Die Selbsterfahrung in der Musiktherapie


Hausarbeit, 2017

12 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Wirkung von Musik auf Körper und Psyche
1.1 Ergotrope Musik
1.2 Trophotrope Musik

2. Worum es bei der Musiktherapie geht
2.1 Vorgehensweise
2.1.1 Rezeptive Musiktherapie
2.1.2 Aktive Musiktherapie
2.2 Ziele der Musiktherapie

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Begriff der Selbsterfahrung beschreibt einen Prozess in dem man sich selbst als Person besser kennen lernt; so kann man sich beispielsweise intensiv mit seinem Handeln und Fühlen auseinandersetzen. Letztendlich soll das Individuum durch die Selbsterfahrung mehr über seine eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Konflikte und Wahrnehmungen erfahren, was ihm dann ermöglicht sein Verhalten und seine Gefühlswelt zu optimieren und zu erweitern.

Prinzipiell können auch alltägliche Situationen der Selbsterfahrung dienen, wenn man sich denn auch die Zeit nimmt diese Situationen zu analysieren. So kann man sich zum Beispiel fragen, warum es einen stört, wenn man gerade an einer roten Ampel wartet und ein anderer Passant einfach die Straße überquert. Oder man sitzt in der Bahn und fühlt sich von Personen gestört, die gerade lachen und eine gute Zeit haben. Abgesehen davon gibt es jedoch auch zahlreiche andere Methoden sich selbst besser kennen zu lernen; beispielsweise hat man die Möglichkeit eine Gestaltungstherapie zu besuchen, eine Maltherapie, Bewegungstherapie, oder eine Familienaufstellung.

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Thematik der Musiktherapie, genauer gesagt mit dem Prozess der Selbsterfahrung mithilfe von Musik. Zu aller erst wird erläutert welche physischen und psychischen Effekte Musik auf uns hat, um so die Tragweite der Thematik zu veranschaulichen. Daraufhin werden die beiden Methoden der Musiktherapie näher erklärt (rezeptive und aktive Musiktherapie), sowie jene Ziele, die die Musiktherapie versucht zu erreichen. Im Anschluss folgt das Fazit, in dem evaluiert wird inwiefern Selbsterfahrung mithilfe von Musik tatsächlich möglich ist.

1. Die Wirkung von Musik auf Körper und Psyche

Im Gehirn gibt es kein bestimmtes Zentrum für das Wahrnehmen von Musik; stattdessen reagieren mehrere Gehirnbereiche auf Rhythmen und Melodien, unter anderem auch das Belohnungszentrum. Wird das Belohnungssystem aktiviert (beispielsweise auch durch Sex oder Nahrungsaufnahme) wird Dopamin ausgeschüttet, was oft auch als Glückshormon bezeichnet wird.

Der Hippocampus reagiert ebenfalls auf Musik; diesen verbindet man mit Begriffen wie Emotionen, Erinnerungen und Lernen. Nachdem der Hippocampus „wiederum eng mit dem Hypothalamus im Mittelhirn verknüpft ist, sorgt Musik zudem für Entspannung“ (Bernard, 2015, S. 40), da dieser beispielsweise die Regulierung des Stresshormons Cortisol übernimmt und gleichzeitig das bindungsfördernde Hormon Oxytozin ausschüttet.

Da sich der Puls der gespielten oder gesungenen Musik anpasst, kann dies bei Chorsängern ähnliche Auswirkungen wie Oxytozin haben, da durch den synchronen Herzschlag zwischenmenschliche Kooperation und Bindung gefördert werden. Auch das Immunsystem wurde positiv beeinflusst: An der Goethe-Universität in Frankfurt am Main haben die Forscher um Gunter Kreutz den Mitgliedern eines Laienchors vor und nach der Chorprobe eine Speichelprobe entnommen. Gemessen wurde die Menge an Immunglobulin A, welches ein Antikörper ist und die Abwehr von Krankheitserregern unterstützt. Nach der einstündigen Chorprobe wiesen die Mitglieder mehr Immunglobuline A auf als zuvor - es war eine Erhöhung um bis zu 150% nachweisbar (vgl. Chanda & Levitin, 2013, S. 187) - wohingegen das bloße Hören derselben Musik keinen derartigen Effekt auf das Immunsystem hatte.

Das Hören von Musik kann dahingegen nicht nur unsere Stimmung verbessern, sondern auch das Ausschütten von schmerzlindernde Endorphine veranlassen. So berichteten die Forscher um Ulrica Nilsson (Universität Örebro in Schweden), dass Personen, die während oder direkt nach einer Operation Musik hörten, im Durchschnitt weniger Schmerzen hatten und folglich weniger Schmerzmittel benötigten (Bernard, 2015, S. 41).

