Chancen und Risiken von chinesischen Direktinvestitionen. Steuert Deutschland in eine Abhängigkeit von China?

Chinesische Investoren in Deutschland


Studienarbeit, 2017
43 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Das zunehmende Ungleichgewicht der deutsch-chinesischen Handelsbilanz

2 Zu den theoretischen Grundlagen von Direktinvestitionen
2.1 Definition von ausländischen Direktinvestitionen
2.2 Zu den Formen der ausländischen Direktinvestitionen
2.3 Zu den Motiven ausländischer Direktinvestitionen
2.4 Effekte von ausländischen Direktinvestitionen auf das Gastgeberland
2.5 Staatliche Maßnahmen

3 Zu den globalen Trends der Direktinvestitionen
3.1 Zu den Entwicklungen der Investitionsströme
3.2 Investoren und Empfänger der Investitionsströme im Verlauf
3.3 Entwicklung der internationalen Mergers and Acquisitions
3.4 Trends der internationalen Investitionspolitik

4 Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland
4.1 Die Rolle Chinas in der Weltwirtschaft
4.2 Chinas Reformen zu Outbound-Investments
4.3 Chinesische Direktinvestitionen in Europa
4.4 Marktattraktivität in Deutschland
4.5 Entwicklung der chinesischen Investitionen in Deutschland

5 Zur zukünftigen Abhängigkeit vom chinesischen Kapital

6 Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: FDI inflows

Abbildung 2: FDI inflows 2015 und 2016

Abbildung 3: FDI outflows 2015 und 2016

Abbildung 4: M&A 2017

Abbildung 5: Changes in national investment policies, 1992-2016 (per cent)

Abbildung 6: Wirtschaftsbeziehungen mit Asien

Abbildung 7: Chinas durchschnittlicher Anteil an globalen Direktinvestitionen

Abbildung 8: Chinesische Neugründungen sowie Fusionen in Deutschland

Abbildung 9: Eigentumsstruktur der chinesischen Investoren in Deutschland

1 Das zunehmende Ungleichgewicht der deutsch-chinesischen Handelsbilanz

Aixtron, Osram, Kuka – sind hochinnovative Unternehmen, die das Interesse von chinesischen Investoren auf sich gezogen haben. Von den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China profitieren in den letzten Jahren beide Länder zunehmend. Deutsche kaufen primär Bekleidung, Spielzeug, Kleinelektronik und Solarzellen in China und die Chinesen wiederrum kaufen deutsche Hightech-Maschinen. Dennoch wird ein Ungleichgewicht im Chinakurs deutlich, da die Wirtschaft stockt und das angestrebte Wachstumsziel seitens China nicht erreicht wird. Nach neuen Gesetzesplänen, sollen künftig westliche Hersteller aus der Automobilindustrie nur noch in Gemeinschaftsunternehmen ihre Antriebstechnologien produzieren dürfen, in denen die chinesische Seite die Mehrheit besitzt. Um den nächsten Wirtschaftsschwung in China vorzubereiten, werden Investoren mit dem riesigen Kapitalbestand Chinas ausgestattet, um in ausländische High-Technologieunternehmen zu investieren. Laut der Europäischen Handelskammer in Peking investierten chinesische Firmen 22 Milliarden Euro in Europa, umgekehrt wurden nur zehn Milliarden investiert.[1]

Neben den bereits genannten Top-Pionier-Unternehmen Deutschlands, die bereits teilweise chinesisches Kapital bekommen haben oder übernommen wurden, schauen chinesische Investoren innerhalb Europas insbesondere auf Deutschland. Der Grund ist der „German Mittelstand“, wie ihn der französische Top-Manager Louis Gallois nannte. Der deutsche Mittelstand wird weltweit als Job-Motor und Treiber für Innovationen anerkannt.[2]Der deutsche Mittelstand ist gut ausgestattet mit technisch exzellenten Unternehmen, die in ihrer Nische meistens Weltmarktführer sind. Durch die hohe Anzahl der Mittelstandsunternehmen bietet sich den chinesischen Investoren auch eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten. Zunehmend ist zu erkennen, dass chinesische Investoren keine kriselnden Unternehmen mehr akquirieren, um einen günstigen Kaufpreis zu bekommen, sondern eher prestigeträchtige Firmen, laut einer Bertelsmann-Studie.[3]

Doch wie gestaltet sich das zukünftige Investitions-Engagement Chinas in der Welt und speziell in Deutschland? Dies ist die zentrale Fragestellung, die in dieser Arbeit beantwortet werden soll. Ableitend aus dieser Frage gilt es zu beantworten, ob 1. Der Zenit der chinesischen Direktinvestitionen bereits erreicht wurde? 2. Welche Folgen der chinesische Investitionsaufschwung für die Weltwirtschaft hat? Und 3. Ob Deutschland in eine Abhängigkeit von China steuert?

