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Bedeutungswandel durch gezielte Sprachlenkung. Am Beispiel der Sprache des Nationalsozialismus

Title: Bedeutungswandel durch gezielte Sprachlenkung. Am Beispiel der Sprache des Nationalsozialismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Lisa Bläse (Author)

German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
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Sprache befindet sich zu keiner Zeit in einem fertigem Zustand und ist durch verschiedenste Einflüsse ständiger Veränderung ausgeliefert. Das liegt zum einen natürlich daran, dass eine Sprachgemeinschaft aus vielen einzelnen Individuen besteht und diese verschiedene Einflüsse zu der jeweiligen Sprache beitragen, zum anderen liegt es daran, dass Sprache durch verschiedenste Trends und sich daraus entwickelnden Konventionen beeinflusst wird. Solche Entwicklungen geschehen meist auf relativ natürliche und unbewusste Art und Weise, doch es gibt immer wieder Versuche, Sprache gezielt zu beeinflussen.

Es gibt beispielsweise immer wieder Institutionen und Vereine, die sich für eine Veränderung der Sprache einsetzen, zum Beispiel gegen die Verwendung von Anglizismen im deutschen Sprachraum. Solch eine Beeinflussung von Sprache kann auch durchaus politisch motiviert sein. Besonders in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland war Sprache ein wichtiges Mittel der Propaganda, um die Leute durch Propaganda von den Zielen der NSDAP zu überzeugen.

Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, bestimmte Begriffe aus ebendieser Zeit, die einen kompletten Bedeutungswandel oder eine Bedeutungserweiterung erfahren haben, zu untersuchen und die Frage zu klären, ob eine Rückkehr zur ursprünglichen Bedeutung stattgefunden hat. Dazu ist es zunächst wichtig, näher auf die Begriffe 'Sprachwandel' und 'Sprachsteuerung' einzugehen. Anschließend sollen auf allgemeiner Ebene Besonderheiten der Sprache im Nationalsozialismus herausgearbeitet werden. Im Folgenden soll dann auf einige Beispiele näher eingegangen werden, es wird ein kleiner Überblick über den historischen Wandel der Bedeutung gegeben, eine Erläuterung zur gezielten Steuerung der Bedeutung im Nationalsozialismus und es soll die Frage geklärt werden, ob dieser veränderte Bedeutung bis heute bestehen konnte. Daraufhin soll auf die Gegenbewegung zur Sprache es Nationalsozialismus eingegangen werden, es folgt eine Erläuterung zu dem Versuch, die Sprache zu „Entnazifizieren“, also Begriffe, die durch den Nationalsozialismus geprägt wurden, aus dem Sprachgebrauch zu streichen. Dazu werden beispielhaft zwei Wörterbücher, die genau zu diesem Zweck entstanden sind, vorgestellt und kurz diskutiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprachwandel

2.1 Bedeutungswandel

3 Sprachsteuerung

3.1 Sprachsteuerung im Nationalsozialismus

3.2 Bedeutungswandel und Konnotation in der Sprache des NS-Regimes

3.2.1 Beispiel 1: Wortfeld 'Fanatismus'

3.2.2 Beispiel 2: Wortfeld 'Helden'

3.2.3 Beispiel 3: 'Propaganda'

3.2.4 Fremd- und Lehnwörter im Nationalsozialismus

3.3 Entnazifizierung der Sprache

3.3.1 Aus dem Wörterbuch des Unmenschen

3.3.2 Das Wörterbuch der „Vergangenheitsbewältigung“

4 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den gezielten Bedeutungswandel und die Sprachlenkung während des Nationalsozialismus. Ziel ist es zu analysieren, wie Begriffe ideologisch umgedeutet wurden und ob nach 1945 eine Rückkehr zu ihren ursprünglichen Bedeutungen stattgefunden hat.

  • Mechanismen des Sprachwandels und der Sprachsteuerung
  • Ideologische Umdeutung von Begriffen wie 'Fanatismus', 'Helden' und 'Propaganda'
  • Einfluss von Fremd- und Lehnwörtern in der NS-Zeit
  • Entnazifizierungsmaßnahmen und sprachliche Aufarbeitung

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Beispiel 1: Wortfeld 'Fanatismus'

Das Wortfeld 'Fanatismus' war im NS-Regime ein wichtiges Wort zur Repräsentation der die „blind enthusiastische, rücksichtslose Einsatzbereitschaft“ (Schmitz-Berning 1998, S. 224) bezeichnete.

