Kriminalliteratur gilt heutzutage in vielen Kreisen als Trivialliteratur. Sie dient der Unterhaltung. Der breiten Meinung zu Folge ist eine Untersuchung der Stilmittel o. ä. nicht so sinnvoll und vor allem nicht so effektiv und interessant wie eine Analyse von Goethes „Faust“ oder Schillers „Maria Stuart“. Es gibt allerdings andere interessante Punkte, die man bei Kriminalliteratur analysieren und verfolgen kann. So spielen zum Beispiel die Logik der Handlung, die Handlungsstruktur, die Figuren des Detektivromans oder auch die sozialkritischen Aspekte eine große Rolle.
In der Ausarbeitung sollen die Merkmale eines Detektivromans, insbesondere die Romanfiguren des Detektivromans, näher betrachtet werden. Auf die allgemeinen Merkmale des Detektivromans wird aus Platzgründen nur sehr kurz eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Autor
3. Der Inhalt des Kriminalromans „Freitagsflug“
4. Merkmale des Detektivromans
5. Figuren und ihre Funktionen in einem Roman
5.1. Die Romangesellschaft
5.2. Die Gruppe der Nicht-Ermittelnden
5.2.1. Das Opfer
5.2.2. Der Mörder
5.2.3. Die Verdächtigen
5.3. Die Gruppe der Ermittelnden
5.3.1. Der Detektiv
5.3.1.1. Die Darstellung der Gestalt
5.3.1.2. Die Darstellung der Arbeitsweise
5.3.2. Die Mitarbeiter des Detektivs
5.3.2.1. Die Watson-Figur als Gefährte
5.3.2.2. Die Polizei als Mitarbeiter
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die kriminalistischen Merkmale des Detektivromans „Freitagsflug“ von Martin W. Brock, mit einem besonderen Fokus auf die psychologische und funktionale Darstellung der Romanfiguren im Kontext gängiger Gattungskonventionen.
- Analyse der Figurenkonstellation (ermittelnde vs. nicht-ermittelnde Akteure)
- Untersuchung der Rolle des Protagonisten Ricardo Bauer als Detektivfigur
- Betrachtung der Funktion der „Watson-Figur“ in der Kriminalliteratur
- Vergleich der Romanfiguren mit den theoretischen Modellen nach Peter Nusser
- Evaluierung der Identifikationsmöglichkeiten für den Leser
Auszug aus dem Buch
5.3.1.1. Die Darstellung der Gestalt
Wie bereits kurz erwähnt, handelt es sich bei dem Detektiv um eine isolierte Person. Er hebt sich von den restlichen handelnden Figuren des Detektivromans aus dem Alltäglichen und Normalen ab. Nach Nusser wird er dadurch verfremdet. Sein Charakter kann folglich in keinster Weise beeinflusst werden und seine Genialität tritt in den absoluten Vordergrund.
Nusser problematisiert an dieser Stelle die Identifikation mit dem Helden. Sind alle menschlichen Züge und Normalitäten von ihm genommen, hat der Leser normalerweise nur einen schweren Zugang zur Identifikation. Andererseits geben gerade die persönliche Autonomie, die soziale Unabhängigkeit, die Genialität und der außergewöhnliche Kombinationsscharfsinn Anlass zur Identifikation, da sie den Wünschen der Leser entsprechen13. Nusser verweist bei seinen Überlegungen auf Hofstätter14. Dieser geht davon aus, dass Identifikation nicht nur durch unerreichbare Wünsche stattfindet, sondern der Leser sich gerne in der Figur wieder erkennen möchte und so Bestätigung erfährt. Der zunächst unantastbare, geniale Detektiv muss also für den Leser auch immer erreichbar sein. Es sollte also Übereinstimmungen zwischen Detektiv und Leser geben. In einem Detektivroman besteht diese Übereinstimmung in der „sittlichen Verpflichtung gegenüber einer Gesellschaftsordnung, die von beiden nicht hinterfragt wird“15. Die Aufgabe des Detektivs ist es, die Lösung des kriminalistischen Falles herbeizuführen. Der Leser vertritt dabei die Meinung des Detektivs und akzeptiert sein Verhalten. Zusätzlich findet der Leser bei jedem Detektiv Schwächen oder Extremitäten, die ihn menschlich machen und über die der Leser lächeln kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die oft als Trivialliteratur unterschätzte Kriminalliteratur und setzt sich zum Ziel, Merkmale und Figuren des Detektivromans anhand von „Freitagsflug“ zu untersuchen.
