Tie-Ins. Wenn aus fiktiven Büchern reale Produkte werden


Bachelorarbeit, 2011
72 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Spin-Off
2.2 Tie-In
2.3 Arten der Realisation
2.3.1 Direkte Realisation
2.3.2 Teilrealisation
2.3.2.1 Charmed: Das „Buch der Schatten“
2.3.2.2 Das Vermächtnis des geheimen Buches: Das „Buch des Präsidenten“
2.3.3 Vollständige Realisation

3 Analyse vollständiger Realisationen
3.1 Vorgehensweise
3.2 Das fiktive Buch im Film
3.2.1 Indiana Jones (1981-2008)
3.2.2 American Pie (1999)
3.2.3 Harry Potter (2003, 2004 und 2010)
3.2.3.1 „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“
3.2.3.2 „Quidditch im Wandel der Zeiten“
3.2.3.3 „Das Monsterbuch der Monster“
3.2.3.4 „Die Märchen von Beedle dem Barden“
3.3 Das fiktive Buch im Fernsehen
3.3.1 Castle (09.03.2005)
3.3.1.1 „Heat Wave“
3.3.1.2 „Naked Heat“
3.3.1.3 „Heat Rises“
3.3.1.4 Richard Castle vs. Nathan Fillion
3.3.2 How I met your Mother (19.09.2005)
3.3.2.1 „Der Bro Code“ und „Der Bro Code für Unterwegs“
3.3.2.2 „Das Playbook“
3.4 Mythos Necronomicon
3.4.1 Geschichte
3.4.2 Verwendung in Non-Print Medien
3.4.3 Realisationen

4 Tie-ins: ungenutztes Potenzial für die Buchbranche
4.1 Fanforenumfragenergebnisse
4.2 Ungenutztes Potenzial
4.3 Chancen für die Firmen

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.1.1 Bücher
5.1.2 Filme
5.1.3 Serien
5.2 Sekundärliteratur

6 Anhang

7 Selbstständigkeitserklärung

Hinweise

Listung der Beispiele

Die Filme sind in chronologischer Reihenfolge aufgeführt, die Serien nach Erscheinungsdatum der ersten Folge.

Fußnoten bei Zitaten

Beispiel: How I met your Mother, 3.17, Barney Stinson, 1:65

Zunächst wird der Film beziehungsweise die Serie, gefolgt von Staffel und Episode, genannt, schließlich der Charakter, welcher das Zitat geäußert hat. Zum Schluss folgt die Minutenangabe des Zitates.

Bilder werden ebenso (ohne Rollennennung) zitiert.

Quellenangaben

Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen zu den Filmen direkt aus den Filmen selbst. Diese Angaben finden sich in den Literaturangaben.

Abbildungsverzeichnis

1 Das „Buch der Schatten“

Screenshot aus „Charmed“, Book of Shadows DVD Collection, Extras, 0:00:38.

2 Das „Buch der Schatten“ Teilrealisation.

3 „Das Buch des Präsidenten“

Screenshot aus „Das Vermächtnis des geheimen Buches“. 1:11:10.

4 „Das Buch des Präsidenten“ Teilrealisation.

5 Das Tagebuch des jungen Indiana Jones.

Screenshot aus „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“, Folge 1.1, 0:19:08.

6 „Das Tagebuch des Indiana Jones“ Tie-In.

7 „The Bible“.

Screenshot aus „American Pie 7“. 0:19:22.

8 „Pie Bible“ Tie-In.

9 „The Monster Book of Monsters“.

Screenshot aus „Harry Potter 3“. 0:14:33.

10 „Das Monsterbuch der Monster“. Tie-In.

11 „The Tales of Beedle the Bard“.

Screenshot aus „Harry Potter 7.1“. 0:29:38.

12 „The Tales of Beedle the Bard“ Tie-In.

13 „Nikki Heat Serie“.

