Die öffentliche Präsenz von Gender und Trans*, also von Personen, die nicht den Normen von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität entsprechen, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und ist heutzutage ein gegenwärtiges Thema in den Medien. Dennoch scheint es ein Thema zu sein, welches immer wieder für Gesprächsstoff führt, mit Unverständnis zu tun hat und viele Fragen aufkommen lässt.
Gerade durch seine Alltags- und Medienpräsenz heutzutage hat das Thema Gender und auch Trans* für Schüler*innen einen starken Lebensweltbezug bekommen und ist eine Lebenswirklichkeit geworden. Das Thema sollte also auch seinen festen Bestandteil in der Schule bekommen, damit Vielfalt als selbstverständlich und als Bereicherung wahrgenommen wird.
Ein erster Schritt ist in Berlin mit dem neuen Rahmenlehrplan geschehen. Der neue Rahmenlehrplan von 2017 beinhaltet einen Teil B, der eine fachübergreifende Kompetenzentwicklung vorsieht. In diesem Teil B werden diverse übergreifende Themen aufgelistet und deren Wichtigkeit in Bezug zum Kompetenzerwerb genannt. Unter anderem werden auch die Themen Sexualerziehung, Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter und Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt (Diversity) aufgelistet, und sollen somit einen höheren Stellenwert in der Schule bekommen und in jedem Unterrichtsfach eine Bedeutung haben.
Dementsprechend muss Gender und Trans* als Thema auch seinen Bestandteil im Fremdsprachenunterricht bekommen. Welche Möglichkeiten es gibt, im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts mit der Thematik von Gender und Trans* umzugehen, soll im Rahmen dieser Arbeit kurz erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Thema Gender und Trans* im Fremdsprachenunterricht
2.1 Interkulturelles Lernen durch den Perspektivenwechsel
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial des Fremdsprachenunterrichts, das Thema Gender und Trans* aufzugreifen, um durch authentische Materialien und den Einsatz spezifischer Methoden Reflexionsprozesse bei Schülern anzuregen, Vorurteile abzubauen und die Akzeptanz von Vielfalt zu fördern.
- Bedeutung von Gender und Trans* im Fremdsprachenunterricht
- Authentische Gesprächsanlässe durch LGBTQ-Thematiken
- Potenzial der Fremdsprache zur Distanzierung von kulturellen Tabus
- Einsatz der Hot-Seat Methode zur Förderung des Perspektivenwechsels
- Verankerung von Vielfalt und Akzeptanz im Rahmenlehrplan
Auszug aus dem Buch
Interkulturelles Lernen durch den Perspektivenwechsel
Laut Berliner Rahmenlehrplan trägt die interkulturelle kommunikative Kompetenz „zur Entwicklung einer interkulturell sensiblen, von Offenheit und Respekt geprägten Kommunikationsfähigkeit bei. Sie manifestiert sich in fremdsprachlichem Verstehen und Handeln. Dieses beruht auf dem Zusammenspiel von Wissen, Einstellungen und Bewusstheit. […] Zum Bereich der Einstellungen zählen insbesondere die Bereitschaft und die Fähigkeit, anderen respektvoll zu begegnen, sich gleichermaßen offen und kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen […] Dies umfasst auch die Bereitschaft und Fähigkeit zum Perspektivwechsel.“ (RLP Teil C 2017: 10) Bei dem Erlernen von einer neuen Sprache erschließen sich kulturelle Zusammenhänge und dabei kann sich ein veränderter Blick auf zuvor unhinterfragte Selbstverständlichkeiten ergeben. Daher lässt sich die Thematisierung von Gender und Trans* gut mit dem interkulturellen Lernen verbinden und dem Perspektivenwechsel verbinden. „Der in diesem Kontext einzuübende Perspektivenwechsel lässt sich auch auf die kulturelle Kategorie „Geschlecht“ beziehen. Die Dezentrierung von eigenen Vorstellungen und Einstellungen ist gerade angesichts ihrer Allgegenwärtigkeit, die unsere Wahrnehmung stark strukturiert, Voraussetzung dafür, dass die damit verbundenen Normen überhaupt erst als solche gesehen und reflektiert werden können.“ (vgl. König 2015: 4) Eine gelungene Methode im Unterricht um einen solchen Perspektivenwechsel vorzunehmen ist die „Hot-Seat Methode“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende gesellschaftliche Relevanz von Gender und Trans* und argumentiert, dass eine bewusste schulische Thematisierung notwendig ist, um Toleranz zu stärken und Vorurteile abzubauen.
