Medikamente im Haushalt. Synthese von Acetylsalicylsäure


Facharbeit (Schule), 2017
47 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Bedeutung und Geschichte von Medikamenten

2 Medikamente
2.1 Erforschung eines Medikamentes (ca, 4 Jahre)
2.1.1 Auswahl des Angriffspunkts
2.1.2 Suche nach der Leitstruktur
2.1.3 Auslesen der Entwicklungskandidaten
2.2 Entwicklung (ca, acht Jahre)
2.2.1 Präklinische Prüfungen
2.2.2 Formulierung der Darreichungsform
2.2.3 Herstellungsprozess
2.2.4 Klinische Prüfungen
2.3 Verkehr
2.3.1 Zulassung (durchschnittlich ca, 1,5 Jahre)
2.3.2 Abgabe

3 Acetylsalicylsäure
3.1 Geschichte
3.2 Eigenschaften
3.2.1 Chemische und physikalische Eigenschaften
3.2.2 Wirkungsmechanismus und Verwendung
3.3 Herstellung von Acetylsalicylsäure

4 Herstellung von Acetylsalicylsäure und Vergleich mit Aspirin
4,1 Synthese von Acetylsalicylsäure
4.1.1 Versuchsaufbau
4.1.2 Versuchsdurchführung und Beobachtungen
4.2 Schmelzpunkt vergleich
4.3 Vergleich der pH-Werte
4.4 Vergleich der Salieylsäurenanteile

5 Fazit und Ausblick auf die Zukunft von Aspirin und Medikamenten

1 Bedeutung und Geschichte von Medikamenten

Es existieren über 30000 physische und psychische Krankheiten, die je nach Ausmaß zu einer kurzen Beeinträchtigung bis zum Tod führen können. Ein Drittel dieser sind heutzutage behandel- bzw, linderbar, nur bei einem Bruchteil hofft man auf Heilung, Krankheiten entstehen durch Krankheitserreger, äußere Einwirkungen me- ehaniseher, chemischer oder thermischer Art, psychisch beeinflussende Komponenten sowie durch Vererbung, Sie werden in chronische und akute Krankheitsbilder unterteilt.

Über eine ausführliche Anamnese und Deutung bestimmter Symptome bzw, Syndrome gelingt es Ärzten, Krankheiten zu diagnostizieren. Bei ihrer Heilung, Linderung oder Vorbeugung benötigt man Medikamente, falls sie durch Therapien nicht erlangt werden können. Schon in Zeiten der Neandertaler vor 40-70 Tausend Jahren wurden Heilpflanzen als Medikamente verwendet. Später entdeckten die Mensehen immer mehr davon. Die frühen Hoehkulturen in Assyrien und ägypten kannten schon über hundert pflanzliche, tierische und mineralische Arzneimittel, Besonders aus dem antiken Griechenland, Zentrum der Wissenschaft, entstanden viele Bücher, die fast 1000 natürliche Medikamente beschreiben und als Basis für das mit telai- terliehe Arzneiwissen dienten. Im Vergleich zu anderen Wissenschaften wuchs die mittelalterliche Pharmazie enorm aufgrund gigantischer Seuchen und Epidemien, die ein Drittel der damaligen Population vernichtete. In der Zeit wurden viele vor- gessane arabische Schriften ins Lateinische übersetzt und weiterentwickelt. In der Neuzeit wurde der europäische Arzneisehatz durch die Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Indien extrem bereichert.

Durch die dadurch entstandene neue Dimension des Handels mit Heilpflanzen und Drogen beschäftigte sieh die Alchemie zunehmend mit der Pharmazeutik, um dort finanziell Erfolg zu haben. Seit dem 19, Jahrhundert wuchs das Wissen in der Chemie, sodass bekannte Wirkstoffe aus Heilpflanzen isoliert werden konnten.

