: Amsterdamer Borse im Jahr 1613) im Jahre 1613 und in London im Jahre 1688 (Fulcher 2011, S. 8 ff.). Die Bedeutung der Stadte als Handelszentren und Zentren der Kapitalakkumulation nahm somit stetig zu. In Norditalien entstanden in den Stadten Siena, Florenz und Genua erste Banken, denn die Moglichkeit Kapital zu transferieren und zu akkumulieren waren und sind notwendige Voraussetzungen fur die Entstehung einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung (Willke 2006, S. 26 f.).

2.2. Per Fruhkapitalismus

Der Fruhkapitalismus ist durch jene Zeit gekennzeichnet, in der Mitte des 18. Jahrhunderts in einigen Regionen die gewerbliche und industrielle Produktion erstmals bedeutender als die landwirtschaftliche Produktion wurde. Der Grad der Arbeitsteilung nahm stetig zu und die Gesetze des Marktes steuerten das Wirtschaftsgeschehen. Einkommen wurde nicht mehr alleine durch Warentausch und Handel generiert, sondern auch durch Zinsen, Pacht und Gewinne. Der Markt als Austauschplattform von Angebot und Nachfrage, sowie das Einsetzen von Kapital mit Verlustrisiken und Gewinnchancen ermoglichten das Erwirtschaften einer Rendite (Willke 2006, S. 35 f.).

Einige wenige sehr bedeutende Familien und Firmen, wie die Fugger aus Augsburg, die Medici aus Florenz oder die East India Company aus London beherrschten zu jener Zeit den Handel und die Bankensysteme (Steinmetz 2016, S. 78 f.).

2.3. Per Hochkapitalismus

Mit zunehmender Bedeutung der Arbeitsteilung und voranschreitender Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts begann die Phase des Hochkapitalismus. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stromten in die Stadte, errichteten Eisenbahnlinien und Fabriken und sie ermoglichten den Massentransport der Guter zwischen den Handelszentren (Fulcher 2011, S. 62 f.).

Die stahlverarbeitenden Industrien, der Maschinenbau und die Chemie entwickelten sich zu den wichtigsten Industriezweigen im Hochkapitalismus. Durch Zusammenschlusse und Ubernahmen entstanden GroRkonzerne und bedeutende Handelsketten mit einem Vollsortiment. Durch die GroRe der Konzerne gewannen diese auch politisch an Einfluss und wurden zu wichtigen Steuerelementen der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung (Willke 2006, S. 50 f.).

Per Spatkapitalismus

Die meisten Werke der Literatur geben den Beginn der Phase des Spatkapitalismus mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, spatestens mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges an. Die Entwicklung ist gepragt von stetig steigendem Wirtschaftswachstum, starker Arbeitsteilung, hohen Exportraten und Importen von gunstigen Rohstoffen aus weniger entwickelten Landern. Die Weltwirtschaft breitet sich durch diese lm- und Exporte rasant aus und in den industrialisierten Staaten der westlichen Welt herrscht groRtenteils Vollbeschaftigung und die breite Masse der Bevolkerung bezieht ein hohes Einkommen (Willke 2006, S. 53 ff.).

Der Aufschwung der gesamten Weltwirtschaft wird in dieser Phase von GroRteils neu gegrundeten Gewerkschaften begleitet, die die Interessen nach sozialer Absicherung durchzusetzen versuchen, sowie von einer Vielzahl internationaler Institutionen, wie etwa der Weltbank, des Internationalen Wahrungsfonds und zahlreichen Zoll- und Handelsabkommen gestutzt. Auch der Staat kontrolliert die meisten entscheidenden Schlusselindustrien, wie etwa die Post, Telekommunikation, Eisenbahngesellschaften oder die Automobilindustrie. Diese Industrien werden von Staat zu Staat jedoch unterschiedlich gefordert und kontrolliert (Willke 2006, S. 57 f.).

Durch das internationale und immer enger vernetzte Finanzsystem ist es fur Investorinnen und Investoren moglich ihr Kapital schnell und flexibel an andere Standorte und in andere Lander zu verlagern. Kapital wird also meist dorthin transferiert, wo die Bedingungen am attraktivsten sind und sich hohe Renditen erwirtschaften lassen (Willke 2006, S. 59 f.).

Damit im Zusammenhang steht die Abkopplung der Finanzstrome von der realen Entwicklung der Wirtschaft und es wird der spekulativen von Finanztransaktionen ein grower Spielraum gegeben. Des Weiteren ist die Finanzindustrie weitestgehend von staatlicher Aufsicht und Regulierung befreit (Berger 2014, S. 24). Die gegenwartige Epoche des Kapitalismus ist gekennzeichnet durch internationale Konzentration und Zentralisierung des Kapitals, durch Monopolisierung wichtiger Industrien durch einige wenige, internationale Unternehmen, Verkurzung der Konjunkturzyklen und „Schnelllebigkeit" auf der gesamten Welt (Rauscher 1973, S. 13).