Screenshot der amazon.de Seite von „Heat Rises“. URL: http://www.amazon.de/ Heat-Rises-Richard-Castle/dp/ 1401324436/ref=sr_1_ 1?ie=UTF8&qid= 1308146981&sr=8-1. (Letzter Zugriff 15.06.2011.)

14 „Richard Castle Heat Wave Book Signing“.

Flickr.com. URL: http://www.flickr.com/photos/popculturegeek/4028206663/. 19.10.2009. (Letzter Zugriff 06.06.2011).

15m Der „Bro Code“.

Screenshot aus „How I met your Mother“, 3.17, 0:06:17.

16 „The Bro Code“ Tie-In.

17 „The Playbook“.

Screenshot aus „How I met your Mother“, 5.8, 0:01:29.

18 „The Playbook“ Tie-In.

19 Das „Necronomicon Ex Mortis“.

Screenshot aus „Armee der Finsternis“, 0:01:26.

„Zwei Ziegen stehen auf einer Weide und fressen eine Filmrolle.

Als sie fertig sind, sagt die eine zur anderen: ‚Das Buch war mir lieber.‘“[1]

1 Einleitung

„‚Rund ein Drittel aller Kinofilme basieren auf Büchern‘ hat Britta Friedrich vom Film & Media Forum der Frankfurter Buchmesse ermittelt“[2]. Dabei gibt es diverse Möglichkeiten, Bücher und Filme zu verbinden: die bekannteste – und am meisten erforschte – ist die Literaturverfilmung. Dabei werden bereits veröffentlichte Bücher in einen Film oder eine Serie umgewandelt. Doch auch reziprok wird gearbeitet: bei Blockbustern ist es inzwischen üblich, ein Buch zu produzieren, nachdem der Film erschienen ist.

„What is the common feature of books such as King Kong (Delos W. Lovelace), La Dolce Vita (Lo Duca) […] or eXistenZ (Luther Novak)? […] all these books are novelizations, i.e. Novels based on previous and normally ‘originally’ filmic texts […].“[3]

Bei Novellisierungen gibt es drei verschiedene Typen: das Buch zum Film, in welchem Hintergrundinformationen zum Film geliefert werden[4], den Roman zum Film, wobei der Film nacherzählt wird[5], oder eine Neuauflage des Originaltextes. Bei allen Unterarten wird zumeist das Werbeplakat des Filmes als Cover verwendet[6], um den Zusammenhang auf den ersten Blick zu verdeutlichen.

Der offene Untertitel dieser Arbeit – „Wenn aus fiktiven Büchern reale Produkte werden“ – zeigt bereits die Fülle an Möglichkeiten, die es an imaginärem Schrifttum zu analysieren gibt: Die Werke können dabei sowohl aus Film und Fernsehen als auch aus anderen Büchern stammen. Bei der Realisation werden die Bücher nicht nur als lesbares Papierprodukt umgesetzt, sondern ebenso als Spielzeug, wie ein Beispiel aus Harry Potter zeigen wird (siehe Kapitel 3.2.3.3). Jedoch werden bei Weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Diese Arbeit soll aufzeigen, wodurch ein Ableger inspiriert wird, wie er umgesetzt werden kann und welche Erfolgschancen sich dadurch für Produzenten und Verlage ergeben. Zuletzt wird dargelegt, dass den Verlagen und Produzenten Leser und Geld entgehen, wenn man eine stabile Fangemeinschaft hat, die durch den Kauf des Tie-In die Produktion finanzieren würde.

Die Wechselbeziehung von Buch und Film ist weitestgehend erforscht. Allerdings wurden meist die Analyse von Literaturverfilmungen und deren diverse Aspekte untersucht. Zu fiktiven Büchern gibt es sehr wenig Literatur, daher waren zwei Listen in der englischen Wikipedia[7] als Ausgangspunkt der Untersuchungen von großer Hilfe. Die Listen wurden unter dem Kriterium überprüft, welche Bücher existieren könnten. Hierbei ergab sich das Problem, dass eine Vielzahl von Büchern produziert wurde, die zufällig denselben Titel wie das erfundene Buch tragen, aber nichts mit dem Film zu tun haben. Daraufhin wurden die Filme und Serienepisoden analysiert. Eine genaue Darstellung der Vorgehensweise folgt später (siehe Kapite 3.1).

