Intermedialität im Theater. Die Modernisierung des Theaters

Am Beispiel des Markgrafentheaters in Erlangen


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 2,0
Lena Hochadel (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was macht Theater aus?

3. Intermedialität im Theater

4. Theater im Film und Film im Theater

5. Das „moderne“ Markgrafentheater in Erlangen

6. Fazit

7. Quellen

1. Einleitung

Mit der fortschreitenden Digitalisierung unserer modernen Welt, scheint die ursprüngliche Form des Theaters auszusterben. Medien sind heutzutage ein fester Bestandteil in der Theaterkunst. Auch das Markgrafentheater in Erlangen nutzt technische Medien, wobei ein paradoxes Gemisch zwischen Neu und Alt entsteht. Denn eines der ältesten Medien überhaupt, bedient sich an den technologischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts. Damit verändert sich gleichzeitig auch die Zuschauerwahrnehmung im Theater.

In dieser Arbeit wird zunächst einführend geklärt, welche Eigenschaften das Theater ausmachen. Im darauffolgenden Kapitel wird im Allgemeinen über Intermedialität im Theater und ihrer Resonanz in der Bevölkerung geschrieben. Anschließend wird spezifisch über die Modernisierung des Markgrafentheaters in Erlangen berichtet.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Intermedialität im Theater. Dabei wird aufgrund beschränkter Länge nur auf das Medium „Film“ sowie bei der Geschichte des Markgrafentheaters in Erlangen nur auf ihre baulichen Veränderungen eingegangen.

Ziel dieser Arbeit ist es, folgende Fragestellung zu beantworten: Wie verändert sich die Zuschauerwahrnehmung im Theater mit „neuen Medien“.1

2. Was macht Theater aus?

Um Veränderungen der Zuschauerwahrnehmung zu beschreiben, muss zunächst darauf eingegangen werden, was Theater in seiner ursprünglichen Form eigentlich charakterisiert. Was genau unterscheidet das Theater beispielsweise von einem Kinobesuch? Diese Frage ist wichtig, da mit der Intermedialität im Theater oft der Einsatz von filmischen Mitteln gemeint ist. Im Theater hat jede Aufführung, sei sie nun mit oder ohne Nutzung von neuen Medien, einen direkten Charakter. Das heißt, Theater ist immer gegenwertig und konstruiert sich nur im Vollzug. Damit ist eine Theateraufführung einmalig, unwiederholbar und unkonservierbar.2 Die Definition von Theater beinhaltetet auch die Anwesenheit von mindestens einem Akteur und einem Zuschauer. Auch ist die Abgrenzung zwischen Bühnenraum und Zuschauerraum im Theater wandelbar, da ein Zuschauer durch seine Handlungen, wie zum Beispiel ein lautes Hereinreinrufen, ebenfalls Teil der Inszenierung werden kann. Die Kommunikation zwischen Bühne und Zuschauer ist also beidseitig. Der Zuschauer im Theater kann aktiv am Geschehen teilhaben und es beeinflussen. Theaterbesucher fühlen sich nicht nur mental in der Aufführung involviert, sondern sind im Theaterraum tatsächlich nicht nur psychisch, sondern auch physisch am Geschehen beteiligt. Diese Tatsache ist nur durch die Einheit zwischen Raum und Zeit möglich. Erika FischerLichte fasste dies folgendermaßen zusammen: „Was immer die Akteure tun, hat Auswirkungen auf die Zuschauer und was immer die Zuschauer tun, hat Auswirkungen auf die Akteure und die anderen Zuschauer.“ 3 In einem Kino ist die Veränderung des gezeigten Films im Nachhinein unmöglich, denn er hat diese Einheit und dem damit verbundenen transitorischen Erlebnis nicht inne. Dieses einzigartige Erlebnis intensiviert die entstehenden Emotionen. So ist es viel häufiger, dass Theaterbesucher Ekel, Scham, Angst oder Empörung bei gleichem Reiz stärker verspüren, als das zum Beispiel bei einem Film der Fall ist. Denn die Bühne des Theaters erschafft Realität. Die Bühne eines Kinos hingegen, ist nur eine immer gleichbleibende Projektion des Fiktiven.