Gegen Ende des 19, Jahrhunderts wurde die organische Synthese von Arzneimitteln entwickelt lind massiv durch die chemische Industrie gefördert; es entstanden viele Sehmerzmittel wie Aspirin, Im 20, Jahrhundert setzte man in Folge biochemischer Erkenntnisse Hormone lind Vitamine therapeutisch ein. Durch die pharmazeutische Entwicklung lind dem steigenden Hygienebewusstsein in der Geschichte sind einst lebensbedrohliche Erkrankungen (Pest, Spanische Grippe), die auf Mikroorganismen zurückzuführen sind, stark zurückgegangen. In den heutigen Industrieländern gehen die Hauptgefahren von Gefäß-, Geschwulst- und Stoffwechselkrankheiten aus, die mehr als 80% der heutigen Todesfälle verursachen. In der folgen-den Grafik wird deutlich, dass 39% der Todesfälle in Deutschland auf Krankheiten zurückzuführen sind, die das Herz-Kreislaufsystem beeinflussen.

Zum Beispiel ist der Schlaganfall, ein plötzlicher Ausfall von Gehirnfunktionen aufgrund von Blut versorgungsstör ungen, die zweithäufigste Todesursache in den Industrieländern. Auch die steigende Anzahl an Krebspatienten erhöht das Streben nach Heilmitteln, Jährlich acht Millionen Menschen Sterben weltweit aufgrund von Krebserkrankungen, Todesfälle nach Infektionskrankheiten wie Malaria oder AIDS in den Entwicklungsländern können durch Aufklärung, verbesserter Hygiene und durch ausreichender medizinischen Versorgung umgangen werden,[1]

Auch unsere Hausapotheke zeigt sieh durch ihren alltäglichen Gebrauch von Bedeutung. So besitzt ein Gesundheitsbewusster eine große Menge an Medikamenten, All dies zeigt die Bedeutung von Medikamenten als Werkzeug zur Heilung, weshalb die folgende Seminararbeit das Thema ״Medikamente im Haushalt - Synthese von Acetylsalicylsäure“ behandelt. Im ersten Teil wird die Entstehung eines Modi- kamentes beschrieben, die durch zahlreiche Strenge Kontrollen eine hohe Qualität eines solchen Medikamentes sichergestellt wird. Das Sehmerzmittel ״Aspirin“, welches aus Acetylsalicylsäure besteht, wird als Beispiel für ein Medikament analysiert

und im Versuchsteil selbst hergestellt. Der Reinheitsgrad der selbst synthetisierten Acetylsalicylsäure wird daraufhin als Qualitätsindikator mit dem des industriell hergestellten Aspirins verglichen. Zum Schluss ziehe ich ein Fazit aus dem Experiment und gebe einen kurzen Ausblick über die Zukunft der Medikamente,

2 Medikamente

Das Wort״Medikament“ stammt vom lateinischen Wort״medieamentum“, welches Heilmittel bedeutet. Umgangssprachlich als Synonym zum Begriff״Medikament“ verwendet, unterscheidet sieh das Arzneimittel jedoch dadurch von Medikamenten, dass es zusätzlich zu denen noch Diagnostika - Stoffe, die für medizinischen Diagnosen benutzt werden - umfasst. Der Begriff Heilmittel wiederum geht über den des Arzneimittels hinaus, weil es zusätzlich noch immaterielle Behandlungsmethoden enthält, Medikamente werden somit als Stoffe definiert, die in bestimmter Dosierung der Heilung (kurativ) und Vorbeugung (präventiv) von Krankheiten dienen sowie der Linderung (palliativ) derer Symptome, Xaeh §2 Abs.l des Arzneimittelgesetzes un- terseheidet man zwischen Präsentationsarzneimitteln und Funktionsarzneimitteln, Während Erstere für die Heilung oder Linderung bestimmt sind - unabhängig von der tatsächlichen Wirkung etwa bei Placebos -, erheben Funktionsarzneimittel keinen Anspruch auf Heilung, werden jedoch aufgrund ihrer Wirkung verwendet.

