[...] Der UN-Sicherheitsrat und ein Großteil der europäischen Bevölkerung waren gegen den zweiten US- Großeinsatz im Irak innerhalb von nicht einmal fünfzehn Jahren, und dennoch hat Washington seinen Hardliner-Kurs kompromisslos gegen alle Bedenken und Widerstände durchgesetzt. Aus heutiger Sicht waren die von Bush und Blair vorgetragenen Gründe eindeutig falsch und hochstilisiert, so dass im Verlauf des Krieges immer neue offizielle Prioritäten und Kriegslegitimationen gefunden werden mussten. Letzten Endes sieht sich die US-Administration jedoch nicht in der Position Rechtfertigungen oder gar Zugeständnisse an die Weltgemeinschaft machen zu müssen. Hegemonie und Unilateralismus sind hierbei die zentralen Schlagwörter der gegenwärtigen amerikanischen Außenpolitik. Insbesondere diese Aspekte sollen im Folgenden eingehend untersucht und hinterfragt werden, wobei ich schon an dieser Stelle das Augenmerk weniger auf generelle Pauschalisierungen legen möchte als vielmehr speziell auf die aktuelle Politik der Regierung von George Bush jr. Es soll nicht darum gehen, die USA als Ganzes für die momentanen Geschehnisse in der Welt verantwortlich zu machen. Vielmehr möchte ich einen Eindruck über die durch Washington verursachten Konflikte im gesamten Mittleren Osten, dem Zerwürfnis mit engen Bündnispartnern in Europa und der Forcierung des globalen Terrorismus geben, ohne allerdings das Regime von Saddam Hussein oder die Verbrechen bin Ladens relativieren zu wolle n. Der Bürgerrechtler und Friedensaktivist Noam Chomsky, der Professor für Wirtschaft und Politik Mohssen Massarrat und auch die Soziologen Werner Biermann und Arno Klönne, alle Experten für den Mittleren Osten, sind nur einige Bezugsquellen dieser Arbeit und werden des Öfteren in den nun folgenden Kapiteln Erwähnung finden. Zu Beginn soll allerdings ein allgemeiner Überblick über die Sanktionen, Resolutionen und Interventionen bezüglich des Irak gegeben werden, um auf diese Weise die Entwic klung des Landes und sein Verhältnis zur UNO und den USA besser einschätzen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Irak und die Vereinten Nationen 1990-2003
3. Prinzipien der amerikanischen Hegemonialpolitik
3.1. Demokratisierung der arabischen Welt?
3.2. Krieg als Mittel des Neo-Imperialismus
3.3. Der Irak als Probelauf
4. Terrorismus und der Krieg am Golf - ein Ausblick
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Veränderung der amerikanischen Außenpolitik gegenüber dem Mittleren Osten und dem Irak, wobei sie kritisch hinterfragt, ob George W. Bushs Feldzug gegen den Terror tatsächlich der Demokratisierung dient oder primär ökonomischen und machtpolitischen hegemonialen Interessen entspringt.
- Analyse der UN-Sanktionen und der Rolle der USA im Irak (1990-2003).
- Kritische Untersuchung der amerikanischen Hegemonialpolitik und des Neo-Imperialismus.
- Hinterfragung der Demokratisierungsrhetorik im Kontext strategischer Ressourceninteressen.
- Betrachtung des Irak-Krieges als Präventivschlag und "Probelauf" für künftige Interventionen.
- Bewertung der Auswirkungen der US-Kriegsführung auf den globalen Terrorismus.
Auszug aus dem Buch
3.1. Demokratisierung der arabischen Welt?
Der dritte Golfkrieg wurde durch zweierlei Aspekte initiiert und legitimiert: zum einen galt es das irakische Volk von einem Diktator zu befreien, der jahrzehntelang für Schrecken und Tod unter seiner eigenen Bevölkerung sorgte. Zum anderen sollten die von den USA vermuteten Massenvernichtungswaffen, seien sie nun biologischer oder atomarer Natur, gefunden beziehungsweise zerstört und somit eine unmittelbare Bedrohung der gesamten Region und westlichen Welt eliminiert werden. Wie auch schon in obigem Zitat angesprochen, sind dies durchaus integere und moralisch vertretbare Beweggründe, sofern sie denn eindeutig belegt, was im Falle des Terrors gegen das irakische Volk evident ist, und völkerrechtlich abgesichert sind. Bezüglich der Massenvernichtungswaffen hat sich die amerikanische Einschätzung jedoch als eindeutig unkorrekt und bewusst hochstilisiert herausgestellt. Darauf basierend ergibt sich die Frage, inwieweit die auf den ersten Blick noblen Absichten der Bush-Administration eingehenderen Beurteilungen noch standhalten können.