2. Der Autor: Es wird geklärt, dass sich hinter dem Pseudonym Martin W. Brock ein ehemaliger verdeckter Ermittler verbirgt, der seine praktischen Erfahrungen in den Roman einfließen lässt.
3. Der Inhalt des Kriminalromans „Freitagsflug“: Die Handlung dreht sich um den suspendierten Polizisten Ricardo Bauer, der durch eine Verschwörung gezwungen wird, seine eigene Unschuld zu beweisen.
4. Merkmale des Detektivromans: Basierend auf Peter Nusser werden die drei Grundelemente – Verbrechen, Ermittlung und Überführung – erläutert und auf die spezifische Struktur des Romans angewandt.
5. Figuren und ihre Funktionen in einem Roman: Dieses zentrale Kapitel klassifiziert die Figuren in ermittelnde und nicht-ermittelnde Akteure und analysiert deren jeweilige Funktion innerhalb der narrativen Struktur.
6. Fazit: Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass der Roman die strengen Merkmale des klassischen Detektivromans nach Nusser nicht vollständig erfüllt, aber durch eine realistische Figurendarstellung überzeugt.
Schlüsselwörter
Kriminalliteratur, Detektivroman, Romanfiguren, Ermittlungsarbeit, Identifikation, Ricardo Bauer, Peter Nusser, Täterprofil, Watson-Figur, literarische Analyse, Polizeiarbeit, Genremerkmale, Verschwörung, Fallaufklärung, Freitagsflug.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Kriminalroman „Freitagsflug“ von Martin W. Brock und prüft, inwiefern die Romanfiguren und ihre Funktionen den theoretischen Anforderungen an den klassischen Detektivroman nach Peter Nusser entsprechen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Figurenkonstellation, der Darstellung des Detektivs, der Rolle des Gefährten (Watson-Figur) sowie der psychologischen Einordnung von Täter und Verdächtigen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Analyse?
Das Ziel ist es, die Romanfiguren hinsichtlich ihrer Funktionalität innerhalb des Handlungsplans zu untersuchen und zu bewerten, wie erfolgreich der Autor sie gestaltet hat, um beim Leser Identifikation und Spannung zu erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf der Literaturanalyse. Dabei werden theoretische Definitionen von Peter Nusser und Ulrich Suerbaum auf das konkrete Fallbeispiel „Freitagsflug“ angewandt und kritisch mit der Romanhandlung verglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufschlüsselung der Ermittler- und Nicht-Ermittlergruppen, wobei Protagonist Ricardo Bauer, der Gegenspieler Frank Tomer sowie Nebenfiguren wie Alex oder Doris Buck hinsichtlich ihrer Charakteristika und ihrer Funktion für den Erzählfortgang analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die „Typisierung“ von Figuren, die „Watson-Figur“, „Identifikationsreiz“, „Ermittlungsmethodik“ sowie die „Reduktion des Psychologischen“ in der Darstellung der Charaktere.
Wie wird Ricardo Bauer im Vergleich zum klassischen Detektivbild eingeordnet?
Bauer wird nicht als der klassische, genialistische „Scharfsinnheld“ dargestellt, sondern als ein gefühlsbetonter Mensch, dessen persönliche Krisen und soziale Bindungen seine Ermittlungsarbeit stark beeinflussen.
Warum wird die Rolle des „Täters“ im Roman als problematisch für die Theorie nach Nusser eingestuft?
Da der Roman nicht um einen Mord, sondern um eine Verschwörung gegen einen Polizisten kreist, passt der Täter Frank Tomer nicht in das klassische Muster des Mörders, der Schuldgefühle zeigt, was die Autorin zur Anpassung der Begriffsdefinition zwingt.
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- Lydia Plagge (Author), 2005, Martin W. Brock "Freitagsflug" - Eine Analyse der Kriminalistischen Merkmale des Detektivromans mit Schwerpunkt auf die Betrachtung der Romanfiguren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41281