Nicht nur die Suche nach Primär- sondern auch die nach Sekundärliteratur war beschwerlich. Ein erstes, vielversprechendes Werk war „Das fiktive Buch“ von Christian Schäfer-Manz[8], welches als Quellenangabe unter einem Artikel der Neuen Züricher Zeitung[9] stand. Ein Anschreiben des Artikelautors ergab jedoch, dass dieses Buch ebenfalls erfunden worden war.[10]

Das informativste Werk stammt von Anne Siebeck, sie beschäftigte sich mit fiktiven Werken in anderen Büchern des Fantasy Genres.[11]

Ein weiterer Teil der Informationen kam von Interviewpartnern. Das Künstlerduo M+M antwortete besonders schnell und hilfreich, sie schickten zusätzliche Hintergrundinformationen zu ihrem „Pie Bible“ Projekt.[12]

Einige Beispiele mussten rückwirkend aus der Arbeit gelöscht werden, da auf Nachfrage herauskam, dass das Buch vor dem Film existiert hatte, so beispielsweise geschehen mit dem „Handbook for the Recently Deceased“[13] aus dem Film „Beetlejuice“[14]. Fast alle Verlage haben auf Anfragen leider nicht geantwortet, weswegen bei wenigen Büchern Verkaufszahlen angeben werden können. Bei den erfolgreichsten Ablegern konnte dieses Defizit mit der Angabe einer Platzierung auf der New York Times Bestseller Liste ausgeglichen werden.

Die These dieser Arbeit ist, dass sich durch die vielen erfundenen Bücher ein großes Potenzial für Produktionsfirmen und Verlage ergibt. Um zu beweisen, dass die zu realisierenden Bücher gekauft würden, habe ich mich in diversen Fanforen[15] angemeldet und Umfragen gestartet. Die Ergebnisse finden sich am Ende der Arbeit.

2 Definitionen

2.1 Spin-Off

Der Begriff „Spin-Off“ stammt aus dem Bereich der Serienproduktion. Er wird definiert, weil er leicht mit dem eigentlichen Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit, dem Tie-In, verwechselt werden kann.

Ein Spin-Off ist ein Ableger, bei der eine Nebenfigur der Hauptserie eine eigene Serie bekommt. So geschehen zum Beispiel bei der Mystery-Serie „Buffy-Im Bann der Dämonen“, bei der die Nebenrolle Angel nach zwei Jahren seit dem Start von „Buffy“(nach der dritten Staffel) seine eigene Serie „Angel – Jäger der Finsternis“ erhielt und dort die Hauptrolle spielte.[16]

Im Buchwesen ist es genauso üblich, mit Spin-Offs dem Leser die Möglichkeit zu geben, die Nebencharaktere kennenzulernen. Da in der Fantasy zumeist eine ganz neue Welt mit eigenen Regeln erschaffen wird, werden die Ableger „Weltbücher“ genannt und sind meist ebenso erfolgreich wie die Hauptbücher[17]. Die Romantic Fantasy Autorin Jeaniene Frost hat beispielsweise bereits zwei „Night Huntress World Books“ veröffentlicht[18], in der Freunde ihrer Hauptcharaktere zu Wort kommen und ihre eigenen Abenteuer erleben.

2.2 Tie-In

[19]

Ebenso wie das Spin-Off kommt das Tie-In aus der Filmbranche. Hierbei werden Fanartikel (sog. Merchandise) hergestellt, jedoch keines der üblichen T-Shirts oder Sound- tracks: in Zusammenarbeit mit Spielzeugherstellern oder Verlagen werden Videospiele und Bücher mit Hintergrundmaterial zu den Filmen als Tie-Ins produziert.

