Ziel dieser Arbeit ist es, folgende Fragestellung zu beantworten: Wie verändert sich die Zuschauerwahrnehmung im Theater mit „neuen Medien“?
Mit der fortschreitenden Digitalisierung unserer modernen Welt scheint die ursprüngliche Form des Theaters auszusterben. Medien sind heutzutage ein fester Bestandteil in der Theaterkunst. Auch das Markgrafentheater in Erlangen nutzt technische Medien, wobei ein paradoxes Gemisch zwischen Neu und Alt entsteht. Eines der ältesten Medien überhaupt bedient sich an den technologischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts. Damit verändert sich gleichzeitig auch die Zuschauerwahrnehmung im Theater.
In dieser Arbeit wird zunächst einführend geklärt, welche Eigenschaften das Theater ausmachen. Im darauffolgenden Kapitel wird im Allgemeinen über Intermedialität im Theater und ihrer Resonanz in der Bevölkerung geschrieben. Anschließend wird spezifisch über die Modernisierung des Markgrafentheaters in Erlangen berichtet.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Intermedialität im Theater. Dabei wird aufgrund beschränkter Länge nur auf das Medium „Film“ sowie bei der Geschichte des Markgrafentheaters in Erlangen nur auf ihre baulichen Veränderungen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was macht Theater aus?
3. Intermedialität im Theater
4. Theater im Film und Film im Theater
5. Das „moderne“ Markgrafentheater in Erlangen
6. Fazit
7. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Einsatz „neuer Medien“ die Zuschauerwahrnehmung im Theater verändert. Dabei wird analysiert, inwiefern die traditionelle Transitorik und Einzigartigkeit des Theaters durch mediale Einflüsse, wie beispielsweise filmische Projektionen, beeinflusst werden, wobei das Markgrafentheater in Erlangen als praktisches Fallbeispiel dient.
- Wesen und Charakteristika des Theaters im Vergleich zum Film
- Intermedialität und ihre Akzeptanz im modernen Theaterbetrieb
- Veränderungen der Raum-Zeit-Einheit durch technische Einflüsse
- Historische Entwicklung und bauliche Modernisierung des Markgrafentheaters in Erlangen
Auszug aus dem Buch
4. Theater im Film und Film im Theater
Kommen wir nun zur Beantwortung der Fragestellung wie neue Medien das Zuschauererlebnis bzw. die Wahrnehmung verändern. Hier spielen zunächst die Einheit von Ort und Zeit eine wichtige Rolle. Das klassische Theater5 hat stets eine Einheit von Ort und Zeit. Doch wird im Theater als Requisite ein Filmausschnitt gezeigt, wird die Einheit zwischen Zeit und Ort nicht mehr eingehalten, da Projektionen nicht an Zeit und Ort gebunden sind. Das transitorische Erlebnis wird somit gestört. Auch das Zuschauererlebnis der Inszenierung verändert sich durch den Einsatz neuer Medien. Denn die von den Zuschauern konstruierte Realität war bisher eine Folge von Akteuren, also den Schauspielern auf der Bühne, und materiell vorhandener Bühnenrequisiten oder der Kulisse. Videoausschnitte allerdings machen die körperliche Präsenz eines Schauspielers nicht mehr zwingend notwendig. Dabei erschaffen neue Medien im Theater neue Perspektiven. Dies geschieht, indem die Bühnenrealität mit den fiktiven neuen Medien verschmilzt. Nicht nur der materiell anwesende Schauspieler erscheint glaubhaft, sondern auch die medialen Gegenspieler, welche seine Handlungen bestimmen. Ein Schauspieler kann sich auf der Bühne mit einem projizierten Charakter unterhalten. Es herrscht also ein Wechsel zwischen realer und medialer Wahrnehmung. Bühnenrealität und Fiktion verschmelzen zu einer neuen Wahrnehmungsebene.6 Dadurch kann folgendes geschlussfolgert werden: Was der Zuschauer als real annimmt, muss nicht unbedingt auch materiell auf der Bühne existent sein. Der Zuschauer gewinnt mit dem Einsatz neuer Medien eine ganz neue Realitätsebene im Theater. Dies hat zur Folge, dass der Schauspieler sowie der literarische Text an Bedeutung verliert. Der Fokus liegt nun mehr auf dem audiovisuellen Ereignis in einer Theateraufführung. Der Rezipient muss selbst zwischen Wirklichkeit und Scheinwelt, materiellem und fiktiven unterscheiden. Der Theaterbesucher muss sich also anstrengen zwischen den Ebenen der Darstellung hin und her zu wandern und dadurch seine fiktive Wirklichkeit zu konstruieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Digitalisierung im Theaterkontext und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Veränderung der Zuschauerwahrnehmung.
