Die zeitgenössische Darstellung des Yoruba Pantheons


Zwischenprüfungsarbeit, 2003
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das religiöse System der Yoruba

3. Der Schöpfungsmythos

4. Der Yoruba Pantheon
4.1. Olodumare
4.2. Die Orisha
4.2.1. Obatala
4.2.2. Oduduwa
4.2.3. Eshu
4.2.4. Shango
4.2.5. Ogun

5. Die Bedeutung der Orisha , ihr Verhältnis untereinander und zu 13 den Menschen

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dieser Arbeit möchte ich versuchen den Pantheon, die Gesamtheit aller Gottheiten, der Yoruba Religion in Südwest Nigeria darzustellen. Die in diesem Pantheon vertretenen Gottheiten, von den Yoruba Orisha genannt, sind so zahlreich, daß es im Rahmen dieser Arbeit unmöglich wäre alle Orishas zu beschreiben oder sogar aufzuführen. Vielmehr soll es hier um die zeitgenössische Darstellung der Wichtigsten unter ihnen gehen, deren Präsenz in der gegenwärtigen Gesellschaft unübersehbar ist.

Da sich die Mythen über die jeweiligen Gottheiten je nach Region ein wenig unterscheiden und da es viele verschiedene mythische Überlieferungen gibt, kann auch hier nicht auf jede dieser eingegangen werden. Auch die Literatur zu diesem Thema kann kein einheitliches Bild aufweisen, da es keine schriftliche Manifestation der Mythen gibt. Die Darstellung der Struktur des Pantheon und die klare Stellung der Orisha darin und in der Gesellschaft, ist daher von größerem Interesse.

Weiterhin soll auch die Beziehung der Orisha untereinander und die der verschiedenen Kulturgemeinschaften der jeweiligen Anhänger erläutert werden.

2. Das religiöse System der Yoruba

Wie in vielen afrikanischen Religionen gibt es auch bei den Yoruba den Glauben an höhere Wesen. Afrikanische Religionen gelten weiterhin als höchst vielschichtige Denksysteme, in denen Überzeugungen, Mythen und die Kosmologie der ethnischen Gruppe, mit ihren Moralvorstellungen und Verhaltensregeln, in einen Organismus lebendiger und religiöser Ideen und Handlungen verwoben sind. Schon die erzählten Mythen über Gottheiten und einen Schöpfergott geben einen Einblick in die jeweilige Religion ( Pollak-Eltz, 1996: 33 ). Durch die mündliche Überlieferung kam es dazu, daß sich die Yoruba - Mythen ein wenig zu unterscheiden begannen. Ihre Aussagen sind weiterhin die Gleichen, auch wenn sich einige Details in verschiedenen Regionen veränderten.

Ein Überblick über die zentralen Glaubensvorstellungen der Yoruba kann an fünf Basispunkten dargestellt werden ( Dopamu, 1999 ).

1. der Glaube an einen Gott (Olodumare)
2. der Glaube an Gottheiten (Orisha)
3. der Glaube an Geister ( Geistkinder – Abiku)
4. der Glaube an Ahnen
5. der Glaube an mysteriöse Kräfte ( Magie, Hexerei )

In dieser Arbeit möchte ich mich nur mit dem Glauben an Gott und seine Götter beschäftigen, welche den Yoruba Pantheon bilden. In diesem Pantheon existiert, bis auf die Machtstellung des höchsten Gottes, keine weitere hierarchische Unterteilung. Alle Orisha Gottheiten besitzen denselben Status, aber jeweils andere Funktionen. Auch bestimmte Charaktereigenschaften werden ihnen und den Menschen, die an sie glauben und denen sie opfern, nachgesagt. Durch den ständigen Kontakt mit den Orishas nehmen Priester und Gläubige immer mehr die Persönlichkeit ihrer Götter an, welche den Charakter und auch die Physiognomie verändern kann ( Beier, 1991: 23 ).

3. Der Schöpfungsmythos

Am Anfang gab es Olodumare – auch Olorun genannt – den Gott des Himmels, der über Orun, die Sonne, herrschte. Auf der Erde regierte Olokun, der Bruder Olodumare ´ s. Doch gab es auf der Erde nur Wasser weshalb die Lebenserweckung der Erde, die transzendente Geistdurchblutung toter Materie, durchgeführt werden mußte. Olodumare beauftragte seinen Sohn Obatala die Lebenserweckung zu vollführen. Dieser stieg vom Himmel, mit einer Erdkugel, herab, die er ins Meer legte, wo sie in große Brocken aufbrach und verschiedenen Erdformationen bildete. Agbon, ein Palmbaum, war das erste lebende Geschöpf und Obatala stellte sofort Palmwein her, den er trank und woraufhin er einschlief. Das erzürnte Olodumare, der sofort seine Tochter Oduduwa – die Göttin der Erde – auf die Erde schickte, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Aje, die Göttin des Reichtums und des Geldes begleitete sie. Aje besaß die Gestalt eines Truthahns mit fünf Zehen an jedem Fuß. Sie begann sofort die Erde in alle Richtungen zu scharren, wodurch sie sich ausdehnte und bewohnbar wurde. Ein Korb Oka, Samen einer Kornart, wurde von Olodumare an Oduduwa gesandt, welche die Samen sofort über die Erde verstreute und bald Pflanzen und Bäume

sprießen ließ. Schließlich stieg der Schöpfer selbst zur Erde herab und ließ sich unter dem alten Palmbaum nieder. An dieser Stelle wurde die Stadt Ife gegründet – das Zentrum der Erde. Olodumare versammelte dort alle 16 Orisha um sich und hielt den ersten Rat der Götter auf Erden ab. Jeder dieser Orisha wurde der Ahn eines Clan´s, welche 16 Vororte um das Zentrum von Ife herum bauten. Im Zentrum regierte Olodumare als Hochgott und Ife selbst wurde die Stadt der 17 Gottheiten ( Knappert, 1995: 353-54 ).

Dieser Mythos hebt Olodumare als Schöpfer der Erde, Ahnherr der Yoruba und Begründer des Königshauses von Ife hervor. Der jeweilige Nachkomme Olodumare´s ist der Oni, König von Ife, Herrscher über das gesamte Land und aller Yoruba sprechenden Völker.

4. Der Yoruba Pantheon

Die Yoruba sagen, sie haben 401 Orisha. Diese Zahl steht für Unbegrenztheit. Da Gott unendlich ist, hat somit auch die Anzahl seiner Erscheinungsformen keine Grenzen. Der Yoruba Pantheon besteht aus dem einen Gott – Olodumare und der unbegrenzten Anzahl der Orisha. Jeder Orisha wird wiederum als ein komplexes und vielschichtiges Wesen dargestellt. Sie werden entweder als Naturkräfte ( Donner, Blitz, Felsen, Sturm ), historische Persönlichkeiten ( Könige, Städtegründer ), Tiere ( Leopard, Widder, Elefant ), Pflanzen, Minerale oder auch als Farben beschrieben.

Für die Yoruba bedeuten die Orisha Wege, die aus vielen verschiedenen Richtungen zur gleichen göttlichen Kraft hinführen. Sie sind Archetypen und werden als wild und sanft, verführerisch, weise, sprunghaft, treu oder auch ungestüm charakterisiert. Ihre Persönlichkeit offenbart sich in einer Fülle von Mythen, doch vor allem in poetischen Beschwörungen – Oriki genannt. In diesen kurzen und poetischen Formeln werden die Gottheiten, aber auch Bauern, Könige, Pflanzen und Tiere angerufen, definiert, beschwört, gepriesen oder auch beschimpft ( Beier, 1991: 21 ).

Alle Orisha´s werden als dienende Minister Olodumare´s bezeichnet und erhielten durch seinen Schöpfungsakt eine Boten- und Vermittlerfunktion. Das Verhältnis der verschiedenen Orisha zueinander ist ein sakrales Kalkül der Selbstverwirklichung des einzelnen in seinem Verhältnis zu den anderen. Diese Selbstverwirklichung ist auch das Ziel der Anhänger der jeweiligen Orisha und äußert sich in jedem Mythos und Ritual. Ist der Orisha ein Gott, so ist der Olorisha ein, an einen bestimmten Orisha glaubender und opfernder, Mensch dessen Identität dem Gott als irdisches Vehikel dienen kann ( Chesi, 1980: 94-98 ).