In dieser Arbeit bezeichnet „Tie-In“ den realen Ableger eines fiktiven Buches aus einem Film, einer Serie oder einem anderen Buch. Bei Recherchen fanden sich verschiedene Arten, ein fiktives Buch in ein Tie-In umzuwandeln, die im Folgenden erläutert werden.

2.3 Arten der Realisation

2.3.1 Direkte Realisation

Bei einer direkten Realisation werden einige Details des Buches genauso gestaltet, wie die des im Buch beschriebenen fiktiven Werkes.

Ein Beispiel dafür ist „Das Wörterbuch des Viktor Vau“. Im Buch wird das Notizbuch genau beschrieben: „Es war in schwarzes Leder gebunden, oben und unten mit Nieten beschlagen und wurde von einem ausgeleierten Gummiband zusammengehalten.“[20] Zwar wurde das Buch nicht wie bei Indiana Jones (siehe Kapitel 3.2.1) wörtlich umgesetzt, dafür aber oben und unten mit gestanzten Buckeln und Gummiband nachgeahmt.

Eine ähnliche Umsetzung erfuhr auch das Werk, welches Bastian in „Die Unendliche Geschichte“ stiehlt:

„Bei flüchtigem Durchblättern sah er, dass die Schrift in zwei verschiedenen Farben gedruckt war. […] Als er den Einband noch einmal genauer betrachtete, entdeckte er darauf zwei Schlangen, eine helle und eine dunkle, die sich gegenseitig in den Schwanz bissen und so ein Oval bildeten. Und in diesem Oval stand in eigentümlichen verschlungenen Buchstaben der Titel: ‚Die unendliche Geschichte‘.“[21]

Diese Details hat der Thienemann Verlag direkt im Buch und auf dem Cover umgesetzt.[22]

2.3.2 Teilrealisationen

Eine weitere Methode, fiktive Bücher umzusetzen, sind Teilrealisationen. Dabei wird nicht das gesamte Buch produziert, sondern für eine Special Edition der DVD ein Teil der Seiten des Requisits übernommen. Zumeist sind die Seiten der Special Edition aus dünnem Karton, sodass die DVDs dazwischen untergebracht werden. Im Folgenden werden zwei Beispiele für Teilrealisationen aufgezeigt, Meinungen von Fans der Beispielbücher folgen am Ende der Arbeit.

2.3.2.1 Charmed

Die Serie „Charmed – Zauberhafte Hexen“ handelte von den drei Schwestern Prue, Piper und Phoebe, die entdecken, dass sie Hexen sind. Es gibt jedoch eine vierte Hauptfigur: das „Buch der Schatten“, ein Foliant mit magischen Sprüchen und Dämonenalmanach, ist ein essentieller Bestandteil der Serie, da in fast jeder Folge darin nachgeschlagen werden muss. Das originale Buch der Schatten wiegt über vier Kilogramm und ist für jede einzelne Folge von Künstlern mit handgemalten Bildern und Schriften verziert worden.[23] Vor jeder Folge wurde eine neue Seite eingefügt, sodass das Buch im Verlauf der Serie anwuchs. Dadurch wurde es so wertvoll, dass es in einem Safe aufbewahrt und nur zu besonderen Anlässen herausgenommen wird.[24]

Obwohl es in der Serie von solcher Bedeutung ist („The house and the book we always considered to be characters“[25] ), existieren nur einzelne Seiten. Ein erster Realisationsversuch wurde durch eine Special Edition gemacht, in der die 48 DVDs aller acht Staffeln in einem großformatigen (31,5x29 cm) Band untergebracht sind. Es werden jedoch nur 13 Seiten abgebildet, also bei Weitem nicht das vollständige Werk.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das „Buch der Schatten“

Screenshot aus „Charmed“, Book of Shadows DVD Collection, Extras, 0:00:38.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das „Buch der Schatten“ Teilrealisation. S. 24.

