Bernsteins West Side Story im Vergleich zu Shakespeares Romeo und Julia

Analyse zur musikdramatischen Umsetzung am Beispiel ausgewählter Szenen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

21 Seiten, Note: 2-

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 William Shakespeare: The Most excellent and lamentable Tragedy of Romeo and Juliet
1.2 Leonard Bernstein: West Side Story

2. Analyse Zur Musikdramatischen Umsetzung Am Beispiel Ausgewählter Szenen
2.1 Akt I, Szene I / Prologue
2.1.1 Die Handelnden
2.1.2 Musikdramatische Umsetzung
2.2 Akt I, Szene V / The Dance at the Gym
2.2.1 Die Handelnden
2.2.2. Musikdramatische Umsetzung
2.3 Akt II, Szene II / The Balcony Scene
2.3.1 Die Handelnden
2.3.2 Musikdramatische Umsetzung
2.4 Akt III, Szene I / The Rumble
2.4.1 Die Handelnden
2.4.2 Musikdramatische Umsetzung
2.5 die Stimmlagen

3. Resumée

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Diese Arbeit befasst sich mit William Shakespeares Romeo and Juliet als Vorlage zu Leonards Bernsteins West Side Story und zeigt an den vier Szenen „Prologue“, „The Dance at the Gym“, „Balcony Scene“ und „The Rumble“ Gemeinsamkeiten beider Werke auf. Jede Szene wird zunächst in ihrem Inhalt vorgestellt, danach werden die Handelnden eingeführt und schließlich die Musik des Musicals behandelt. Hauptsächlich steht die musikdramatische Umsetzung der Shakespear’schen Vorlage bei Bernstein im Vordergrund der Untersuchung.

Das Ziel ist es an vier Szenen aufzuzeigen, dass Bernstein Romeo and Juliet als Vorlage benutzt und in die 1950er Jahre, also zur Entstehungszeit des Musicals in die Neuzeit, gesetzt hat.

1.1 William Shakespeare: The Most excellent and lamentable Tragedy of Romeo and Juliet

Die 1597 veröffentlichte Tragödie The most excellent and lamentable tragedy of Romeo and Juliet, besser bekannt als Romeo and Juliet, erzählt die tragische Liebesgeschichte eines Montagues, Romeo, und einer Capulet, Juliet, die Kinder zweier verfeindeter Häuser in Verona. Die Hoffnung, durch die Liebe der beiden die Familienfehde beenden zu können, wird bald zerschlagen und es endet in der Katastrophe. Erst über den Tod ihrer Kinder findet der Konflikt der Familien ein Ende.

Als Bühnenwerk konzipiert, wird es vermutlich 1597 in London uraufgeführt und geht auf die literarische Vorlage The Tragicall Historye of Romeus and Juliet von Arthur Brooke aus dem Jahre 1562 zurück.

1.2 Leonard Bernstein: West Side Story

Das Musical erzählt die Geschichte zweier rivalisierender Jugendbanden in Manhattan, New York. Die „Jets“, einheimische New Yorker, und die „Sharks“, eingewanderte Puerto Ricaner, bekämpfen sich und bilden die Basishandlung des Musicals, vor der sich eine tragische Liebesgeschichte im Stile von Shakespeares Romeo and Juliet abspielt. Der ehemalige Bandenanführer der „Sharks“, Tony, verliebt sich in die Puerto Ricanerin Maria. Die Geschichte endet nach einer Steigerung und Eskalation des Bandenkrieges mit dem Tode Tonys.

Das Musical West Side Story wird am 26. September 1957 im Winter Garden Theater in New York uraufgeführt. Die literarische Vorlage kommt von Arthur Laurents, die Musik von Leonard Bernstein und das Libretto von Stephen Sondheim. Verfilmt wird das Musical 1961 unter der Regie von Robert Wise und Jerome Robbins, der auch für die Originalchoreographie verantwortlich ist, und gewinnt insgesamt zehn Oscars.

2. Analyse Zur Musikdramatischen Umsetzung Am Beispiel Ausgewählter Szenen

Im gesamten Verlauf des Musical finden sich zahlreiche Parallelen zu

Shakespeares Drama Romeo and Juliet. Im Folgenden werden vier wichtige und in ihrer Handlung ähnliche Handlungsteile herausgestellt. Folgende Szenen werden bearbeitet: Prologue, The Dance at the Gym, The Balcony Scene und The Rumble.

Da Shakespeares Romeo and Juliet als literarisches Vorbild der West Side Story angenommen wird, werden die nachfolgend bearbeiteten Szenen mit ihren Pendants aus Romeo and Juliet verglichen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der musikdramatischen Umsetzung.

2.1 Akt I, Szene I / Prologue

Das Musical beginnt mit folgender Szene. Es ist 17h an einem Sommertag in New York. Direkt zu Beginn treffen die verfeindeten Gangs, die Sharks und die Jets, aufeinander, liefern sich eine Verfolgung durch die Strassen Manhattans und provozieren sich gegenseitig. Schließlich wird der Konflikt durch das Erscheinen der Officers Krupke und Schrank beendet, ohne dass jemand ernsthaft zu Schaden kommt.

