Diese Arbeit thematisiert das Phänomen des deutschen Nationalismus hinsichtlich seines Entstehungszusammenhangs und seiner Ideologie im neunzehnten Jahrhundert. Als Instrument zur Ideologisierung diente dem Nationalismus ein reiches Repertoire stereotyper Vorurteile, die der Identitäts- und Alteritätskonstruktion. Nachgegangen werden soll der Frage, ob diese im achtzehnten Jahrhundert zu ideologischen Zwecken gebildeten Stereotype bis in die jüngste Zeit überlebt haben und im derzeitigen rechtspopulistischen Diskurs eine Renaissance erfahren.
Was ist eine Nation? Was ist Nationalismus und warum entstanden beide Phänomene? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Nationalismusforschung spätestens seit 1945 intensiv. Daher werden zu Beginn die wichtigsten Definitionen und Forschungsschwerpunkte der jüngeren Nationalismusforschung komprimiert dargestellt. Im Anschluss daran soll der Entstehungszusammenhang des Nationalismus kurz erläutert werden. Nach Hans-Ulrich Wehler entstand der Nationalismus als Antwort auf strukturelle Krisen der frühmodernen westlichen Gesellschaften und ihrer brüchig gewordenen Weltbilder.
Schien der Nationalismus seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges an Wirkmächtigkeit verloren zu haben, so ist er in der Denkart der deutschen Bevölkerung seit einiger Zeit wieder auf dem Vormarsch. Die Zugehörigkeit zu einer Nation ist bis heute für einige Menschen von elementarer Bedeutung. Zwar stimmt die aktuelle historische Forschung überein, dass die Nation keine natürlich gewachsene Größe ist, dennoch sind im Alltagswissen Vorstellungen über die Wesenhaftigkeit von Nationen und Nationalitäten vorhanden. Benedict Anderson prägte den Begriff der Nation als „imagined community“.
Ziel dieser Arbeit ist es darzustellen, welche Elemente des frühen Nationalismus bis in den gegenwärtigen rechtspopulistischen Diskurs überlebt haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nationalismus
2.1 Typologien des Nationalismus in der Forschung
2.2 Leitbilder der nationalistischen Ideologie
3. Nationalistische Elemente des Rechtspopulismus
4. Fazit
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ideologischen Kongruenzen zwischen dem deutschen Nationalismus des 19. Jahrhunderts und gegenwärtigen rechtspopulistischen Bewegungen. Ziel ist es, die fortdauernde Relevanz nationalistischer Narrative, Identitätskonstruktionen und Exklusionsmechanismen im zeitgenössischen politischen Diskurs zu analysieren und zu bewerten.
- Historische Genese und Definitionen des Nationalismusbegriffs
- Konstruktion nationaler Identität und die Rolle von Stereotypen
- Ideologische Instrumentalisierung von Volkssouveränität und Kulturbegriffen
- Vergleich der Inklusions- und Exklusionsmechanismen bei Rechtspopulisten
- Transformation des Nationalismus in rechtspopulistische Rhetorik
Auszug aus dem Buch
2.2 Leitbilder der nationalistischen Ideologie
Nationalstaaten entstanden im Europa des „langen 19. Jahrhunderts“ in der Zeit zwischen der Französischen Revolution und dem Ersten Weltkrieg. Das folgende Kapitel soll zunächst knapp die historischen Rahmenbedingungen der Entstehung des deutschen Nationalismus wiedergeben, um zu verdeutlichen, in welcher Phase der deutschen Geschichte die „Ideologie“ des Nationalismus entstand und bis heute von besonderer Prägnanz blieb. Ferner soll gezeigt werden, welche Leitbilder den Nationalismus in seiner Entstehungszeit prägten, um dann im nächsten Kapitel zu eruieren, welchen Paradigmen der Nationalismus gegenwärtig folgt. Wurde die „deutsche Leitkultur“ bereits im 19. Jahrhundert erfunden?
