Im Jahr 2016 betrug die Anzahl der Polizistinnen und Polizisten in Deutschland 220.813. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasste im gleichen Jahr 71.795 Straftaten zum Nachteil von Polizeivollzugsbeamten und Polizeivollzugsbeamtinnen, davon 45.075 Widerstandshandlungen, 16.705 vorsätzliche Körperverletzungen, 4.431 gefährliche und schwere Körperverletzungen, 3.977 Bedrohungen sowie 98 versuchte Tötungsdelikte. Statistisch betrachtet ist jeder Polizist und jede Polizistin alle 3 Jahre Opfer einer Straftat. Gewalttaten gegen Polizisten sind in den letzten 6 Jahren signifikant angestiegen.
2007 betrug die Anzahl der Polizistinnen und Polizisten in Deutschland noch 250.353. Vor dem Hintergrund des nicht unerheblichen Stellenabbaus, der angehäuften Überstunden, wegfallenden Fort- und Weiterbildungen und neuen Herausforderungen in der polizeilichen Aufgabenbewältigung im Zusammenhang mit der Terrorabwehr, der Grenzkriminalität, den Großeinsätzen wie dem G20-Gipfel, aber auch hinblickend auf die Thematik Cybercrime, in die Jahre gekommene Bürotechnik ist bei nicht wenigen Polizistinnen und Polizisten die Belastungsgrenze erreicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gefühle
2.1. Basisgefühle
3. Anforderungen an Polizistinnen und Polizisten
3.1. Emotionale Belastungen im Polizeidienst
4. Gefühlsarbeit
4.1. Polizeiliche Gefühlsarbeit und damit verbundene Probleme
5. Typen des Umgangs mit situativen Gefühlsanforderungen und genutzte Gefühlsarbeitspraktiken
5.1. Verlagerer
5.2. Abwehrer
5.3. Oszillierer
5.4. Stoiker
5.5. Diffus Reagierende
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen Belastungen von Polizeibediensteten im Dienstalltag und analysiert, wie diese mit situativen Anforderungen und eigenen Emotionen umgehen. Der Fokus liegt dabei auf der identifizierten "Gefühlsarbeit" und verschiedenen Bewältigungsstrategien, die Polizistinnen und Polizisten anwenden, um den hohen emotionalen Druck des Berufsstandes langfristig zu kompensieren.
- Psychische Belastungsprofile im Polizeidienst
- Empirische Einordnung von "Gefühlsarbeit"
- Typologie der Bewältigungsstrategien (Verlagerer, Abwehrer, Oszillierer, Stoiker, Diffus Reagierende)
- Rolle der polizeiinternen Kultur und des Gewaltmonopols
- Prävention und notwendige Fürsorgemaßnahmen
Auszug aus dem Buch
5. Typen des Umgangs mit situativen Gefühlsanforderungen und genutzte Gefühlsarbeitspraktiken
„Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung belegen die Bedeutung von Gefühlsarbeit für die polizeiliche Arbeit. Es zeigen sich unterschiedliche Variationen des emotionsbasierten Umgangs von Polizistinnen und Polizisten mit situativen Gefühlsanforderungen [...].“
5.1. Verlagerer
„Ein Verlagern der Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen und dem eigenen Erleben aus der konkreten Situation heraus kennzeichnet den Typus des Verlagerers.“ Die Verlagerer erleben Emotionen als Störfaktoren und Bedrohung für Ihre Arbeit. Es kommt zu einer vorübergehenden Distanzierung von den dienstlichen Erlebnissen. Diese werden jedoch später im Privatbereich wiederaufgenommen. Es erfolgt eine Privatisierung der Belastungsbewältigung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der gestiegenen Belastungen und Kriminalitätsstatistiken, die den Polizeidienst in den letzten Jahren zunehmend unter Druck setzen.
2. Gefühle: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Emotion und Gefühl sowie Erörterung der wissenschaftlichen Perspektiven auf Basisgefühle.
3. Anforderungen an Polizistinnen und Polizisten: Beschreibung des komplexen Anforderungsprofils an Polizeikräfte, mit Fokus auf emotionale Belastungen wie traumatische Einsätze.
4. Gefühlsarbeit: Theoretische Fundierung des Konzepts der Gefühlsarbeit und die damit verbundenen Herausforderungen im polizeilichen Kontext.
5. Typen des Umgangs mit situativen Gefühlsanforderungen und genutzte Gefühlsarbeitspraktiken: Klassifizierung verschiedener Bewältigungstypen, wie Polizistinnen und Polizisten ihre Emotionen im Dienst regulieren oder unterdrücken.
6. Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse mit einem Appell an die Eigenverantwortung, familiäre Unterstützung und die institutionalisierte Fürsorgepflicht der Führungskräfte.
Schlüsselwörter
Gefühlsarbeit, Polizeidienst, emotionale Belastung, Bewältigungsstrategien, Emotionspsychologie, Trauma, Dienstalltag, psychische Gesundheit, Fürsorgepflicht, polizeiliche Kultur, Verlagerer, Abwehrer, Oszillierer, Stoiker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die psychische Belastungssituation von Polizeibediensteten und untersucht, wie diese berufsbedingte Emotionen im Rahmen sogenannter „Gefühlsarbeit“ regulieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Emotionspsychologie im Polizeidienst, die Analyse von Stressfaktoren wie Gewalt oder Trauma sowie die Typologie individueller Bewältigungsmechanismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Polizeikräfte mit den emotionalen Anforderungen ihres Berufs umgehen und welche unterschiedlichen Strategien dabei zur Anwendung kommen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine empirische Untersuchung, die durch die Analyse bestehender emotionspsychologischer Forschungsergebnisse und Literatur fundiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Emotionspsychologie, eine Analyse der spezifischen Belastungen im Polizeidienst sowie eine detaillierte Typologie von fünf verschiedenen Umgangsweisen mit Gefühlen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gefühlsarbeit, Bewältigungsstrategien, polizeiliche Belastung und seelische Gesundheit.
Warum spielt die „männlich geprägte Kultur“ eine Rolle für das Gefühlsmanagement?
Die Studie zeigt auf, dass in einer solchen Kultur das Zeigen von Gefühlen oft als Schwäche interpretiert wird, was zu einem privatisierten Umgang mit Belastungen führt.
Was unterscheidet den „Stoiker“ von den anderen Typen?
Im Gegensatz zu anderen Typen, die ihre Bewältigung in der konkreten Situation suchen, findet das Bewältigungshandeln des Stoikers bereits im Vorfeld durch eine bewusste Einstellung zum Berufsrisiko statt.
Welche Rolle spielt der Verein „Krisenintervention & Notfallseelsorge“?
Dieser Verein unterstützt Polizeibedienstete während und nach Extremlagen und wird als positives Beispiel für notwendige Fürsorgemaßnahmen hervorgehoben.
- Arbeit zitieren
- Tobias Henze (Autor:in), 2017, Wie gehen Polizisten mit Gefühlen um?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412866