Oft hört man beispielsweise Russlanddeutsche, die nach Zerfall der Sowjetunion zurück nach Deutschland immigriert sind, in einer „Mischsprache“ miteinander reden, und innerhalb einer Äußerung deutsch und russisch abwechselnd verwenden. Dieses interessante Phänomen nennt sich in der Linguistik Code-Switching. Dieses Code-Switching, insbesondere im Bezug auf russischsprachige Migranten, die in Deutschland leben, soll nun der Gegenstand dieser Arbeit sein. Im Folgenden soll der Begriff und die Definition des Code-Switching in der Forschung untersucht, eine Abgrenzung zur Entlehnung geschafft und geklärt werden, welche Auslöser es für dieses Phänomen gibt, und wie Konstruktionen der deutsch-russischen Mischsprache zustande kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Begrifflichkeit und Definition
3. Code-Switching vs. Entlehnung
4. Das Code-Switching bei russischsprachigen Migranten
4.1 Wie entsteht Code-Switching? – Soziolinguistischer Ansatz
4.2 Wie entsteht Code-Switching? – Psycholinguistischer Ansatz
4.3 Wie entsteht Code-Switching? – Grammatikalischer Aspekt
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Code-Switching bei russischsprachigen Migranten in Deutschland. Ziel ist es, den Begriff theoretisch zu fundieren, eine Abgrenzung zur lexikalischen Entlehnung vorzunehmen und die soziolinguistischen, psycholinguistischen sowie grammatikalischen Ursachen für den Sprachwechsel innerhalb einer Konversation zu analysieren.
- Grundlagen des Bilingualismus und Definition von Code-Switching
- Differenzierung zwischen Code-Switching und Entlehnung
- Funktionales Code-Switching im soziolinguistischen Kontext
- Psycholinguistische Motive und Auslöser
- Grammatikalische Analyse der Sprachmischung (Matrix Language Frame Model)
Auszug aus dem Buch
4. Das Code-Switching bei russischsprachigen Migranten
In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die „Mischsprache“, welche durch das Code-Switching entsteht, als Zeichen für mangelnde Bildung und mangelnde Sprachkompetenz angesehen. So ist BLOOMFIELD (1927) der Meinung, dass „speakers who mix languages know neither language adequately.“ (MILROY/ MUYSKEN, 1995:3)
Erst mit GUMPERZ und mit POPLACK in den 1980er Jahren hat sich diese Meinung geändert. Beide sahen das Benutzen des Code-Switching als zusätzliche Ressource für den bilingualen Sprecher an und als Möglichkeit sein sprachliches Repertoire optimal auszunutzen. (BANAZ, 2002) So hört man oft russischsprachige Migranten, die in Deutschland leben, augenscheinlich sowohl deutsch als auch russisch gleichzeitig in ihrer Konversation benutzen.
Vor allem in Städten wie Berlin, wo die Gemeinde Russischsprachiger sehr groß ist, hat sich das Code-Switching in der Rede der Migranten etabliert. Diese „Mischsprache“ ist für andere bilinguale Sprecher durchaus verständlich, während die jeweilige Konversationssprache für monolinguale Teilnehmer derart verformt wird, dass diese nicht mehr verstehen, und dem Gesprächsverlauf nicht mehr folgen können. (BLANKENHORN, 2000) Dabei kommen oft sehr kreative und für den monolingualen Zuhörer als recht „waghalsig“ empfundene Konstruktionen heraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Migration und Sprachkontakt in Deutschland und führt in das Phänomen der deutsch-russischen Mischsprache bei Migranten ein.
2. Zur Begrifflichkeit und Definition: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftlichen Definitionen von Bilingualismus und Code-Switching im Wandel der Zeit, von der früheren Pathologiehypothese hin zur heutigen Anerkennung als Sprachressource.
3. Code-Switching vs. Entlehnung: Hier wird der theoretische Unterschied zwischen spontanem, situativem Code-Switching und etablierten, in die Zielsprache integrierten Entlehnungen sowie ad-hoc Entlehnungen diskutiert.
4. Das Code-Switching bei russischsprachigen Migranten: Das Hauptkapitel untersucht die Ursachen des Sprachwechsels aus soziolinguistischer, psycholinguistischer und grammatikalischer Sicht anhand von Praxisbeispielen.
4.1 Wie entsteht Code-Switching? – Soziolinguistischer Ansatz: Dieses Kapitel analysiert funktionale Aspekte des Code-Switching, wie die Anpassung an Gesprächspartner, Themenwechsel oder emotionale Ausdrucksbedürfnisse.
4.2 Wie entsteht Code-Switching? – Psycholinguistischer Ansatz: Hier steht die individuelle psychologische Ebene im Fokus, insbesondere unbeabsichtigte Wechsel und das Konzept der „Trigger Words“.
4.3 Wie entsteht Code-Switching? – Grammatikalischer Aspekt: Dieses Kapitel erläutert die syntaktischen Regeln des Code-Switching, unter anderem mithilfe des Matrix Language Frame Models von Myers-Scotton.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Komplexität des Forschungsfeldes zusammen und betont die kreative Nutzung der beiden Sprachen durch Migranten zur Identitätswahrung.
Schlüsselwörter
Code-Switching, Sprachkontakt, Bilingualismus, russischsprachige Migranten, Mischsprache, Soziolinguistik, Psycholinguistik, Matrix Language Frame Model, Entlehnung, Identität, Sprachwechsel, Sprachkompetenz, funktionale Linguistik, Ad-hoc Entlehnung, Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Phänomen des Code-Switching, also des Sprachwechsels zwischen Deutsch und Russisch bei in Deutschland lebenden Migranten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sprachkontaktforschung, die Definition von Bilingualismus, die Abgrenzung von Entlehnungen und die verschiedenen Motive für den Sprachwechsel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, nach welchen soziolinguistischen, psycholinguistischen und grammatikalischen Regeln das Code-Switching abläuft und warum Migranten dieses Phänomen nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die durch zahlreiche praktische Beispiele aus der persönlichen Umgebung der Autorin illustriert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionen des Code-Switching, die psychologischen Hintergründe der Sprachmischung und die grammatikalischen Strukturen hinter dem Phänomen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Code-Switching, Sprachkontakt, Bilingualismus, Mischsprache und das Matrix Language Frame Model.
Warum betreiben Migranten Code-Switching?
Es dient oft als kreatives Mittel, um die doppelte Identität zwischen der russischen Herkunft und der deutschen Umgebung auszudrücken sowie um pragmatische Kommunikationslücken zu füllen.
Welche Rolle spielt das Matrix Language Frame Model in der Arbeit?
Es dient dazu, zu erklären, wie die Grammatik einer Matrixsprache den Rahmen für eingebettete Elemente einer anderen Sprache vorgibt.
Gilt Code-Switching heute noch als Zeichen von mangelnder Sprachkompetenz?
Nein, moderne Linguisten betrachten es als zusätzliche, wertvolle Ressource bilingualer Sprecher und als Zeichen für eine hohe kreative Sprachleistung.
- Arbeit zitieren
- Natalia Gubergritz (Autor:in), 2009, Code-Switching bei russischsprachigen Migranten in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412992