Seit mehreren Jahren und intensiver seit den großen Flüchtlingsbewegungen aus dem Nahen Osten, beschäftigt sich die deutsche Politik und Gesellschaft intensiver mit dem „Problem“ von Migration. Derzeit sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Bürgerkrieg, Diktatur, Armut und sozialem Elend. Politik und Gesellschaft stehen nun vor der Herausforderung, die nach Deutschland migrierten Menschen in die Gesellschaft zu integrieren und aufzunehmen. Diese Aufgabe und auch das Ausmaß an Migration ist in der deutschen Geschichte nicht neu.
Seit der Frühen Neuzeit umfasst Migration im deutschsprachigen Raum sowohl friedliche grenzüberschreitende Bewegungen, wie auch aggressive Grenzüberschreitungen, Flucht, Aus- und Umsiedlungen. Dabei bewegten sich nicht nur die Menschen über Grenzen hinweg, sondern auch Grenzen über Menschen. So wurden Mehrheiten zu Minderheiten, Minderheiten zu Mehrheiten und Einheimische zu Fremden im eigenen Land. Von den Migrationsbewegungen in der Geschichte ausgehend, war der deutschsprachige Raum schon immer sowohl Aus- als auch Einwanderungsland und brachte je nach Zuwanderungsrichtung unterschiedliche Probleme und Perspektiven der Integration mit sich.
Die wohl größte ‚Bevölkerungsverschiebung‘ im deutschsprachigen, aber auch europäischen Raum, erfolgte Mitte des 20. Jahrhunderts während des Zweiten Weltkrieges. Deutschland bildete dabei einen der am stärksten frequentierten europäischen Migrationsräume und blieb es auch bis in die frühe Nachkriegszeit. Über zwölf Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene sowie bis zu zwölf Millionen ‚Displaced Persons‘ und ‚Evakuierte‘ mussten nach dem Ende des Krieges eine neue Heimat finden. Die Integration dieser Menschen in das massiv zerstörte und verkleinerte Nachkriegsdeutschland schien zunächst kaum lösbar. Die Besatzungsmächte und schließlich seit 1949 die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik standen vor einer riesigen Aufgabe.
Wie die Besatzungsmächte und letztlich die beiden deutschen Staaten mit der Vielzahl an Migrationen und deren Integration umgegangen sind, soll Schwerpunkt dieser Arbeit sein. Welche Lösungsansätze hatten die Besatzungsmächte und später die BRD und die DDR, um sich der Vielzahl an Migranten anzunehmen und diese in ihre ‚neue‘ Heimat zu integrieren?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Krieg und Migration
- Flüchtlinge, Umsiedler und Vertriebene
- Begriffserklärung
- Ursachen und Verlauf
- Staatliche Maßnahmen zur Organisation und Integration
- Displaced Persons
- Begriffserklärung
- Staatliche Maßnahmen zur Organisation und Integration
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit beleuchtet den Umgang der Besatzungsmächte und der beiden deutschen Staaten mit den massiven Migrationsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Fokus stehen die Lösungsansätze zur Aufnahme und Integration der Migranten sowie die Frage der Gleichberechtigung in Bezug auf die gewährten Rechte.
- Die verschiedenen Formen von Migration nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen, Umsiedlern und Vertriebenen sowie Displaced Persons
- Die staatlichen Maßnahmen zur Organisation und Integration der verschiedenen Migrantengruppen
- Der Vergleich der Integrationsprozesse in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik
- Die Unterschiede in der Gewährung von Rechten an die verschiedenen Migrantengruppen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Arbeit stellt die Relevanz von Migration in der deutschen Geschichte dar und führt in die Thematik des Umgangs mit Migration nach dem Zweiten Weltkrieg ein.
- Krieg und Migration: Dieses Kapitel erläutert die Unterscheidung zwischen Zwangsmigration und freiwilliger Migration und beleuchtet die verschiedenen Formen von Zwangsmigration im Kontext des Zweiten Weltkriegs, wie Flucht, Evakuierung, Vertreibung, Umsiedlung, Deportation und Ausweisung.
- Flüchtlinge, Umsiedler und Vertriebene: Dieses Kapitel befasst sich mit den Ursachen und Folgen der Migrationsbewegung deutscher Reichsbürger und Angehöriger deutscher Minderheiten aus Ostmittel- und Südosteuropa. Es beleuchtet die unterschiedlichen Begriffsdefinitionen, die staatlichen Maßnahmen zur Organisation und Integration sowie die Frage der Rechte dieser Migrantengruppe.
Schlüsselwörter
Die Arbeit behandelt die Themen Migration, Integration, Flüchtlinge, Umsiedler, Vertriebene, Displaced Persons, Zwangsmigration, staatliche Maßnahmen, Bundesrepublik Deutschland, Deutsche Demokratische Republik, Rechte, Vergleich.
Häufig gestellte Fragen
Wie ging der deutsche Staat mit der Migration nach 1945 um?
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten über 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene sowie Millionen "Displaced Persons" integriert werden. Dies geschah durch massive staatliche Organisations- und Integrationsprogramme in beiden deutschen Staaten.
Was ist der Unterschied zwischen Flüchtlingen, Vertriebenen und Umsiedlern?
Diese Begriffe bezeichnen verschiedene Gruppen deutscher Reichsbürger und Minderheiten, die aufgrund von Kriegseinwirkungen, Flucht oder zwangsweisen Ausweisungen aus Ostmittel- und Südosteuropa nach Deutschland kamen.
Wer waren die "Displaced Persons" (DPs)?
DPs waren Nicht-Deutsche, die sich infolge des Krieges außerhalb ihrer Heimat befanden, darunter ehemalige Zwangsarbeiter, KZ-Überlebende und Kriegsgefangene.
Wie unterschied sich die Integration in der BRD und der DDR?
Während die BRD die Integration oft durch rechtliche Anerkennung und materielle Eingliederung (Lastenausgleich) förderte, setzte die DDR stärker auf die ideologische Assimilation unter dem Begriff "Umsiedler".
Welche staatlichen Maßnahmen wurden zur Integration ergriffen?
Dazu gehörten die Zuweisung von Wohnraum, Arbeitsvermittlung, die rechtliche Gleichstellung durch Gesetze (z.B. BVFG in der BRD) und soziale Fürsorgeprogramme.
Wurden alle Migrantengruppen gleichberechtigt behandelt?
Die Arbeit untersucht kritisch, ob es Unterschiede in der Gewährung von Rechten gab, insbesondere im Vergleich zwischen deutschen Vertriebenen und den nicht-deutschen Displaced Persons.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Gleiches Recht für alle? Der Umgang des deutschen Staates mit der Migration als Kriegsfolge des 2. Weltkrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413458