Als die Bundesrepublik Deutschland 1949 in den Startlöchern stand und das Grundgesetz aufgestellt wurde, ging es auch um die deutsche Staatsform. Das Grundgesetz kennzeichnet die Bundesrepublik hierbei als „demokratischen und sozialen Bundesstaat“ (Art. 20, Abs. 1 Grundgesetz), dies macht den Föderalismus zu einem Grundprinzip der staatlichen Organisation. Für die Bildungspolitik hat diese Ordnung sowohl Vor- als auch Nachteile, welche in diesem Essay beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Bildungsföderalismus – ein obsoletes Relikt vergangener Zeiten?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Relevanz und Zukunftsfähigkeit des Bildungsföderalismus in Deutschland vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Mobilität und der Forderung nach vergleichbaren Bildungsstandards. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern in ihrer heutigen Form den Anforderungen einer globalisierten Welt noch gerecht wird.
- Strukturelle Grundlagen des deutschen Föderalismus und der Kulturhoheit der Länder
- Herausforderungen durch regionale Unterschiede und mangelnde Mobilitätssicherheit
- Diskurs um Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Wunsch nach einem Zentralabitur
- Kritische Analyse der Kultusministerkonferenz und ihrer Entscheidungsstrukturen
- Plädoyer für eine Reform zur Steigerung der systemischen Durchlässigkeit
Auszug aus dem Buch
Der Bildungsföderalismus – ein obsoletes Relikt vergangener Zeiten?
Als die Bundesrepublik Deutschland 1949 in den Startlöchern stand und das Grundgesetz aufgestellt wurde, ging es auch um die deutsche Staatsform. Das Grundgesetz kennzeichnet die Bundesrepublik hierbei als „demokratischen und sozialen Bundesstaat“ (Art. 20, Abs. 1 Grundgesetz), dies macht den Föderalismus zu einem Grundprinzip der staatlichen Organisation. Doch was versteht man eigentlich unter Föderalismus? Föderalismus „stellt eine politische Ordnung dar, bei der die staatlichen Aufgaben zwischen Gesamtstaat und Einzelstaaten aufgeteilt werden, und zwar so, dass beide politischen Ebenen für bestimmte (verfassungsgemäß festgelegte) Aufgaben selbst zuständig sind“ (Schubert und Klein, 2011, S.99).
Für die Bildungspolitik bedeutet dies eine Kulturhoheit der Länder, was auch mit Art. 30 GG begründet werden kann welcher die Ausübung staatlicher Befugnisse sowie die Erfüllung staatlicher Aufgaben in die Hände der Länder legt, soweit es im Grundgesetz nicht anders geregelt ist. Doch auch innerhalb der Länder gibt es Zuständigkeitsverteilungen. Während die Länder für die sog. „inneren Schulangelegenheiten“ zuständig sind, incl. Lehrpläne, Schulbücher, Prüfungen, Lehrpersonal oder Schulformen, sind die einzelnen Kommunen für die sog. „äußeren Schulangelegenheiten“ also alles von Errichtung und Erhalt der Schulgebäude bis zum nicht-lehrenden Personal verantwortlich (van Ackeren und Klemm,2011, S.106/7). Bei 16 Bundesländern gibt es natürlich 16 Lehrpläne, 16 Schulgesetze oder 16 Schulbücher zu einem Fach.
Ist es noch zeitgemäß in einer bis zum Geht-nicht-mehr globalisierten Welt hartnäckig Dezentralismus vom feinsten zu betreiben? Oder sollte man gerade wegen dem PISA-Zeitalter im Bildungssystem die Möglichkeit haben auf regionale Unterschiede einzuwirken? In diesem Essay werde ich mich mit dieser Frage befassen und erörtern ob der Bildungsföderalismus noch zeitgemäß ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Bildungsföderalismus – ein obsoletes Relikt vergangener Zeiten?: Der Essay analysiert die historische Entstehung sowie die gegenwärtigen Problematiken des deutschen Bildungsföderalismus und diskutiert die Notwendigkeit sowie mögliche Ansätze für eine Reform.
Schlüsselwörter
Bildungsföderalismus, Grundgesetz, Kulturhoheit, Kultusministerkonferenz, Zentralabitur, Bildungssystem, Mobilität, Schulwechsel, Bildungsstandards, Bildungsreform, Bildungsföderalismus in Deutschland, Bildungsqualität, Wettbewerb, Vergleichbarkeit, Schulformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des deutschen Bildungsföderalismus und der Frage, ob das System der Kulturhoheit der Länder in der modernen Gesellschaft noch angemessen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die rechtlichen Grundlagen der Bildungszuständigkeit, die Herausforderungen für Schüler bei Wohnortswechseln sowie der Konflikt zwischen regionaler Vielfalt und der Forderung nach bundesweiter Vergleichbarkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Essays?
Die Hauptfrage ist, ob der Bildungsföderalismus ein überholtes Relikt darstellt oder ob er durch den Wettbewerb zwischen den Ländern weiterhin positive Anreize für das Bildungswesen liefert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in diesem Essay verwendet?
Der Autor nutzt eine argumentative Analyse basierend auf politikwissenschaftlicher Fachliteratur sowie die Auswertung aktueller bildungspolitischer Debatten und statistischer Daten, etwa zu Abiturnoten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Mobilität der Schüler, die Rolle der Kultusministerkonferenz, die Problematik unterschiedlicher Abituranforderungen und die Debatte um das Zentralabitur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Bildungsföderalismus, Kulturhoheit, Zentralabitur, Vergleichbarkeit, Bildungsreform und die Konkurrenz zwischen den Bundesländern.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Kultusministerkonferenz?
Der Autor kritisiert die Behäbigkeit der Konferenz, die durch das Einstimmigkeitsprinzip bedingt ist, und plädiert für eine strukturelle Reform zur Effizienzsteigerung.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Reformbedürftigkeit?
Der Autor lehnt blinden Reformeifer ab, sieht jedoch dringenden Handlungsbedarf bei der landesweiten Durchlässigkeit der Systeme und der Sicherstellung einer besseren Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse.
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- Maximilian Hastenteufel (Author), 2017, Der Bildungsföderalismus. Ein obsoletes Relikt vergangener Zeiten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414027