Die Wissenschaft von den Medikamenten heißt Pharmakologie, Sie lässt sieh unterteilen in Pharmakodynamik, die alle erwünschten und unerwünschten biochemischen und physiologischen Effekte eines Medikaments auf den Organismus untersucht, und in Pharmakokinetik, die die Wirkung eines Arzneimittels in Abhängigkeit der Zeit untersucht,[2]

2.1 Erforschung eines Medikamentes (ca. 4 Jahre)

In der Pharmazie untersuchen Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen (von Pharmakologen bis hin zu Informatikern) Krankheiten, Insbesondere erforschen sie dabei deren Ursachen - beispielsweise übermäßiger Alkoholkonsum oder Unfälle -, vergleichen Prozesse gesunder und kranker Körper und ermitteln aus den Ergebnissen dar-aus mögliche Auslöser der Krankheit und bedeutende biochemische Vorgänge der Krankheit,[3]

2.1.1 Auswahl des Angriffspunkts

Danach sucht man für das neue Medikament einen molekularen Angriffspunkt, in der Wissenschaft ״Target“ genannt, im Körper, der an den Krankheitsprozessen beteiligt ist. Es sind Proteine, die sieh um eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben kümmern. Es entstehen Krankheiten, wenn Eiweißstoffe nicht in der richtigen Menge verfügbar sind oder wenn deren Struktur sieh zu stark von der Xorm abweicht, sodass das Zusammenwirken der Proteine im Organismus gestört ist. Die Arzneimittelforscher erschließen dann die dreidimensionale Struktur eines krankheitsrelevanten Zielproteins mit seinen Vertiefungen an der Oberfläche, die als Bindetaschen für biologische Funktionen dienen. Dadurch können die Wissenschaftler eine Substanz, nachdem sie sie gefunden haben, an den Bindetaschen des Targets ansetzen und die krankheitsrelevante Funktion beeinflussen. Diese muss das Protein hemmen bzw, aktivieren. Dafür braucht man einen Wirkstoff, der wie beim ״Sehliissel-Sehloss-Prinzip“ hinsichtlich seiner Größe, Passform und Bindungseigenschaften genau in die Bindetasehe reinpasst. Früher wurden bei der Suche nach Medikamenten viele Schlüssel in wahllosen unbekannten Schlössern ״ausprobiert[4]

2.1.2 Suche nach der Leitstruktur

Mögliche Substanzen als Medikamente gibt es viele, da die Zahl an möglichen Verbindungen aus den Elementen gigantisch ist. Wissenschaftliche Institute und phar- mazeutisehe Unternehmen sammeln in Substanzbibliotheken Millionen chemischer Stoffe, die sie selber hergestellt bzw, gewonnen haben. Diese Menge wird auf ihre biologische Wirksamkeit durch Serientests jeweils in kleinsten Proben (1/1000 ml) auf Kunststoffplatten (Mikrotiterplatten) mit dem Zielprotein mit Robotern getestet (Screening).

Wechselwirkungen zwischen Probe und Protein machen Testsysteme (Assays) messbar, sodass Roboter sie optisch sichtbar machen können. Bis zu 200000 Prii- fungen pro Tag werden im High Throughput Screening (Hochdurchsatz-Screening (HTS)) durchgeführt, wobei darunter ca. 800 bis 2000 Treffer zu finden sind.

Aus dieser Gruppe an Treffern werden die Aussichtsreichsten herausgefiltert. Dabei werden die Treffersubstanzen hinsichtlich ihrer chemischen Struktur gruppiert, sodass erkannt wird, welche Strukturen häufig und damit geeignet sind. Diese Substanzgruppen werden mit allen Versuchsdaten aus der Vergangenheit analysiert und wiederum gefiltert hinsichtlich zweier wichtiger Faktoren:

1. Mögliche Gefahren durch Nebenwirkungen
2. Einfache Herstellung der Moleküle in der Praxis[5]

2.1.3 Auslesen der Entwicklungskandidaten

Es folgen nun Hunderte von Einzelschritten mit einer kontinuierlichen Verbesserung der Substanzeigenschaften. Die wichtigsten Parameter der Optimierung sind die Wirkstärke und die Selektivität der Wirkung, in diesem Fall bedeutet es: ausschließlich Beeinflussung des Zielproteins und möglichst wenige Nebenwirkungen.

