Korruption ist ein weltweites Phänomen, das insbesondere den öffentlichen Sektor betrifft. Die vorliegende Seminararbeit erklärt anhand eines industrieökonomischen Modells, warum Korruption negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft wirkt. Aus dem Blickwinkel eines institutionenökonomischen Modell soll darüber hinaus gezeigt werden, welche Möglichkeiten zur Korruptionsbekämpfung existieren.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. EIN INDUSTRIEÖKONOMISCHER ANSATZ ZUR ERKLÄRUNG VON KORRUPTION
2.1 DAS GRUNDMODELL VON SHLEIFER UND VISHNY
2.2 VARIATION DES GRUNDMODELLS
2.3 ZWISCHENFAZIT ZUM INDUSTRIEÖKONOMISCHEN ANSATZ
3. EINDÄMMUNG VON KORRUPTION IM ÖFFENTLICHEN SEKTOR
3.1 EIN INDUSTRIEÖKONOMISCHER ANSATZ ZUR EINDÄMMUNG VON KORRUPTION
3.2 DAS PRINZIPAL-AGENT-MODELL ODER ANREIZSYSTEME ZUR EINDÄMMUNG VON KORRUPTION
3.3 ZWISCHENFAZIT ZUR EINDÄMMUNG VON KORRUPTION
4. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die ökonomischen Ursachen und Folgen von Korruption im öffentlichen Sektor und analysiert auf Basis industrie- und institutionenökonomischer Modelle Strategien zu deren Eindämmung.
- Industrieökonomische Modellierung von Korruption (Monopolmodelle)
- Unterscheidung zwischen Korruption mit und ohne Diebstahl
- Institutionenökonomische Analyse mittels Prinzipal-Agent-Theorie
- Bedeutung von Wettbewerb und Anreizstrukturen für die Korruptionsbekämpfung
- Rolle der Unternehmenskultur und Informationsasymmetrien
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Grundmodell von Shleifer und Vishny
Shleifer und Vishny definieren Korruption analog zur Abhandlung in der Einführung als „the sale by government officials of government property for personal gain“9. In ihren Überlegungen beschreiben sie also das gewinnmaximierende Verhalten eines Beamten. Ausgangspunkt für ihre Theorie ist ein einfaches Monopolmodell. So gehen sie davon aus, dass ein einziger Beamter ein einzelnes homogenes Gut (z.B. Personalausweis, Importlizenz etc.) anbietet, für das es eine entsprechende Nachfrage N gibt. Der Beamte hat die Möglichkeit, die angebotene Menge dieses Gutes (Verwaltungsgut) künstlich zu verknappen, um so seinen Bestechungsbetrag b zu maximieren10.
Bei diesem Optimierungsproblem handelt es sich grundsätzlich um einen „Lehrbuchfall des Monopols“11. Daher gilt: Der Monopolist (Beamte) wählt seinen optimalen Bestechungsbetrag so, dass der Grenzerlös des letzten verkauften Verwaltungsgutes den Grenzkosten des Kaufs durch einen Bürger entspricht.
Jedoch unterscheiden Shleifer und Vishny zwischen „corruption without theft“12 (Korruption ohne Diebstahl) und „corruption with theft“13 (Korruption mit Diebstahl).
Korruption ohne Diebstahl bedeutet, dass der Beamte das Verwaltungsgut zum offiziellen Preis p verkauft. Dabei entspricht p gerade den Grenzkosten des Beamten. Auf diesen Preis schlägt der Beamte eine Bestechungszahlung in Höhe von b auf, so dass der Grenzerlös MR gerade den Grenzkosten GK entspricht14.
Der Gewinn des Beamten entspricht der Fläche ABCD in Abbildung 1. Die Fläche ABE in Abbildung 1 stellt dagegen einen Wohlfahrtsverlust dar, da diese Lösung ineffizient ist. Denn anstelle von x0 wurden nur x* Verwaltungsgüter verkauft. Durch den geforderten Bestechungsbetrag werden also all jene Nachfrager (Bürger, Unternehmen etc.) aus dem Markt gedrängt, die bereit wären, einen Preis zwischen B und E zu zahlen. Die Ineffizienz besteht somit nicht in der Umverteilung der Wohlfahrt vom Nachfrager (Bürger, Unternehmer) zum Anbieter (Beamter), sondern vielmehr in einem zu geringen Markteintritt15.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung definiert Korruption als Machtmissbrauch und motiviert die Untersuchung anhand empirischer Befunde zur Evidenz von Korruption im öffentlichen Sektor.
2. EIN INDUSTRIEÖKONOMISCHER ANSATZ ZUR ERKLÄRUNG VON KORRUPTION: In diesem Kapitel wird ein Monopolmodell von Shleifer und Vishny angewandt, um zu erklären, wie Korruption durch künstliche Verknappung und ineffiziente Marktzugänge ökonomischen Schaden anrichtet.