Die Globalisierung und die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung fuhren dazu, dass manche Lander und Markte flexibler und liberaler werden und das Veranderungs- und Innovationstempo steigt. Gleichzeitig nimmt aber auch die Haufigkeit von Wirtschaftskrisen zu und es steigt das MaR der Verunsicherung bei den meisten Menschen. Der Bedarf an Vorsorge, stabiler Zukunftsplanung und sozialer Absicherung nimmt zu. Dies fuhrt dazu, dass einige Staaten ihre Markte wieder starker kontrollieren, um diese Interessensgegensatze abzubauen. Die Staaten reagieren mit unterschiedlichen Methoden und Reformen und passen ihre Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung stetig an. Dies wird in den folgenden Kapiteln 3 Varieties of Capitalism, sowie dem Kapitel 4 Vergleich der funf Weltregionen noch naher erortert.

Varieties of Capitalism Tvpologie

Hielt man fruher den Kapitalismus und den Kommunismus als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung einzelner Lander auseinander, muss man in der heutigen Zeit eher Varianten des Kapitalismus unterscheiden, da bis auf wenige Ausnahmen nahezu alien Landern ein kapitalistisches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zugrunde liegt. Der Kanadier Peter Hall, Professor fur Politikwissenschaften in Harvard, sowie der Brite David Soskice, Wirtschaftswissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin fuhrten in den Jahren 1998 - 2000 die Typologie Varieties of Capitalism ein, in der sie die Unterscheide zwischen liberalen, also freien und nicht liberalen, den koordinierten Landern herausarbeiteten (Schroder 2014, S. 9 f.). Anfangs beschrankte sich die Analyse lediglich auf die OECD Lander, nach und nach wurde die Varieties of Capitalsim Typologie aber von vielen verschiedenen Autorinnen und Autoren auf andere Lander ubertragen (Schmidt 2009, S. 521 f.), so dass inzwischen nahezu jedes Land wissenschaftliche Publikationen dazu aufweist. Jedoch konnen die meisten Lander nicht exakt in eine der beiden Kategorien eingeordnet werden (vgl. Abbildung 2: Varieties of Capitalism, Staaten).

„This varieties of capitalism approach to the political economy is actorcentered, which is to say we see the political economy as a terrain populated by multiple actors, each of whom seeks to advance his interests in a rational way in strategic interactions with others. The relevant actors may be individuals, firms, producer groups or governments (vgl. Soskice und Hall 2001, S. 6)."

Der Grundgedanke der Varieties of Capitalism Typologie besteht darin, dass einzelne Lander den Unternehmen ein optimales Umfeld bieten wollen, um sich weiterentwickeln zu konnen. Dabei spielen verschiedene Aspekte, wie etwa die Geschichte eines Landes, dessen Kultur, die zur Verfugung stehende Infrastruktur, sowie staatliche Organisationen und Behorden eine entscheidende Rolle (Soskice und Hall 2001, S. 10 ff.). Es bestehen folgende elementare Unterschiede zwischen liberalen und koordinierten Staaten. In koordinierten Landern sorgen Institutionen fur Absprachen, vertrauensvolle Zusammenarbeit und langfristige Entwicklung der Unternehmen und dessen Produkte. Man spricht von inkrementellen Innovationen, daher wird haufig ein schon bestehendes Produkt langfristig, Schritt fur Schritt verbessert und weiterentwickelt. Es sind alle beteiligten Parteien, wie etwa Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Banken und Zulieferer vertrauensvoll in den Entwicklungsprozess mit eingebunden. Oft werden in solchen Landern langlebige Konsumguter, bei denen es auf Qualitat ankommt hergestellt. Beispielsweise Produkte der Automobilbranche. Im Gegensatz dazu fordern liberale Lander Unternehmen, die sich darauf fokussiert haben, radikale Innovationen voranzutreiben, immer wieder vollig neue Produkte auf den Markt zu bringen und deshalb flexibel agieren mussen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden schnell eingestellt aber auch wieder entlassen, die Zusammenarbeit mit Investoren und Banken ist kurzfristig und produktspezifisch ausgelegt. Langwierige Absprachen und Koordination werden vermieden, um neue Erfindungen schneller als die Konkurrenz auf dem Markt zu bringen und um die Weitergabe von internen Unternehmensinformationen so gut wie moglich zu unterbinden. Oft sind es Unternehmen, die auf Technologien basieren, wie etwa die Softwareentwicklung, die Biotechnologie oder Pharmaunternehmen (Schroder 2014, S. 13 ff.).