Außerdem kommen trotz des frühen Stadiums der Erforschung physikochemische Faktoren bei der Lagerung, wie zum Beispiel ״|,,,| seine Löslichkeit in wässrigen Lö­sungsmitteln oder seine Stabilität gegenüber äußeren Einflüssen wie Wärme, Feueh- tigkeit, Lieht und Sauerstoff |...|“e , hinzu.

Die Passform und Wirkstärke werden schrittweise optimiert, indem auf dem Computer die Moleküle des Wirkstoffes dreidimensional dargestellt werden und solange verändert, bis sie in die Zielstruktur exakt hineinpassen, Nach jeder Voran- derung testen die Arzneimittelforseher aus, ob die neuen synthetisierten, verander- ten Moleküle besser sind als die alten, mithilfe einer Röntgenstrukturanalyse, Diese stellt die räumliche Struktur des Zielproteins, die des Wirkstoffes und damit auch die Bindungsweehselwirkungen auf atomarer Ebene dar.

Ungeeignete Substanzen werden infolge des jahrelangen Optimierungsprozesses ausgelesen, Xur wenige der bis zu 10,000 Substanzvarianten schaffen es zu den Ent- wieklungskandidaten. Diese werden patentiert - der Patentschutz gilt für 20 Jahre - und den vorklinisehen Prüfungen übergeben. Damit beginnt die Phase der Entwiek- lung der einzeln erwählten Substanzen,[6] [7]

2.2 Entwicklung (ca. acht Jahre)

2.2.1 Präklinische Prüfungen

Vor der ersten Anwendung einer Substanz an Menschen, wird ihre Sicherheit und Wirksamkeit durch Labor- und Tierversuche bewiesen. Dies geschieht in den prä­klinischen Prüfungen, In denen bedeutet jede inakzeptable Nebenwirkung bei den Versuehspriifungen das Aus für weitere Tests, Stiehprobenartige, externe Qualitätskontrollen verlangen zudem die Einhaltung der internationalen ״Good Laboratory Practice“ (CLP), Zuerst analysieren hoehkomplexe Programme die chemischen

Strukturen im Vergleich mit anderen Strukturen bekannter Stoffe und schließen bei Übereinstimmung positive und negative Eigenschaften dar, Moleküle mit verdäehti- gen Eigenschaften werden danach strenger geprüft. Mit diesen Ergebnissen arbeiten die interdisziplinären Wissenschaftlerteams weiter. Dabei prüfen und vergewissern sieh die Wissenschaftler ״in vitro“ in vielen Reagenzglasversuchen, ob die Substanzen bezüglich der Sicherheit und der Wirksamkeit die erwarteten Effekte zeigen. An Zellkulturen wird erkennbar, ob bestimmte biologische Reaktionen ausgelöst werden, die zu Nebenwirkungen führen können. Die meisten der untersuchten Substanzen fallen im Reagenzglastest durch.

Die verbliebenen Kandidaten müssen nach dem Gesetz ״in vivo“ in Tierversu- ehen kontrolliert werden, da kein Testsystem ausreichend gut ist, um die komplexen Wechselwirkungen im Gesamtorganismus abzubilden, sodass immer noch unbekannte Effekte nachgewiesen werden können. Außerdem kann man erst bei Lebewesen eine bestimmte Dosierung des Wirkstoffes bestimmen, ״Die Gesetze sind gesetzlich vorgeschrieben und unterliegen Strengen Richtlinien und staatlichen Kontrollen |,,,| und ImüssenI bei den zuständigen staatlichen Stellen |,,,| beantragt werden,“[8] Aus ethischer Verantwortung und Respekt gegenüber Tieren können Tierversuche nur durchgeführt werden, wenn sie wissenschaftlich begründet, notwendig und alternativlos sowie schonend wie möglich sind. In Deutschland werden heute ea, 900,000 Tiere hierfür eingesetzt, allen voran Mäuse und Ratten,

