Design On-Air. Bedeutung und Entwicklung am Beispiel von ProSieben


Studienarbeit, 2016
8 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition „On-Air-Design“

3. Der Wert von Teasern und Konnektoren im On-Air-Design 4-
3.1 Dynamische Prozesse
3.2 Heterogenität & Wirtschaftlichkeit
3.2.1 Programmablauf am Beispiel von ProSieben
3.3 Social Media-Integration

4. Zielgruppenorientiertes Design & Re-Design 5-
4.1 Zeitbasierte Trends
4.2 Chronologie des On-Air-Designs von ProSieben
4.3 Vergleich des OAD zwischen 2009 und
4.4 Trendspezifikation

5. Fazit

Quellen

1. Einleitung

In dieser Arbeit werde ich mich vornehmlich mit den On-Air-Designs von deutschen, privaten TV-Sendern auseinandersetzen, indem ich deren Ziele und die jeweils eingesetzten Gestaltungen, bestehend aus unzähligen Trailern, Logos, Übergängen oder Remindern genauer anhand eines Beispiels analysiere. Da ich tagtäglich Fernsehen schaue und dabei vor allem die privaten Sender bevorzuge, sind mir immer wieder die unterschiedlichen Designs von Sendern wie Sat1, ProSieben oder Kabel1 ins Auge gesprungen. Obwohl sie derselben Mediengruppe angehören führen sie doch unterschiedliche Gestaltungen im On-Air-Design und bedienen sich von Zeit zu Zeit immer wieder einem Fresh-Up, welches das grundlegende Erscheinungsbild des jeweiligen Kanals festlegt und es aktualisiert. Inwiefern werden hier aktuelle Designtrends verfolgt? Und wie wirkt ein neues On-Air-Design zielgruppenspezifisch auf den Zuschauer? Welchen Sinn hat es immer wieder Programmankündigungen zu machen, geplante Übergänge zu schaffen und diese mit einer euphorischen Voice-Over-Stimme zu belegen? Während meiner Ausbildung zum Mediengestalter ist mir aufgefallen wie sich bestimmte Trailer, Beiträge oder Einspieler von TV-Sendungen und Serien wie „THE100“ oder „Circus Halligalli“ immer wieder an aktuellen Softwarelösungen bedienen, die einem bekannt sind, wenn man sich in der Szene Motion Design und Motion Graphics bewegt. Hier lassen sich für mich Trends, aber auch eine Vereinheitlichung von gestalterischen Techniken in Bezug auf Programme, Plug-Ins und Pre-Sets erkennen, die ich in dieser Arbeit darlegen möchte. Meiner Meinung nach kommt hier auch die Frage auf, inwieweit das On-Air-Design, sowie das Design von programminternen Sendungen nur noch ein schnelles Industrieprodukt von ausgewählten Agenturen ist, die zu erarbeitende Inhalte aus bereits vorgefertigten Pre-Sets generieren, um das Verhältnis von Geld und Zeit möglichst positiv für sich zu gestalten. Um hier einen konkreten Ansatz erkennbar machen zu können, wird es zunächst nötig sein, die geschichtliche Definition des On-Air-Designs anhand eines Beispiels aufzuzeigen, um bestimmte Trends sichtbar zu machen. Auch über die Absichten der Sender bzw. Mediengruppen an sich müssen essentielle Informationen vermittelt werden. Über diese grundlegenden Definitionen wird es dann möglich sein in die Tiefe einer jeweiligen Gestaltung eingehen zu können und vielleicht auch die technischen Aspekte in Bezug auf Softwarelösungen wie After Effects, Element 3D oder Trapcode anzuschneiden. Gleichzeitig soll diese Arbeit aber auch eine eigene Reflektion meines Wunschberufs als Motion Designer sein.

