Lehrprobe zum Thema Mobbing im schulischen Kontext. Was Eltern und Lehrer wissen sollten


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Fakten über Mobbing
1.1. Definition des Begriffs ÄMobbing“
1.2. Wer am Mobbing alles beteiligt ist
1.2.1. Täter: Dominanz und Status als Motiv
1.2.2. Opfer: Es kann jeden treffen
1.2.3. Der Einfluss der Peers

2. Warum die Thematisierung von Mobbing aktuell wichtig ist

3. Prävention und Intervention
3.1. Kritik
3.2. ÄThe Olweus Bullying Prevention Program“ von Dan Olweus

4. Reflektion

Tabellarische Zusammenfassung der Lehrprobe

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

ÄBrillenschlange“, ÄMetallfresse“, oder ÄFettsack“ sind noch einige der harmloseren Beleidigungen, die Kinder und Jugendliche an den Kopf geworfen bekommen können, wenn sie unter Übergewicht leiden, eine Brille oder eine Zahnspange tragen. Nicht nur Beleidigungen, sondern auch physische Angriffe und Erpressungen sind Teil der Problematik, die sich Mobbing nennt. Ein Phänomen, dass seit Jahrzehnten bekannt ist, und trotzdem nicht minder aktuell.

Diese Hausarbeit und Lehrprobe befasst sich zu aller erst mit reinen Fakten und der Definition von Mobbing, um den Zuhörern (Eltern und Lehrer eines Gymnasiums) ein Grundwissen zu vermitteln. Im zweiten Abschnitt erläutere ich, weshalb die Aufklärung über diese Thematik vor allem heutzutage von so großer Bedeutung ist. Im Anschluss daran gehe ich auf die Prävention und Intervention von Mobbing ein und stelle das Antimobbingprogramm des norwegischen Psychologen Dan Olweus vor (ÄThe Bullying Prevention Program“). Die Lehrprobe schließt mit einer Reflektion der Ergebnisse.

1. Fakten über Mobbing

1.1. Definition des Begriffs „Mobbing“

Der Professor Dan Olweus definiert den Begriff des Mobbings im Schulkontext folgendermaßen: ÄEin Schüler wird viktimisiert, wenn er oder sie wiederholt und über längere Zeit negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler ausgesetzt ist“ (Schneider & Lindenberger, 2012, zitiert nach Olweus, 1991). Wenn Aggressionen unsystematisch auftreten, oder zwei gleich starke Personen miteinander Streitigkeiten haben, wird dies nicht als Mobbing bezeichnet. Smith (1994) überarbeitete die Definition und beschrieb Mobbing als einen Äsystematischen, wiederholten Missbrauch sozialer Macht in den kontrollfreien Räumen hierarchisch strukturierter Systeme“ (Schneider & Lindenberger, 2012, S. 692).

Man schätzt die Zahl der regelmäßig gemobbten Schüler in Deutschland auf 500.000 (Schneider & Lindenberger, 2012, S.692). In Grundschulen findet sich eine höhere Prävalenzrate für die Opfer (15-35%), als in weiterführenden Schulen (5-16%). Bezüglich der Täter gibt es kaum Veränderungen der Prävalenzrate; in Grundschulen beträgt diese 7-12% und in weiterführenden Schulen etwa 10% (Schneider & Lindenberger, 2012).

1.2. Wer am Mobbing alles beteiligt ist

1.2.1. Täter: Dominanz und Status als Motiv

Kinder haben theoretisch viel Wissen über die Vielseitigkeit aggressiven Verhaltens, was z.B. durch das Beobachten des elterlichen Verhaltens und der Disziplinierungen seitens der Eltern geschieht (so lernen sie wie vielfältig die Palette aggressiver Akte ist). Ebenso lernen Kinder auch über das Verhalten ihrer Geschwister, Gleichaltrigen und Fernsehhelden; die Theorie des Modelllernens beschrieb Albert Bandura bereits 1963. Das Wissen um die verschiedenen aggressiven Handlungen wird jedoch nur von jenen Kindern umgesetzt, die sich davon Vorteile versprechen und die daraus folgenden Konsequenzen subjektiv als positiv ansehen. Früher dachte man, dass diejenigen, die das Mobbing initiieren über eine inadäquate Informationsverarbeitung verfügen, was dann dazu führt, dass diese Kinder soziale Reize fehlinterpretieren und beispielsweise auch mangelnde soziale Problemlösestrategien aufweisen. Diese Kinder wurden somit als ‚sozial eingeschränkt‘, gleichzeitig aber auch als physisch überlegen beschrieben. Heute weiß man aber, dass dies nur auf reaktiv aggressive Kinder zutrifft. Kinder mit diesem Muster sozialer Informationsverarbeitung reagieren aggressiv, handeln aber nicht von sich aus aggressiv. Kinder die aktiv mobben (= proaktiv aggressiv) verfügen sehr wohl über gute bzw. vielleicht sogar überlegene soziokognitive Fähigkeiten; sie können ihren eigenen mentalen Zustand und den der anderen erfassen, um somit das Verhalten ihrer Mitmenschen erklären und vorhersagen zu können, was ihnen die Manipulation ihres Umfeldes sehr einfach macht (Bandura, 1986). Über solche Mitschüler sagt man beispielsweise Dinge wie Äals Freund bist du super, aber zum Feind würde ich dich nicht wollen“; ihnen gelingt Mobbing, aufgrund ihres positiven Rufs und einem dominanten sozialen Status, besonders gut.