In den Versuchen sind die Wissenschaftler für ihren eigenen Forschungsbereich, zuständig:

״Pharmakologen untersuchen den Wirkmechanismus der Substanz im Org anismus. I... /Pharmakokinetiker ¡untersuchen¡ die Reaktionen eines Org anismus auf die Substanz in Abhängigkeit von verschiedenen Darrei- ehungsforme.n. Ein wichtiger Parameter ist die so genannte Bioverfüg- bürkeit, das ist ein Maß für den Anteil der Dosis, der vom Körper auf genommen wird. ¡Die. Konzentration des Wirkstoffes ist von Bedeutung, da die Wirkstärke von ihr abhängt.I Aufnahme, Verteilung, Stoffwechsel und Ausscheidung der Substanz werden in einem Wirkprofil dargestellt, das die Konzentration der Substanz im Blutplasma zeitlich mit ihrer Wirkung korreliert. Dabei wird berücksichtigt, dass diese Größen nicht nur von den Eigenschaften der Substanz oder ihrer Darreichungsform abhänge.n, sondem durch eine Vielzahl weiterer Faktoren, wie zum Beispiel Lebensalter, Krankheiten oder Wechselwirkungen mit Arznei- und Lebensmitteln beeinflusst werden könnend®

Toxikologen untersuchen, ob und von welcher Dosis an die Substanz unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen kann. Die Verabreiehungsdauer - einmalig oder über eine längere Zeit hinweg - wird hierbei berücksichtigt. Die Ergebnisse werden in einem toxikologischen Risikoprofil dargestellt. Der Sicherheitsabstand zur toxischen Dosis wird als therapeutische Breite aufgeführt. Mit der Beziehung zwischen Wirk- und toxikologischen Risikoprofil werden die potenziellen Medikamente bewertet. So kann ein Krebsmittel trotz hoher Risiken vor schlimmen Nebenwirkungen genauso gut wie einfache Sehnupfenpräparate angesehen werden,[9] [10]

2.2.2 Formulierung der Darreichungsform

Parallel zu den präklinisehen Prüfungen wird die Darreiehungsform des Wirkstoffs mit ihrer zugehörigen Verpackung bis zu den klinischen Prüfungen geplant, um dafür marktnahe Prüfmuster bereitstellen zu können. Dieser pharmazeutische Entwiek- lungssehritt stellt den Übergang zwischen Wirkstoff und Medikament dar. Es werden dabei die physikochemischen Eigenschaften des Wirkstoffes und die Bedingungen am

Anwendungsort sowie die Herstellung und deren Kosten beachtet. Außerdem spielen Marketingaspekte noch mit ein, die bedeutend für den Erfolg des Medikaments sind, wie zum Beispiel Geschmack, Farbe und Form, wenn eine freie Auswahl möglich ist.

Man unterscheidet und ordnet die Medikamentenformen nach ihrem Verabrei- ehungsweg:

- oral (durch Mund, schlucken) : Tablette, Kapsel, Dragee, Saft
- sublingual (unter Zunge, lutsehen): Tablette, Dragee
- nasal (durch Xase, schniefen, träufeln): Pulver, Tropfen
- inhalativ (über Lunge, einatmen): Aerosol
- perkutan (durch Haut): Pflaster, Creme, Salbe, Gel
- rektal (durch Anus): Zäpfchen
- intravenös (in die Arterie): Injektionslösung
- intramuskulär (in Muskel): Injektionslösung (meist Impfstoffe)
- subkutan (unter Haut): Injektionslösung, Implantant