2. Das Thema Gender und Trans* im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel erläutert, warum der Fremdsprachenunterricht durch seine Distanz zur Muttersprache besonders geeignet ist, sensible Geschlechterthemen zu verhandeln und dabei Schüler zu einer kritischen Selbstreflexion zu bewegen.
2.1 Interkulturelles Lernen durch den Perspektivenwechsel: Dieser Abschnitt stellt dar, wie der interkulturelle Ansatz des Rahmenlehrplans durch Methoden wie den Hot-Seat konkret genutzt werden kann, um Empathie für andere Lebensentwürfe zu entwickeln.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Integration von Gender-Themen im Fremdsprachenunterricht eine wertvolle Möglichkeit bietet, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und die Kompetenz zum respektvollen Umgang mit Vielfalt zu schulen.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Gender, Trans*, Interkulturelles Lernen, Perspektivenwechsel, Hot-Seat Methode, Identitätsfindung, LGBTQ, Rahmenlehrplan, Akzeptanz, Vielfalt, Reflexionsprozesse, Heteronormativität, Soziale Konstruktion, Menschenwürde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des Themas Gender und Trans* in den Fremdsprachenunterricht und untersucht dessen pädagogisches Potenzial.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen Geschlechterrollen, Transsexualität, interkulturelles Lernen, der Abbau von Vorurteilen und die Förderung von Akzeptanz und Vielfalt in der Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fremdsprachenlehrkräfte das Thema nutzen können, um Schüler zu einem reflektierten Umgang mit Unterschieden und zur Achtung der Menschenwürde zu bewegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachdidaktischer Literatur und der Analyse curricularer Vorgaben (Berliner Rahmenlehrplan).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die didaktischen Potenziale des Fremdsprachenunterrichts sowie spezifische Methoden, wie den Perspektivenwechsel mittels der Hot-Seat Methode.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fremdsprachenunterricht, Gender, Trans*, Interkulturelles Lernen, Perspektivenwechsel und Akzeptanz.
Wie hilft die Fremdsprache bei der Behandlung sensibler Themen?
Durch die Distanz zur Muttersprache können emotional besetzte oder tabuisierte Begriffe in der Fremdsprache oft freier und weniger befangen verhandelt werden.
Wie kann die Hot-Seat Methode konkret im Unterricht eingesetzt werden?
Schüler schlüpfen in die Rolle einer Figur und beantworten Fragen aus deren Perspektive, was hilft, Empathie zu entwickeln und sich von eigenen Vorurteilen zu distanzieren.
Welche Rolle spielt der Berliner Rahmenlehrplan in der Arbeit?
Er dient als Grundlage und Rechtfertigung, da er fächerübergreifende Kompetenzen wie Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt und den respektvollen Umgang mit Unterschieden explizit fordert.
Wie trägt die Arbeit zum Abbau von Diskriminierung bei?
Indem der Unterricht dazu anregt, soziale Konstruktionen von Normalität zu reflektieren und die Lebensrealitäten anderer kennenzulernen, können Vorurteile abgebaut und ein respektvolleres Miteinander gefördert werden.
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- Hilkka Alaviuhkola (Author), 2017, Möglichkeiten des Fremdsprachenunterrichts zum Thema Gender und Trans*, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413964