Konzepte sozialer Interaktion

Ein Überblick


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Konzepte sozialer Interaktion
3.1 Definition der Situation
3.2 Symbolischer Interaktionismus
3.3 Der dramaturgische Ansatz
3.4 Ethnomethodologie
3.5 Sozialer Austausch
3.6 Der systemtheoretische Ansatz

4. Fazit und weitergehende Forschungsfragen

Literaturverzeichnis

Monographien

Sammelbände

1. Einleitung

Im Rahmen des Soziologie-Seminars: Einführung und Grundbegriffe beschäftigte sich der Verfasser intensiv mit verschiedenen Konzepten sozialer Interaktion. Dies soll nun mit der vorliegenden Seminararbeit „Konzepte sozialer Interaktion“ abgeschlossen werden.

Ziel dieser Seminararbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die verschiedenen Konzepte zu geben. Dazu ist die Arbeit in drei Teile gegliedert. Zunächst soll in der Begriffsbestimmung geklärt werden, was soziale Interaktion bedeutet um dann die Konzepte sozialer Interaktion näher zu betrachten. Abgeschlossen wird die Thematik in einem Fazit, in dem ein Ausblick auf mögliche weitere Forschungsansatz gegeben werden.

2. Begriffsbestimmung

Auch wenn sich die nachfolgenden Konzepte stark voneinander unterscheiden, haben sie zumindest eines gemeinsames: ihr grundlegendes Verständnis darüber, was Interaktion bzw. soziale Interaktion darstellt.

Im Gegensatz zum Handeln, welches ein aktives Verhalten von Menschen darstellt, dass sich auf bestimmte Objekte richtet um deren Zustand zu verändern[1], bezeichnet Interaktion eine „…wechselseitige Beeinflussung des Verhaltens von Individuen oder Gruppen“[2]. Eine Handlung wird also nicht dann schon zur Interaktion, wenn sie sich auf eine andere Person in irgendeiner weise bezieht, sondern erst dann, wenn dass Ziel der Handlung nur durch das hervorgerufenen Verhalten des anderen erreicht werden kann. Diese Wechselseitigkeit ist zur Unterscheidung entscheidend.

Es scheint sinnvoll, aber nicht grundsätzlich notwendig, dass sich die Interaktions-partner, seien es nun zwei oder mehrere, verständigen, um Interaktion zu betreiben.

In solch einem Fall, wo Interaktion über Kommunikation stattfindet, handelt es sich um soziale Interaktion[3]. Unter Kommunikation ist aber nicht nur die Sprache als solche zu verstehen, sondern zum Beispiel auch Symbole und Gesten.

3. Konzepte sozialer Interaktion

Die Autoren der Konzepte, die im folgenden besprochen werden, versuchen die Ursachen von Interaktion und die damit zusammenhängende soziale Ordnung zu erklären, nur Friedemann Schulz von Thun, mit dem systemtheoretischen Ansatz, fällt hier ein wenig aus der Reihe, da er mit seinem Konzept Interaktionsstörungen erklären will.

Alle Konzepte haben neben der Definition der Interaktion auch gemein, dass sie Interaktion auf der Mikroebene, wo direkte Interaktion stattfindet, untersuchen. Neben der Mikroebene gibt es die Mesoebene, zu der Netzwerke menschlicher Beziehungen gehören, und die Makroebene, eine Ebene auf der langfristige soziale Systeme untersucht werden. Zu beachten ist aber, dass soziales Leben nicht ausschließlich auf einer Ebene, sondern auf allen Ebenen gleichzeitig stattfindet. Denn was auf einer Ebene geschieht beeinflusst eine andere und umgekehrt[4].

3.1 Definition der Situation

W. I. Thomas führte den Begriff der Definition der Situation ein und untersuchte in diesem Kontext den Prozess, in dem Interaktionspartner ihrem Handeln einen bestimmten Sinn zuerkennen[5]. Situationsdefinitionen enthalten eine Fülle von Informationen über das, was in einer bestimmten Situation erwartet wird, resultierend daraus, dass Personen in einem gemeinsamen Kulturkreis, von Geburt an in dieser sozialisiert wurden und so einen großen Bestand an Kenntnissen über das Alltagsleben teilen[6]. Interaktionspartner wissen also meist ganz genau, welches Verhalten in einer bestimmten Situation angebracht ist. So wird ein Verkäufer in einem Einkaufsladen niemals den Kunden nach dem Preis fragen und der Kunde nicht versuchen wollen, dem Verkäufer ein Gut zu verkaufen.