Die Darreiehungsformen haben auch ihre spezifische Verpackung. Eine weitere phar- makokinetisehe, geschmackliche und stabilisierende Verbesserung wird mit speziellen Hilfsstoffen erreicht, die mit dem Wirkstoff verarbeitet werden. Als Hilfsstoffe dienen Bindemittel, Schmiermittel, Gleit- oder Fließmittel, Füllstoffe und Gesehmaekss- toffe, oft zum Beispiel Stärke oder Fette. Besondere Herstellungsverfahren können zudem die Geschwindigkeit, das Ausmaß, den Ort und die Zeit der Wirkstofffreisetzung angepasst werden. Zum Beispiel werden Tabletten häufig mit einem magensaftresistenten Polymerfilm bedeckt, der empfindlich Wirkstoffe vor der sehr sauren

Magensäure schützt. Wenn die Tablette unbeschadet in tiefere Darmabschnitte eintrifft, löst sieh der Film unter diesen pH-Verhältnissen und setzt den Wirkstoff frei. Von Bedeutung sind auch Medikamente mit Depoteffekt mit langfristigen Anwendungen, deren Freisetzung zeitlich an den Bedarf des Patienten angepasst ist. Wie schon davor wird bei jedem Entwicklungsschritt bezüglich zur Darreichungsform, die Qualität und Stabilität geprüft[11]

2.2.3 Herstellungsprozess

Zeit gleich mit den vor klinischen Prüfungen beginnen die chemischen Arzneimittelentwickler mit der schrittweisen Erarbeitung des Syntheseprozesses mit besonderem Hinblick auf die Verbesserung und Wahrung der erforschten physikochemischen Eigenschaften[12] und der chemischen Reinheit der hergestellten Substanzen. Bei jeder neuen Verbesserung eines Syntheseprozesses werden hierfür Kontrollen von Analytikern durchgeführt, Stresstests für äußere Einflüsse sowie sehr langjährige Tests, in denen die Haltbarkeit ohne Qualitätsverlust gemessen wird bzw dafür Prognosen erstellt werden. Wegen hoher internationaler Qualitätsansprüche muss die Herstellung die Standards der ״GMP“ (Good Manufacturing Practice) erfüllen. Deren Einhaltung wird stichprobenartig durch Gesundheitsbehörden oder Qualitätssieherungseinhei- ten überprüft.

Die Suche nach Herstellungsprozessen ist eine wichtige und schwierige Aufgabe, da man bedenken muss, dass die Medikamente in gigantischen Mengen produziert werden. Der größere Herstellungsmaßstab verlangt größere Synthesegefäße, die den Reaktionsablauf ändern können, da der Temperaturanstieg beim Kochen durch die Größe sehr langsam erfolgt und die Moleküle dadurch ihre thermische Energie länger behalten. Außerdem ist das Gefahrenrisiko durch Verwendung leicht entzündlicher

Lösungsmittel entsprechend höher, sodass im schlimmsten Falle die Produktion wogen Umweltsehutzgriinden eingestellt werden müsste. Auch der finanzielle Aspekt muss bei der potenziellen Verkaufsmenge beachtet werden: Der Prozess muss mög- liehst effizient sein im Sinne von hoher Wirkstoffausbeute bei niedrigen Geräten, Energie- und Materialaufwand,

Ein leistungsfähiger Syntheseprozess muss am Anfang der Arzneimittelentwiek- lung schon erarbeitet worden sein, um exakt qualitätsgleiehe Substanzen für die präklinisehen Prüfungen bereitstellen zu können. Bei der Optimierung des Syntheseprozesses dürfen daher wesentliche Eigenschaften des Wirkstoffes nicht verändert werden, im Notfall müssen betroffene Tests wiederholt werden. In der ersten Arbeitskampagne der Entwicklung werden 5-10 kg in sogenannten Kilolabors hergestellt, in den weiteren Kampagnen während der Entwicklung 20-40 kg,, der Bedarf für die ersten klinischen Prüfungen nach der Entwicklung wird in einer Pilotanlage (Technikum) mit 50-80 kg gedeckt. Die endgültige Herstellung findet extern des Forsehungsgebäudes statt,[13]