2.3.2.2 Das Vermächtnis des geheimen Buches

Ähnlich wie das „Buch der Schatten“ wurde das „Buch des Präsidenten“ gehandhabt. Dieses fiktive Schriftstück aus dem zweiten Teil der Abenteuerreihe „Das Vermächtnis ...“ mit Nicolas Cage „enthält alle Präsidentengeheimnisse der amerikanischen Geschichte.“[26] „Das Ganze ist eine Sammlung verschiedenster Dokumente für Präsidenten von Präsidenten. […] JFK, […] die 18½ fehlenden Minuten von den Watergate Bändern! War die Apollo wirklich auf dem Mond?“[27] Im Verlauf des Filmes werden diverse Seiten des Buches gezeigt und erwähnt: es gibt außerdem Einträge über Area 51, Roswell und Cíbola.

Für das Filmrequisit wurde eine Kalligraphin engagiert, die die Beiträge im Buch in der Handschrift des jeweiligen Präsidenten mit Tinte und Füllhalter aus der entsprechenden Zeit eintrug[28]. Beim Tie-In wurden jedoch nur 17 Kartonseiten in einer Kunstlederhülle reproduziert. Die Hülle wurde dem Buchcover im Film nachempfunden: „nett, dunkel, Alterspatina, mit dem Originalsiegel der Vereinigten Staaten“[29]. Das eigentliche Buch ist jedoch separat in einer Seitentasche darin eingelegt. Die DVDs sind zwischen den Seiten untergebracht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: „Das Buch des Präsidenten.“ Screenshot aus „Das Vermächtnis des geheimen Buches“. 1:11:10.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: „Das Buch des Präsidenten“ Teilrealisation.

2.3.3 Vollständige Realisation

Bei einer vollständigen Realisation wird das komplette im Film oder in der Serie beschriebene Buch für den Buchhandel produziert. Dabei kann es zu Abweichungen kommen, wenn die Produzenten des Produktes sich nicht ausreichend mit den Beschreibungen des Vorbildes auseinandersetzen. Hiermit wird sich der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigen, detaillierte Beschreibungen folgen daher im nächsten Kapitel.

Die Auswahl dieser Beispiele erfolgte nach zwei Kriterien: entweder war das Tie-In besonders beliebt und erfolgreich oder die Umsetzung weist Besonderheiten auf, es wurde also nicht nur das reine Buch umgesetzt. Die Unterteilung der Ableger erfolgt nach Filmen und Serien. Das „Necronomicon“ erhält sein eigenes Kapitel, da es in Filmen und Serien verwendet wurde.

3 Analyse vollständiger Realisationen

3.1 Vorgehensweise

Zur Analyse der jeweiligen Serien beziehungsweise Filme wurden zunächst die Wikipedia Listen überprüft. Hierzu wurden die Titel bei amazon.com, amazon.de und google.com eingegeben, um zu testen, ob die Bücher tatsächlich außerhalb der Vorlage existieren. Wurde ein Buch produziert, sind die entsprechenden Serienfolgen oder Filme analysiert worden, um zu prüfen, wie das Buch dort dargestellt wird.

Kriterien dabei waren, ob es überhaupt ein Cover hat (da sich jemand mehr damit auseinander gesetzt hat und es somit eine größere Bedeutung erhält als wenn es nur nebenbei erwähnt wird), wie es aussieht, ob Details über seinen Inhalt bekannt gegeben werden, wieviel Zeit es vom Film beansprucht (dazu wurde während des Films die Zeit, in der es um das Buch ging, mit einer Stoppuhr genommen) und welche Rolle es für die Handlung spielt. Des Weiteren wurde untersucht, wieviele Charaktere im Film von dem Buch wissen und wer der Eigentümer ist (je mehr Menschen davon wissen, umso wichtiger könnte es sein). Außerdem wurde darauf geachtet, ob die Entstehungsgeschichte beziehungsweise Hintergrundinformationen zu dem Werk bekannt würden oder ob das Buch an sich Besonderheiten (wie Lesebändchen, Farbschnitt o.ä.) aufweist, da auch dies wieder von dem Umfang an Arbeit, der dafür aufgewendet wurde, zeugt.[30]

Als Nächstes wurde das reale Produkt analysiert, welche Parallelen es zu der Filmversion gibt, ob es gleich aussieht und inwiefern Inhalt und Gestaltung mit der Darstellung im Film korrespondiert.

