Zu allen Zeiten haben Menschen versucht, gegen die Nichtigkeit des irdischen Lebens anzukämpfen und an dem festzuhalten, was ihnen von besonderer Bedeutung ist.
Im Folgenden soll das vanitas-Motiv im gesamten Alexanderroman auf seine Funktionen hin wissenschaftlich untersucht werden. Dabei werden sowohl der Vorauer Alexander als auch der Straßburger Alexander miteinander verglichen, wobei der Schwerpunkt auf dem Straßburger Alexander mit der Orientfahrt und der Begegnung mit den Gymnosophisten und Blumenmädchen liegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Hauptteil
2.1 Der Vorauer Alexander
2.1.1 Mahnung vor dem Müßiggang als menschliches Laster?
2.1.2 Der Tod des Königs Darius
2.2 Der Straßburger Alexander
2.2.1 Die Begegnung mit den Gymnosophisten – Einsicht Alexanders?
2.2.2 Der locus amoenus als Schauplatz des Vergänglichen
3 Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das mittelalterliche vanitas-Motiv im Alexanderroman des Pfaffen Lambrecht, indem sie die beiden Fassungen des Vorauer und des Straßburger Alexander vergleichend analysiert, um die unterschiedlichen Funktionen der Vergänglichkeitsthematik in Bezug auf die Herrscherfigur Alexander den Großen aufzuzeigen.
- Analyse des vanitas-Topos im Kontext der mittelalterlichen Literatur
- Gegenüberstellung des Vorauer und Straßburger Alexander hinsichtlich ihrer Zielsetzung
- Untersuchung der Orientfahrt und der Begegnung mit den Gymnosophisten
- Bedeutung der Blumenmädchen-Episode als Symbol der Vergänglichkeit
- Reflexion über das Scheitern des Weltherrschers Alexander
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Der locus amoenus als Schauplatz des Vergänglichen
Nach seinem Aufenthalt bei den Brahmanen erlebt Alexander noch viele Abenteuer und muss sich gegen wunderliche Gestalten im fernen Osten behaupten, bis er in einem Baum folgende Entdeckung macht: Ein wunder scowetih dâr ouh: (…) ein scône vogel ûf, deme was sîn houbet, (…) lûtir sô di sunne.35 Dieser Vogel ist ein Phönix (Er ist Fenix genant.36), dessen Merkmal es ist, zu verbrennen, um aus der eigenen Asche heraus wieder neu zu entstehen. Er ist Symbol für die Vergänglichkeit und Wiedergeburt als ewiger Kreislauf.
Alexander wagt sich noch weiter in die unbekannten Regionen vor und er berichtet: Dô sâhe wir verre dannen stên einen hêrlîchen walt.37 Der Wald ist ein geheimnisvoller Ort, in dem man sich leicht verirren kann und in dem Wesen leben, die versuchen, den Menschen in die Irre zu führen oder in ihm unbewusste Triebe zu wecken.
Alexander stellt sich als Wahrnehmenden dieses Ortes an erste Stelle. Er berichtet als Ich-Erzähler. Seine Ohren vernehmen (…) manige scône stimme, lîren unde harfen clanc und den sûzesten sanc, (…)38 und der Leser bemerkt auf Anhieb, dass der Schreibstil in dieser Passage ein anderer ist, als zuvor: Viele Hyperbeln in Form von superlativischen Adjektiven sind vorhanden. Dadurch wirkt die Beschreibung fast schon kitschig, unnatürlich und künstlich.
Der Grund dafür scheint die Tatsache zu sein, dass hier eine idealisierte Naturlandschaft bildlich dargestellt werden sollte und in der Literaturwissenschaft als locus amoenus (lat. lieblicher Ort) bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um einen literarischen Topos, der gekennzeichnet ist durch die im Text vorkommenden Attribute: (…) manigen edelen brunnen39, (…) grûnen clê, (…)40
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Einleitung in die Problematik des mittelalterlichen vanitas-Motivs und die Vorstellung Alexanders als literarische Figur, die mit ihrer eigenen Vergänglichkeit konfrontiert wird.
2 Hauptteil: Analyse der beiden Romanfassungen, wobei der Vorauer Alexander besonders hinsichtlich der Mahnung vor Müßiggang und des Todes von Darius betrachtet wird, während der Straßburger Alexander durch die Orientfahrt und die Begegnung mit fremden Kulturen geprägt ist.
3 Schluss: Synthese der Ergebnisse, die den Hauptunterschied in der Entwicklung des Protagonisten zum Mahnmal der Vergänglichkeit sieht und das endgültige Scheitern Alexanders im Angesicht des Todes betont.
Schlüsselwörter
Alexanderroman, Pfaffe Lambrecht, Vorauer Alexander, Straßburger Alexander, vanitas-Motiv, Vergänglichkeit, locus amoenus, Gymnosophisten, Orientfahrt, Blumenmädchen, Mittelalter, Herrscherbild, Weltherrscher, memento mori, Literaturvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Motiv der Vanitas (Vergänglichkeit) im Alexanderroman des Pfaffen Lambrecht unter Einbeziehung der Vorauer und der Straßburger Textversion.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das mittelalterliche Verständnis von Vergänglichkeit, die literarische Darstellung des Weltherrschers Alexander und die Funktion von allegorischen Schauplätzen und Begegnungen in den Romanfassungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Gegenüberstellung der beiden Versionen, um aufzuzeigen, wie das Vanitas-Motiv dazu genutzt wird, Alexanders Handeln und sein Scheitern vor dem Hintergrund der christlichen Heilsgeschichte einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der Textstellen aus dem Alexanderroman zitiert und im Kontext der Sekundärliteratur sowie literarischer Topoi interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Vorauer Alexander (Prolog, Tod des Darius) und des Straßburger Alexander (Begegnung mit den Gymnosophisten, locus amoenus im Wald, Blumenmädchen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Vanitas, Alexanderroman, Pfaffe Lambrecht, Mittelalter, Orientfahrt, Blumenmädchen und Memento Mori.
Wie unterscheiden sich Vorauer und Straßburger Alexander im Hinblick auf das Vanitas-Motiv?
Im Vorauer Alexander bleibt der Protagonist auf einem festen Bildungsstand ohne tiefere Erkenntnis, während in der Straßburger Version die Orientfahrt den Horizont des Alexander erweitert, sodass er selbst zum Mahnmal der Vergänglichkeit wird.
Welche Funktion hat die Episode mit den Blumenmädchen?
Die Blumenmädchen-Episode dient als Warnung vor sexuellen Trieben und symbolisiert durch den natürlichen Zyklus des Werdens und Vergehens die Vergänglichkeit allen irdischen Glücks.
- Quote paper
- Elisabeth Hartmann (Author), 2009, Das mittelalterliche vanitas-Motiv und seine Funktion im "Alexanderroman" des Pfaffen Lambrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412950