Missverständnissen vorbeugen. Kommunikation in der sozialpädagogischen Familienhilfe nach Schulz von Thun und Watzlawick


Hausarbeit, 2018
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation
2.1. Die 5 Axiome von Paul Watzlawick
2.2. Das Vier-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von Thun

3. Sozialpädagogischen Familienhilfe

4. Systemische Beratung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Kommunikation entsteht beim Zusammentreffen von Menschen. Gestik, Mimik und ein paar Worte – so schwierig scheint es auf den ersten Blick gar nicht zu sein. Und doch gibt es so viele Missverständnisse und Fehldeutungen in dem, was gesagt oder durch Gestik, Mimik, Tonlage oder sogar Schweigen ausgedrückt werden kann. Grade in der Beratung spielt Kommunikation eine große Rolle. Um Missverständnissen und Fehlinterpretationen vorbeugen zu können ist es wichtig, die Grundlagen der Kommunikation zu kennen und sich auf dieser Ebene sicher bewegen zu können.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich daher mit den Kommunikationstheorien von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun. Sie geht der wissenschaftlichen Fragestellung nach, in wie weit die Theorien und ihre Erkenntnisse in der sozialpädagogischen Familienhilfe wiederzufinden sind und wie sie angewendet werden können, um neue Handlungsmuster erfolgreich in ein System zu integrieren.

Zuerst wird hierfür der Begriff „Kommunikation“ erläutert. Danach werden Paul Watzlawick, Schulz von Thun und ihre Kommunikationtheorien vorgestellt. Folgend wird die sozialpädagogische Familienhilfe näher erläutert, ebenso wie die Inhalte der systemischen Beratung, da diese Grundlage für die Arbeit in der Familienhilfe sind.

2. Kommunikation

„Kommunikation umfasst alle Fähigkeiten des Menschen, sich anderen mitzuteilen und andere zu verstehen. Sie ist das Mittel, um Botschaften, Wünsche, Erwartungen und Gefühle auszudrücken“ (Hesse/Schrader, o.J.).

„Wenn Signale ausgesendet werden und das eine Wirkung zeigt, ist das Kommunikation!“ (Weber, 2018).

Die Fähigkeit zu kommunizieren ist ein Teil der sozialen Intelligenz. Unsere soziale Intelligenz befähigt uns dazu, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, sich mit ihnen zu verstehen und die eigenen Interessen erfolgreich umzusetzen. Um eine gelungene Kommunikation herzustellen, ist das Wissen um ihre Facetten und Funktionsweisen von Bedeutung. Beispielsweise wird im beruflichen Kontext anders kommuniziert, als im Freundeskreis. Diese unausgesprochenen Normen haben die meisten Menschen verinnerlicht, daher wird die Beziehungsebene überwiegend unbewusst und automatisch berücksichtigt (vgl. Hesse/Schrader, o.J.).

Grundsätzlich kann Kommunikation auch als Informationsaustausch betitelt werden. Hierfür sind mindestens zwei Personen notwendig. Es bedarf hierfür keinerlei Sprache, auch Gestik und Mimik dienen der Kommunikation. Somit wird der Begriff in verbale- und nonverbale Kommunikation unterteilt.

Die verbale Kommunikation meint jene über die Sprache, bzw. mit Worten oder Gesten. Alles was ausgesprochen oder aufgeschrieben wird, oder körperlich über eine klar definierte Bedeutung der Gesten, also z.B. Gebärdensprache gezeigt wird, ist verbal. Verbale Kommunikation ist also digital.

Die nonverbale Kommunikation ist alles, was nicht in Worten, sondern über den Körper ausgedrückt wird, beispielsweise der Blick und das Lächeln. Auch Schweigen, die Betonung des Gesprochenen, oder auf etwas nicht zu reagieren ist eine Form der Kommunikation. Diese Art der Kommunikation kann sowohl bewusst, als auch unbewusst eingesetzt werden (vgl. Müller, 2007, S.3).

Um Missverständnissen in Gesprächen vorbeugen zu können, sollte der Empfänger die Aussage des Senders in zusammengefasster Form immer nochmal wiederholen um überprüfen zu können, ob das Gesagte richtig verstanden wurde.

Des Weiteren gilt in diesem Kontext zu beachten, dass Aussagen immer mit den eigenen Meinungen über den vorliegenden Sachverhalt verknüpft und somit ggf. verändert werden. Wenn der Empfänger also beispielsweise gegen eine Entscheidung ist, der Sender aber dafür, wird der Empfänger versuchen das Gesagte so abzuleiten, dass er sich in seiner Meinung bestätigt fühlt, oder den Empfänger mit der eigenen Meinung versucht zu beeinflussen. Dieses geschieht größtenteils unbewusst (vgl. Weber, 2018).