In der vorliegenden Arbeit werden zunächst wesentliche Grundlagen von ausländischen Direktinvestitionen erläutert, um die Formen und Motive näher zu durchleuchten. Anschließend wird die globale Entwicklung der Investitionsströme aufgezeigt, um die Macht und die Entwicklung einzelner Investoren zu bewerten. Zusätzlich werden aktuelle Trends der Direktinvestitionen erkennbar gemacht. Nachdem die Hintergrundinformationen erläutert wurden, wird das Hauptaugenmerk auf den chinesischen Direktinvestitionen in Europa und in Deutschland liegen.

2 Zu den theoretischen Grundlagen von Direktinvestitionen

2.1 Definition von ausländischen Direktinvestitionen

Die Definition zu ausländischen Direktinvestitionen, auch genanntforeign direct investments(FDI) wird bereits langjährig diskutiert, sodass in dieser Arbeit die Definition des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Basis bildet. Der IWF definiert FDIs als„the category of international investment that reflects the objective of obtaining a lasting interest by a resident entity in one economy in an enterprise resident in another economy.[…] The lasting interest implies the existence of a long-term relationship between the direct investor and the enterprise an a significant degree of influence by the investor on the management of the enterprise”[4] Wesentliche Parameter zur Abgrenzung von dem allgemeinen Begriff von Investitionen sind die Beteiligung eines ausländischen Unternehmens am Eigenkapital des einheimischen Unternehmens mit mindestens zehn Prozent[5]oder ein Investment eines Unternehmens in einem anderen Land mit einem dauerhaften Interesse im Unternehmen und Gastland investiert zu bleiben. Zusätzlich besteht ein hohes Maß an Einflussnahme durch den Investor auf das Management des Unternehmens.[6]

Ausländische Direktinvestitionen gelten als Kernelement der globalisierten Märkte. Immer mehr Regierungen sehen sich bestätigt, durch die Öffnung der Markte und der Offenheit gegenüber Direktinvestitionen positive Wachstumseffekte generiert zu haben.[7]Durch diese ausländischen Direktinvestitionen entstehen dauerhafte Verbindungen zwischen Ländern und deren Volkswirtschaften, sodass der Transfer von Know-how, Waren, Dienstleistungen und Technologie zwischen den Wirtschaften gefördert wird, sowie die Möglichkeit die Produkte des Ziellandes auf den internationalen Märkten abzusetzen. Für inländische Unternehmen stellen FDIs zudem eine zusätzliche Finanzierungsquelle für Investitionen dar, um die Unternehmensentwicklung voran zu bringen.[8]

2.2 Zu den Formen der ausländischen Direktinvestitionen

Die ausländischen Direktinvestitionen zeigten bis zu Beginn der 60er Jahre ein homogenes Erscheinungsbild, welches bestimmt war durch die internationale Produktion von Direktinvestitionen in US-amerikanische Unternehmen mit mehr als 60% des globalen Bestands von FDIs. Die wirtschaftlichen Aktivitäten von ausländischen Tochtergesellschaften wurden sehr monoton auf die Erschließung von Ressourcen und neuen lokalen Märkten reduziert. Die Tochtergesellschaft bildet hier ein Abbild des Mutterkonzerns im Heimatland. Bezüglich der Art der Direktinvestition bildet der hundertprozentige Besitzanteil die Regel. Nur in bestimmten Fällen haben die Gastgeberländer ein Kontroll- oder Besitzverhältnis bekommen.[9]