Individuelle Motive wie Rachebedürfnisse, Eifersucht und Konkurrenz etc. spielen selbstverständlich auch eine große Rolle.

1.2.2. Opfer: Es kann jeden treffen

Es wird zwischen zwei Opfertypen unterschieden; dem passiven und dem proaktiven Opfer. Passive Opfer zeichnen sich durch ein geringes Selbstwertgefühl aus, sie wehren sich nicht und sind ängstlich und unterwürfig, während provokative Opfer auf das Mobbing selbst mit Aggressionen reagieren und sich verteidigen.

Hat sich Mobbing erst in einer Schulklasse manifestiert, bedeutet das, es ist dem Täter gelungen die ständigen Attacken gegen das Opfer zu legitimieren, so dass der Täter ungestört weitermachen kann. In solch einem Kontext führen Verhaltensänderungen des Opfers ohnehin kaum zu einer Verbesserung der Situation.

Kinder, die sich einmal in der Opferrolle eingefunden haben erlernen sozusagen die Hilflosigkeit, wodurch sie selbst in jenen Situationen, die theoretisch kontrollierbar wären, keine Kontrolle mehr erwarten. So kann in manchen Fällen selbst ein Schulwechsel nur eine temporäre Lösung darstellen, da diese Betroffenen das Opferverhalten internalisiert haben (Schneider & Lindenberger, 2012, S. 697-698). Neben einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit und Kränkungen des Selbstwertes, können Mobbingopfer auch psychosomatische Symptome aufweisen. Diese beinhalten z.B. Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, selbstverletzendes Verhalten, bis hin zur Suizidalität. Weitere Anzeichen für Mobbing beinhalten nachlassende Schulleistungen, beginnendes Stottern und das Zurückziehen des Kindes/Jugendlichen. Auch kann der Betroffene plötzlich zur Schule gefahren werden wollen, Geld verlieren (wenn dies durch die Täter erpresst wird), oder allgemein den Schulbesuch verweigern.

1.2.3. Der Einfluss der Peers

Nur Handlungen, die sich klar gegen die Aggressionen des Täters richten, eignen sich als Hilfsmittel. Dies können die Peers durch das Hinzuholen von Lehrkräften verwirklichen, welche dann unverzüglich und adäquat reagieren müssen. Ebenso ist es möglich mit größerem Erfolg einzuschreiten, wenn der helfende Mitschüler selbst eine höhere Position in der Klasse hat, oder sich mit anderen Schülern zusammenschließt. Die Peers spielen so gesehen immer eine Rolle beim Mobbing in der Schule: entweder als Assistent/Verstärker, oder als passiv Außenstehende. Da sich die Mehrheit der Mitschüler als solch passive Beobachter zeigen, ist es für den Täter jedoch verhältnismäßig leicht seine Mobbingattacken fortzuführen. Begründet ist dies durch sozialpsychologische Gruppenphänomene, die das Einschreiten der Mitschüler erschwert. Diese sind beispielsweise eine reduzierte Perspektivenübernahme (verhindert sowohl die Einsicht in die Notlage des Opfers, als auch in das eingeschränkte Reaktionsspektrum des Täters), pluralistische Ignoranz (Äes scheinen alle okay zu finden, also was soll’s ...“) und die Verantwortungsdiffusion (Ämeine Mitschüler schauen ja auch nur zu ...“) (Schneider & Lindenberger, 2012, S. 698).

