In der medialen Berichterstattung finden regelmäßig sehr unterschiedliche Diskussionen über wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Problemfelder eine verstärkte Berücksichtigung. Die folgenden Aussagen stellen hierzu eine exemplarische Auswahl dar.
Boni-Zahlungen in Millionenhöhe an Bank- und Unternehmensmanager trotz gleichzeitiger Massenentlassungen und Umsatzeinbrüchen führen zu kontroversen Debatten über Managergehälter bzw. über die Modelle zur Gratifikation von Mitarbeitern.
Drei US-amerikanische Ratingagenturen, deren Marktanteile über 90 Prozent der weltweit durchgeführten Finanzratings ausmachen und vor wenigen Jahren mitverantwortlich für die Entstehung der Finanzkrise waren, bewerten Unternehmen, Staaten und Finanzprodukte weiterhin nach gleichem Prinzip und ohne nennenswerte externe Kontrollen.
Umweltkatastrophen wie die von dem britischen BP Konzern zu verantwortende Ölpest im Golf von Mexiko stehen beispielhaft für eine rücksichtslose und unkontrollierte Ausbeute ökologischer Ressourcen zum Zweck der Gewinnerzielung.
Steigende soziale Unruhen und Streiks aufgrund unmenschlicher Arbeitsbedingungen und geringer Entlohnung führen zu Stilllegungen von Produktionsstätten in der Volksrepublik China.
Die Auflistung fehlender ökonomischer, ökologischer, sozialer und ethischer Verantwortung ließe sich beliebig fortsetzen. Für sich allein betrachtet erscheinen alle aufgeführten Szenarien lösbar oder zumindest beherrschbar. Gratifikationsmodelle können überarbeitet, Ratingagenturen kontrolliert, Umweltverschmutzungen vermindert und soziale Unruhen durch Anpassungen der Arbeitsbedingungen bzw. durch Lohnerhöhungen beseitigt werden. Doch zum einen sind wirtschaftliche Zusammenhänge komplex und insbesondere mit Berücksichtigung global-ökonomischer und politischer Verflechtungen aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Zum anderen würden reaktionäre Maßnahmen zur Beseitigung von fehlerhaftem Verhalten oder Zuständen zu keinen Lerneffekten oder reflektierendem Verhalten der Wirtschaftssubjekte führen.
Demnach gilt es einen geeigneten, grenzüberschreitenden Ansatz und existierende Instrumente zur Beeinflussung der Wirtschaftsbeteiligten zu finden, die einen Anspruch auf Lösung der vorgenannten Problemsituation bieten können. Eine mögliche Option bietet in dieser Hinsicht die Betrachtung der global ausgerichteten Kapital- und Finanzmärkte unter Berücksichtigung der Bedeutung moralischer und nachhaltiger Investmentprodukte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Analyse von Ethik und Nachhaltigkeit
2.1 Moral und Ethik
2.2 Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung
2.2.1 Historische Entwicklung
2.2.2 Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit
2.2.3 Starke und schwache Nachhaltigkeit
2.3 Ethisch-nachhaltige Investments
2.3.1 Begriffsabgrenzung und historische Einordnung
2.3.2 Investoren
2.3.3 Interessengruppen
2.3.4 Renditeerwartung
2.3.5 Anlagehorizont
2.3.6 Auswahlverfahren
2.3.7 Marktentwicklung
3 Nachhaltige Investmentprodukte
3.1 Grundlagen Investment
3.1.1 Rentabilität, Risiko, Liquidität
3.1.2 Portfolio-Selection Model
3.2 Nachhaltige Investmentinstrumente
3.3 Nachhaltige Investmentfonds
3.3.1 Begriffsabgrenzung
3.3.2 Überblick Fondsarten und Kategorisierung
3.3.3 Auswahl Publikumsfonds
3.3.3.1 Charakteristika Publikumsfonds
3.3.3.2 Pioneer Funds - Global Ecology
3.3.3.3 Sarasin OekoSar Portfolio
3.3.3.4 Chancen und Risiken von Publikumsfonds
3.3.4 Auswahl geschlossener Fonds
3.3.4.1 Merkmale geschlossener Fonds
3.3.4.2 Windenergiefonds
3.3.4.3 Solarfonds
3.3.4.4 Chancen und Risiken von geschlossenen Fonds
3.3.5 Entwicklung nachhaltiger Investmentfonds
4 Finanzrating versus Nachhaltigkeitsrating
4.1 Finanzrating
4.1.1 Definition Rating