Schließlich wurden die Verlage angeschrieben, und gefragt, wie sie auf die Idee gekommen waren, das Tie-In zu produzieren und wie die Verkäufe waren. Als letztes Erfolgskriterium wurde recherchiert, ob es auf der amerikanischen New York Times und/ oder der deutschen Spiegel Bestseller Listen aufgetaucht ist.

3.2 Filme

3.2.1 Indiana Jones (1981)

Dr. Henry „Indiana“ Jones Junior ist der Inbegriff des Abenteurers, der fremde Kontinente erkundet, Gefahren meistert und überall erfolgreich ist. Obwohl in den Filmen nur bekannt wird, dass Dr. Jones Senior Tagebuch schreibt, wurde 2008 „Das Tagebuch des Indiana Jones“ veröffentlicht. Nur wer sich mit der Serie „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ beschäftigt, erfährt, dass er 1908 im Alter von neun Jahren sein erstes Tagebuch erhielt. Das Tagebuch vereint daher Notizen und Erfahrungen von Indiana, seitdem er als Kind das Notizbuch von seinem Vater geschenkt bekam.

Das Tie-In wurde mit sehr viel Liebe zum Detail produziert, was bei Fans ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung ist.[31] Innen ist es wie eine Collage gestaltet, es wurden viele Fotos direkt aus den Filmen mit abgedruckt, sowie Reisetickets und Zeitungsartikel.

Inhaltlich wurde meist aufs Detail geachtet: es gibt Notizen und Zeichnungen von Artefakten zu den Geschichten aus allen vier Teilen und den Geschichten aus Videospielen, die nach dem dritten Teil veröffentlicht wurden. Zusätzlich hat die russische Staatssicherheit, die Indiana das Buch wegnahm, Anmerkungen eingefügt. Einige kleinere Fehler (z.B. in den Fahndungspapieren ist Henry Jones Senior 1890 geboren und Junior 1899)[32] fallen nur bei genauester Betrachtung auf, dafür wurde es durch liebevolle Zusätze ausgeglichen. So kommt beispielsweise auch der kleine Shorty zu Wort, der Indiana im zweiten Teil begleitet hat.

Äußerlich unterscheiden sich das Vorbild aus den „Abenteuern des jungen Indiana Jones“ und das Tie-In: der junge Indiana erhält ein Notizbuch mit beschnittenen Seiten und einem geprägten Cover mit einem Ibis. Dieser Einband wurde vom KGB in den Ableger eingeklebt, mit der Begründung, dass er durch „jahrelange Abnutzung beschädigt“ und deshalb „um 1930 durch den aktuellen ersetzt“ worden sei.[33] Tagebücher mit dem Ibis-Cover sind ein beliebtes Sammelobjekt und bei diversen ebay Händlern erhältlich.[34] Im vierten Teil erscheint das Tagebuch noch immer nicht, jedoch wurde vor Veröffentlichung das Gerücht gestreut, dass es ihm 1957 von den Sowjets entwendet wurde und nun wieder aufgetaucht sei.[35]

Beim Tie-In ist der Schnitt angeraut und vorne unbeschnitten. Das Gummiband und die Naht sind echt. Das Tagebuch gibt es in zwei Ausgaben, eine englische Luxusausgabe aus Kunstleder[36] und günstiger (auch auf deutsch)[37] mit gefüttertem Einband.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Das Tagebuch des jungen Indiana Jones. Screenshot aus „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“, Folge 1.1, 0:19:08.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: „Das Tagebuch des Indiana Jones“ Tie-In.

[...]