2. Definition „On-Air-Design“

On-Air-Design bzw. Fernsehgestaltung war früher ein großer und ist heutzutage ein kleiner Teilbereich des Motion Designs. Dieser befasst sich mit dem Versuch der einzigartigen Charakterauszeichnung eines Fernsehsenders. Man versteht es als den Rahmen der Corporate Identity in der Fernsehproduktion.1 „Dazu gehören neben der zeitlichen und räumlichen Dimension der grafischen Elemente auch Richtlinien für den Einsatz der filmischen Gestaltungsmittel. […] Im On-Air-Design […] werden kurze Clips produziert, die exemplarisch den Umgang mit dem Material zeigen und Zeiten und Rhythmen vorgeben.“2 Aus dieser Intention heraus lässt sich feststellen, dass das Erscheinungsbild eine Notwendigkeit bedeutet und dem jeweiligen Sender ein Image in Bezug auf die wirtschaftliche Position und die geplante Kommunikation mit dem Zuschauer verpasst. Demnach kristallisieren sich bewusste Low-Budget-Produktionen oder aufwendige bzw. teure Programminhalte anhand des On-Air-Designs heraus. „Dabei muss der Absender […] immer eindeutig erkennbar sein. Auf diesen Gedanken ruht die Kernidee […]. Ein entsprechendes Design muss dabei zeitgemäß und für alle Medien kompatibel sein.“3 Das On-Air-Design ist gleichzeitig ein Abbild technologischer Entwicklungen unserer Zeit. Dienten z.B. Einspieler, Senderlogos oder Programmankündigungen in ihren Anfängen lediglich der Funktionalität, nämlich der Informationsvermittlung, so sind sie heute ein Ausdruck von Ästhetik und Zeitgeist und stellen die Gestaltung an sich, als wichtige Säule der Vermarktung dar.4 Zudem wird eine Brücke zwischen den audiovisuellen und interaktiven Medien gebildet. Grundlegende Erscheinungsbilder werden heutzutage direkt „dynamisch bzw. zeitbasiert angelegt“5. Damit wird es für ein Unternehmen einfacher sich auf mehreren Plattformen wie z.B. im Web auszuzeichnen und den Wiedererkennungswert hochzuhalten.

3. Der Wert von Teasern und Konnektoren im On-Air-Design

3.1 Dynamische Prozesse

Ankündigungen bzw. Überleitungen von der einen Sendung zur Nächsten sind keine Erfindung der modernen TV-Medien sondern das Ergebnis einer „Traditionslinie“ in der Unterhaltung. Von der einfachen Promotion der Theaterstücke bei Kulturveranstaltungen, über die Anmoderationen im Radio fanden sie ihren Weg ins Fernsehen und erfuhren dort die Integration zwischen die verschiedenen Formate eines Senders. Damit definieren diese Zwischenstücke inzwischen das On-Air-Design eines Fernsehsenders und ein Stück weit die festgelegte Corporate Identity.

Das Bedürfnis des potentiellen Zuschauers ist es, stetig Up-to-Date gehalten zu werden. Hier lässt sich wohl das Stichwort „Dynamisierung“ erfolgreich integrieren und als Begriff festlegen, nach dem das Publikum verlangt. Das Fernsehen an sich ist kein starres Medium, sondern unterliegt stetig den Veränderungen von Themen, Sendungen und Filmen. Was heute in einer Fernsehzeitschrift steht, ist in der nächsten Woche schon wieder veraltet und somit eine nutzlose Information. Sich selbstständig auf dem aktuellen Stand zu halten, ist für den Zuschauer ein anstrengender Aufwand und vor allem nicht endlich.6 „Die unterhaltenden, sich zeitlich organisierenden Medien verlangen offenbar nicht nur aus Tradition, sondern auch aus strukturellen Gründen nach einer Verbindung der aneinandergefügten Teile. Dem Zuschauer, der der ihm unbekannten zeitlichen Angebots-Vorsortierung durch die Programmveranstalter ausgeliefert ist, muss vorab eine Struktur von dem geboten werden, was er zu erwarten hat, um ihm die Zeit zum Zuschauen, seine Lebenszeit, abzutrotzen. […] Das Fortsetzungsversprechen und das damit verbundene fortgesetzte Versprechen etwas Kommenden und vielleicht Besseren scheint die technischen Medien insgesamt zu prägen.“7 Es scheint also, als würden all diese Elemente die Einheit des Senders bilden, dem Zuschauer somit eine thematische Sinnhaftigkeit vermitteln und ihn immer wieder mit Informationen füttern die sein Interessengebiet bedienen, damit er eben zuschaut und dran bleibt. So wird versucht die Eigenwerbung möglichst erfolgreich zu gestalten.

3.2 Heterogenität & Wirtschaftlichkeit

Ein weiterer wesentlicher Punkt, der ein durchdachtes On-Air-Design fordert, ist Heterogenität. „Um ein Vollprogramm allein zeitlich füllen zu können, reichen die Eigenproduktionen in der Regel nicht aus, die Sender müssen vielmehr einzelne Filme, Serien usw. einkaufen. Visuelle Konstanz […] ist damit nicht immer zu gewährleisten. Die visuelle Präsentation, das Bemühen um ein einheitliches Outfit, findet daher zwangsläufig an den Übergängen zwischen den Sendungen […] statt. Eine gelungene Programmpräsentation verheißt eine größere Zahl Zuschauer. Mehr Zuschauer bedeuten mehr Werbekunden, mehr Werbekunden bewirken höhere Werbeeinnahmen.“8 Greift man dieses vergleichsweise sehr alte Zitat auf und bezieht es auf den aktuellen Programmablauf eines privaten Senders wie z.B. ProSieben, wird deutlich wie wichtig die angesprochene Visuelle Konstanz war, ist und bleibt. Die folgende Auflistung eines Programmtags in seiner Chronologie soll als Referenz dienen.

3.2.1 Programmablauf am Beispiel von ProSieben

TV-Programm am 22.02.2016 von 14:45 Uhr - 00:05 Uhr: 14:45 Uhr - 2 Broke Girls

15:40 Uhr - The Big Bang Theory

17:00 Uhr - Taff (Eigenproduktion)

18:00 Uhr - Newstime (Eigenproduktion) 18:10 Uhr - The Simpsons

19:05 Uhr - Galileo (Eigenproduktion) 20:15 Uhr - The Big Bang Theory 21:10 Uhr - Akte X

22:10 Uhr - Circus Halligalli (Eigenproduktion) 23:10 Uhr - Palina in the Box (Eigenproduktion) 00:05 Uhr - The Big Bang Theory9

Allein an diesem willkürlich ausgewählten Programmtag lässt sich deutlich erkennen, dass ein Großteil der

Sendungen auf externen Produktionen basieren und ProSieben hier lediglich einkauft und den Tag füllt. Damit der Zuschauer jedoch Sendungen und Sender als Einheit ansieht, schafft das On-Air-Design die nötige Verbindung und Assoziation. Letztendlich ist es gar die Identität.

3.3 Social Media-Integration

Fernsehsender wie ProSieben beziehen sich schon längst nicht mehr nur auf die Ausstrahlung ihrer Sendungen, sondern integrieren den Zuschauer auch über die Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram. Im Fernsehen gezeigte Designs werden an die Posts aus den sozialen Netzwerken gekoppelt und dienen als Oberfläche für Diskussionen zwischen den Usern, als Feedbackplattform für das Unternehmen oder als Marketinginstrument. Das Fernsehen steht nicht mehr für sich alleine dar, sondern dynamisiert sich als „MetaMedium“ in der digitalen Umgebung.10 Die eigentliche Ausstrahlung einer Sendung verselbstständigt sich damit, indem allein um einen Beitrag z.B. der entsprechenden Facebook-Seite, Diskussionen und Empfehlungen entstehen. Unbewusst wird dabei gleichzeitig die Marke mit ihrer Identität und ihrem Design transportiert.

4. Zielgruppenorientiertes Design & Re-Design

4.1 Zeitbasierte Trends

An der Vielzahl der deutschen TV-Sender, egal ob öffentlich oder privat lässt sich ablesen, dass der gesamte Markt einzelne Ziel- und Altersgruppen bedient und damit die „Fernsehlandschaft“ füllt. „In der Entwicklung des Corporate Design […] betreiben die privaten Anbieter gegenwärtig einen größeren Aufwand als ihre öffentlich-rechtlichen Gegenspieler.“11 Jedoch wird stark darauf geachtet eine geschaffene Gestaltung nicht auffällig oft in ein Re-Design zu zwängen. Hierbei leidet die Authentizität des Senders stark und das Publikum beginnt die Qualität anzuzweifeln.12 Von Zeit zu Zeit werden On-Air-Designs aber trotzdem „aktualisiert“ und mit einem zeitnahen Designtrend verbunden, wie sich am folgenden Beispiel von ProSieben erkennen lässt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[B1] Logo-Ident 1988 - 1994