3. Intermedialität im Theater

Beim Besuch einer Theateraufführung im Jahr 2017 verwundert es nicht, wenn in einem Stück von Shakespeare plötzlich Handys als Requisiten oder Videoausschnitte auf riesigen Bildschirmen zum Einsatz kommen. Denn die technologische Revolution spiegelt sich auch im Theater wider. Neue Inszenierungen von Klassikern haben oft einen ganz individuellen und kreativen Bezug auf unsere heutige moderne Gesellschaft und ihren technologischen Errungenschaften. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und kritischen Stimmen hat auch das Kunstbusiness gelernt, die neue Medien nicht als „Konkurrenz“ zu fürchten, sondern stattdessen ihre Vorteile zu erkennen und zu nutzen. Das Ganze mit dem Ziel, das wachsende Desinteresse der Gesellschaft an Theaterbesuchen zu stoppen. Jedoch kann der Gebrauch von neuen Medien wie Film, Computer oder neuen elektronischen Geräten auch „verkrampft innovativ“ wirken. So würden „alte Stücke mit aller Macht auf modern gemacht“ und es handele sich um „verhunzte Klassiker“ meinen einige kritische Stimmen in der Bevölkerung.4 Die Intermedialität im Theater stößt also durchaus auf gemischte Resonanz. Doch wie genau verändern diese neuen Medien die Zuschauererfahrungen auf den Theatersitzplätzen oder vor dem Fernseher? Die Veränderung im Zeitalter des Films beruht nämlich auf Gegenseitigkeit. Das Theater kann sich filmischen Mitteln bedienen, sowie der Film eine Theateraufführung beinhalten kann.

4. Theater im Film und Film im Theater

Kommen wir nun zur Beantwortung der Fragestellung wie neue Medien das Zuschauererlebnis bzw. die Wahrnehmung verändern. Hier spielen zunächst die Einheit von Ort und Zeit eine wichtige Rolle. Das klassische Theater5 hat stets eine Einheit von Ort und Zeit. Doch wird im Theater als Requisite ein Filmausschnitt gezeigt, wird die Einheit zwischen Zeit und Ort nicht mehr eingehalten, da Projektionen nicht an Zeit und Ort gebunden sind. Das transitorische Erlebnis wird somit gestört. Auch das Zuschauererlebnis der Inszenierung verändert sich durch den Einsatz neuer Medien. Denn die von den Zuschauern konstruierte Realität war bisher eine Folge von Akteuren, also den Schauspielern auf der Bühne, und materiell vorhandener Bühnenrequisiten oder der Kulisse. Videoausschnitte allerdings machen die körperliche Präsenz eines Schauspielers nicht mehr zwingend notwendig. Dabei erschaffen neue Medien im Theater neue Perspektiven. Dies geschieht, indem die Bühnenrealität mit den fiktiven neuen Medien verschmilzt. Nicht nur der materiell anwesende Schauspieler erscheint glaubhaft, sondern auch die medialen Gegenspieler, welche seine Handlungen bestimmen. Ein Schauspieler kann sich auf der Bühne mit einem projizierten Charakter unterhalten. Es herrscht also ein Wechsel zwischen realer und medialer Wahrnehmung. Bühnenrealität und Fiktion verschmelzen zu einer neuen Wahrnehmungsebene.6 Dadurch kann folgendes geschlussfolgert werden: Was der Zuschauer als real annimmt, muss nicht unbedingt auch materiell auf der Bühne existent sein. Der Zuschauer gewinnt mit dem Einsatz neuer Medien eine ganz neue Realitätsebene im Theater. Dies hat zur Folge, dass der Schauspieler sowie der literarische Text an Bedeutung verliert. Der Fokus liegt nun mehr auf dem audiovisuellen Ereignis in einer Theateraufführung. Der Rezipient muss selbst zwischen Wirklichkeit und Scheinwelt, materiellem und fiktiven unterscheiden. Der Theaterbesucher muss sich also anstrengen zwischen den Ebenen der Darstellung hin und her zu wandern und dadurch seine fiktive Wirklichkeit zu konstruieren.

