Interkulturelles Training - Ziele, Inhalte, Trends


Hausarbeit, 2004

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Definition „Kultur“
1.2. Was ist „Interkulturelles Training“
1.3. Geschichtlicher Rückblick

2. Ziele interkulturellen Trainings
2.1. Zielgruppen für kulturspezifisches Training
2.2. Zielgruppen für kulturübergreifendes Training
2.3. Zusammenfassung

3. Inhalte interkulturellen Trainings
3.1. Aufbau
3.2. Methoden interkulturellen Trainings
3.3. Beispiel

4. Angebotsbeispiel

5. Trends

6. Fazit

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten haben viele Entwicklungen stark dazu beigetragen, dass sich die verschiedenen Kulturen unseres Planeten zunehmend vermischen bzw. „aufeinander treffen“. Man denke nur an Schlagworte wie „Globalisierung“, „Multikulturalisierung“ oder auch „Völkerbund“. Auch der mittlerweile weltweite Tourismus, die Entstehung von immer größeren multinationalen Großkonzernen, die immer günstiger werdenden Transportkosten im Personenverkehr und andere Entwicklungen sind in diesem Zuge zu nennen. Immer öfter treffen Menschen verschiedener Kulturen, sei es geschäftlich, aus offiziellen Anlässen oder aus privaten Gründen aufeinander. Dabei kommt es häufig mangels Informationen, Vorbereitung oder auch nur auf Grund von einfachem „Nicht-Wissen“ zu Situationen, die, durch den unterschiedlichen kulturellen Background hervorgerufen, Konflikte, Enttäuschungen, negative Erfahrungen, etc. verursachen. Vor allem bei geschäftlichen Anlässen kann dies unangenehme (oft finanzielle) Folgen haben.

Im Harvard Business Manager war Anfang dieses Jahres zu lesen: "Weil Ford den Posten des China-Chefs falsch besetzte, verlor der Konzern gegenüber der Konkurrenz 5 Jahre"[1]

Deshalb gibt es heute verschiedene Anbieter für so genannte „interkulturelle Trainings“, die ihre Kunden auf entsprechende Situationen vorbereiten. Wie und was in diesen Trainings ablaufen kann bzw. soll, ist Inhalt dieser Arbeit. Um einen möglichst praxisnahen Bezug herzustellen greife ich im Besonderen auf die Informationen und Inhalte des IFIM (Institut für interkulturelles Management) und des IKUD (Institut für Interkulturelle Didaktik e.V.) zurück.

Zu Beginn möchte ich zunächst den Begriff „Kultur“ definieren, für den es zahlreiche Definitionen gibt. Ich greife hier diejenigen heraus, die mir am anschaulichsten und für mein Thema am sinnvollsten erscheinen.

1.1. Definition „Kultur“

Nach der Microsoft Encarta Enzyklopädie „meint Kultur im heutigen, umfassenden Begriffsverständnis die Gesamtheit der einer Kulturgemeinschaft eigenen Lebens- und Organisationsformen sowie den Inhalt und die Ausdrucksformen der vorherrschenden Wert- und Geisteshaltung, auf die diese sozialen Ordnungsmuster gründen“[2].

Die große Bertelsmann Lexikothek definiert „Kultur“ allgemein als „die Veränderung der Natur durch den Gebrauch von Werkzeugen und, darauf beruhend, die Gesamtheit der Lebensformen einer menschlichen Gruppe (Volk, Klasse, Stand)“.[3]

Mir scheint die folgende Definition am treffendsten, da diese die beiden vorangegangen Erklärungsversuche vereint:

„Kultur (lat. cultum , das Bebaute, Gepflegte) ist die Gesamtheit des vom Menschen Geschaffenen. Dies schließt einerseits physische Dinge, wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur ist insofern eng mit dem Begriff der Zivilisation verwandt. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (z.B. die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur)“.[4]

Zusammenfassend beschreibt Kultur die materiellen, sozialen und geistigen Aspekte einer Gruppe von Menschen, die durch Veränderungen, sowohl von außen durch andere Kulturen, als auch von innen durch Subkulturen, geprägt sind und an zukünftige Mitglieder der Gruppe durch Enkulturation weitergegeben werden um diese in die jeweilige soziale Gemeinschaft zu integrieren und das Leben mit den entsprechenden Umweltbedingungen zu erleichtern. Im Sinne des interkulturellen Trainings ist Kultur nicht auf die Menschheit als Ganzes zu beziehen sondern vielmehr auf die verschieden heute existierenden Ethnien. Dabei ist zu beachten, dass eine Kultur nicht an nationalen Grenzen aufhört, sondern durchaus eine Kultur in mehrern Ländern die gleiche sein kann. Außerdem sind vor allem die sozialen und geistigen Aspekte relevant und weniger die materiellen.