So sieht Mohssen Massarrat Amerikas Bestreben vielmehr darin, „ihre ökonomische und politische Position im Globalisierungsprozess zu festigen beziehungsweise auszubauen“. Geht man also von diesem Ansatz aus, so scheint der Krieg im Irak unter dem Deckmantel von Demokratie und Freiheit seine wirklichen Ursachen eher in ökonomischen Kategorien zu besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Amerikas Außenpolitik im Irak primär demokratischen Zielen oder ökonomischen Hegemonialinteressen dient.
2. Der Irak und die Vereinten Nationen 1990-2003: Das Kapitel bietet einen Überblick über die UN-Resolutionen und Sanktionen gegenüber dem Irak sowie den schrittweisen Kontrollverlust der UN gegenüber den USA.
3. Prinzipien der amerikanischen Hegemonialpolitik: Hier werden die strategischen Ambitionen der USA analysiert, wobei kritisch beleuchtet wird, wie Demokratie-Rhetorik als Instrument zur Durchsetzung ökonomischer Machtansprüche genutzt wird.
3.1. Demokratisierung der arabischen Welt?: Dieses Unterkapitel hinterfragt den Demokratisierungswillen der USA im Irak kritisch unter Einbeziehung ökonomischer Interessen und der Rolle der eingesetzten Übergangsregierung.
3.2. Krieg als Mittel des Neo-Imperialismus: Es wird die These diskutiert, dass die USA eine unilaterale globale Vormachtstellung anstreben, in der militärische Gewalt zur Absicherung strategischer Ressourcen dient.
3.3. Der Irak als Probelauf: Das Kapitel analysiert den Irak-Krieg als "Generalprobe" für die Strategie des Präventivkrieges und den Abbau völkerrechtlicher Bindungen.
4. Terrorismus und der Krieg am Golf - ein Ausblick: Der Abschnitt diskutiert, wie die Intervention der USA im Mittleren Osten eher als Nährboden für radikale Gruppen dient, anstatt den Terrorismus zu bekämpfen.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass die wahren Motive des Krieges (Öl, Hegemonie) unter einem moralischen Deckmantel verborgen wurden und die aktuelle Lage im Irak instabil ist.
Schlüsselwörter
Irak, USA, George W. Bush, Hegemonialpolitik, UN-Resolutionen, Neo-Imperialismus, Demokratisierung, Globalisierung, Präventivkrieg, Massenvernichtungswaffen, Ölressourcen, Terrorismus, Unilateralismus, Völkerrecht, Mittlerer Osten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert kritisch die Beweggründe der US-Intervention im Irak unter der Regierung von George W. Bush und prüft den Widerspruch zwischen offiziell proklamierter Demokratisierung und realpolitischen ökonomischen Interessen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Rolle der UN im Irak-Konflikt (1990-2003), das Konzept des Neo-Imperialismus, die Strategie der amerikanischen Hegemonialpolitik sowie die Auswirkungen des Krieges auf den internationalen Terrorismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Frage, ob der Irak-Krieg tatsächlich der Freiheit und Demokratie dienen sollte oder ob dahinter eine neoliberale Strategie zur Sicherung globaler US-Interessen, insbesondere beim Zugang zu Ölressourcen, stand.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Literaturanalyse, bei der Expertenmeinungen, UN-Resolutionen und strategische Dokumente (z.B. National Security Strategy) zur Begründung der Thesen herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der UN-Rolle, die theoretische Einordnung der amerikanischen Hegemonie sowie spezifische Kapitel zur "Demokratisierung" und zum Irak als "Probelauf" für die Präventivkrieg-Doktrin.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören neben "Irak-Krieg" und "Hegemonialpolitik" vor allem die Begriffe "Unilateralismus", "Neo-Imperialismus" und die kritische Auseinandersetzung mit der "Demokratisierung der arabischen Welt".
Warum wird der Irak-Krieg im Text als "Probelauf" bezeichnet?
Der Begriff impliziert, dass der Irak als erstes Ziel einer neuen US-Strategie diente, um die Durchsetzbarkeit von Präventivkriegen weltweit zu testen, unabhängig von internationalen Bündnissen oder UN-Legitimation.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Medien bei der US-Intervention?
Der Autor argumentiert, dass die Medien durch die bewusste Hochstilisierung des Feindbildes "Saddam Hussein" eine entscheidende Rolle bei der Manipulation der öffentlichen Meinung in den USA spielten, um den Krieg erst durchsetzbar zu machen.
- Quote paper
- Moritz Klöppel (Author), 2004, Amerikas Intervention im Irak unter besonderer Berücksichtigung von George W. Bushs Hegemonialpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41271