Eines bleibt jedoch im konventionellem Theater immer gleich. Der Zuschauer befindet sich physisch von Anfang bis Ende der Vorstellung auf demselben Platz. Somit beobachtet er das Geschehen auf der Bühne durchwegs aus dem gleichen Blickwinkel. Er ändert weder Perspektive noch Abstand zum Betrachteten.6 Im Film dagegen wechselt der Blickwinkel des Betrachters ständig, er ist sozusagen identisch mit der Kamera. Der Film kann etwas aus unterschiedlichen Perspektiven, detaillierter oder oberflächlicher, betrachten. Er kann Handlungen und Bewegungen auch schneller oder langsamer zeigen. Auch wenn sich das Theater nicht immer an die Einheit der Zeit hält, können noch lange nicht die gleichen Effekte wie im Film erzeugt werden. Dennoch blieben diese Effekte im Theater nicht ohne Nachahmung z.B. in Form von Bewegungen in Zeitlupe. Der Einsatz eines Mediums wie dem Film im Theater bewirkt also indirekt eine mögliche Perspektiven- und Distanzänderung für das Publikum, er vermag Tempowechsel in das Bühnengeschehen zu integrieren und bietet dem Zuschauer dadurch neue, dem Theater nicht eigene Wahrnehmungswelten.

Aber alle möglichen Wirkungen und Wahrnehmungserfahrungen, die bisher angeführt wurden, hängen letztendlich von der Art der Integration der externen, elektronischen neuen Medien ins Bühnengeschehen ab. Im Prinzip ist der Film7 auch nur ein weiteres theatrales Zeichen im semiotischen Arsenal des Theaters. Es hängt vom jeweiligen dramaturgischen Konzept ab, ob der Film nur eine ergänzende, erklärende oder dokumentierende Funktion bekommt oder ob er mit dem Bühnengeschehen verflochten wird und nur das Zusammenspiel von Bühne und Film eine Einheit ergibt oder ob man ihm gar zusätzliche, unabhängige Handlungsräume schafft. Dennoch steht bei allem eines fest: Der mediale Aufführungsbeitrag, zum Beispiel in Form eines Films, ist ein gleichbleibendes Element, das zur Transitorik der Theateraufführung eigentlich im Widerspruch steht. Doch im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit von Kunst, wie Walter Benjamin sagen würde, müsste man sich eigentlich schon Fragen, wie transitorisch die Theaterkunst heute noch ist?

„Das Sein des Theatralen ist transitorisch und damit in seiner spezifischen Art unwiederbringbar an Raum und Zeit gebunden. Der Versuch, Theatrales festzuhalten, mündet in jedem Fall in einer Veränderung des Ursprünglichen.“9

[...]


1 Mit „neuen Medien“ sind technologische Errungenschaften wie Filmprojektionen und technische Geräte aber auch moderne Bühnentechnik gemeint.

2 Bönninghausen: Wege ins Theater, S.146

3 Fischer-Lichte, Erika, Aufführung, In: Fischer-Lichte, Erika, Kolesch, Doris, Warstat, Matthias, Metzler (Hrsg.), Metzlers Lexikon Theatertheorie, Stuttgart, Metzler, 2005, S. 18.

4 Jörder: Theater und Öffentlichkeit,Theater und Medien in: Deutscher Bühnenverein, Das Theater und die Medien, Ausschuss für künstlerische Fragen, Referate #2

5 Gemeint ist das Theater im 19Jh. vor der elektronischen Revolution. z.B.: Das Barocktheater

6 Gehse, Kerstin: Medien-Theater, 2001, S. 64

6 ausgenommen theatrale Formen, bei denen die Trennung von Bühne und Zuschauerraum nicht in der traditionellen Weise gegeben ist und das Publikum sich während der Aufführung nicht auf einem gleichbleibenden Punkt befindet

7 im folgenden Absatz steht der Film stellvertretend für alle anderen elektronischen Medien 9 Mörth,Otto: Theater im Fernsehn, 1990, S. 19

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Intermedialität im Theater. Die Modernisierung des Theaters
Untertitel
Am Beispiel des Markgrafentheaters in Erlangen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V413224
ISBN (eBook)
9783668648463
ISBN (Buch)
9783668648470
Dateigröße
950 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Intermedialität, Theater, Film, Modernisierung, Erlangen, Markgrafentheater, Medien
Arbeit zitieren
Lena Hochadel (Autor), 2017, Intermedialität im Theater. Die Modernisierung des Theaters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413224

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