3.1. Kennzeichen koordinierter Lander

Koordinierte Lander wie etwa Deutschland, die Niederlande, Osterreich oder Danemark schranken den Markt ein, um ihre Wirtschaft zu kontrollieren und sie setzen auf Kooperationen zwischen alien beteiligten Akteurinnen und Akteuren. Meist beruht dies auf historisch gewachsenen religiosen und ethnischen regionalen Unterschieden, so das durch aktive Koordination seitens des Staates versucht wurde alle Akteurinnen und Akteuren zu einen und eine soziale Stabilitat zu gewahrleisten (Schroder 2014, S. 133 ff.). Unternehmen in nicht liberalen Staaten entsenden gegenseitig Vertreterinnen und Vertreter in die jeweiligen Aufsichtsrate, um besser kooperieren zu konnen. Dies betrifft auch das Ausbildungssystem, welches eng verknupft mit dem Staat angeboten wird und sehr fachspezifische, unternehmensubergreifende Ausbildungen ermoglicht. Dies gewahrleistet zusammen mit sozialen Absicherungen eine langfristige und friedliche Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und Unternehmen aber auch zwischen den einzelnen Unternehmen. Zentrale Lohnverhandlungen mit Gewerkschaften ermoglichen ein einheitliches Lohnniveau und minimiert somit die Konkurrenz zwischen Unternehmen derselben Branche (Schroder 2014, S. 50).

3.2. Kennzeichen liberaler Lander

Liberale Lander, wie beispielsweise die USA, GroRbritannien, Kanada oder Neuseeland zeichnen sich durch Unternehmen aus, die uberwiegend im dynamischen Dienstleistungs- und Informationssektor tatig sind. Die Sozialabgaben fallen sehr gering aus und Unternehmen konnen auRerst flexibel auf Marktschwankungen reagieren. Die Lohnspreizung fallt sehr hoch aus, die Finanzmarkte sind kaum reguliert und es finden keine koordinierten Absprachen zwischen Unternehmen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, dem Staat und Banken statt. Alle Absprachen und Vereinbarungen werden individuell getroffen (Schroder 2014, S. 93 ff.).

Unternehmen in solchen Staaten versuchen alleine und ohne Kooperationen zu uberleben, sie konkurrieren um die besten Investoren und um flexibles Kapital. Die Lohne werden individuell ausgehandelt, denn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben kein allgemeines Mitspracherecht im Unternehmen. Arbeitskrafte werden schnell eingestellt und entlassen und haben daher eher allgemeine Qualifikationen als spezifisches Fachwissen. Auch das Ausbildungssystem ist darauf ausgerichtet, denn es ist groRtenteils in privater Hand, wird vom Staat wenig gefordert und von den Unternehmen fast nicht unterstutzt, da sie sich somit starker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren konnen, namlich das Unternehmen gewinnbringend im Sinne der Aktionarinnen und Aktionare zu fuhren und keine teuren Fachkrafte ausbilden mussen (Schroder 2014, S. 52).

3.3. Kritik

Kritisiert wird die Varieties of Capitalism Typologie von Hall und Soskice vor allem, weil sie sehr stark auf Unternehmen fokussiert ist und andere Institutionen, wie beispielsweise NGOs ganzlich auRen vor lasst und den Staat zwar als Kontrollelement vor allem bei koordinierten Landern erwahnt, aber dessen politische Moglichkeiten und Einflusse nicht naher beschreibt (Bruff und Horn 2012, S. 164 f.). Des Weiteren wird haufig kritisiert, dass die reine Aufteilung in liberale und koordinierte Lander die Vielfalt der unterschiedlichen Lander, kapitalistischen Systeme und deren Entwicklungsstufen nur unzureichend berucksichtigt und nicht komplex genug ist. Auch beschreibt die von Hall und Soskice entwickelte Typologie lediglich den 1st- Zustand eines Landes und liefert keine Argumente fur den standigen Wandel der Lander und ihrer jeweiligen kapitalistischen Systeme (Schroder 2014, S. 185 ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Varieties of Capitalism. Kapitalismus hier so, dort anders?
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Geographie und Raumforschung)
Note
3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V412680
ISBN (eBook)
9783668638976
ISBN (Buch)
9783668638983
Dateigröße
1098 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaputalismus, Varieties of Capitalism, Soskice, Hall
Arbeit zitieren
Maximilian Moll (Autor), 2018, Varieties of Capitalism. Kapitalismus hier so, dort anders?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412680

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