Mitte der 60er Jahre veränderten sich die Struktur und die Teilnehmer der globalen Investitionsströme von Direktinvestitionen. Der Anteil der US-amerikanischen Unternehmen nimmt ab, während Unternehmen aus Deutschland, Japan, und der Schweiz gewichtete Anteile erzielen. Neben den Unternehmen zeichnete sich auch ein Wandel in den Gastgeberländern der Direktinvestitionen ab, da weniger in traditionelle Märkte wie die USA, Kanada, Lateinamerika sowie ehemalige Kolonien Großbritanniens investiert wurde, sondern eher in aufstrebende Nationen Südostasiens. Ab den 70er Jahren zeichnete sich eine neue Dimension in den investierten Organisationsmodellen ab, da mehr in komplexe kooperative Organisationsmodelle investiert wurde, um Fusionen und Unternehmensübernahmen zu priorisieren. Diese Investitionsform beschränkte sich Anfang der 90er Jahre noch auf die Industrieländer und weniger auf die südostasiatischen Länder, wodurch im globalen Kontext, die Fusionen mit annähernden 50% des Gesamtvolumens der FDIs ausmachten.

Im Laufe der 60er, 70er und 80er Jahre überträgt sich der Fokus der FDIs von unternehmensinternen Austauschbeziehungen auf unternehmensexterne Beziehungen, da neue internationale Kooperationen in Form von strategischen Allianzen unterschiedlicher Unternehmen in den Fokus geraten. Der Austausch der strategischen Allianzen beruht anstatt auf Veränderungen in den Kontrollverhältnissen, auf den Austausch von Technologien und Wissen. Unternehmen bauten sich ein globales Netzwerk mit der Einbindung von hundertprozentigen Töchterunternehmen im Ausland und mit strategischen Allianzen auf, um den Nutzen aller Unternehmen zu optimieren.[10]

Bedingt durch die Globalisierung und die daraus resultierende Veränderung im Wettbewerbsumfeld der Unternehmen sind neue Direktinvestitionsformen entstanden und Unternehmensmotive entstanden, die im folgenden Abschnitt näher betrachtet werden.

2.3 Zu den Motiven ausländischer Direktinvestitionen

Warum Unternehmen im Ausland investieren, kann unterschiedliche Gründe und Motive haben. Im Folgenden werden einige Theorien zusammengetragen, die im Zuge des Globalisierungstrends und den einhergehen steigenden Direktinvestitionen. Die Ansätze zur Begründung der Motive von Auslandsinvestitionen der 70er Jahre werden hier nicht berücksichtigt, da diese keine multinationalen Faktoren beinhalten.

Dunning (1998) nennt in einem Ansatz, namens OLI-Paradigma die Faktoren Eigentums- (O=Ownership), Standort- (L=Location) und Internationalisierungsvorteilen (I=Internalisation) als häufigste Bewertungsmaßstäbe der Motivatoren. Bei diesem Ansatz werden Eigentumsvorteile definiert als Patent, Monopolstellungen oder spezifisches Know-how eines Unternehmens. Ein Internationalisierungsvorteil besteht bei grenzüberschreitenden Transaktionen nur innerhalb des Unternehmens anstatt zwischen Unternehmen in unterschiedlichen Ländern. Die Standortwahl kann Vorteile generieren im Hinblick auf politische Risiken, wirtschaftliche Risiken in Form von Markteintrittsbarrieren oder Arbeitsmarktproblemen, soziale Risiken, wie religiöse und sprachliche Barrieren, oder sonstige Risiken wie klimatische Bedingungen.[11]Die Idee der Effizienz-orientierten Ansätze von Auslandsinvestitionen wird neben Dunning auch von Kindleberger und Hymer begründet. Im Wesentlichen geht es darum Effizienzpotentiale vorhandener Unternehmensvorteile ausländischer Tochtergesellschaften. Diese Unternehmensvorteile sollen in komplexe unternehmensinterne Netzwerke integriert werden, um dauerhaft neue Potentiale für das Unternehmenssystem zu optimieren und zu erschließen.[12]

Die Asset-orientierte Theorie für Auslandsinvestition ähnelt dem Effizienz-orientierten Ansatz, wobei sich der Asset-orientierte Ansatz darauf konzentriert neue Assets (hier: Unternehmensvorteile) zu erwerben, um damit neue Potentiale zu entfalten. Somit wird eine Direktinvestition nicht mit der vorhandenen Existenz eines Assets begründet sondern mit deren Erwerb eines solchen. Des Weiteren dienen Asset-orientierte Investitionen der Ergänzung der internen Ressourcen durch externe, um den steigenden Anforderungen der technologischen Entwicklung Stand zu halten. Mit Zukäufen von Unternehmensvorteilen soll spezifisches Know-how von materiellen oder immateriellen Assets langfristig gesichert werden. Diese Zukäufe von Assets können im Rahmen von einer Akquise von innovativen Potentialen der Konkurrenz eingesetzt werden oder auch um in einem ausländischen Standort lokale Vorteile zu erwerben.[13]

