I. Einleitung
1. Motivation
Das Thema dieses Referats ist durch eine sehr konträre Betrachtungsweise in der Literatur geprägt, es ist daher nur folgerichtig, daß auch die Ergebnisse, die die Kulturrevolution mit sich gebracht hat, unterschiedlich beurteilt werden. Wie bei allen politischen Richtungskämpfen oder Ideologien sind auch hier Fürsprecher, aber auch entschiedene Gegner der Kulturrevolution zu finden. Es ist daher auch eine Aufgabe der vorliegenden Arbeit, die Vorgänge der „zehn katastrophalen Jahre“2 möglichst objektiv, wobei hier die eigene politische Einschätzung und Sichtweise als Streuungsmaß, und damit als Fehler und subjektive Komponente berücksichtigt und einkalkuliert werden muß, darzustellen.
Gerade diese Jahre der chinesischen Geschichte, verbunden mit ihren politischen, aber auch wirtschaftlichen Auswirkungen für die Gesellschaft haben uns darin bestärkt, dieses Thema für unser Referat zu wählen. Da sicherlich das komplette Gebiet der Kulturrevolution zu umfangreich ist, um es im Rahmen dieser Arbeit untersuchen und durchleuchten zu können, haben wir uns selber Schwerpunkte gesetzt, die im späteren Verlauf von uns betrachtet und beschrieben werden.
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Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG.
1. Motivation.
2. Ziel und Gang der Untersuchung
II. ZIELVORSTELLUNGEN ALS AUSLÖSER DER KULTUR-REVOLUTION
III. VERLAUF DER KULTURREVOLUTION.
1. Die Februar-Thesen.
2. Die besondere Rolle der Rotgardisten.
3. Die ‘Januar-Revolution’ und die Einbeziehung der Volksbefreiungsarmee.
4. Gründung der „Dreier-Allianz“.
5. Der Wuhan-Zwischenfall.
IV. DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE AUF DEM IX. PARTEITAG 1969.
V. AUSSENPOLITISCHE AUSWIRKUNGEN DER KULTURREVOLUTION.
VI. SCHLUSSBETRACHTUNG.
Zielsetzung und Themen der Untersuchung
Diese Arbeit analysiert den Verlauf und die Auswirkungen der chinesischen Kulturrevolution unter Mao Tse-tung. Dabei wird untersucht, wie ideologische Zielvorgaben zu massiven gesellschaftlichen Umbrüchen führten und welche Rolle das Militär sowie die Rotgardisten bei der Durchsetzung und späteren Stabilisierung der politischen Macht spielten.
- Die ideologischen Hintergründe und Motive hinter der Auslösung der Kulturrevolution.
- Die Dynamik der Rotgardistenbewegung und ihre Transformation vom revolutionären Instrument zur unkontrollierten Kraft.
- Die intervenierende Rolle der Volksbefreiungsarmee in der chaotischen Phase der „Januar-Revolution“.
- Die machtpolitische Konsolidierung auf dem IX. Parteitag und die außenpolitische Neuausrichtung Chinas in den 1970er Jahren.
Auszug aus dem Buch
2. Die besondere Rolle der Rotgardisten
Die eigentliche Entwicklung der Rotgardisten als komplexe Organisation geht auf das Jahr 1965 zurück, als die VBA Hunderttausende von jungen Rekruten, zumeist Mitglieder der Chinesisch Kommunistischen Jugendliga, dem Parteiapparat zugeführt hatte. Ab Mai 1966 bemühte sich die VBA darum, zuverlässige Schüler und Studenten zu Politkursen zusammenzuziehen. „Das Alter der Mitglieder schwankte zwischen 15 und 20 Jahren und diese Kategorie Jugendlicher wählte diesen harten Weg, um schon früh für eine engagierte Tätigkeit in der Gesellschaft, [...] ausgebildet zu werden“ Auffällig war, daß diese Kräfte später auch als Führungskader der Rotgardisten in Erscheinung traten. Bereits zwei Monate später erhielten die Rotgardisten olivgrüne Uniformen der VBA, um in der Öffentlichkeit Geschlossenheit zu demonstrieren.