'Fanatisch', im 16. Jahrhundert aus dem Lateinischen ('fanaticus', religiös schwärmerisch, von der Gottheit ergriffen) entlehnt, war zunächst ein negativ konnotiertes Adjektiv und wurde im christlichen Sprachgebrauch des Mittelalters der „Wahrheit des christlichen Glaubens“ (Schmitz-Berning 1998, S. 224) gegenüber gestellt. Im Deutschen war das Wortfeld mit eindeutig negativer Wertung nur auf den religiösen Bereich beschränkt, die Erweiterung auf allgemeine und politische Bereiche ging von England aus und mit der französischen Revolution verschob sich die Verwendung des Wortfeldes auf politische Bereiche. Das entlehnte Wort 'fanatisch' steht „im Deutschen unübersetzbar und unersetzbar da, und immer ist es als wertender Ausdruck mit starker Negation geladen, es bezeichnet eine bedrohliche und abstoßende Eigenschaft.“ (Klemperer 1947, S.64)

Mit dem Nationalsozialismus kam dann das erste mal eine komplette Umdeutung des Wortfeldes 'Fanatismus'. Es findet nun eine absolut positive Wertung der Wörter 'fanatisch', 'Fanatiker' und 'Fanatismus' statt, wird jemand als 'fanatisch' bezeichnet, so ist er gekennzeichnet durch die „(erwünschte) neue Einstellung der Volksgenossen: heroisch, aber auch besessen von einer Idee erfüllt, unbedingt, ausschließlich“ (Brackmann/Birkenhauer 1988, S.70). 'Fanatismus' ist nun die „höchste Tugend“, eine „unabdingbare Eigenschaft für einen Helden“ (Brackmann/Birkenhauer 1988, S.70). Ganz unterdrückt ist die ehemals negative Konnotation jedoch nicht: „Hitler sprich im Kampfbuch wegwerfend von 'Objektfanatikern'.“ (Klemperer 1947, S. 64)

Doch in Wehrmachtsberichten und ähnlichem wird die Bezeichnung als Darstellung einer außerordentlich heldenhaften Leistung im Kampf verwendet, die Härte der Kämpfe wird mit Formulierungen wie „fanatisch kämpfende[n] Truppen“ (Brackmann/Birkenhauer 1988, S.70) unterstrichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Grundlagen des Sprachwandels und definiert das Ziel der Arbeit, den Bedeutungswandel im Nationalsozialismus kritisch zu untersuchen.

2 Sprachwandel: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Hintergründe des Sprachwandels, insbesondere durch „Invisible-hand-Phänomene“ und die Abgrenzung von Sinn und Bedeutung.

3 Sprachsteuerung: Dieses Kapitel definiert Sprachsteuerung als politisch motivierte Einflussnahme und analysiert spezifisch die NS-Propagandasprache, deren Wortfelder sowie die nachfolgende Entnazifizierung.

4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Sprachpolitik maßgeblich zur Ideologiebildung beitrug und betont die Notwendigkeit, sich der eigenen Sprache und deren Konnotationen bewusst zu sein.

Schlüsselwörter

Sprachwandel, Bedeutungswandel, Sprachsteuerung, Nationalsozialismus, Propaganda, NS-Regime, Entnazifizierung, Fanatismus, Helden, Sprachkritik, Konnotation, Wortfeld, Ideologie, Sprachreinigung, Vergangenheitsbewältigung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie das nationalsozialistische Regime Sprache gezielt manipulierte, um ideologische Ziele zu verfolgen und Begriffe umzudeuten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Der Fokus liegt auf Sprachsteuerung, politisch motiviertem Bedeutungswandel, der Rolle von Propagandasprache und den späteren Versuchen der Entnazifizierung der deutschen Sprache.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu klären, ob durch das NS-Regime umgedeutete Begriffe nach 1945 zu ihren ursprünglichen Bedeutungen zurückkehrten oder die ideologische Prägung beibehielten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse des Wortschatzes, stützt sich auf sprachtheoretische Ansätze (z.B. von Rudi Keller) und wertet Wörterbücher als Instrumente der Sprachkritik aus.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen dargelegt, konkrete Wortfeld-Beispiele wie 'Fanatismus' und 'Helden' analysiert sowie die Sprachpolitik der Alliierten nach 1945 diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprachwandel, Bedeutungswandel, Sprachsteuerung, Propaganda, Entnazifizierung, NS-Ideologie und Sprachkritik.

Welche Rolle spielt das „Wörterbuch des Unmenschen“?

Es dient als Beispiel für eine frühe Form der Sprachkritik, die versuchte, die belastete Sprache der NS-Zeit zu dekonstruieren und Sprecher für die ideologische Aufladung von Begriffen zu sensibilisieren.

Wie unterscheidet sich das „Wörterbuch der Vergangenheitsbewältigung“?

Im Gegensatz zum älteren Werk verfolgt es einen weiterführenden Ansatz, der auch die aktuelle Verwendung und Instrumentalisierung belasteter Vokabeln in der heutigen politischen Debatte hinterfragt.

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Details

Title
Bedeutungswandel durch gezielte Sprachlenkung. Am Beispiel der Sprache des Nationalsozialismus
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Insititut für deutsche Philologie)
Course
Die Deutung der Bedeutung
Grade
1,7
Author
Lisa Bläse (Author)
Publication Year
2014
Pages
22
Catalog Number
V413574
ISBN (eBook)
9783668648777
ISBN (Book)
9783668648784
Language
German
Tags
Sprachwissenschaft Text Semantik Sprachwandel Sprachlenkung Sprache des Nationalsozialismus Nationalsozialismus Bedeutungswandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Bläse (Author), 2014, Bedeutungswandel durch gezielte Sprachlenkung. Am Beispiel der Sprache des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413574
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