Die meisten Verkäufer bzw. Kunden müssen sich nicht erst Gedanken darüber machen, wie sie sich in einem Einkaufsladen zu verhalten haben. Dies resultiert daraus, dass viele Definitionen der Situation unterbewusst getroffen werden[7]. Doch was ist, wenn die Situationsdefinition der Interaktionspartner nicht übereinstimmt? In solch einer Situation muss man davon ausgehen, dass die Interaktion nicht sehr lange dauert, da es zu Missverständnissen kommen kann. Beide leben also mit unterschiedlichen Weltbildern.

Da viele Situationen in denen Individuen agieren, nicht eindeutig sind, ist es notwendig, dass sie tentativ vorgehen, d.h. basierend auf den Erfahrungen, die sie mit Reaktionen ihrer Interaktionspartnern machen, ihr Verhalten korrigieren, so dass schrittweise eine bessere, gemeinsame Definition der Situation erreicht wird[8].

Die Definition der Situation ermöglicht es also, eine gewisse „Handlungssicherheit“ in der sozialen Interaktion zu erlangen, indem durch die kulturelle Sozialisation die Interpretierbarkeit der Situation gewisse Grenzen hat.

3.2 Symbolischer Interaktionismus

Der Begriff „Symbolischer Interaktionismus“ wurde von Herbert Blumer eingeführt, dessen theoretischer Inhalt aber im Wesentlichen auf den Amerikaner George Herbert Mead (1861-1931) zurückzuführen ist und der somit als der Begründer dieser Theorie zu nennen ist. In Meads Theorie resultiert menschliches Verhalten aus symbolisch vermittelter Interaktion[9]. Als Grundform der Interaktion, die schon Tiere beherrschen, ist die gesten- oder gebärdenvermittelte Interaktion zu betrachten. Demgegenüber ist unter symbolische vermittelter Interaktion, als menschliches Charakteristikum, zu verstehen, dass das handelnde Individuum weiß, welches Verhalten durch sein Handeln im Adressaten hervorgerufen wird[10]. Dazu sind signifikante Symbole notwendig, die meist in Form von Sprache, von allen Teilnehmern der Interaktion anerkannt sein müssen[11]. Die Bedeutung signifikanter Symbole ist aber nicht nur an eine bestimmte Interaktion gebunden, sie ist darüber hinaus an das kulturelle Umfeld gebunden[12]. Ein Beispiel für die kulturelle Gebundenheit signifikanter Symbole, hier Sprache, und darüber hinaus für ein weiteres wichtiges Kriterium des symbolischen Interaktionismus, der Fähigkeit zur Rollenübernahme, ist der Ausruf „Hilfe“. Zum einen ist es notwendig, dass die Adressaten das Wort verstehen. Zum anderen weiß der Rufende, dass er mit seinem Rufen Hilfsbereitschaft bei den Adressaten hervorruft. Er kann dies aber nur wissen, da er sich selbst bewusst ist, wie er selbst auf einen solchen Hilferuf reagieren würde. Somit ist sein Verhalten von der Rollenübernahme und dem damit verbundenen Wissen geprägt[13].

Blumer leitete daraus für die Methodologie der Soziologie folgerichtig ab, dass der Wissenschaftler an den Interaktionen der Versuchspersonen teilnehmen muss, um diese, was gleichzeitig auch Ziel der Forschung ist, kontrolliert zu verstehen[14].

3.3 Der dramaturgische Ansatz

Der dramaturgische Ansatz von Erving Goffman beschreibt soziale Interaktionen aus der Perspektive einer Theatervorstellung[15]. Jedes Individuum spielt auf der „Bühne“ des Alltags eine bestimmte Rolle, gemäß dem Drehbuch für diese soziale Situation und versucht so, das Publikum glauben zu lassen, dass es wirklich die Eigenschaften habe, die es darstelle[16]. Die Rolle des Publikums wird aber nicht unbedingt von einem unbeteiligten Dritten übernommen, sondern in jeder Interaktion wechseln die Rollen der Interaktionspartner zwischen Schauspieler und Publikum. Sie spielen eine Eigenschaft vor und interpretieren das Schauspiel des Anderen. Ständig muss also die eigene Rolle verbessert werden und Imagepflege betrieben werden, damit der Beobachter überzeugt werden kann[17]. Jeder Schauspieler braucht von seinen Bühnenauftritten Erholung. Dazu gibt es den Bereich hinter der Bühne, die Hinterbühne. Auch in der sozialen Wirklichkeit gibt es solche Hinterbühnen, auf denen sich das Individuum von dem anstrengenden Schauspiel erholen kann[18]. Ein einleuchtendes Beispiel hierfür sei ein Kellner, wie er zwischen Küche und Speisesaal wechselt und entsprechend der Umgebung eine graziös, wohlwollend lächelnde Rolle spielt oder sich davon erholt[19]. Goffman nimmt an, dass aus der Vielzahl an Rollen, die ein Individuum im Laufe seines Lebens spielt, und den damit verbundenen Interaktionen, eine Identität im Kontext der kulturellen Gegebenheiten entsteht[20].