Der strukturelle Wandel, der bereits im 18. Jahrhundert durch die Französische Revolution eingeleitet wurde, gelangte im 19. Jahrhundert zu seinem Durchbruch. Die Französische Revolution erzielte schlussendlich, dass die starren Grenzen der Ständegesellschaft aufgebrochen oder zumindest fließender wurden. Die Säkularisation links des Rheins läutete den Zusammenfall der geistlichen Staatlichkeit ein. Linksrheinische wichtige Bischofsstaaten sowie Territorien weltlicher Herrscher wurden 1801 von Frankreich annektiert. Die Französische Revolution, die Säkularisierung und die Auflösung des Reiches leiteten den Zusammenfall der alten Ordnung ein. Aus den politischen Neuerungen ergaben sich tiefgreifende gesellschaftliche Umstrukturierungen. Mit dem beginnenden Säkularisierungsprozess, sahen viele Menschen den Grundstein für die Moderne gelegt. Das Ziel des Nationalismus war die Realisierung eines deutschen Nationalstaates. Jedoch war das zu einende deutsche Reich äußerst heterogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob und wie nationalistische Stereotype und Ideologien aus dem 19. Jahrhundert im heutigen Rechtspopulismus fortwirken.
2. Nationalismus: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen und die Forschung zur Entstehung und den Typologien des Nationalismus, insbesondere als Konstrukt zur Identitätsstiftung.
2.1 Typologien des Nationalismus in der Forschung: Hier werden zentrale Begriffe wie Staats- und Kulturnation sowie essentialistische und konstruktivistische Ansätze der Nationalismusforschung diskutiert.
2.2 Leitbilder der nationalistischen Ideologie: Dieser Abschnitt analysiert die historischen Rahmenbedingungen der Entstehung des deutschen Nationalismus und dessen Funktion als neues Legitimationssystem.
3. Nationalistische Elemente des Rechtspopulismus: Das Kapitel untersucht, wie rechtspopulistische Parteien nationalistische Narrative und Exklusionsmechanismen nutzen, um Identitätspolitik zu betreiben.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Vorstellung von der Wesenhaftigkeit von Nationen weiterhin den rechtspopulistischen Diskurs prägt und moderne politische Bewegungen sich aus einem alten nationalistischen Fundus bedienen.
5. Literatur- und Quellenverzeichnis: Dies ist das bibliografische Verzeichnis der verwendeten Werke und Quellen.
Schlüsselwörter
Nationalismus, Rechtspopulismus, Identitätspolitik, Kulturnation, Volksbegriff, Inklusion, Exklusion, Konstruktivismus, Modernisierung, Feindbilder, Staatsnation, Ideologie, Geschichte, Leitkultur, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen und ideologischen Übereinstimmungen zwischen dem historischen deutschen Nationalismus des 19. Jahrhunderts und den heutigen rechtspopulistischen Diskursen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Nationalismusforschung, die historische Entwicklung nationaler Identitätsbilder sowie deren Übertragung in die heutige rechtspopulistische Rhetorik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, ob und inwiefern Elemente des frühen Nationalismus als „Ideenfundus“ für zeitgenössische rechtspopulistische Parteien wie die AfD dienen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine diskursanalytische Untersuchung, die moderne sozialwissenschaftliche Theorien mit historischer Perspektive verbindet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffsdefinitionen des Nationalismus erarbeitet, gefolgt von einer Analyse der Instrumentalisierung nationalistischer Ideologien durch rechtspopulistische Akteure.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kulturnation, Konstruktivismus, Inklusion, Exklusion und der Wandel der Bedeutung des Volksbegriffs.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sprache?
Die Autorin hebt hervor, dass die Sprache sowohl im 19. Jahrhundert als auch heute als zentrales, identitätsstiftendes Kriterium zur Ausgrenzung „fremder“ Gruppen genutzt wird.
Welche Bedeutung hat das AfD-Wahlprogramm für die Arbeit?
Das Wahlprogramm der AfD dient als konkretes Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie moderne Parteien auf tradierte nationalistische Paradigmen zurückgreifen.
Gilt der Rechtspopulismus als direkter Erbe des Nationalismus?
Die Arbeit sieht den Rechtspopulismus nicht als bloße Kopie, sondern als ein Phänomen, das sich selektiv aus dem historischen nationalistischen Ideenfundus bedient, um in der Gegenwart auf gesellschaftliche Unsicherheiten zu reagieren.
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- Pia-Sophie Schillings (Author), 2017, Populistischer Nationalismus? Ein Vergleich der Diskurse, Vorstellungen und Feindbilder des Nationalismus und rechtspopulistischer Bewegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413966