Die Theorie der wechselseitigen Marktdurchdringung begründet Direktinvestitionen mit der Tatsache, dass die höhere Diffusionsgeschwindigkeit des Wissens und der immer kürzeren Produktlebenszyklen dazu führen, dass Unternehmen in einer immer kürzeren Zeitspanne ihre Produkte schnellstmöglich auf allen Märkten absetzen müssen. Dies verlangt eine Absatz- und Marketingstrategie vieler multinationaler Unternehmen, um mehr als nur die Hauptabsatzmärkte innerhalb kürzester Zeit beliefern zu können.

Die Theorie der Markterschließung durch Konsumentennähe baut auf der Theorie der wechselseitigen Marktdurchdringung auf, da hier begründet wird, dass einzelne entwickelte Produkte sich nicht auf allen Märkten gleich verkaufen, sondern, dass es Unterschiede in der Produktqualität oder –beschaffenheit geben kann. Diese Spezifika veranlassen Unternehmen dieses Know-how auf allen Märkten zu evaluieren, zu definieren und umzusetzen, um global stärker agieren zu können.[14]

2.4 Effekte von ausländischen Direktinvestitionen auf das Gastgeberland

Das Meinungsbild des volkswirtschaftlichen Gesamtnutzens durch ausländische Direktinvestitionen fiel in Entwicklungsländern über viele Jahre negativ aus, da von einer wirtschaftlichen Rekolonialisierung ausgegangen wurde. Die dominierende Idee einer binnenzentrierten Entwicklung der Wirtschaft war vorherrschend, sodass der Staat sich gezwungen sah den eigenen Binnenmarkt zu schützen. Ab den 90 Jahren dreht sich die globale Wahrnehmung von ausländischen Direktinvestitionen, sodassBrittanvon einem „globalen Investitionswettlauf“ sprach.[15]Das Ziel der Industrie- und Entwicklungsländer war es seitdem eine Integration in den Weltmarkt herzustellen. Um dieses Streben nach dem Weltmarkt zu erreichen, wurde den ausländischen Direktinvestitionen eine bedeutsame Rolle zugewiesen, da sich ausländische Investoren hohe Integrationsleistungen dem Gastgeberland zukommen ließen. Auch in Bezug auf den Außenhandel erwirken ausländische Direktinvestitionen mehr Leistung, da die Unternehmen in den Entwicklungsländern direkt mit wichtigen dKenntnissen der Industrienationen ausgestattet wurden, um am Welthandel teilzunehmen.[16]

Ein weiterer Faktor des Meinungsumschwungs fiel auf die staatliche Anerkennung von ausländischen Direktinvestitionen als Finanzierungquelle, die das Steueraufkommen positive beeinflusste und ebenso auch die inländische Kapitalbildung. Durch diesen ergänzenden Zufluss an monetären Mitteln wurde die starke Abhängigkeit von den inländischen Banken und Börsen gemildert und Risiken gesenkt.[17]

In Bezug auf die in 2.3 beschriebenen Investitionsmotiven von ausländischen Direktinvestitionen werden einige Vor- und Nachteile für den Meinungsumschwung dargestellt. Unterentwickelte Volkswirtschaften genießen die meisten Vorteile durch effizienz-orientierte Direktinvestitionen, da sie sich in spezielle globale Wertschöpfungsprozesse integrieren können, um komparative Kostenvorteile zu erzielen (Abschnitt 2.3.). Demnach verbessern ausländische Direktinvestitionen die Verbindung von Schwellenländern zu den globalen Handels- und Finanzmärkten und erzeugen einen nationalen Ressourcenvorteil durch die spezialisierte Produktion von kostengünstigen Gütern für den Welthandel.[18]