4.1.2 Bewertungskriterien bei Finanzratings
4.1.3 Bekannte Finanzratingagenturen
4.2 Nachhaltigkeitsrating
4.2.1 Begriffsabgrenzung Nachhaltigkeitsrating
4.2.2 Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden
4.2.3 Beispielhafte Nachhaltigkeitsratingagenturen
4.3 Gegenüberstellung Finanzrating und Nachhaltigkeitsrating
4.4 Nachhaltigkeitsrating - Auswirkung auf Unternehmen
4.4.1 Corporate Citizenship, Corporate Social Responsibility
4.4.2 Nachhaltigkeitsberichterstattung
4.4.3 Wettbewerbsfaktor
5 Künftige Marktentwicklung
5.1 Mainstreaming – vom Trend zur Notwendigkeit
5.1.1 Transparenzaspekte
5.1.2 Innovationsaspekte
5.1.3 Faktor Verantwortung
5.1.4 Risikoaspekte
5.1.5 Marktchancen
5.2 Globalisierung
5.2.1 Begriffsabgrenzung Globalisierung
5.2.2 Globalisierung der Finanz- und Kapitalmärkte
5.2.3 Nachhaltige Investments und Globalisierung
5.3 Auswirkungen der Krisen
5.3.1 Immobilien-, Banken- , Finanz- und Wirtschaftskrise
5.3.2 Shareholder- und Stakeholder-Value-Ansatz
5.3.3 Regulierung der Banken
6 Fazit
6.1 Zielerreichung
6.2 Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die strukturelle Bedeutung moralisch- und nachhaltig-motivierter Kapitalanlagen aufzuzeigen, dabei Vor- und Nachteile sowie Chancen und Risiken dieser Investments zu erarbeiten und zu belegen, dass diese Anlagen Möglichkeiten bieten, proaktiv auf Unternehmen, Umwelt und Individuen einzuwirken, ohne dabei die monetären Zielfunktionen zu vernachlässigen.
- Bedeutung und Geschichte von Ethik und Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage
- Analyse und Differenzierung von nachhaltigen Investmentprodukten (Publikumsfonds vs. geschlossene Fonds)
- Vergleich von klassischen Finanzratings und Nachhaltigkeitsratings
- Untersuchung der Auswirkungen von Nachhaltigkeitsratings auf Unternehmen (CSR, Corporate Citizenship)
- Betrachtung künftiger Marktentwicklungen im Kontext von Globalisierung und Finanzkrisen
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Historische Entwicklung
Der englische Begriff sustain lässt sich von dem lateinischen Wort sustiner ableiten, welches im Deutschen mit aufrechterhalten übersetzt werden kann. In der heute üblichen Verwendung wird Nachhaltigkeit als mögliche Übersetzung des englischen Wortes sustainability akzeptiert, wobei auch Assoziationen in Richtung Dauerhaftigkeit, Gerechtigkeit und Umweltverantwortung gängig sind.
Historisch betrachtet ist die Herkunft des Begriffs der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft begründet. Der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1640-1714) erkannte in seinem Werk Sylvicultura Oeconomica (1713) die Notwendigkeit der nachhaltigen und beständigen Nutzung. Dies ist im Kontext des damaligen Raubbaus an der Natur zu Zwecken des Bergbaus bzw. der Verhüttung und der daraus resultierenden Holzknappheit nachvollziehbar. Carlowitz forderte ferner die Übernutzung der Ressource Holz zu vermeiden, indem der Verbrauch von Holzeinheiten auf das Niveau einzuschränken sei, welches im gleichen Zeitraum nachwachsen könne. Damit begründete er das in der Wissenschaft weitgehend anerkannte ressourcen-ökonomische Prinzip, aus dem hervorgeht, dass sowohl ökonomische Interessen als auch ökologische Gesichtspunkte einander bedingen. Im weiteren zeitlichen Verlauf der Geschichte erfuhr der Gedanke der rohstoffbasierten Nachhaltigkeit einen eindeutigen Aufschwung, blieb jedoch weitgehend auf den Bereich der Holznutzung beschränkt, erst im 20. Jahrhundert änderte sich das wissenschaftliche Interesse an dem Gebiet der Nachhaltigkeit grundlegend.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Problematik der Finanzmärkte ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Bedeutung nachhaltiger Investments zu untersuchen.