1.2. Was ist „Interkulturelles Training“

Interkulturelles Training sind speziell entwickelte (Trainings-) Methoden, die es den Teilnehmern ermöglichen sollen, den Umgang mit einer „fremden“ Kultur zu erleichtern bzw. sich ein angemessenes Verhalten anzueignen, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu fördern, bzw. ein angenehmes Leben in der jeweiligen Kultur zu ermöglichen. Es werden interkulturelle Kompetenzen vermittelt, die in Sachkompetenzen (z.B. Alltagskompetenzen, länder- bzw. kulturspezifische Kenntnisse), Sozialkompetenzen (z.B. Empathie, kommunikative Kompetenz) und Selbstkompetenzen (z.B. Selbstreflexion und Selbstregulierung in interkulturellen Kontexten) gegliedert werden können.[5]

Interkulturelles Training richtet sich an Personen, die für längere Zeit in einer anderen Kultur leben möchten und an deren Familienmitglieder, aber auch Menschen, die im Inland bleiben, aber mit Personen aus anderen Kulturen zusammenarbeiten. Durch verschiedene Methoden wie zum Beispiel Fallmethode, Simulation, Erkundung oder Lernprojekt werden die Unterschiede der Kulturen bewusst gemacht und dadurch die interkulturellen Kompetenzen vermittelt.

1.3. Geschichtlicher Rückblick

Interkulturelles Training findet seinen Ursprung in den sechziger und siebziger Jahren in Amerika. Man hat damals aus drei Richtungen heraus Trainingsbedarf gesehen. Aus sozialpädagogischer Sicht, um besser mit Klienten ethnisch anderer Gruppen zu arbeiten und aus militärischer Sicht, um den wachsenden Problemen des Vietnamkrieges im Umgang mit militärischen und politischen Partnern besser entgegenzutreten. Außerdem entstanden die ersten multinationalen Konzerne, die verstärkt Interesse zeigten, ihre Mitarbeiter interkulturell zu schulen. Es entstanden die ersten Ansätze interkulturellen Trainings und es wurde wichtige methodische Arbeit geleistet, die auch heute noch Basis für interkulturelle Trainingsangebote ist.

Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre beginnen sich auch deutsche Trainer für die Entwicklungen in Amerika zu interessieren und es werden die ersten deutschen Trainings entwickelt.

Mit der Internationalisierung der Märkte, verstärkter Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern, vor allem im asiatischen Raum wächst das Interesse der Wirtschaft an interkulturellem Training und es beginnt sich Ende der achtziger Jahre ein großer Markt zu entwickeln. Verschiedene Methoden werden aus den Staaten übernommen und weiterentwickelt. Die Nachfrage steigt stetig und die Angebote werden immer differenzierter. Internationale Teams und die immer engere Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern bedingen, dass immer mehr Unternehmen auch ihre Inlandsmitarbeiter auf interkulturelle Trainings schicken. Das Thema interkulturelle Zusammenarbeit wird, in jeder Hinsicht, die nächsten Jahre weiter an Bedeutung gewinnen und neue Herausforderungen an die Weiterentwicklung interkulturellen Trainings stellen.[6]

2. Ziele interkulturellen Trainings

Die Erwartungen an interkulturelle Trainings können sehr unterschiedlich sein. Generell möchten die Teilnehmer Kenntnisse über fremde Kulturen erhalten und durch ein Bewusstmachen der verschiedenen Wahrnehmungs-, Denk-, und Urteilsweisen ihre Fähigkeiten zum Umgang mit Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung fördern. Jedoch hat jede Zielgruppe eigene Beweggründe warum sie interkulturelle Kompetenzen trainieren möchte. Welches sind also die wichtigsten Zielgruppen und auf welche Ziele soll hingearbeitet werden? Ich habe mich im Folgenden für die Unterscheidung in zwei Gruppen entschieden, die mir als sinnvoll erscheint: einmal in Personen, die sich für eine Kultur speziell interessieren und Personen, die ein allgemeines interkulturelles Training brauchen, da sie Kontakte mit verschiedenen Kulturen haben.

2.1. Zielgruppen für kulturspezifisches Training

Bei den Teilnehmern steht bereits fest, in welchem Kulturkreis sie leben werden und dass es sich um einen längeren Aufenthalt (mindestens einige Monate) handeln wird. Nur die Gründe, warum sie ins Ausland gehen, sind unterschiedlich. Dies bedingt unterschiedliche Motivationsfaktoren hinsichtlich des Auslandsaufenthaltes und somit sind auch die Zielerwartungen an interkulturelles Training unterschiedlich. Ich habe in drei Motivationsgründe unterschieden:

Personen, die im Rahmen ihrer aktuellen beruflichen Tätigkeit für längere Zeit ins Ausland müssen, haben ein großes Interesse auf ihre Jahre in einer „fremden Welt“ bestmöglich vorbereitet zu sein. Es geht oft um eine drastische Veränderung aller Lebensumstände. Soziales und berufliches Umfeld werden vollständig aufgegeben und man muss in vielen Dingen „von vorn“ anfangen. Somit ist auch ein Training notwendig, dass alle Lebensbereiche einschließt, sowohl privat wie auch beruflich. Da nachgewiesener Weise ein Mitarbeiter deutlich effektiver arbeitet, wenn sein privat soziales Umfeld zufrieden stellend funktioniert, hat auch der Arbeitgeber ein großes Interesse, dass sein Mitarbeiter eine gute Vorbereitung auf seine neuen Aufgaben erhält und sollte sich an dieser beteiligen. Da in solch einem Fall die Region, auf die der Kunde vorbreitet werden soll bekannt ist, macht ein länderspezifisches Training, das sowohl informatorisch wie auch erfahrungsbildend ausgerichtet ist, Sinn. Der Kunde möchte möglichst viele praktisch orientierte Informationen über die jeweilige Kultur und das Land erfahren, in das er ausreisen wird. Dies beginnt bei einfacher Länderkunde, der Erklärung der verschiedenen formellen Systeme des Landes, wie Schulsystem, Gesundheitssystem usw. bis hin zu Ess- oder Einkaufsgewohnheiten. Diese praktischen Informationen sind die Basis, um sich zu Beginn ohne größere Probleme einzurichten. Dieser erste Teil ist nicht besonders schwer und leicht zu bewältigen. Er ist aber auch Voraussetzung für den zweiten Teil des Trainings, sich die kulturellen Verschiedenheiten bewusst zu machen und zu Lernen welche Kulturstandards sich entwickelt haben. Hier geht es darum, den Teilnehmern verständlich zu machen, wie das Wahrnehmen, Denken, Urteilen und Handeln der Mitglieder der betreffenden Kultur funktioniert. Oft fällt es schwer, die vom Trainer dargestellten Reaktionen nachzuvollziehen. Dann ist es Ziel, diese den Teilnehmern zumindest bewusst zu machen und die Akzeptanz für solche Reaktionen zu fördern. Auch eine intensive Vorbereitung auf die zu erwartenden Bedingungen in der Arbeitswelt ist wichtig. Immerhin ist der Job der Grund für alles. Die Unterschiede zwischen den Arbeitsweisen und Auffassungen müssen klar gemacht werden. Welche Regeln sind dabei zu beachten? Wie funktioniert Mitarbeiterführung in dem betreffenden Land? Wie gestalten sich Meetings? Was wird als selbstverständlich gesehen? Diese und viele weitere Fragen, die das Arbeitsleben betreffen, müssen behandelt werden, um die Teilnehmer bestmöglich auf ihre beruflichen Aufgaben in ihrer neuen Heimat vorzubereiten. Die Ausreisenden sollen vor unangenehmen Überraschungen sowohl im privaten wie auch im beruflichen Leben bewahrt werden und durch die erworbenen Kompetenzen sich so schnell und gut wie möglich in die ausgewählte Kultur einleben können. Dadurch werden sie vor Enttäuschungen bewahrt und haben eine größere Chance sich schnell in die „fremde“ Kultur zu integrieren. Die Teilnehmer sind auf unerwartete Situationen und Reaktionen vorbereitet und können besser adäquat handeln. Bei Teilnehmern, die auf Grund ihres Beschäftigungsverhältnisses gezwungenermaßen ins Ausland müssen, ist oft wenig Motivation vorhanden. Hierbei sollten auch Maßnahmen ergriffen werden, die Ängste und Vorurteile nehmen und auf die positiven Seiten dieses „Abenteuers“ aufzeigen. Es ist bei dieser Zielgruppe wichtig, ein möglichst umfassendes Training durchzuführen, dass die nötigen bi-kulturellen Kompetenzen vermittelt, um eine möglichst schnelle berufliche wie auch private Integration in der anderen Kultur zu erleichtern.

[...]


[1] Harvard Business Manager, Jan., 2004, S. 51

[2] Microsoft® Encarta® Professional 2002. © 1993-2001 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[3] Bertelsmann Lexikothek, Gütersloh 1994

[4] http://www.matheboard.de/lexikon/Kultur,definition.htm

[5] Siehe http://wwwuser.gwdg.de/~kflechs/iikdtraining.htm#grundkonzept

[6] Siehe http://www.ifim.de/reports/entwicklung.pdf

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Interkulturelles Training - Ziele, Inhalte, Trends
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Veranstaltung
Interkulturelles Management
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V41303
ISBN (eBook)
9783638395908
Dateigröße
820 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelles, Training, Ziele, Inhalte, Trends, Management
Arbeit zitieren
Martin Kendlbacher (Autor), 2004, Interkulturelles Training - Ziele, Inhalte, Trends, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41303

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