Ausländische Direktinvestitionen weisen auch dynamische Effekte in Form einer effizienten Verbesserung der Wertschöpfungskette aus. Ausländische Investoren profitieren durch spezifische Vorteile des Inlandes, um gewisse Nachteile seiner Geschäftstätigkeit zu in einem fremden Umfeld zu kompensieren. Andererseits werden Vorteile transferiert, die dem lokalen Unternehmen von Tochtergesellschaften zufließen. Dieser Wissenstransfer kann Ausstrahlungseffekte bewirken, der als Übertragungseffekt beschrieben wird. Diese Übertragungseffekte entstehen durch die Verbreitung von Wissen oder Technologie an Lieferanten und Abnehmer der Tochtergesellschaften in Form von Schulungs- und Weiterbildungssystemen. Ferner werden neue Wachstumspotentiale geschaffen, die auf die umgebenden Unternehmen ausstrahlen. Ein Zusammenschluss und die Verteilung von Wissen in einem lokalen Netzwerk der Profiteure schaffen weitere Wettbewerbsvorteile durch den Austausch. Diese Meinungen vertreten Porter im Jahr 1990 und auch Fairbanks und Lindsay in 1997[19]Zu diesem Ergebnis kommen einige empirische Untersuchungen, da durch ausländische Investoren mehr Beschäftigung und Produktivität entsteht. Es profitieren nicht nur die Unternehmen, die aufgekauft werden, da sich der Wissenstransfer auch auf die Konkurrenz ausbreitet, durch beispielsweise kurzfristige Kooperationsprojekte, Mitarbeiterwanderungen und gleicher Zuliefererunternehmen.[20]

Jüngste Forschungen zeigen allerdings ein ungleiches Bild der Übertragungseffekte auf Unternehmen. Nationale Unternehmen sind multinationalen Unternehmen meist unterlegen, da diese nicht das Absorptionsvermögen für den Informationsfluss aufweisen können. Sie haben somit nicht die Fähigkeit das externe Wissen zu verarbeiten.[21]

Die Kehrseite der Wahrnehmung von ausländischen Direktinvestitionen wird neben der vorangegangenen Thematik, auch dominiert von der Entwicklung der Marktkonzentration. Durch den Markteintritt einer Tochtergesellschaft erhöht sich die Zahl der Wettbewerber, wodurch der Wettbewerbsdruck den inländischen Unternehmen auf Dauer schaden wird. In den meisten Fällen jedoch, werden bestehende Unternehmen durch ausländische Investoren aufgekauft, wodurch kein zusätzlicher Wettbewerb entsteht.[22]

Die Chancen des Weltmarktes und der damit verbundene Transfer und Wissenszuwachs des Inlandes drehte seit den 90er Jahren die Sicht auf die ausländischen Direktinvestitionen. Besondern Schwellenländer und Entwicklungsländern konnten profitieren. Unsicher sind bis heute die zukünftigen Entwicklungen aufgrund von politischen Unsicherheiten in einigen Industrieländern.

2.5 Staatliche Maßnahmen

Im Folgenden werden Gründe für die Förderung von ausländischen Direktinvestitionen aufgeführt und Arten eines Eingriffs des Staates beschrieben.

Der Markt ist das Steuerungsinstrument des Staates, um unter der Annahme der vollständigen Konkurrenz, durch den Preismechanismus ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage herzustellen. Dabei werden Produktionsfaktoren optimal den Anforderungen angepasst.[23]

Diese Annahme trifft auf die wenigsten Märkte zu, da einerseits relevante Informationen für Kleinunternehmen nicht verfügbar sind, wodurch ein Wettbewerbsnachteil entsteht oder die Anschaffungskosten für die Nutzung von neuen Technologien mit zu hohen Fixkosten verbunden sind. Andererseits bringen auch Faktoren wie eine nicht rationale Denkweise von Unternehmen das Marktgleichgewicht ins Schwanken.[24]Auch die ausländischen Direktinvestitionen können den Markt in ein Ungleichgewicht oder Gleichwicht versetzen, wodurch die Wichtigkeit für gesetzliche Rahmenbedingungen begründet ist. In Phasen der Marktablehnung für ausländische Direktinvestitionen können durch staatliche Fördermaßnahmen Anreize geschaffen werden. Diese Fördermaßnahmen lassen sich damit begründen, dass Entwicklungs- und Schwellenländer eine eher geringe inländische Ersparnis aufweisen, wodurch Investitionsprojekte für einen Wirtschaftsaufschwung nicht gefördert werden können. Ein weiterer Faktor sind die damit einhergehenden externen Effekte, durch die weitere Unternehmen profitieren. Der Staat hat mit diesen Anreizen einen Aufschwung zu erwirken.[25]

Die Charaktereigenschaften von staatlichen Fördermaßnahmen können die generelle Steigerung der Attraktivität des Empfängerlandes sein oder die zielgerichtete Förderung einzelner hochspezialisierter Branchen.