[1]

Zitat nach Alfred Hitchcock. Zitiert nach Sölkner, Martina: „Über die Literaturverfilmung und ihren ‚künstlerischen Wert‘“. In: „Literatur im Film“. Hrsg. Stefan Neuhaus. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2008. S. 49-62.

[2] Meyer-Arlt, Regine: „Der richtige Dreh“. In: Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Ausgabe 6.2011. Frankfurt: MVB Verlagsservice. S. 18-20. S. 18.

[3] Übersetzung: „Was haben Bücher wie ‚King Kong’ (Delos W. Lovelace), ‚La Dolce Vita’ (Lo Duca) oder ‚eXistenZ’ (Luther Novak) gemeinsam? (…) all diese Bücher sind Novellisierungen, d.h. Romane die auf zuvor und normalerweise ‚originalen’ filmischen Texten basieren (…).“

Baetens, Jan: „From screen to text: novelization, the hidden continent“. In: „The Cambridge Companion to Literature on Screen“. Hrsg. Cartmell und Whelehan. Cambridge: University Press, 2007. S. 226-237. S. 226.

[4] Beispiel: Disney, Walt: „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 4: Jack Sparrows neue Abenteuer. Filmbuch“. München: Dorling Kindersley, 2011.

[5] Beispiel: Hohlbein, Rebecca und Wolfgang: „Fluch der Karibik. Der Roman zum ersten Kultfilm.“ Köln: VGS, 2006.

[6] Beispiel: Gruen, Sarah: „Wasser für die Elefanten: Das Buch zum Film.“ Reinbeck: rororo, 2011. Ursprünglich „Wasser für die Elefanten.“ Köln: Dumont, 2008.

[7] „List of fictional books.“ In: wikipedia.com. URL: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_fictional_books. 18.5.2011. (Letzter Zugriff 31.5.2011).

„List of fictional books from non-print media.“ In: wikipedia.com. URL: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_fictional_books_from_non-book_media. 20.5.2011. (Letzter Zugriff 31.5.2011).

[8] Schäfer-Manz, Christian: „Das fiktive Buch. Theorie – Geschichte - Wirkung.“ Tübingen : Mohr und Ruprecht, 1991.

[9] Papst, Manfred: „Das fiktive Buch – Kein Ende der Fiktionen.“ In: NZZ Folio. Ausgabe 12/91. URL: http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/e3bec322-fb04-4e27-a80c-ad18cf8241cf.aspx. (Letzter Zugriff 27.05.2011).

[10] eMail von Manfred Papst siehe Anhang.

[11] Siebeck, Anne: „Das Buch im Buch: Ein Motiv der phantastischen Literatur.“ Marburg: Tectum, 2009.

[12] M+M: „Pie Bible: Einladung zu einem Buchprojekt.“ Siehe Anhang.

[13] Needham, Claude: „The Original Handbook for the Recently Deceased.“ Nevada: Gateways, 1995.

eMail von Claude Needham im Anhang.

[14] „Beetlejuice“ (1988). Regisseur: Tim Burton. DVD, 88 Minuten, USA: Warner Home.

[15] Fanforum.com, indy.mamo-net.de und fan-forum.de.

[16] Vgl. „Angel: Staffel 1“ (2005). Regisseur: Joss Whedon. 6 DVDs, 958 Minuten, USA: 20th Century Fox.

[17] Beispiel Jeaniene Frost:

Teil 5 der Hauptserie „This Side of the Grave“: Platz 2 auf der New York Times Bestseller Liste am 13.03.2011, erstes Spin-Off „First Drop of Crimson“ Platz 4 der NYT am 28.02.2010.

[18] Vgl. Frost, Jeaniene: „First Drop of Crimson“ und „Eternal Kiss of Darkness“, beide New York: Avon, 2010.

[19] Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen von „What is a Tie-In?“. In: WiseGEEK: Clear Answers to Common Questions. URL: http://www.wisegeek.com/what-is-a-tie-in.htm. (Letzter Zugriff 31.5.2011).