2. Warum die Thematisierung von Mobbing aktuell wichtig ist

Mobbing entsteht in jenen Gruppen, die nicht frei wählbar bzw. nach Belieben zusammensetzbar sind; so zählen beispielsweise Schulklassen dazu. Man kennt in seiner Grundschulklasse nicht unbedingt jemanden, mit dem man gemeinsam im Kindergarten war, genauso wie man nicht immer mit seinen Grundschulfreunden eine Klasse in der weiterführenden Schule teilt. So entstehen Unsicherheiten, Einsamkeitsgefühle und die Gefahr der Ausgrenzung. Das Opfer von Mobbingattacken zu sein stellt also nicht nur eine große Belastung dar, und beeinträchtigt erheblich die Lernkapazitäten der Betroffenen, sondern kann auch die Entwicklung dieser Kinder und Jugendlichen gefährden. Vor allem in der heutigen Zeit, in der Berichte von Terrorismus und Aggressionen gegenüber den Mitmenschen immer häufiger werden, ist Mobbing ein essentielles Thema, das bereits in Grundschulen angegangen werden muss.

Das ÄTreppenstufen-Modell des Terrorismus“ nach Moghaddam (2005) beschreibt sechs Stufen, die erklären, wie die Radikalisierung eines Menschen bis zur Ausführung von Terrorattacken zustande kommt. Je nachdem, wie extrem das Denken und Handeln eines Menschen ist, befindet er sich auf einer der sechs Stufen. So beschreibt das Erdgeschoss eine subjektive Unzufriedenheit und eine empfundene Ungerechtigkeit der Lebensbedingungen. Dort befinden sich jene Menschen, die beispielsweise unter Armut leiden oder über nicht ausreichende Bildungsmöglichkeiten verfügen und auch unglücklich damit sind. Ebenso können aber auch diejenigen betroffen sein, die über ausreichende finanzielle Mittel und eine gute Bildung verfügen, jedoch trotzdem eine generelle Unzufriedenheit gegenüber der Gesamtsituation (in ihrer Stadt, dem Land, oder der Welt) empfinden. Im ersten Stock sucht man Wege, um auf die wahrgenommene Ungerechtigkeit zu reagieren. So wird man sich bewusst, dass man seine Lage selbst verändern kann und findet Lösungen, jene belastende Situation aktiv zu verbessern. Kriterium dieser Stufe ist jedoch der Verzicht auf Gewalt. Wenn man in den zweiten Stock aufsteigt, verschiebt sich die Aggression und man sucht sich einen Schuldigen; und das vor allem, wenn die vorherigen Lösungswege nicht von Erfolg gekrönt waren. Häufig verschiebt sich die Aggression auf fremde Gruppen, beispielsweise ethnische Minderheiten, die nun für die Ungerechtigkeit verantwortlich gemacht werden. Besonders hier wird die Thematik des Mobbings unumgänglich. Im dritten Stock wird die moralische Bindung beschrieben, in der man nun eine Person, oder eine Gruppe gefunden hat, mit der man die gleichen Aggressionen teilt. Der Zusammenschluss sorgt für ein starkes Gruppenzugehörigkeits- und wir-Gefühl, was zur gegenseitigen Radikalisierung führt. Den vierten Stock erreicht zu haben bedeutet die Legitimierung der terroristischen Vereinigung. Das Gefühl Äwir gegen sie“ verstärkt sich und es wird den Personen bewusst, dass ein Rückzug aus dieser Gruppe bedeutet das Zugehörigkeitsgefühl zu verlieren, was vor allem Jugendliche vermehrt suchen. Im fünften Stock werden alle Hemmungen ausgeschaltet, wodurch jene Menschen bereit sind die feindliche und als verantwortlich wahrgenommene Person/Gruppe zu attackieren (vgl. Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014, S. 351).

Mobbing wird immer dort Thema sein, wo unterschiedliche Gruppen aufeinandertreffen, egal, ob die Unterschiede in der religiösen oder sexuellen Orientierung liegen, der ethnischen Herkunft, oder allgemeinen Überzeugungen. Mit der stetig wachsenden Anzahl der Migrationen wird diese Thematik zunehmend unumgänglicher, und dies auch besonders im schulischen Kontext.

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Lehrprobe zum Thema Mobbing im schulischen Kontext. Was Eltern und Lehrer wissen sollten
Hochschule
IB-Hochschule, Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V413687
ISBN (eBook)
9783668645639
ISBN (Buch)
9783668645646
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing, Psychologie, Pädagogik, pädagogische Psychologie, Bullying, Schule, Didaktik, Beratung, Olweus, Eltern, Lehrer, peer pressure, Gruppenzwang, Emotionen, Prävention, Intervention, Lehrprobe
Arbeit zitieren
Sandra Arendt (Autor), 2017, Lehrprobe zum Thema Mobbing im schulischen Kontext. Was Eltern und Lehrer wissen sollten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413687

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