Die Instrumente für generelle Fördermaßnahmen haben ein investitionsfreundliches Umfeld zum Ziel. Welches erreicht werden soll durch die Schaffung eines stabilen makroökonomischen Umfelds und einem transparenten und verlässlichen regulatorischen Rahmen, um Diskriminierungen zu vermeiden. Ergänzend sollten Hemmnisse internationalen Handels abgeschafft werden, der Schutz der Eigentumsrechte vorangetrieben werden und ein wettbewerbsfreundliches Umfeld geschaffen werden.[26]Als Grundlage der Messbarkeit können „das Pro-Kopf Einkommen, die Wachstumsrate der Volkswirtschaft, die Inflationsrate, der Leistungsbilanzsaldo im Vergleich zum BIP […]“[27]ausgewählt werden. Qualitative Faktoren der Bewertung können der Stand der Privatisierung, die Öffentliche Sicherheit, das Ausmaß der Korruption oder die Lebensqualität sein.[28]Der Staat kann nach der Sicherstellung der oben genannten Faktoren durch beispielsweisePublic-Private-Partnership-Projektendie ersten Schritte mit ausländischen Investoren gehen. Die Public-Private-Partnership-Projekte sind insofern interessant, da der Staat die Infrastruktur dafür bereitstellt aber der Betrieb über private inländische Anbieter erfolgt.[29]

In Bezug auf die Förderung zielgerichteter Investitionen nimmt der Staat Maßnahmen in Betracht die Kosten zur Mindern, Risiken zu übernehmen oder ganze Branchen zu beeinflussen. Diese Maßnahmen können durch Gesetze oder Verordnungen sowie durch Verhandlungen für spezielle Projekte eingeräumt werden und haben einen fiskalischen, finanziellen oder sonstigen Anreiz für ausländische Direktinvestitionen.[30]

Besonders in Entwicklungsländern werden fiskalische Anreize gesetzt, da es keine finanzielle Basis für andere Anreize gibt. Die Charaktereigenschaften der fiskalischen Anreize belaufen sich auf die steuerlichen Begünstigungen von den unternehmerischen Gewinnen, ausländischen Arbeitskräften und den Investitionen an sich.[31]Im Hinblick auf den Investor werden die steuerlichen Begünstigungen in Form von Sonderabschreibungen oder Investitionsfreibeträgen gewährt. Ausländische Arbeitskräfte werden durch Senkungen in den Sozialabgaben und der Einkommensteuer angelockt. Ergänzend können Handelsabgaben für spezielle Branchen gesenkt werden um den Export zu fördern. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass jene Art von Steuererleichterung als Anreiz für Investoren gilt.[32]

Sofortige Wirkungen bei Anreizen für Investoren werden dagegen von finanziellen Förderungen geschaffen. Dazu kann der Staat direkte Subventionen oder Kredite vergeben oder als Venture Capital Geber risikoreiche Projekte fördern. Ebenso können indirekte Förderungen in Form von subventionierten Krediten, Übernahmen von Garanten und Wechselkursabsicherungen gewährt werden.[33]

Als sonstige Anreize werden staatliche Instrumente betrachtet, die ausländischen Investoren subventionierte Länder, Gebäude, Industrieanlagen zur Verfügung stellen oder Hilfestellung geben in Punkto Informations- und Beratungshilfen durch Weiterbildungen. Ebenso möglich wären Marktbeschränkungen in Form einer bevorzugten Behandlung der Tochtergesellschaften des Investors.[34]

Nach der Betrachtung der Formen und Motive sowie die Rolle des Staates bei ausländischen Direktinvestitionen gilt es nun herauszufinden, wie die globalen Investitionsströme definiert sind und welche Marktteilnehmer die Protagonisten sind. Ferner soll die Rolle Chinas als Investor beschrieben werden.

3 Zu den globalen Trends der Direktinvestitionen

3.1 Zu den Entwicklungen der Investitionsströme

Nach Berechnungen des UNCTAD WORLD INVESTMENT REPORT 2017 beläuft sich die Summe der Direktinvestitionen in 2016 auf insgesamt 1.746 Millionen Dollar und ist damit zwei Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. 1.032 Millionen Dollar wurden in entwickelten Volkswirtschaften (developed economies) investiert, 646 Millionen Dollar in Entwicklungsländer (developing economies) und 68 Millionen Dollar in Übergangswirtschaften (=Transition economies).[35]

Abbildung 1: FDI Inflows[36]

Die Investitionswerte für 2016 zeigen, dass es eine Zunahme an Investitionen in den entwickelten Volkswirtschaften gab und eine Abnahme gegenüber 2015 in den Entwicklungsländern. Die beiden Investitionsgrößen gehen stärker auseinander als in den Vorjahren nach der Finanzkrise. Das globale Investitionsniveau ist weiterhin unter den Rekordniveau in 2007. Für 2017 gibt es hingegen eine bescheidene optimistische Schätzung, die eine Wachstumsrate der globalen Investments von fünf Prozent vorhersagt. Dabei werden die Entwicklungsländer voraussichtlich zehn Prozent hinzugewinnen. Der Treiber dieser Entwicklung werden die asiatischen Volkswirtschaften sein, die ein hohes Vertrauen der Investoren genießen. Dagegen werden ausländische Direktinvestitionen in Afrika, Lateinamerika und der Karibik bescheidener ausfallen, aufgrund der voraussichtlichen Unsicherheiten der makroökonomischen und politischen Perspektive. Die Zuflüsse in die entwickelten Volkswirtschaften werden anhalten. Die Gründe dafür liegen in den höheren Wirtschaftswachstumserwartungen und einem Wachstum im Handel, dabei werden Risiken in steuerpolitischen Änderungen gesehen, wodurch die grenzüberschreitenden Investitionen beeinträchtigt werden können.[37]

[...]


[1]Vgl. Lee, China [Online], 2016

[2]Vgl. Heller, German Mittelstand [Online], 2013

[3]Vgl. Fehr, Chinesen sichern Arbeitsplätze [Online], 2013

[4]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 35

[5]Vgl. UNCTAD (Hrsg.), World Investment Report, 2000, S. 267

[6]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 37

[7]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 34

[8]Vgl. OECD (Hrsg.), Ausländische Direktinvestitionen [Online], 2012

[9]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S.8

[10]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S. 10f.

[11]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S.45 f.

[12]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S.18

[13]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S. 19

[14]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S. 19 f.

[15]Vgl. Brittan, Trade-Investment-Competition], 1998, S.272

[16]Vgl. UNCTAD, WIR [e-Book], 1999, S.229 ff.

[17]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S. 22

[18]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S. 23

[19]Vgl. Panetta, Ausländische Direktinvestitionen [e-Book], 2003, S. 23 f.

[20]Vgl. Keuper, Schunk, Internationalisierung deutscher Unternehmen, 2011, S. 9

[21]Vgl. Keuper, Schunk, Internationalisierung deutscher Unternehmen, 2011, S. 9

[22]Vgl. Keuper, Schunk, Internationalisierung deutscher Unternehmen, 2011, S.9 ff.

[23]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 48 f.

[24]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 49

[25]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 51

[26]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 55

[27]Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 55

[28]Vgl. Keuper, Schunk, Internationalisierung deutscher Unternehmen, 2011, S. 11 f.

[29]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 55 f.

[30]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 56

[31]Vgl. UNCTAD, WIR [e-Book], 1999, S. 14

[32]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 57

[33]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S. 58

[34]Vgl. Hemmer, Krüger, Seith, Ausländische Direktinvestitionen, 2005, S.. 58

[35]Vgl. UNCTAD, WIR [Online], 2017, S. 11

[36]UNCTAD, WIR [Online], 2017, S. 19

[37]Vgl. UNCTAD, WIR [Online], 2017, S. 16

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken von chinesischen Direktinvestitionen. Steuert Deutschland in eine Abhängigkeit von China?
Untertitel
Chinesische Investoren in Deutschland
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
43
Katalognummer
V414456
ISBN (eBook)
9783668650923
ISBN (Buch)
9783668650930
Dateigröße
1784 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen, risiken, direktinvestitionen, steuert, deutschland, abhängigkeit, china, chinesische, investoren
Arbeit zitieren
Jan-Philipp Koch (Autor), 2017, Chancen und Risiken von chinesischen Direktinvestitionen. Steuert Deutschland in eine Abhängigkeit von China?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414456

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