[20] Vgl. Ruebenstrunk, Gerd: „Das Wörterbuch des Viktor Vau“. München: Piper, 2011. S. 39.

[21] Ende, Michael: „Die unendliche Geschichte“. Stuttgart: Thienemann, 1979. S. 10.

[22] Vgl. Ebd.

[23] Vgl. „Book of Shadows.“ In: The Charmed Wiki. URL: http://charmed.wikia.com/wiki/Book_of_Shadows. (Letzter Zugriff 08.06.2011).

[24] Vgl. „Charmed Book of Shadows DVD Collection“ (2009). Regisseur: diverse. 49 DVDs, 7386 Minuten, USA: Paramount. Extras, „The Book of Shadows“.

[25] Übersetzung: „Das Haus und das Buch betrachteten wir immer als Charaktere.“

„Charmed Book of Shadows DVD Collection“. Extras, „The Book of Shadows“, Brad Kern, 0:03:20-0:03:23.

[26] „Das Vermächtnis des geheimen Buches: Presidential Edition“ (2008). Regisseur: Jon Turteltaub. 5 DVDs, 245 Minuten, USA: Touchstone. Extra Disc, „Coverstory: Crafting the President's Book“, Diane Kruger, 0:43-0:47.

[27] „Vermächtnis des geheimen Buches“, Riley Poole, 0:54:13-0:54:30.

[28] Vgl. „Das Vermächtnis des geheimen Buches“, Presidential Edition, Extra Disc, „Coverstory: Crafting the President's Book“.

[29] „Das Vermächtnis des geheimen Buches“, Presidential Edition, Extra Disc, „Coverstory: Crafting the President's Book“, Ritchie Kremer, 2:29-2:32.

[30] Im Anhang findet sich eine ausgefüllte Tabelle mit diesen Kriterien.

[31] Vgl. z.B. Umfrage in Indiana Jones Fanforum. URL: http://indy.mamo-net.de/showtopic.php?temp=1&id=5649&page=1 und Anhang.

[32] Vgl. „Tagebuch des Indiana Jones“, S. 65 f.

Hinweis: im Buch finden sich keine Seitenzahlen, daher wurden sie ausgezählt.

[33] Jones, Henry: „Das Tagebuch des Indiana Jones.“ Hamburg: Oetinger, 2008. S. 4.

[34] z.B. leather-town: „Young Indiana Jones LEDERBUCH Notizbuch, Tagebuch Leder.“ URL: http://cgi.ebay.de/Young-Indiana-Jones-LEDERBUCH-Notizbuch-Tagebuch-Leder-/110698602111?pt=Mode_Accessoires_Taschen_Geldb%C3%B6rsen_Herrentaschen&hash=item19c6269e7f. (Letzter Zugriff 10.06.2011). Siehe Anhang.

[35] Vgl. Drewniok, Michael: „Henry Jones jun.: Das Tagebuch des Indiana Jones.“ In: Phantastik Couch. URL: http://www.phantastik-couch.de/henry-jones-jun-das-tagebuch-von-indiana-jones.html. 02.03.2011. (Letzter Zugriff 10.06.2011).

[36] Jones, Henry: „The Lost Journal of Indiana Jones.“ New York: Gallery, 2008.

[37] Jones, Henry: „Das Tagebuch des Indiana Jones.“ Hamburg: Oetinger, 2008.

Ende der Leseprobe aus 72 Seiten

Details

Titel
Tie-Ins. Wenn aus fiktiven Büchern reale Produkte werden
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (05)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
72
Katalognummer
V412731
ISBN (eBook)
9783668655683
ISBN (Buch)
9783668655690
Dateigröße
1340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bücher, Tie-In, Film, Serie, Indiana Jones, How I met your Mother, Castle, Necronomicon, Charmed, Buffy, American Pie, Harry Potter
Arbeit zitieren
B. A. Aimée M. Ziegler-Kraska (Autor), 2011, Tie-Ins. Wenn aus fiktiven Büchern reale Produkte werden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412731

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