Im Zuge meiner Recherche bin ich auf einen neuen Bereich der Rassismusforschung gestoßen. Dieser setzt sich mit dem sogenannten Postrassismus auseinander. Dabei wird unter anderem die Idee einer postrassistischen Gesellschaft untersucht. Die Forschungen und Artikel, die ich fand bezogen sich jedoch nur auf die USA, im Kontext der Wahl des letzten US-Präsidenten Barack Obama und der in den letzten Jahren diskutierten Fälle von Tötungen Schwarzer durch die US-Polizei.
In dieser Arbeit möchte ich mich nun der Frage widmen, ob Deutschland eine postrassistische Gesellschaft ist und dies vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Warum Postrassismus in Deutschland?
1.2 Hinführung zum Thema
2. Definitionen und Erläuterungen
2.1 Rassismus und Vorurteile
2.2 Was ist Rassismus?
2.3 Was ist Postrassismus?
3. Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit nach 1945
4. Deutschland und die NS-Vergangenheit heute
4.1 Rassismus = Antisemitismus?
4.2 Auseinandersetzung und Umgang mit NS-Vergangenheit und Rassismus heute
5. Fazit und Diskussion
5.1 Deutschland eine postrassistische Gesellschaft? - Ist Postrassismus in einer Gesellschaft möglich?
5.2 Die Frage nach dem richtigen Umgang mit der NS-Vergangenheit
5.3 Wie gelingt eine gute Auseinandersetzung mit Rassismus?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob Deutschland als postrassistische Gesellschaft bezeichnet werden kann, indem sie den gesellschaftlichen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit kritisch analysiert und deren Einfluss auf die aktuelle Rassismuswahrnehmung beleuchtet.
- Definition und theoretische Abgrenzung von Rassismus und Postrassismus
- Historische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit nach 1945
- Unterscheidung und Verschränkung von Antisemitismus und Rassismus
- Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rassismus
- Notwendigkeit eines kritischen Rassismusbewusstseins
Auszug aus dem Buch
2.1 Rassismus und Vorurteile
Der Begriff Rassismus ist in Deutschland eng mit dem Nationalsozialismus verknüpft und auch deshalb ein schwer zu definierender Begriff. Die in Bayern geborene kontroverse Anti-Rassismus Aktivistin und Publizistin Noah Sow schreibt in ihrem Buch Deutschland Schwarz Weiss: „Rassismus ist nicht erst die negative Reaktion auf einen angeblichen Unterschied, sondern bereits die Behauptung des Unterschieds“5. Würde man Sows Definition für Rassismus anwenden so wäre jeder, der auch nur Vorurteile gegenüber anderen Menschen hätte rassistisch. Jedoch ist, um „rassistische Diskriminierung nicht zu banalisieren“6 und eine „Auseinandersetzung mit gegenwärtigem Rassismus im gesellschaftlichen Alltag“7 zu ermöglichen, „der Rassismusbegriff von Beschreibungen des Vorurteils abzugrenzen“8, so die Professorin für Erziehungswissenschaften Astrid Messerschmidt in Postkoloniale Erinnerungsprozesse in einer postnationalsozialistischen Gesellschaft und Rassismusanalyse in einer postnationalsozialistischen Gesellschaft. Die Professorin für Soziologie Anja Weiß, macht in ihrem Buchbeitrag Antirassistisches Engagement und strukturelle Dominanz ebenfalls deutlich, warum Rassismus von einfachen Vorurteilen abzugrenzen ist:
Rassismus ist nicht einfach ein Vorurteil, ein Gefühl, eine böse Absicht. Besser lässt sich Rassismus als ein ungleichgewichtiger Konflikt zwischen gesellschaftlichen Gruppen bezeichnen.9
Es wird also eine logische Schlussfolgerung, dass die Trennung von Rassismus und Vorurteilen für eine gutes Verständnis von Rassismus wichtig ist. Jeder Mensch hat Vorurteile, wichtig ist jedoch, wie man mit ihnen umgeht und, dass man ein Bewusstsein für den Unterschied des Ver- und Beurteilens von Menschen hat. Beurteilt man einen Menschen unter Miteinbeziehung von Vorurteilen, ist sich jedoch bewusst, dass es nicht richtig ist einen Menschen auf dieser Basis zu bewerten, dann ist das nicht verwerflich. Ist man sich dessen aber nicht bewusst und verurteilt einen Menschen beispielsweise nur wegen seiner Herkunft, dann ist das rassistisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob Deutschland eine postrassistische Gesellschaft ist und verknüpft dies mit dem historischen Kontext des Nationalsozialismus.
2. Definitionen und Erläuterungen: Hier werden zentrale Begriffe wie Rassismus und Postrassismus definiert sowie die Notwendigkeit einer Abgrenzung von einfachen Vorurteilen begründet.
3. Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit nach 1945: Dieses Kapitel behandelt die Entnazifizierung und den Umgang der Besatzungsmächte sowie der deutschen Gesellschaft mit der nationalsozialistischen Ideologie nach dem Zweiten Weltkrieg.
4. Deutschland und die NS-Vergangenheit heute: Es wird untersucht, wie Antisemitismus von anderen Rassismen unterschieden wird und warum die Fixierung auf die NS-Zeit den Blick auf aktuellen Rassismus einschränken kann.
5. Fazit und Diskussion: Das Fazit stellt fest, dass Deutschland keine postrassistische Gesellschaft ist, und plädiert für ein aktives, kritisches Rassismusbewusstsein.
Schlüsselwörter
Rassismus, Postrassismus, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Erinnerungskultur, Entnazifizierung, Rassismuskritik, Gesellschaft, Vorurteile, Diskriminierung, NS-Vergangenheit, postnationalsozialistisch, Aufarbeitung, Identität, Menschenwürde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich Deutschland als „postrassistische“ Gesellschaft begreifen lässt, unter Berücksichtigung der historischen Belastung durch den Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit thematisiert die Definition von Rassismus, die historische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die Unterscheidung zwischen Antisemitismus und Rassismus sowie die heutige Wahrnehmung von Rassismus in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob ein „postrassistischer“ Zustand in der deutschen Gesellschaft überhaupt möglich ist und welche Barrieren durch die historische Aufarbeitung der NS-Zeit bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Ansätze der Rassismusforschung mit historischen und gesellschaftlichen Analysen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen, die Analyse der Nachkriegsgeschichte (Entnazifizierung) und die Untersuchung des heutigen gesellschaftlichen Umgangs mit Rassismus und der NS-Vergangenheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Rassismus, Postrassismus, NS-Vergangenheit, Erinnerungskultur, Antisemitismus und gesellschaftliche Aufarbeitung.
Warum wird Antisemitismus in der Arbeit gesondert betrachtet?
Die Arbeit argumentiert, dass durch die starke Fokussierung auf den Antisemitismus als Folge der NS-Zeit andere Formen von Rassismus oft in den Hintergrund treten oder banalisierter behandelt werden.
Wie lautet die Schlussfolgerung des Autors zum Thema Postrassismus?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland aktuell nicht als postrassistisch bezeichnet werden kann, da Rassismus weiterhin existiert und die Gesellschaft ein noch tieferes, kritisches Rassismusbewusstsein benötigt.
- Arbeit zitieren
- Lasse Gohlke (Autor:in), 2017, Deutschland: Eine postrassistische Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412940