Das Drehbuch einer „sozialen“ Theatervorstellung wird nicht bei jeder Vorstellung grundsätzlich neu geschrieben. Meist entsteht es aus den gemeinsamen kulturellen Gegebenheiten entsteht und gibt somit sozialer Interaktion eine natürliche Grenze, ähnlich dem Konzept des symbolischen Interaktionismus. Trotzdem hängt jede soziale Interaktion davon ab, wie sehr die Teilnehmer in der Lage sind, das Schauspiel des Interaktionspartners richtig zu interpretieren[21].

3.4 Ethnomethodologie

Im Gegensatz zu der eher distanzierten Betrachtung sozialer Interaktion von Goffman, versucht die von Harold Garfinkel eingeführte Forschungsrichtung der Ethno-methodologie die „Innenseite des Geschehens"[22] zu betrachten. Ziel seiner Forschung war es, die routinierten Interaktionspraktiken, die jede Kultur und daher auch jedes Individuum aufgrund der großen Zahl an Interaktionserfahrungen besitzt, herauszufinden[23]. Da dieses Routinewissen, vor allem bei mit einander vertrauten Personen meist unterbewusst ist, versuchte Garfinkel durch bewusstes Missachten von sozialen Erwartungen, dieses in den Vordergrund zu rücken und zu beobachten. Beispielsweise schickte er seine Studenten mit dem Auftrag nach Hause, sich bei ihren Familien so zu Verhalten, als seien sie Gäste und stellte fest, dass die meisten Familien, wie zu erwarten war, mit Irritation auf dieses seltsame Verhalten reagierten[24].

[...]


[1] Vgl. Bahrdt, Hans Paul: Schlüsselbegriffe der Soziologie – Eine Einführung mit Lehrbeispielen. C. H. Beck, München 2003, S. 31.

[2] Fuchs, Werner et al (Hrsg.): Lexikon zur Soziologie – Band 1. Rowohlt, Reinbek 1975, S. 309.

[3] Vgl. Fuchs, Werner et al (Hrsg.) (1975), S. 309.

[4] Vgl. Weymann, Ansgar: Interaktion, Sozialstruktur und Gesellschaft, in Joas, Hans (Hrsg.): Lehrbuch der Soziologie. Campus, Frankfurt 2001, S. 95.

[5] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 97 und Fuchs, Werner et al (Hrsg.) (1975), S. 125

[6] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 97

[7] Vgl. Ebd., S. 97

[8] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 97

[9] Vgl. Preglau, Max: Symbolischer Interaktionismus: George Herbert Mead, in Morel, Julius et. al.: Soziologische Theorie – Abriß der Ansätze ihrer Hauptvertreter. R. Oldenbourg Verlag, München 2001, S. 52

[10] Vgl. Preglau, Max (2001), S. 56

[11] Vgl. Preglau, Max (2001), S. 57

[12] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 99

[13] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 100 und Preglau, Max (2001), S. 57.

[14] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 98.

[15] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 100.

[16] Vgl. Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater – Die Selbstdarstellung im Alltag. Piper, 1996, S. 19 und Weymann, Ansgar (2001), S. 100.

[17] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 100.

[18] Vgl. Goffman, Erving (1996), S. 99 ff.

[19] Vgl. Ebd., S. 112

[20] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 100

[21] Vgl. Ebd., S. 102

[22] Weymann, Ansgar (2001), S. 103.

[23] Vgl. Ebd., S. 103 und Fuchs, Werner et al (Hrsg.) (1975), S. 185.

[24] Vgl. Weymann, Ansgar (2001), S. 102-103

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Konzepte sozialer Interaktion
Untertitel
Ein Überblick
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V413384
ISBN (eBook)
9783668648739
ISBN (Buch)
9783668648746
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzepte, interaktion, überblick
Arbeit zitieren
Matthias Benner (Autor), 2005, Konzepte sozialer Interaktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413384

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Konzepte sozialer Interaktion



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden