Didaktik der populären Musik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

19 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeicihnis

1. Einleitung
1.1 Zum Begriff der Didaktik
1.2 Zum Begriff der Populären Musik

2. Didaktische Konzeptionen der Populären Musik ab 1945
2.1. Die 50er und 60er Jahre: Jugendschutz vor kulturindustrieller Manipulation
2.2 Die 70er Jahre: Rockmusik und Politik
2.3 Die 80er Jahre: Die Akzeptanz der Popmusik als fester Bestandteil jugendlicher Identität
2.4 Die 90er Jahre bis Heute: Ästhetische Erfahrungsräume inszenieren

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit stellt den Versuch dar, auf wenigen Seiten eine Einführung in die didaktische Entwicklung der Popmusik im Schulunterricht allgemeinbildender Schulen in Deutschland wiederzugeben.

Die stetige Entwicklung, deren Anfangspunkt zu Kriegsende 1945 gesetzt wird, versuche ich in temporäre Abschnitte zu gliedern, denen jeweils ein bestimmter Zeitgeist zugrunde liegt, der sich in den einzelnen Kapitelüberschriften wiederfindet. Ich nehme vier zeitliche Einteilungen vor: die 50er- und 60er Jahre, die 70er Jahre, die 80er Jahre und schließlich die 90er Jahre bis zum heutigen Zeitpunkt.

Die verschiedenen angesprochenen Positionen dürfen jedoch nicht als starr oder allgemeingültig für die jeweilige Zeit betrachtet werden. Auch zu Zeiten, in denen populäre Musik als Unterrichtsstoff völlige Ablehnung erfuhr, gab es Ansätze, die dem widersprachen und moderne Züge aufweisen. Aus Platzgründen werde ich mich darauf beschränken, die Hauptströmungen zu beschreiben und auf exemplarische Unterrichtsmodelle einzugehen.

Als Hilfe zum besseren Verständnis der Begriffe Didaktik und populäre Musik füge ich zu Beginn der Arbeit jeweils ein Kapitel zur Definitionsklärung ein. Besonders der Begriff der populären Musik bedarf häufig Klärung, da es für diesen in dieser Arbeit so wichtigen Basisbegriff keine eindeutige Definition gibt.

1.1 Zum Begriff der Didaktik

Das Wort „Didaktik“ stammt aus dem 17. Jahrhundert und bedeutet „lehren“[1]. Es stammt vom altgriechischen „didáskein“ und befasst sich „mit der Reflexion über die Bildungsgrundsätze des Unterrichts, über seine Ziele und Inhalte“[2]. Das erste Werk, das den Begriff der Didaktik für sich beansprucht hat, ist die „Didactica magna“ von Johann Amos Comenius[3]. Die Didaktik befasst sich im Gegensatz zur Methodik mit der Theorie und Praxis des Inhalts und nicht mit der Vermittlung. Es geht darum, Lehrenden konkrete Handlungsmöglichkeiten zu geben und auch die Lernenden zu unterstützen. Sie ist also eine „Handlungswissenschaft“[4]. Um den konkreten Fall der Musikdidaktik aufzugeifen, spricht Schatt davon, dass es

„um eine absichtliche Veränderung von Menschen geht, und zwar dahingehend, dass sie sich Erscheinungen der Welt in neuer Weise oder neuen Erscheinungen der Welt zuwenden […] ferner entwickelt und überprüft die Didaktik Inhalte, Vorgaben für Bildungsgänge, Lehrpläne und Curricula und stellt Hilfen zum Musikunterricht bereit“[5].

Die Musikdidaktik galt jedoch lange Zeit nur als Teildisziplin der Musikwissenschaft und nicht als selbstständiger Bereich[6].

Werner Jank beschreibt den Gegenstand der Didaktik, indem er ihn in 9 W-Fragen aufteilt:

1. „Wer soll lernen?
2. Was soll gelernt werden?
3. Von wem soll gelernt werden?
4. Wann soll gelernt werden?
5. Mit wem soll gelernt werden?
6. Wo soll gelernt werden?
7. Wie soll gelernt werden?
8. Womit soll gelernt werden? Und
9. Wozu soll gelernt werden?“[7].

Zugleich macht er auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die das klare Beantworten dieser Fragen mit sich bringt.

Zu 1: Wer soll lernen?

Die Didaktik befasst sich mit der intentionalen Erziehung, also dem gezielten Beeinflussen der Entwicklungs- und Lernprozesse des Menschen[8]. Jank wirft im Bezug zur Musiklehre die Frage auf, ob es nötig ist, Musik zu lernen oder es reguliert werden soll (nur wer Lust hat, diese zu lernen und einer gewissen Leistungsüberprüfung zur Klärung der Eignung vorab standgehalten hat).

