Schon immer haben die Menschen versucht, sich ihrer selbst bewusst zu werden und nach außen hin ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln, zum Beispiel indem man nicht über häusliche Probleme spricht und sich als intakte Familie darstellt. In der heutigen Zeit jedoch ist das Thema der Selbstdarstellung durch soziale Netzwerke präsenter denn je, da oft die Frage aufgeworfen wird, ob man sich dort eine zweite Identität erschafft. Ich habe mich dazu entschieden, eine Seminararbeit über dieses Thema zu verfassen, da ich selbst viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringe und teilweise aus eigener Erfahrung spreche.
In dieser Arbeit gehe ich der Frage nach, ob sich die eigene Identität durch die Nutzung sozialer Medien verändert bzw. beeinflusst wird und welche Rolle dabei die eigene Selbstdarstellung im Netz spielt, ob man sich selbst eher treu bleibt oder ein Alter Ego erschafft. Des Weiteren untersuche ich, wie wichtig der Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten, die im Internet kursieren, in diesem Zusammenhang ist und wie dieser geleistet werden kann. Um eine Grundlage für die Analyse dieser Leitfragen zu schaffen, werde ich zuerst im Abschnitt „Theoretische Grundlage“ die Begriffe einer sozialpsychologischen Theorie, „Self-Awareness“ und „Impression Management“, vorstellen, die ich als passend für dieses Thema erachte.
Anschließend werde ich diese Begriffe auf einige Beispiele der Nutzung sozialer Medien anwenden, um zu untersuchen, welchen Einfluss soziale Netzwerke auf die Identität und Selbstdarstellung haben. Im Abschnitt „Verstärkte Self-Awareness und Impression Management“ folgt das Beispiel eines Models, welche meine Behauptung bestätigt. Die Studie im darauffolgenden Abschnitt liefert jedoch andere Ergebnisse. Schließlich werde ich auf den Schutz von Privatsphäre vor allem im Internet eingehen und meine Position mit einigen Beispielen veranschaulichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlage
2.1 Self-Awareness
2.2 Impression Management
3 Anwendung der Theorie auf soziale Netzwerke
3.1 Verstärkte Self-Awareness und Impression Management
3.2 Studie zur Selbstdarstellung
4 Soziale Netzwerke und Privatsphäre
4.1 Wichtigkeit von Privatsphäre
4.2 Schutz der Privatsphäre
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss sozialer Netzwerke auf die menschliche Identität und Selbstdarstellung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Nutzung digitaler Medien zur Erschaffung eines idealisierten Alter Egos führt und welche Rolle der Schutz der Privatsphäre im Kontext der kontinuierlichen digitalen Datenerzeugung spielt.
- Sozialpsychologische Grundlagen: Self-Awareness und Impression Management
- Analyse von Selbstdarstellungsstrategien in sozialen Netzwerken
- Empirische Einblicke in die Kongruenz von Online-Identität und Realität
- Die Relevanz des Schutzes persönlicher Daten in einer vernetzten Welt
- Herausforderungen der Massenüberwachung und Selbstzensur
Auszug aus dem Buch
3.1 Verstärkte Self-Awareness und Impression Management
Ein Beispiel für die wachsende Bedeutung von Self-Awareness und Impression Management heutzutage ist das Model Essena O'Neill. Sie eröffnete mit 16 Jahren ein Konto bei Instagram, einer Online-Plattform zum Teilen von Fotos und Videos, und lud über drei Jahre hinweg mehr als 2000 Bilder von sich und ihrem Leben hoch. Mit 19 zog sie jedoch einen Schlussstrich und trat aus allen sozialen Netzwerken aus mit der Begründung, soziale Medien seien eine Scheinwelt (Judith Horchert). Kurz vor der Löschung ihres Kontos erzählte sie die Geschichten, die sich hinter einigen ihrer Bilder verbargen, beispielsweise ein Bikinifoto von ihr an einem Strand, für welches sie sechs Stunden lang nichts gegessen hatte, damit ihr Bauch flach aussah, und sie ihre Schwester, die das Foto aufnahm, mehrmals anschrie, weil Essena mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. Für ihre Follower3 jedoch wirkte das Foto wie ein spontaner Schnappschuss aus dem Urlaub. (Judith Horchert)
Aus eigenen Beobachtungen und Teilnahme an sozialen Netzwerken, komme ich zu dem Schluss, dass solche Konten und Profile ein gutes Beispiel für Impression Management in der heutigen Zeit sind. Sie zeigen sorgfältig ausgewählte Ausschnitte aus dem Leben eines Menschen, um ihn in einer bestimmten Art und Weise widerzuspiegeln und so seine Mitmenschen in ihrer Wahrnehmung der Person zu beeinflussen. Auffällig ist, dass hauptsächlich positive Lebensereignisse mit anderen geteilt werden, wodurch man die Strategie der Selbstwerterhöhung verfolgt. Viele Menschen schaffen sich so eine zweite Online-Identität, eine idealisierte und stark kontrollierte Version der eigenen Persönlichkeit und scheuen sich nicht, diese der Welt zu präsentieren. Im Vergleich zu Zeiten, in denen es das Internet nicht gab, ist das Impression Management so nicht mehr nur auf den Freundes- und Bekanntenkreis beschränkt, sondern heute für alle Menschen weltweit sichtbar, sobald man sich dazu entscheidet, sein Leben online darzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Identitätskonstruktion in sozialen Netzwerken ein und formuliert die Leitfragen zur Veränderung der Selbstdarstellung sowie zum Schutz der Privatsphäre.
