Diese Arbeit befasst sich mit der Identifizierung von Falschaussagen. Dabei wird die SUE-Technik und die Inhaltsanalyse mit CBA (Citeria Based Content Analysis) angewendet. Die zahlreichen Studien zum Thema liefern wertvolle Hinweise, worauf man achten kann und welche Techniken sinnvoll sind.
Es wäre interessant, wenn sich zukünftige Untersuchungen der Frage zuwenden würden, ob geübte Lügenentdecker auch bessere Lügner sind. Das könnte weitere Hinweise auf die Validität von Lügenmerkmalen liefern.
Inhaltsverzeichnis
Warum Menschen lügen
Menschen sind gute Lügner – aber schlechte Lügenentdecker
Verhalten sich Lügner anders als Wahrheitssagende?
Non-verbale und paraverbale Hinweise
Verbale Hinweise
Inhaltsanalyse mit CBCA
Allgemeine Merkmale
Spezielle Inhalte
Inhaltliche Besonderheiten
Motivationsbezogene Inhalte
Deliktspezifische Inhalte
Warum Befrager Lügen schlecht erkennen
Befrager verwenden die falschen Merkmale
Befrager stellen die falschen Fragen
Der erste Eindruck zählt
Jeder Mensch ist anders
Wie man Lügen erkennen kann
Die kognitive Belastung erhöhen
Die SUE-Technik anwenden
«In a Nutshell»
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht wissenschaftlich fundierte Strategien zur Identifizierung von Falschaussagen im Kontext von Personenbefragungen und analysiert, warum Lügen trotz verschiedener Indikatoren im Alltag und professionellen Umfeld häufig unerkannt bleiben.
- Psychologische Grundlagen des Lügens und menschliche Defizite bei der Lügenentdeckung
- Methoden der Inhaltsanalyse wie CBCA (Criteria Based Content Analysis)
- Kritische Analyse häufiger Fehler bei Befragungstechniken durch Experten
- Einsatz kognitiver Belastungstechniken zur Entlarvung von Falschaussagen
- Strategischer Nutzen von Beweisen (SUE-Technik) im Verhör
Auszug aus dem Buch
Die SUE-Technik anwenden
SUE bedeutet «Strategic Use of Evidence» – auf Deutsch: strategischer Nutzen von Gewissheit (Beweisen). Es geht darum, die vorhandenen Beweise mit der Geschichte des Befragten (Beschuldigter, Opfer, Zeuge) abzugleichen.
Die SUE-Technik besteht im Wesentlichen aus dem «Dreisprung»: Evidenz beurteilen – Fragen stellen – Evidenz offenlegen. Zunächst behält der Befrager seine Kenntnisse für sich (Zeugenaussagen, Spuren, Beweise). Er versucht durch geeignete Fragen (vor allem offene Fragen) die Evidenz «abzufragen». Schuldige Menschen halten im Gegensatz zu Unschuldigen selbstbelastende Informationen eher zurück («Er war schon tot, als ich hinkam.»). Wahrheitssagende stimmen mit der Evidenz überein; bei Lügnern kommt es öfter zu Widersprüchen (17). Mithilfe von gezielten Fragen (zum Beispiel «Wo waren Sie letzten Montag um xy Uhr?») kann der Befrager alternative Erklärungen zur Sprache bringen, ohne die Fakten offenzulegen.
Die Offenlegung der Evidenz sollte möglichst spät im Gespräch erfolgen. Der Unterschied in der Konsistenz zwischen Evidenz und Aussage ist unter den Lügnern bei später Offenlegung deutlicher als bei früher Offenlegung. Das heisst, es entstehen mehr Ungereimtheiten. Auch der Unterschied zwischen Lügnern und Wahrheitssagenden nimmt mit später Offenlegung der Evidenz markant zu. Es gibt allerdings eine Einschränkung: Die Befragung Verdächtiger mit der SUE-Technik führt nicht zu mehr Geständnissen (18). Ferner muss sich der Befrager überlegen, ob bei Abweichungen von Evidenz und Aussage der Befragte trotzdem die Wahrheit sagt: Vielleicht hat er Angst, dass ihm nicht geglaubt wird, weshalb er sich in Widersprüche verstrickt.
Zusammenfassung der Kapitel
Warum Menschen lügen: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Beweggründe für tägliche Täuschungen und differenziert zwischen banalen Lügen und solchen mit schwerwiegenden Konsequenzen.
Menschen sind gute Lügner – aber schlechte Lügenentdecker: Es wird analysiert, warum non-verbale Merkmale oft unzuverlässig sind und dass eine effektive Entlarvung primär auf validen, verbalen Kriterien basieren sollte.
Inhaltsanalyse mit CBCA: Hier wird das merkmalsorientierte Verfahren zur Glaubhaftigkeitsanalyse von Aussagen vorgestellt und die dafür relevanten Faktoren sowie Kriterien erläutert.
Warum Befrager Lügen schlecht erkennen: Das Kapitel kritisiert die Verwendung falscher Lügenstereotype und ineffektiver Fragetechniken durch Experten, die den Erfolg der Lügenentdeckung einschränken.
Wie man Lügen erkennen kann: Vorgestellt werden konkrete Ansätze wie die Erhöhung der kognitiven Belastung bei Befragten sowie die strategische Anwendung der SUE-Technik.
«In a Nutshell»: Dieses Kapitel fungiert als Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Praxishinweise für eine erfolgreiche Gesprächsführung zur Lügenerkennung.
Schlüsselwörter
Lügenerkennung, Falschaussage, Personenbefragung, Kognitive Belastung, CBCA, Glaubhaftigkeitsanalyse, SUE-Technik, Lügenstereotype, Verhörstrategie, Verbale Hinweise, Non-verbale Kommunikation, Aussagepsychologie, Beweisführung, Täuschung, Befragungstechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den psychologischen Aspekten der Lügenerkennung und den Herausforderungen, vor denen Befrager stehen, wenn sie Falschaussagen von der Wahrheit unterscheiden müssen.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Text ab?
Die Schwerpunkte liegen auf den psychologischen Grundlagen des Lügens, der validen Analyse von Aussageinhalten sowie der Optimierung von Befragungsmethoden in professionellen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Befragern effektivere Instrumente an die Hand zu geben, um Lügen zuverlässiger zu identifizieren, anstatt sich auf oft irreführende, stereotype Anzeichen zu verlassen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden beschrieben?
Besonders hervorgehoben werden die inhaltsanalytische Methode CBCA sowie die auf kognitiver Belastung basierende SUE-Technik (Strategic Use of Evidence).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, warum klassische Lügenmerkmale wie Blickvermeidung oft versagen, und leitet daraus notwendige Techniken für moderne, evidenzbasierte Befragungsstile ab.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Lügenerkennung, kognitive Belastung, SUE-Technik, Glaubhaftigkeitsanalyse und Befragungstechnik.
Warum ist die Erhöhung der kognitiven Belastung bei Befragten effektiv?
Lügen erfordert mehr geistige Kapazität als das Erzählen der Wahrheit. Wenn der Befrager die kognitive Belastung zusätzlich erhöht, stossen Lügner schneller an ihre Grenzen, was zu Widersprüchen führt.
Was ist der Kern der SUE-Technik?
Der Kern der SUE-Technik besteht darin, Beweise strategisch einzusetzen und diese erst spät im Gespräch offenzulegen, um den Lügner durch entstehende Inkonsistenzen zu entlarven.
- Arbeit zitieren
- Dr. med. André Lauber (Autor:in), 2016, Personenbefragung und Identifizierung von Falschaussagen. Strategien zur Lügenerkennung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414354