2.2.4 Klinische Prüfungen

Nun haben die Medikamente fast ihre Zulassung erreicht, nachdem sie hohe Hürden schon überwunden haben. Nur durchschnittlich zehn der am Anfang 10000 Sub­Stanzvarianten, die das Potenzial zum Medikament hatten, schaffen es in die letzten Prüfungen der Arzneimittelentwieklung, die klinischen Prüfungen, Doch auch hier sind die Kontrollen streng: nur durchschnittlich 8% der Substanzen hier erreichen ihre Zulassung, Während der Hersteller die wissenschaftlichen Studien in den Prii- fungen konzipiert, koordiniert und finanziert, führen beauftragte Faehkliniken oder Arztpraxen die klinischen Prüfungen aus, die meist in einer Klinik unternommen werden. Dabei hält man sieh an die internationalen Richtlinien, die die Prüfungen in drei Phasen unterteilen, Da-bei steigt nach jeder Phase die Anzahl an Probanden, da das nun minimale Gefahrenrisiko nach jedem Erfolg sinkt. In allen Phasen gilt die ״Good Clinical Practice“ (GCP), ein Qualitätsstandard für die sichere Prüfung von Arzneimitteln an Menschen, Patienten und Probanden müssen aus- fiihrlieh ״über Chancen und Risiken informiert I werden I und müssen ihr schriftliches Einverständnis geben,“ In Phase I nehmen 20-30 gesunde Testpersonen zwischen 18 und 55 Jahren in einem kurzen oder längeren Zeitraum teil. Da es schwierig ist, an Gesunden pharmakodynamisehe Aussagen erstellen zu können, analysieren die Mediziner hauptsächlich pharmakokinetische Eigenschaften des Wirkstoffs: seine Aufnahme, Umwandlung, sein Ausscheiden und allgemein die Verträglichkeit, Dabei werden verschiedene Dosierungs- und Darreichungsformen getestet und auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten untersucht.

In Phase II wird das Medikament bei 100-500 Patienten mit der zu heilenden Erkrankung untersucht. Hier wird der Fokus auf die Pharmakodynamik gelegt: ob es wirkt, ob Nebenwirkungen entstehen und welche Dosis optimal ist. In Phase III nehmen Tausende von Patienten auf der ganzen Welt unter Beaufsichtigung das neue Medikament ein. Die erfolgten Studien dauern Monate bis Jahre und sollen die bereits ermittelten Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit bestätigen, um für die Zulassung als unbedenklich gehalten werden zu können und auch diese mit herkömmlichen Therapien vergleichen. Um bei den Kranken psychologische Einflüsse - d.h. Hoffnungen oder Befürchtungen - auf das Behandlungsergebnis zu verhindern, werden Doppelblindstudien in Phase II und III durchgeführt. In diesen Doppelblindstudien werden zwei Patientengruppen unterschiedlich behandelt: Eine Gruppe erhält das normale Medikament, die andere das Placebo, eine Nachbildung des Präparats ohne den Wirkstoff, Weder Ärzte noch Patienten wissen bis zum Ergebnis, wer welcher Gruppe zugehört.

Die Daten der Studien sammeln Tester und leiten sie an die Hersteller weiter.

[...]


[1] Nach [51, [1, S.10, 1631

[2] fl, s. 121, [51, [47],ן6] ,ן!

[3] fl, S.1631

[4] fl, S.13, 163-1641

[5] fl, s.164-166, 2351

[6] fl, s. 1731

[7] fl, s. 167-1681

[8] fl, s.171-1721

[9] fl, s. 169-1701

[10] fl, s.169-172, 179, 2351

[11] fl, s.12-13, 176-178, 2361

[12] vgl· 2.1.3

[13] fl, s.173-175]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Medikamente im Haushalt. Synthese von Acetylsalicylsäure
Hochschule
Maria-Theresia-Gymnasium München
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
47
Katalognummer
V413593
ISBN (eBook)
9783668652316
ISBN (Buch)
9783668652323
Dateigröße
1961 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
medikamente, haushalt, synthese, acetylsalicylsäure
Arbeit zitieren
Phi Linh (Autor), 2017, Medikamente im Haushalt. Synthese von Acetylsalicylsäure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413593

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