4.1. Olodumare

Olodumare, oder auch Olorun genannt, ist der Hauptgott der Yoruba und steht unangefochten seit seiner Welterschaffung an der Spitze des Pantheon. Der Name Olorun bedeutet übersetzt „der Besitzer des Himmels“ oder „Herr des Himmels“. Er ist somit Herr über alle Dinge, sichtbar oder unsichtbar, das höchste Wesen auf Erden und im Himmel ( Awolawu u. Dopamu, 1979: 37 ). Olodumare ist eine eher eine alter-tümliche aber mystischere Bezeichnung für Gott. Eine klare Übersetzung, wie bei Olorun, ist hier nicht möglich. Weitere Namen und Attribute für das höchste Wesen sind: Oluwa – Herr; Eleda – Schöpfer; Olofin-Orun – Himmelskönig; Oris – Quelle aller Dinge und Oba-Orun – König, der in den Himmeln verweilt ( Dopamu, 1999 ).

Von den Yoruba ist niemand im Besitz von Mythen, die etwas, der Schöpfung vorangegangenes, über Olodumare erzählen könnten. Dennoch wird seine Unsterblichkeit und Ewigkeit nicht bezweifelt. Auch wird er von den Orisha als Herr über alles anerkannt und seine Souveränität auch von ihnen nie in Frage gestellt.

Diese Souveränität und unendliche Macht Olodumares wird in Sprichwörtern beschrieben:

„Was immer Olodumare billigt, ist leicht, aber wenn ihm ein Plan von jemandem nicht gefällt, ist er unmöglich auszuführen. Er ist der Erzwinger, der, dessen Zwang niemals versagt. Unsere Krankheiten können geheilt werden, aber wenn Olodumare unseren Tod beschlossen hat, kann er nicht abgewendet werden. Olodumare hört alles, er lauscht ständig unseren Klagen.“ ( Knappert, 1995, 243 )

Olodumare hat sich nach der Schöpfung und nach dem Verweilen auf der Erde wieder zurückgezogen, da er die menschliche Gier der Orisha nicht mehr ertragen konnte. Diese waren mit der von ihm erhaltenen Macht unzufrieden und beklagten sich bei ihm darüber. Olodumare fühlte sich andererseits so sehr mit der Erde verbunden, daß ihn jegliches Sterben der Natur schmerzte. Er beschloß eine Grenze zwischen Himmel und Erde zu ziehen und ließ die Orisha als seine Vermittler zurück um selber in Ruhe im Himmel über allem zu thronen. Seit diesem Rückzug von der Erde haben die Orisha eine bedeutendere Funktion eingenommen. Sie agierten jetzt als ein Medium zwischen den Menschen und Olodumare. Wenn überhaupt, so gibt es nur noch wenige Priester, die Olodumare verehren oder ihm opfern. Die vorhandenen Schreine sind für die Orisha erbaut und bestehen nur für den Kontakt mit ihnen. Der Verbindung der Menschen zu Olodumare ist somit seit seinem Weggang unterbrochen. Trotz seiner Abwesenheit sehen ihn die Yoruba als ihren Vater an. Der theologische Gedanke des höchsten Wesens wurde soziologisch interpretiert und der Gott dem Vater, der seine Kinder schützt ohne dabei Gegenleistungen zu erwarten, gleichgesetzt. Olodumare schützt, beschenkt und erhält. Weiterhin werden ihm Gegenleistungen von den Menschen geboten, doch nicht in Form von Opfern sondern eher durch spontane Gebete und Ausdrücke der Freude ( Dopamu, 1999 ).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die zeitgenössische Darstellung des Yoruba Pantheons
Hochschule
Universität Leipzig  (Religionswissenschaftliches Institut)
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V41422
ISBN (eBook)
9783638396875
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Yoruba, Pantheons
Arbeit zitieren
Thorsten Doß (Autor), 2003, Die zeitgenössische Darstellung des Yoruba Pantheons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41422

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