Im Jahr 1997 führte der Schüler David Merrell aus den USA ein Experiment durch, welches nachwies wie Musik auf die Intelligenz und das Sozialverhalten von Mäusen wirkt. Der sechzehnjährige nahm insgesamt 72 genetisch ähnliche Mäuse (es waren alle männlich, gleich schwer und jung, erhielten die gleiche Menge an Licht und Futter, und einen gleich großen Käfig). Er unterteilte sie in drei gleichgroße Gruppen mit jeweils 24 Mäusen, wobei eine Gruppe Mozart zu hören bekam, die andere Heavy-Metal und die dritte Gruppe, die als Kontrollgruppe diente, bekam keine Musik zu hören. Die Musik lief drei Wochen lang, zehn Stunden täglich, mit einer Lautstärke von siebzig Dezibel (entspricht etwa einem laufenden Fernseher). Jede der 72 Mäuse musste vor Beginn des Experimentes drei Mal ein Labyrinth durchlaufen, wofür sie im Durchschnitt zehn Minuten brauchten. Dies machten sie jede Woche, ebenfalls drei Mal hintereinander; nach drei Wochen hatte also jede Maus das Labyrinth zwölf Mal durchquert. Da sich die Mäuse inzwischen teilweise den Weg merken konnten benötigten die Mäuse, die keine Musikbeschallung erhielten, in ihrer jeweils zwölften Runde nur noch die Hälfte der Zeit für das Labyrinth. Mäuse, die klassische Musik hörten, brauchten dahingegen nur noch eineinhalb Minuten, um es durch das Labyrinth zu schaffen. Jene Mäuse, die Heavy- Metal hörten, waren auffällig langsamer, mit einer Dauer von ca. 30 Minuten, und zogen sich auch immer wieder Verletzungen, wie blaue Flecken und Beulen zu. Bereits ein Jahr zuvor wagte sich Merrell an das Experiment, welches er jedoch vorzeitig abbrechen musste, da er die Mäuse alle in einem Käfig hielt, anstatt jede in ihrem eigenen. Die Mäuse, die Heavy-Metal hörten wurden so aggressiv, dass sie sich gegenseitig und auch die anderen Mäuse tot bissen, bis am Ende nur noch eine Heavy-Metal-Maus übrig war. Harte, aggressive Musik schwächt also nicht nur die Lernfähigkeit, sondern stört auch das soziale Verhalten von Mäusen (vgl. Seiler, 2010, S. 34).

1.1 Ergotrope Musik

Als ergotrope Musik bezeichnet man Musik mit harten Rhythmen und rigider Zeitstruktur, welche sich im Verlauf des Musikstückes noch beschleunigen. Sie beinhalten hauptsächlich Dur-Tonarten, weisen Dissonanzen auf, die mit höheren Dezibelstärken gehört wird. Durch diese Art von Musik erhöht sich der Blutdruck, die Atemfrequenz und der Puls, es treten vermehrt rhythmische Muskelkontraktionen auf, die Pupillen erweitern sich, genauso wie der Hautwiderstand - dies geschieht durch die Wirkung auf den Sympathikus, was eine allgemeine Leistungssteigerung hervorruft. Der Begriff „ergotrop“ (griech. „ergein“ = aktiv sein) bezieht sich hierbei nicht auf die Musik selbst, sondern auf die Reaktionen der Menschen auf diese Musik.

Eine gefährliche Komponente der ergotropen Musik stellt die Handhabung derselben durch den Menschen dar. Beispielsweise kann man den Musikbaustein der Dynamik (=Kraft) positiv sehen, als freundlich aktivierend und ermutigend, wohingegen die Dynamik auch eine negative Seite hat, da sie verletzten, schädigen, und „sogar tödlich sein“ kann (Decker-Voigt, 2000, S. 64), wenn sie nicht konstruktiv eingesetzt wird. Dies gleicht dann einem rauschähnlichen Zustand, wie er sonst nur mit Drogen hervorgerufen werden kann.

1.2 Trophotrope Musik

Im Gegensatz zur ergotropen Musik wirkt die trophotrope Musik auf den Parasympathikus, woraus beispielsweise Entspannung und Lösung resultieren können. Der Blutdruck sinkt, der Puls und die Atemfrequenz verringern sich, die Muskulatur entspannt, die Pupillen verengen sich, der Hautwiderstand sinkt und es tritt Beruhigung auf, evtl. mit einem Lustgefühl verbunden. Diese Art von Musik weist also wenig akzentuierte Rhythmen auf, steht vorwiegend in den Moll-Tonarten, lässt deutlich Konsonanzen vorherrschen (gegenteilig zu Dissonanzen; beschreibt einen Wohlklang), und schallt in geringeren Dezibelstärken. Trophotrope Musik lässt den Menschen wieder auftanken, da man nicht nach außen gelenkt wird, sondern nach innen (Decker-Voigt, 2000, S. 70-73).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Selbsterfahrung in der Musiktherapie
Hochschule
IB-Hochschule, Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V413688
ISBN (eBook)
9783668647695
ISBN (Buch)
9783668647701
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbsterfahrung, Musik, Musiktherapie, Therapie, Psychologie, Ratgeber, musikalisch, Entwicklung, Entwicklungspsychologie, Therapieverfahren, ergotrop, trophotrop, rezeptiv, aktiv, Wirkung
Arbeit zitieren
Sandra Arendt (Autor), 2017, Die Selbsterfahrung in der Musiktherapie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413688

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