Um Kommunikation weiter erläutern zu können, wird im nächsten Kapitel zunächst Paul Watzlawick und sein Kommunikationstheorie der 5 Axiome vorgestellt.

2.1. Die 5 Axiome von Paul Watzlawick

Paul Watzlawick war ein Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Soziologe, Philosoph und Autor. Er wurde am 25.07.1921 in Villach, Österreich geboren und starb am 31.03.2007 in Palo Alto, Kalifornien. Paul Watzlawick begann 1939 ein Studium der Philologie und Philosophie in Venedig und lies sich zum Psychotherapeuten am C.G.-Jung-Institut in Zürich ausbilden. 1957 ging er an die Universität von El Salvador und forschte dann 1960 am Mental Research Institute in Palo Alto. 1976 wurde er Professor für Psychotherapie an der Standfort University (vgl. Bender, o.J.).

„Ende der 60er-Jahre stellte der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick zusammen mit anderen Forschern die fünf Axiome auf, woran zwischenmenschliche Kommunikation – vor allem in Beziehungen – scheitert“ (Krogerus u. Tschäppeler 2017).

Als Axiom wird ein Grundsatz bezeichnet, der nicht bewiesen werden muss. Im Folgenden werden diese fünf Axiome aufgezeigt:

1. Man kann nicht nicht kommunizieren

Genauso, wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.

Beispielsweise kommuniziert eine Person, die z.B. am Bahnhof steht, Kopfhörer in den Ohren trägt und auf den Boden schaut, dass sie in dieser Situation keinen Kontakt zu anderen Menschen möchte (vgl. Bender, o.J.).

2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

Der Inhaltsaspekt informiert über den reinen Sachinhalt der Nachricht. Der Beziehungsaspekt zeigt auf, wie die Beziehung vom Empfänger aufgefasst wird. Bezogen auf die Kommunikation kann gesagt werden, dass es keine rein informative Kommunikation gibt, da jede Äußerung eine Beziehungsaussage enthält. Hierbei spielen die Gestik, Mimik und der Tonfall des Senders eine Rolle, da dadurch beim Empfänger bestimmte Reaktionen ausgelöst werden. Wird eine negative Beziehung auf der Inhaltsebene ausgetragen, kann das eine gestörte Kommunikation zur Folge haben (vgl. Bender, o.J.).

3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Jeder Teilnehmer einer Interaktion gibt der Beziehung eine Struktur. Auf jeden Reiz folgt eine Reaktion und zugleich ist jeder Reiz ebenfalls Kommunikation, da diese Kreisförmig verläuft. Es gibt also auf der Beziehungsebene, bezogen auf die Kommunikation, keinen Anfang und somit auch kein Ende.

Als Beispiel wird im Folgenden die Kommunikation zwischen einer Mutter und ihrer Tochter dargestellt. Die Mutter möchte wissen, wie der Tag ihrer Tochter war, diese ist allerdings genervt und zieht sich daher zurück. Dies wiederum animiert die Mutter, weiter nachzufragen, was wiederum die Tochter dazu bringt, sich weiter zurückziehen zu wollen. Es kommt zu einem Teufelskreis.

Wenn eine Störung in der Kommunikation vorliegt, nimmt einer der Gesprächsteilnehmer an, dass der jeweils andere die gleichen Informationen besäße, wie er selbst. Dadurch geschieht oftmals das, was der subjektiv wahrnehmende Kommunikationspartner prophezeit hat: Ursache-Wirkungszusammenhang (vgl. Bender, o.J.).

4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten

Die digitale Kommunikation verfügt über eine komplexe und logische Syntax, entbehrt aber auf dem Gebiet der Beziehungen einer Semantik. Die analoge Kommunikation verfügt über ein solches semantisches Potenzial auf dem Gebiet der Beziehungen, entbehrt aber einer Syntax, die eine eindeutige Definition der Natur von Beziehungen leisten könnte. Mit analogen Elementen wird häufig die Beziehungsebene vermittelt, mit digitalen die Inhaltsebene. (Bender, o.J.)

Analoge Kommunikation ist mehrdeutig, beispielsweise können Tränen sowohl aus Freude, als auch aus Trauer geweint werden. Daher können Fehlinterpretationen entstehen, welche Konflikte zur Folge haben können (vgl. Bender, o.J.).

5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

"Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht." (Watzlawik)

Symmetrisch bedeutet in diesem Kontext, dass die Gesprächspartner entweder die selbe Meinung, Haltung oder Ablehnung haben. Sie sind in dem Punkt also gleich. Beispielsweise können die Gesprächspartner Arbeitskollegen sein.