2.1 DAS GRUNDMODELL VON SHLEIFER UND VISHNY: Hier wird das Basismodell eingeführt, welches den Beamten als gewinnmaximierenden Monopolisten betrachtet und zwischen Korruption mit und ohne Diebstahl differenziert.
2.2 VARIATION DES GRUNDMODELLS: Dieses Kapitel erweitert das Modell um komplementäre Güter und dezentrale Behörden, um realitätsnähere Auswirkungen wie den „doppelten Preisaufschlag“ zu analysieren.
2.3 ZWISCHENFAZIT ZUM INDUSTRIEÖKONOMISCHEN ANSATZ: Eine Zusammenführung der industrieökonomischen Erkenntnisse, die betont, dass Korruption ineffizient ist und besonders in dezentralen Strukturen massive wirtschaftliche Störungen verursacht.
3. EINDÄMMUNG VON KORRUPTION IM ÖFFENTLICHEN SEKTOR: Dieser Abschnitt leitet zur Bekämpfung von Korruption über, indem strukturelle und anreiztheoretische Gegenmaßnahmen untersucht werden.
3.1 EIN INDUSTRIEÖKONOMISCHER ANSATZ ZUR EINDÄMMUNG VON KORRUPTION: Es wird dargelegt, wie Wettbewerb zwischen bürokratischen Stellen Korruption unterbinden kann, indem er Spielräume für Bestechungsforderungen eliminiert.
3.2 DAS PRINZIPAL-AGENT-MODELL ODER ANREIZSYSTEME ZUR EINDÄMMUNG VON KORRUPTION: Dieses Kapitel nutzt die Prinzipal-Agent-Theorie, um das Problem der Informationsasymmetrie zu adressieren und konkrete Anreizsysteme wie Belohnungen und Überwachung vorzuschlagen.
3.3 ZWISCHENFAZIT ZUR EINDÄMMUNG VON KORRUPTION: Ein abschließender Überblick über die entwickelten Strategien, der die Notwendigkeit sowohl makroökonomischer Strukturänderungen als auch mikroökonomischer Anreizsysteme unterstreicht.
4. ZUSAMMENFASSUNG: Die Arbeit resümiert die theoretischen Ergebnisse zu Ursachen und Bekämpfungsmöglichkeiten von Korruption und betont, dass nur ein ganzheitlicher Ansatz den Teufelskreis aus Armut und Korruption durchbrechen kann.
Schlüsselwörter
Korruption, Öffentlicher Sektor, Industrieökonomie, Prinzipal-Agent-Modell, Monopolmodell, Wohlfahrtsverlust, Schmiergelder, Wettbewerb, Anreizsysteme, Informationsasymmetrie, Korruption mit Diebstahl, Korruption ohne Diebstahl, Korruptionsbekämpfung, Markteintritt, Institutionenökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Korruption im öffentlichen Sektor aus ökonomischer Perspektive, wobei sie sowohl die Ursachen für deren Schädlichkeit als auch Lösungsansätze zu deren Eindämmung untersucht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die industrieökonomische Analyse von Korruption als Marktmachtmissbrauch sowie die institutionenökonomische Gestaltung von Anreizsystemen innerhalb einer Behördenstruktur.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt zwei Kernfragen: Warum ist Korruption für eine Volkswirtschaft schädlich und welche konkreten Möglichkeiten bestehen, diese im öffentlichen Sektor effektiv zu reduzieren?
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden industrieökonomische Monopolmodelle (nach Shleifer und Vishny) sowie das institutionenökonomische Prinzipal-Agent-Modell verwendet, um korruptes Verhalten theoretisch zu modellieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Korruptionsschädlichkeit mittels Monopolmodellen und eine praktische Diskussion über Anreizstrukturen wie Belohnung, Bestrafung, Informationsgewinnung und Organisationsgestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Korruption, Monopolmodell, Prinzipal-Agent-Theorie, Wohlfahrtsverlust und Anreizsysteme.
Welche Rolle spielt "Korruption mit Diebstahl" im Vergleich zur Variante ohne Diebstahl?
Korruption mit Diebstahl ist laut Autor schädlicher, da sie dem Staat Einnahmen entzieht, gleichzeitig aber durch Anreize auf beiden Seiten – beim korrupten Beamten und beim Nachfrager – tendenziell höhere Ausbreitungskräfte besitzt.
Warum reicht eine einfache Lohnerhöhung für Beamte nicht aus, um Korruption zu verhindern?
Da Beamte als rationale Akteure (homo oeconomicus) betrachtet werden, würde eine Lohnerhöhung allein nicht verhindern, dass sie ihr höheres Einkommen durch zusätzliche Schmiergelder weiter aufzubessern versuchen. Daher sind begleitende Kontrollsysteme und transparente Leistungsbewertungen notwendig.
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- Matthias Benner (Author), 2009, Ein industrieökonomischer Ansatz zur Erklärung und Eindämmung von Korruption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413387