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[B2] Logo-Ident 1995

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[B3] Ankündigung 1995

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[B4] Logo-Ident 1997

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[B5] Station-Ident 1997

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[B6] Logo-Ident-Spot 1998

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[B8] Werbe-Ident 2001

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[B7] Logo-Ident 1999

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[B9] Titel-Ankündigung 2001

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[B10] Logo-Ident 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[B11] Störung 2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[B12] Abspann 2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[B13] Thementag 2007

[...]


1 Vgl. dazu Mahler, Christian (2014): Interview mit der Berliner Technischen Kunsthochschule. In: http://www.btk-fh.de/de/news/interview-christian-mahler. Berlin, 02.06.2014.

2 Mahler, Christian (2015): Interview mit Page Magazin 7 (2015). In: http://www.btk-fh.de/de/news/motionbranding-christian-mahler/?news-query=christian+mahler&news-location=. Berlin, 26.06.2015.

3 Erstes Deutsches Fernsehen: ARD Designserver. In: http://www.ard-design.de.

4 Vgl. dazu Schirmer, Sven: Optische Sirenen - der Lockruf des Fernsehens Zur Bedeutung des Design im deutschen Fernsehen. In: Trailer Teaser, Appetizer. Hg. von Knut Hickethier, Joan Bleicher. Hamburg (LIT) 1997, S. 73.

5 Mahler, Christian (2015): Siehe fn. 2.

6 vgl. dazu Hickethier, Knut: „Bleiben Sie dran!“ Programmverbindungen und Programm - Zum Entstehen einer Ästhetik des Übergangs im Fernsehen. In: Trailer Teaser, Appetizer. Hg. von Knut Hickethier, Joan Bleicher. Hamburg (LIT) 1997, S. 15, 17.

7 Hickethier, Knut: „Bleiben Sie dran!“ Programmverbindungen und Programm - Zum Entstehen einer Ästhetik des Übergangs im Fernsehen. In: Trailer Teaser, Appetizer. Hg. von Knut Hickethier, Joan Bleicher. Hamburg (LIT) 1997, S. 16-17.

8 Adolph, Jörg; Scherer, Christina: Begriffe und Funktionen: Programmpräsentation und Fernseh-Design an den Nahtstellen des Programms im deutschen Fernsehen. In: Trailer Teaser, Appetizer. Hg. von Knut Hickethier, Joan Bleicher. Hamburg (LIT) 1997, S. 60.

9 ProSiebenSat.1 Digital GmbH: TV Programm. (2016) in: http://www.prosieben.de/tv-programm.

10 Lütticken, Sven: History In Motion - Time in the Age oft he Moving Image. Berlin (Sternberg Press) 2013.

11 Schirmer, Sven: Optische Sirenen - der Lockruf des Fernsehens Zur Bedeutung des Design im deutschen Fernsehen. In: Trailer Teaser, Appetizer. Hg. von Knut Hickethier, Joan Bleicher. Hamburg (LIT) 1997, S. 78.

12 Vgl. Schirmer, Sven: Optische Sirenen - der Lockruf des Fernsehens Zur Bedeutung des Design im deutschen Fernsehen. In: Trailer Teaser, Appetizer. Hg. von Knut Hickethier, Joan Bleicher. Hamburg (LIT) 1997, S. 79.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Design On-Air. Bedeutung und Entwicklung am Beispiel von ProSieben
Hochschule
Berliner Technische Kunsthochschule Hochschule für Gestaltung
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V413163
ISBN (eBook)
9783668643574
ISBN (Buch)
9783668643581
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fernsehen, ästhetik, sendungen, marken, fernsehsender, station id, prosieben, programmverbindungen, motion design, motion graphics, filmdesign, entwicklung
Arbeit zitieren
Laif Kardelke (Autor), 2016, Design On-Air. Bedeutung und Entwicklung am Beispiel von ProSieben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413163

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