2 Theoretische Grundlage: Hier werden die sozialpsychologischen Konzepte der Selbstaufmerksamkeit (Self-Awareness) und der Steuerung der eigenen Wirkung (Impression Management) als Analyseinstrumente vorgestellt.
3 Anwendung der Theorie auf soziale Netzwerke: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Modelle mit der Praxis digitaler Plattformen, analysiert prominente Fallbeispiele und reflektiert eine empirische Studie zur Persönlichkeitswahrnehmung.
4 Soziale Netzwerke und Privatsphäre: Dieser Abschnitt thematisiert die Gefahren der digitalen Datenspur, die Bedeutung von Datenschutzrechten und die Notwendigkeit von Kontrollmechanismen für den Nutzer.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass soziale Netzwerke zwar die Selbstdarstellung prägen, Identität jedoch komplexer bleibt, und betont die Wichtigkeit eines bewussten Umgangs mit persönlichen Daten.
Schlüsselwörter
Identität, Selbstdarstellung, soziale Netzwerke, Self-Awareness, Impression Management, Privatsphäre, Datenschutz, digitale Identität, Selbstwerterhöhung, Online-Plattformen, soziale Medien, Internetnutzer, Persönlichkeit, Massenüberwachung, digitale Datenspur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Menschen ihre Identität in sozialen Netzwerken präsentieren und welchen Einfluss die ständige Verfügbarkeit der Selbstdarstellung auf die eigene Wahrnehmung und Privatsphäre hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die sozialpsychologische Theorie der Selbstwahrnehmung, die Mechanismen der digitalen Selbstdarstellung sowie die kritische Betrachtung des Datenschutzes im Internet.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob sich die eigene Identität durch soziale Medien verändert, ob Nutzer ein "Alter Ego" erschaffen und wie der Schutz persönlicher Daten in diesem Prozess gewährleistet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch sozialpsychologische Literatur (Aronson/Wilson/Akert) und einer ergänzenden Analyse von Fallbeispielen sowie einer empirischen Studie zur Selbstdarstellung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Konzepte, deren Anwendung auf die Praxis sozialer Netzwerke, eine Analyse von Fallbeispielen wie Essena O'Neill und eine Erörterung der Risiken für die Privatsphäre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Identität, Selbstdarstellung, Self-Awareness, Impression Management und Datenschutz.
Welche Rolle spielt die Studie von Mitja Back für die Argumentation?
Die Studie dient als Gegenpol zur Annahme der reinen Selbstidealisierung, da sie aufzeigt, dass spontane Fremdeindrücke von Nutzerprofilen oft mit den tatsächlichen Persönlichkeitseigenschaften übereinstimmen.
Warum wird das Beispiel von Essena O'Neill herangezogen?
Das Beispiel illustriert eindrücklich den Prozess der Selbstreflexion (Self-Awareness), bei dem eine Person erkennt, dass ihre idealisierte Selbstdarstellung nicht mehr ihren eigenen Werten entspricht.
- Quote paper
- Sophie Höpken (Author), 2016, Wird die eigene Identität durch die Nutzung sozialer Medien beeinflusst?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414137