Komplementär wiederrum meint, dass die Interaktionsbeziehung ungleich, bzw. unterschiedlich ist. Die Gesprächspartner können sich allerdings ergänzen. Die Gleichheit wird angestrebt. Beispielsweise in einer Mutter-Kind-Beziehung. (Wilhelmi-Hempelmann 2017, S.26)

2.2. Das Vier-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von Thun

Im folgenden Kapitel geht es nun, nach der Vorstellung der ersten Kommunikationstheorie, um die von Friedemann Schulz von Thun.

Friedemann Schulz von Thun (*1944) studierte in Hamburg Psychologie, Pädagogik und Philosophie (Diplom 1971) und promovierte bei Reinhard Tausch und Inghard Langer über Verständlichkeit bei der Wissensvermittlung (1973). Die Erkenntnisse aus dieser Forschung haben sich auf seine Art, Vorlesungen zu halten und Bücher zu schreiben, stark ausgewirkt. Sein weiterer beruflicher Werdegang ist durch zwei parallele Wege gekennzeichnet. Der wissenschaftliche Weg führte über die Habilitation (1975) zu der Berufung auf eine Professur für Pädagogische Psychologie in Hamburg (1976 – 2009). Der praktische Weg bestand in der Konzeption und Durchführung von Kommunikationstrainings für Lehrer und Führungskräfte, später für Angehörige aller Berufsgruppen (1971 bis heute) (Schulz von Thun Institut für Kommunikation, o.J.).

Schulz von Thun ist für viele Menschen durch sein „Vier-Ohren-Modell“, oder auch „Vier-Seiten-Modell“ genannt, bekannt geworden. Entwickelt wurde es in den 70er Jahren in Deutschland (comexperts AG).

Dieses besagt, dass eine Nachricht immer auf vier Ebenen gesendet und empfangen wird. „Ein und dieselbe Nachricht enthält viele Botschaften; ob er will oder nicht – der Sender sendet immer gleichzeitig auf allen vier Seiten“ (Schulz von Thun, 2017, S.34).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Eine Nachricht enthält grundsätzlich eine Sachinformation, beispielsweise, dass der Kaffee kalt ist. Diese Ebene nennt man die Sachebene. Sie dient ausschließlich der Informationsweitergabe, bzw. -aufnahme.

Außerdem stecken auch Informationen des Senders in einer Nachricht, beispielsweise, dass er keinen kalten Kaffee mag, oder, dass er den Kaffee lieber mögen würde, wenn er eine höhere Temperatur hätte. Dies ist dann die Selbstoffenbarungsebene.

Ebenfalls enthält eine Nachricht eine Beziehungsebene. Auf dieser wird mitgeteilt, was der Sender vom Empfänger hält, bzw. was dieser glaubt, was der Sender von ihm hält. Beispielsweise könnte der Sender in diesem Fall denken, dass die Bedienung keinen guten Kaffee kochen kann.

Eine weitere Ebene ist der Apell. Dieser Teil der Nachricht fordert den Empfänger zu etwas auf, beispielsweise einen neuen, heißen Kaffee zu bringen (vgl. Schulz von Thun, 2017, S.28-33).

„Missverständnisse entstehen vor allem dann, wenn Sender und Empfänger die vier Seiten, die das Vier-Ohren-Modell vorschreibt, unterschiedlich stark gewichten oder die verschiedenen Seiten bei den Beteiligten unterschiedlich belegt sind“ (Wortwuchs, o.J.).

Schulz von Thun greift die These von Paul Watzlawik auf welche besagt, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Auch Schulz von Thun beschreibt in seinem Buch „Miteinander reden: 1“, dass auch ein „nicht reagieren“ eine Form der Kommunikation ist. Der Sender, der einen Mann begrüßt, aber keine Reaktion darauf bekommt denk sich, dass der Mann wohl offensichtlich nicht mit ihm sprechen möchte (vgl. Schulz von Thun, 2017, S.37 f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Missverständnissen vorbeugen. Kommunikation in der sozialpädagogischen Familienhilfe nach Schulz von Thun und Watzlawick
Hochschule
Fachhochschule der Diakonie GmbH
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V412962
ISBN (eBook)
9783668644991
ISBN (Buch)
9783668645004
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Schulz von Thun, Paul Watzlawick, Sprache, Miteinander reden, Missverständnisse, Konflikte, Mediation, Konfliktmanagement, Moderation, Vier Ohren Modell, Vier Seiten Modell, Nachricht, Vier, Seiten, Modell, Ohren, Familienberatung, Beratung, Sozialpädagogische Familienhilfe, SPFH, Kommunikationstheorie, Kommunikationstheorien
Arbeit zitieren
Marie Steinkamp (Autor), 2018, Missverständnissen vorbeugen. Kommunikation in der sozialpädagogischen Familienhilfe nach Schulz von Thun und Watzlawick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412962

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