2 Analyse von Ethik und Nachhaltigkeit: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Moral, Ethik und Nachhaltigkeit sowie deren historische Herleitung und Bedeutung für moderne Investitionen.
3 Nachhaltige Investmentprodukte: Hier werden verschiedene nachhaltige Anlageformen wie Publikumsfonds und geschlossene Fonds hinsichtlich ihrer Charakteristika, Chancen und Risiken analysiert.
4 Finanzrating versus Nachhaltigkeitsrating: Dieses Kapitel stellt klassische Finanzratings den Nachhaltigkeitsratings gegenüber und analysiert deren Einfluss auf Unternehmen.
5 Künftige Marktentwicklung: Hier erfolgt ein Ausblick auf die Zukunft nachhaltiger Investments unter Berücksichtigung von Globalisierung und den Folgen der Finanzkrise.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Zielerreichung zusammen und bietet eine abschließende Einschätzung der künftigen Rolle nachhaltiger Kapitalanlagen.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Ethik, Nachhaltigkeitsrating, Finanzrating, Investmentfonds, Publikumsfonds, geschlossene Fonds, Kapitalanlage, soziale Verantwortung, ökologische Verantwortung, Corporate Social Responsibility, Globalisierung, Finanzkrise, Shareholder-Value, Stakeholder-Value
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von moralisch motivierten und nachhaltigen Kapitalanlagen auf globalen Finanz- und Kapitalmärkten im Hinblick auf ihre strukturelle Relevanz.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die theoretische Herleitung von Nachhaltigkeit, die Kategorisierung und Analyse nachhaltiger Investmentprodukte (Fonds), den Vergleich von Finanz- und Nachhaltigkeitsratings sowie die Auswirkungen der Globalisierung und der jüngsten Finanzkrisen auf nachhaltige Investitionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Bedeutung nichtbilanzieller und kennzahlenunabhängiger Kriterien bei der Kapitalanlage hervorzuheben und ein generelles Verständnis für die Chancen und Risiken nachhaltiger Investments zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine fundierte Literaturanalyse durchgeführt, die Begriffe historisch herleitet, aktuelle Investmentmodelle (z.B. Portfolio-Selection) auf Nachhaltigkeit überträgt und durch praxisnahe Beispiele (z.B. Ratinganalysen) untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Nachhaltigkeitskonzepten, die detaillierte Vorstellung nachhaltiger Investmentinstrumente, die Gegenüberstellung von Finanz- und Nachhaltigkeitsratings sowie einen Ausblick auf die künftige Marktentwicklung inklusive Globalisierungseffekten.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nachhaltigkeitsrating, Ethisches Investment, CSR, ESG-Kriterien und eine kritische Auseinandersetzung mit klassischen Bewertungsmaßstäben im Finanzsektor charakterisiert.
Wie unterscheiden sich Finanzrating und Nachhaltigkeitsrating in der Praxis?
Während sich das Finanzrating primär auf die Zahlungsfähigkeit und Bonität eines Schuldners basierend auf quantitativen Daten konzentriert, bemisst das Nachhaltigkeitsrating die soziale, ökologische und ethische Leistung eines Unternehmens anhand qualitativer und quantitativer Kriterien.
Warum ist das Beispiel des Konzerns BP für die Arbeit relevant?
BP dient als Fallbeispiel für ein Unternehmen, das trotz "grüner" Imagepflege eine massive Umweltkatastrophe verursachte, was verdeutlicht, dass nachhaltige Investments kein absoluter Schutz vor Fehlverhalten sind und das Vertrauen in diese Anlageform schwächen kann.
- Quote paper
- Jochen Vieten (Author), 2010, Ethik auf den globalen Finanz- und Kapitalmärkten. Die Bedeutung moralischer und nachhaltiger Investments, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413288