Bei Shakespeare steht vor dem Aufeinandertreffen der verfeindeten Häuser ein Prolog, der den Ausgang des Stückes bereits vorweg nimmt. Aber auch hier folgt unmittelbar ein Konflikt der verfeindeten Parteien, der durch das Erscheinen der Polizei unblutig beendet wird. Wie in der West Side Story sind die Protagonisten noch nicht beteiligt und treten erst danach in Erscheinung.

2.1.1 Die Handelnden

Bei Shakespeare beginnt der Konflikt mit Sampson und Gregory, zwei Bedienstete des Hauses Capulet, deren Weg Abraham und Balthasar, Bedienstete des Hauses Montague, kreuzen[1]. Sampson reizt Abraham: „I will bite my thumb at them, which is disgrace to them, if they bear it“[2]. Dieser versucht zunächst zu beschwichtigen und sich nicht provozieren zu lassen: „Quarrel, sir? No, sir.”[3]. In Romeo and Juliet herrscht unter den Edelleuten als auch zwischen den Zivilisten, die durch ihre Anstellungen jeweils einer Familie zugehörig sind, ein höflicher, wenn auch angespannter Ton. Keiner der Beteiligten vergreift sich in seiner Wortwahl, sondern ist sich seines Standes bewusst. Entscheidend ist das, was zwischen den Zeilen gesagt wird oder was bildhaft ausgedrückt wird. Das direkte Aussprechen von Beleidigungen und Drohungen gegen die andere Seite geschieht zunächst nur untereinander[4].

Zur Szene hinzu kommen Benvolio, der Neffe des Grafen Montague, und Tybalt, der Neffe der Lady Capulet, der den Konflikt schließlich anheizt und sein Schwert zieht. Bevor es zu einer Eskalation kommt, bei der einer der Beteiligten verletzt wird, erscheint Prinz Escalus, der Machthaber von Verona, und beendet den Streit unter Androhung harter Konsequenzen, sollte die Familenfehde kein sofortiges Ende finden: „If you ever disturb our streets again Your [sic] lives shall pay the forfeit of the peace“[5].

Bei Bernstein entwickelt sich die Szene sehr ähnlich. Direkt zu Beginn treffen die Jets und die Sharks aufeinander und beginnen sich gegenseitig zu provozieren sowie körperlich anzugehen. Sie treiben sich durch die Strassen und in die Enge, bis schließlich das Auftauchen des Officer Krupke[6] zusammen mit Officer Schrank auf dem Basketballplatz den Konflikt unblutig beendet. Während die Jets und die Sharkes die Montagues und Capulets darstellen, steht Officer Krupke, eventuell zusammen mit Schrank, also sinnbildlich für die Polizei, für den Prinzen von Verona, der den Streit beendet, die Macht über das Gesetz hat und Strafe androht. Beide erscheinen in Begleitung und leiten das Ende der Szene ein.

Anders als bei Shakespeare ist bei den Gangs keine Seite erkennbar, die zu beschwichtigen versucht, beide Parteien treiben den Konflikt gleichwertig auf die Spitze.

2.1.2 Musikdramatische Umsetzung

Die Jets und die Sharks lassen sich musikalisch gut charakterisieren und unterscheiden. Bernstein verwendet verschiedenste Stilmittel und Effekte, um die Eigenschaften der Gangs auf die musikalische Ebene zu ziehen. Die im Prologue eingeführten Motive bilden die Grundlage für das ganze Musical. Aus ihnen leiten sich die weiteren Stücke ab. Bernstein verzichtet auf einen Dialog zwischen den Parteien und lässt ausschließlich Musik und Handlung sprechen.

Der Prologue, welcher im Gegensatz zu Shakespeares Akt I, Szene I nicht textlich, sondern als Tanz in die Geschichte einführt, steht durchgängig im 6/8tel Takt und verbindet Elemente, die den Sharks und den Jets zugeordnet werden können. In Takt 11 erklingt zum ersten Mal das Motiv, das im weiteren Verlauf der Arbeit als charakteristisch für die Jets betrachtet wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl. Shakespeare Akt 1; Szene 1.

[2] Ebd., S 84.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Ebd.

[5] Shakespeare, S. 87.

[6] Bernstein, S. 37, T 261ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Bernsteins West Side Story im Vergleich zu Shakespeares Romeo und Julia
Untertitel
Analyse zur musikdramatischen Umsetzung am Beispiel ausgewählter Szenen
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Institut für Musik und Musikwissenschaft)
Note
2-
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V414054
ISBN (eBook)
9783668649507
ISBN (Buch)
9783668649514
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bernstein, Leonard, West Side Story, Romeo und Julia, Romeo and Juliet, Shakespeare, Musikdramatisch, Vergleich, Tragödie, Musical, Film, Stimmlagen, Stimmfächer, Gesang
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Bernsteins West Side Story im Vergleich zu Shakespeares Romeo und Julia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414054

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