Die Aktivitäten der Rotgardisten begannen im Mai 1966. Hervorgerufen und unterstützt wurden die Aktionen durch die erste große Wandzeitung, die von der Dozentin Nieh Yuan-tzu an der Pekinger Universität gegen universitäre ‘Autoritäten’ verfaßt wurde. Mao Tse-tung ließ diese Wandzeitung durch die Presse und den Rundfunk im ganzen Land verbreiten, und definierte sie als die ‘Proklamation der chinesischen Pariser Kommune der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts’. Mitte Oktober 1966 stellte Mao Tse-tung fest, daß es ihm hiermit gelungen war, das ganze Land ‘wachzurütteln’. Unterstützt durch Rotgardisten begannen im Mai/Juni 1966 in den Städten die Angriffe in Form von Wandzeitungen gegen Professoren, Rektoren und Lehrer an Schulen und Universitäten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG.: Dieses Kapitel motiviert die Themenwahl aufgrund der konträren Literatur und definiert das Ziel der objektiven Untersuchung der Kulturrevolution.
II. ZIELVORSTELLUNGEN ALS AUSLÖSER DER KULTUR-REVOLUTION: Hier werden die wirtschaftlichen und politischen Ursachen beleuchtet, die Mao Tse-tung dazu veranlassten, die Kulturrevolution zur Transformation des Bewusstseins zu initiieren.
III. VERLAUF DER KULTURREVOLUTION.: Dieses zentrale Kapitel beschreibt die Eskalation durch die Rotgardisten, die Rolle der Armee und den Übergang zur chaotischen Phase bis hin zur Gründung der „Dreier-Allianz“.
IV. DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE AUF DEM IX. PARTEITAG 1969.: Es wird die formale Konsolidierung der maoistischen Herrschaft und der personelle Umbau des Staates unter militärischer Dominanz analysiert.
V. AUSSENPOLITISCHE AUSWIRKUNGEN DER KULTURREVOLUTION.: Das Kapitel behandelt den Bruch mit der UdSSR, den „Zweifrontenkampf“ und die strategische außenpolitische Annäherung an die USA.
VI. SCHLUSSBETRACHTUNG.: Abschließend wird die Kulturrevolution als chaotische Periode bewertet, die trotz wirtschaftlicher Lahmlegung den Weg zur Anerkennung Chinas als globale Großmacht ebnete.
Schlüsselwörter
Kulturrevolution, Mao Tse-tung, Volksbefreiungsarmee, Rotgardisten, Parteistatut, Revisionismus, Klassenkampf, Dreier-Allianz, Außenpolitik, UdSSR, USA, Machtvakuum, Personenkult, IX. Parteitag, Sozialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine kritische Darstellung des Verlaufs und der Folgen der Großen Proletarischen Kulturrevolution in China von ihren Anfängen bis zur außenpolitischen Neuausrichtung in den 1970er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle von Mao Tse-tung, den Einfluss der Rotgardisten, das Eingreifen der Volksbefreiungsarmee sowie die ideologische und machtpolitische Transformation des chinesischen Staates.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vorgänge der „zehn katastrophalen Jahre“ möglichst objektiv darzustellen und die komplexen Entwicklungen der chinesischen Politik in dieser Ära kritisch zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, um den historischen Ablauf sowie die konträren Betrachtungsweisen der Ergebnisse der Kulturrevolution aufzuzeigen und einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Auslöser, den detaillierten Ablauf der revolutionären Ereignisse, die Rolle der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure sowie die außenpolitische Neupositionierung Chinas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Kulturrevolution, Mao Tse-tung, Rotgardisten, Volksbefreiungsarmee, Klassenkampf und die außenpolitische Neuausrichtung hin zu den USA.
Warum war die Einbeziehung der Volksbefreiungsarmee (VBA) so entscheidend?
Da die Rotgardisten nach anfänglicher Unterstützung durch Mao in eine chaotische Eigendynamik gerieten, fungierte die VBA als einziges intaktes Organ, um ein Machtvakuum zu verhindern und Stabilität wiederherzustellen.
Was war der Hintergrund des „Zweifrontenkampfes“?
Der „Zweifrontenkampf“ war eine strategische Neuausrichtung, bei der sich China sowohl gegen die USA als auch die UdSSR positionierte, um sich als führende Macht in der sozialistischen Welt zu etablieren, bevor 1971 eine Annäherung an den Westen erfolgte.
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- Henry Müller (Author), Falko Kubersky (Author), 1996, China im Zeichen der Kulturrevolution - Verlauf und kritische Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4142