2. Was macht Theater aus?: Dieses Kapitel analysiert das Wesen des Theaters, insbesondere die Einheit von Zeit, Raum und die physische Anwesenheit von Akteuren und Publikum als Alleinstellungsmerkmal.
3. Intermedialität im Theater: Hier wird der Einzug moderner Technik in das Theater sowie die ambivalente Resonanz des Publikums auf „neue Medien“ wie Film und Computer thematisiert.
4. Theater im Film und Film im Theater: Das Kapitel untersucht die theoretischen Auswirkungen von Medien auf die Bühnenrealität und die daraus resultierende Verschiebung der Wahrnehmungsebenen für den Zuschauer.
5. Das „moderne“ Markgrafentheater in Erlangen: Anhand dieses historischen Gebäudes wird die praktische Umsetzung von Modernisierungen und die Integration technischer Elemente in einen klassischen Theaterbau dargestellt.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Medialisierung des Theaters und hält fest, dass trotz technischer Reproduzierbarkeit das Wesen des Theaters transitorisch bleibt.
7. Quellen: Auflistung der verwendeten Fachliteratur, Internetquellen und Bildnachweise.
Schlüsselwörter
Intermedialität, Theater, Zuschauerwahrnehmung, Markgrafentheater, neue Medien, Digitalisierung, Bühnentechnik, Transitorik, Wahrnehmungsebene, Film, moderne Gesellschaft, Theateraufführung, Medialisierung, Kunstgeschichte, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einzug digitaler und filmischer Medien in die traditionelle Theaterkunst und untersucht, wie diese „Intermedialität“ das Erlebnis und die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition des Theaters als einmaliges Ereignis, der Rolle technischer Medien in Inszenierungen und der baulichen sowie technischen Evolution des Markgrafentheaters in Erlangen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu beantworten, wie sich die Zuschauerwahrnehmung im Theater durch die Integration technischer „neuer Medien“ verändert.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Theatertheorie und verknüpft diese mit einer historischen und deskriptiven Betrachtung des Markgrafentheaters als Fallbeispiel.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil analysiert die theoretische Verschiebung der Bühnenrealität durch mediale Elemente und illustriert dies anhand der historischen Entwicklung und Nutzung des Erlanger Markgrafentheaters.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Intermedialität, die Transitorik des Theatererlebnisses, Zuschauerwahrnehmung und die technische Reproduzierbarkeit von Kunst.
Inwiefern beeinflusst der Film das traditionelle Theater?
Der Film bringt laut Autor eine neue Wahrnehmungsebene in das Theater, die zwar neue Perspektiven schafft, aber gleichzeitig die klassische Einheit von Zeit und Ort sowie den direkten Dialog gefährden kann.
Warum wurde das Markgrafentheater in Erlangen als Beispiel gewählt?
Das Markgrafentheater eignet sich als ideales Fallbeispiel, da es einerseits ein historisch bedeutsamer, antiker Bau ist und andererseits durch stetige Modernisierungen die Integration neuerer Technik in ein klassisches Ambiente verdeutlicht.
Welche Bedeutung hat das Fazit des Autors?
Das Fazit betont, dass das Theater trotz technischer Modernisierungen in seinem Kern „transitorisch“ bleibt und sich das Erlebnis der Unwiederholbarkeit nicht vollständig durch mediale Reproduktionen ersetzen lässt.
- Arbeit zitieren
- Lena Hochadel (Autor:in), 2017, Intermedialität im Theater. Die Modernisierung des Theaters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413224