Zu 2: Was soll gelernt werden?

Die Hauptfrage, die Jank hier aufwirft, ist die, ob Musik zur Allgemeinbildung gehört und somit verpflichtend gelernt werden soll oder nicht. Auch welche Bereiche der praktischen und theoretischen Musiklehre wichtig sind oder auf welche verzichtet werden kann gehört zur Aufgabe der Didaktik[9].

Zu 3: Von wem soll gelernt werden?

Hier besteht die Problematik in dem diffusen Berufsbild des Musiklehrers. Ist er ein Allrounder oder auf bestimmte Bereiche spezialisiert?

Zu 4: Wann soll gelernt werden?

Die Qualität des Lernens ist je nach Tageszeit unterschiedlich. Die Didaktik muss auch hier forschen und versuchen einen Schultag und auch die Lerneinheiten in Phasen zu unterteilen, um das bestmögliche Lernergebnis zu erzielen[10]. Diese Phasen lassen sich laut Jank in „Phasen der Konzentration, der Entspannung, der Wiederholung, der Pause oder der Einstimmung auf ein neues Thema“[11] einteilen.

Zu 5: Mit wem soll gelernt werden?

Jank empfiehlt die Mitschüler. Doch nach welchen Kriterien diese ausgewählt oder sortiert werden sollen, bleibt eine ungeklärte Frage. Das Gebiet, das sich dieser Frage widmet, ist die „Differenzierung und Integration“[12].

Zu 6: Wo soll gelernt werden?

Eigens für den Zweck des Lernens und Lehrens wurde die Institution Schule etabliert. Prämisse dieser Institution ist das Lernen in einer Gemeinschaft, gelehrt durch geschultes Personal in einer auf ein demokratisch ausgelegtes Leben vorbereitenden Umgebung[13].

Zu 7: Wie soll gelernt werden?

Das Wie bezeichnet in erster Linie die Methodik. Mittel und Formen des Lernens und Lehrens sollen entwickelt werden, hier knüpft die Didaktik an die Psychologie, besonders an die Lernpsychologie, an[14].

Zu 5: Womit soll gelernt werden?

Medien jeder Art sind hier der Schlüsselbegriff. Ob die ersten Bücher zu Gutenbergs Zeiten oder modernste Technik der heutigen Zeit, die Begriffe Lernen und Medien sind seit jeher untrennbar miteinander verwoben.

Zu 9: Wozu soll gelernt werden?

Hinter jedem Bildungsauftrag steht ein konkretes Ziel, das erreicht werden soll. Lernen um des Lernens Willen ist dies selten. Die reine Vermittlung von Fachwissen oder die Sozialisation des Individuums sind wohl die häufigsten dieser Bildungsideale.

1.2 Zum Begriff der Populären Musik

Der Begriff Popmusik umfasst seit Ende der sechziger Jahre „Rockmusik, Formen des Jazz und Blues, Folklore, Chanson, Diskomusik usw.“[15]. Er beschreibt also „verschiedenste[n] von Jugendlichen präferierte[n] Musikgenre“[16] die „besonders Verbreitung durch Rundfunk und Fernsehen“[17] erfahren. Und „Gerade die 14- bis 20jährigen stellen die bei weitem größte Käuferschicht dieser Tonträger dar“[18] die häufig als „’Fließband-‚ und ‚Wegwerf-Produkte’“[19] bezeichnet wird.

Auch in anderen Alltagsbereichen hat die populäre Musik Einzug gehalten: „In Filmen, Vernissagen, Balletten und Theateraufführungen gilt diese Musik als selbstverständlicher Bestandteil“[20]. Laut Jerrentrup ist in Umfragen seit den 70er Jahren folgendes Ergebnis bei Jugendlichen eindeutig und stetig: „1. Musikhören ist ihre bevorzugte Freizeitbeschäftigung; 2. Pop- und Rockmusik stehen dabei konstant an erster Stelle“[21].

Untermalt man etwas mit Popmusik, möchte man einen gewissen Charakter zuweisen. Aber auch aus sich selbst heraus scheint Popmusik Vorurteilen zu unterliegen und schon der Begriff selbst ist wertend:

„Es stellt sich heraus, daß [sic] ‚Popmusik’ ein Gattungs-Stereotyp ist, in dessen Bereich durchaus unpopuläre Musik fallen kann, wohingegen das Adjektiv ‚pop’ eher wertenden Charakters zu sein scheint, also eine Einstellung wiedergibt“[22].

Häufig findet man Aussagen wie: „Die überwiegend simple oder auch offen primitive Machart der Musik, an der selten etwas Wichtiges zu zeigen ist. Pop/Rock will ja gerade kein originäres Bildungsgut sein!“[23], die die negative Konnotation der Popmusik noch bestärken und sogar versuchen sie zu etwas Positivem, Absichtlichen zu machen.

Wie Knolle ausführt, kann „Populäre Musik [kann] dann als ein Mittel zum Zweck aufgefasst werden, wobei der jeweilige Zweck durchaus auch außerhalb des musikalischen Bereiches liegen kann“[24].

„Die Zielperspektiven, die aus Pop/Rock sprechen, lassen das Kulturbürgertum zurückschrecken: Beim Pop dominieren simpler wie übermütiger Spaß und Ausgelassenheit, dann auch ‚Tagträumen’ und sentimentale Erlebnisformen ( vor allem bei (Pop-Balladen’). In den Rockmusikarten geht es u. a. um den Ausbruch aus gesellschaftlichen Zwängen (‚Realitätsflucht’), um Ausdruck von unbändiger Kraft und Vitalität, um Demonstration und Abbau von Frustrationen, um Rebellion, manchmal auch Agitation und gelegentlich um regelrechte Provokation. In beiden Musikformen spielen Rationales und Intellektuelles fast keine Rolle, obschon bei den verschiedenen Produktionsprozessen professioneller Umgang mit hochtechnischen und komplexen Geräten angesagt ist und immer wieder Pop/Rockiges auf den Markt kommt, das aufgrund durchkomponierter, besonders komplexer oder origineller Gestaltung geistig anspruchsvoll ist (vor allem im ‚Kultur’ oder ‚Art-Rock’ (!), manchmal in experimenteller Popmusik“[25].

Eine richtige Definition, die aller Kritik standhalten könnte, gibt es allerdings nicht und kann es bei dem ständigen Wandel („das schnelle Altern von Pop/Rock“[26] ), dem Musik bezüglich ihrer Popularität unterliegt, auch nicht geben:

„Als Grund für die Probleme wird häufig die Geschwindigkeit angeführt, mit der sich ständig neue Spielarten populärer Musik entwickeln, bekannte Stilistiken veralten, Stars kommen und gehen und Jugendliche sich neuen Strömungen zuwenden“[27].

Weiter sagt Jank:

„Ihr Grad an Beliebtheit ist sicher ein hilfloses Kriterium zu Ein- und Abgrenzung musikalischer Genre. Und der Widerspruch im Titel ist offensichtlich: Die Popularität von Techno ist beschränkt, Jazz begeistert nicht die Massen“[28].

Was eine klare Definition auszuschließen scheint, wird gleichzeitig zum deutlichsten Kriterium. Es fällt nicht schwer zu deuten, was populäre Musik ist, und es scheint, wenn man nicht zu sehr in die Tiefe gehen möchte, auch kein Problem darzustellen, diesen Begriff zu benutzen. Es ist den meisten bewusst, was gemeint ist, auch wenn es sich nicht um einen fixen Gegenstand handelt.

[...]


[1] Jank, 2005. S. 9.

[2] Helms/Schneider/Weber, 1997. S. 21.

[3] Vgl. Jank, 2005. S. 9.

[4] Ebd. S. 10.

[5] Schatt, 2007. S. 17.

[6] Vgl. Jank, 2005. S. 21.

[7] Ebd. S. 16.

[8] Vgl. Jank, 2005. S. 16.

[9] Vgl. Jank, 2005. S. 17.

[10] Vgl. Ebd. S. 18.

[11] Ebd. S. 18.

[12] Ebd. S. 19.

[13] Vgl. Ebd.

[14] Vgl. Ebd.

[15] Schütz, 1982. S. 16.

[16] Ebd.

[17] Vgl. Helms/Schneider/Weber, 1997. S. 279.

[18] Ebd.

[19] Ebd. S. 285.

[20] Jank, 2005. S. 280.

[21] Helms/Schneider/Weber, 1997. S. 279.

[22] Wiechell, 1975. S 10.

[23] Helms/Schneider/Weber, 1997. S. 285.

[24] Knolle, 1979. S. 16f.

[25] Helms/Schneider/Weber, 1997. S. 284.

[26] Helms/Schneider/Weber, 1997. S. 284.

[27] Jank, 2005. S. 213.

[28] Ebd. S. 209.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Didaktik der populären Musik
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Institut für Musik und Musikwissenschaft)
Note
2,0
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V414053
ISBN (eBook)
9783668650077
ISBN (Buch)
9783668650084
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, populäre Musik, Popmusik, 70er, 80er, Rockmusik, Politik, 1945, 50er, 60er, Kultur, Jugendkultur, Identität, 90er
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Anonym, 2014, Didaktik der populären Musik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414053

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